Vielen Dank. – Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin! Ich hätte gar nicht gedacht, dass sich infolge eines doch so schwachen Antrags der AfD noch so eine spannende abendliche Diskussion entwickelt; sie ist wirklich gut.
Tatsächlich gab es in meinem Leben einen Zeitpunkt, an dem ich mir wirklich gewünscht hätte, dass Deutsch die Wissenschaftssprache sei, nämlich als ich vor rund 30 Jahren in meinem Studium während des zellbiologischen Praktikums vor einem „Nature“-Paper saß und das lesen sollte. Ich dachte: Gar nicht so schlecht, aber wie kriege ich das jetzt hin? – Es enthielt ganz viele Fremdwörter, die ich nicht mal im Lexikon fand. Ich habe mich da einarbeiten müssen und dadurch richtig viel gelernt. Und ich habe zwei Dinge gemerkt:
Erstens. Mein Englisch ist zu schlecht. Vielleicht lag das daran, dass das Arbeiterkind auf der Realschule ganz andere Voraussetzungen hatte als der eine oder andere aus einem Elternhaus mit einem anderen Hintergrund, der ins Ausland gefahren ist. Das hat mich zu der Überzeugung gebracht, dass wir kein Kind zurücklassen dürfen, jedes Kind wertschätzen müssen und alle seine Begabungen fördern müssen.
Zweitens. Dadurch, dass ich so viel gelernt habe, habe ich eben auch gemerkt, dass wir eine gemeinsame, internationale Sprache brauchen, über die sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler miteinander verständigen und einander verstehen können. Das habe ich nicht nur auf meinem ersten Kongress gemerkt, sondern auch in den vielfältigen Austauschen danach. Es ist einfach Realität, dass knapp 115 Millionen deutschsprachige Menschen auf der Welt weniger sind als 520 Millionen englischsprachige, von den 1 400 Millionen chinesischsprachigen ganz zu schweigen, und dass das Englische sicherlich mehr Chancen hatte, sich durchzusetzen.
Es stellt sich natürlich noch eine Frage: Wie schaffen wir es, Deutsch für Menschen im Ausland vielleicht interessanter zu machen? Da gibt es in Deutschland ja viele löbliche Ansätze über den DAAD und andere Organisationen, die eben versuchen, Menschen in anderen Ländern über ein Studium für die deutsche Sprache zu interessieren. Das ist doch ein guter Weg, und den können wir fortsetzen.
Der manifestiert sich beispielsweise in der Türkisch-Deutschen Universität, wo auch auf Deutsch gelehrt wird, oder in der Deutsch-Jordanischen Universität, wo es jungen Jordaniern schmackhaft gemacht wird, auf Deutsch zu studieren. Das ist ein so wichtiger wissenschaftlicher und internationaler Aspekt, dass es das weiter zu fördern gilt.
Sie schreiben in Ihrem Antrag – ich danke Herrn Sattelberger, dass er darauf schon eingegangen ist –: Deutsch hätte aber auch die internationale Wissenschaftssprache sein können. – Hätte! Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war Deutschland eines der Hochzentren von Wissenschaft. Gerade im Bereich der naturwissenschaftlichen, ingenieurswissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Publikationen war Deutsch – mindestens – eine der wichtigsten Sprachen. Und dann kamen ebenjene, die die Mehrheit in diesem Land gewannen, die gegen Minderheiten gehetzt haben, die gegen Andersgläubige gehetzt haben, die gegen Demokratie gehetzt und sie verächtlich gemacht haben und die gegen Vielfalt und Freiheit gehetzt haben.
Am Ende stand der größte Exodus von Wissenschaft, den Deutschland je erlebt hat. Und weil das heute Morgen Thema war: Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben daraus gelernt, dass man niemandem die Staatsbürgerschaft entziehen darf. Als Einstein 1933 aus dem Staatsdienst entlassen wurde, hat er seine Staatsbürgerschaft verloren und ist in die USA emigriert. Das war die Lehre: –