Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Begriff „Digitalisierung“ ist überall zu hören. Medien und Politik reden ständig davon, aber auch die Wirtschaft. Schlagworte wie „Blockchain“, „KI“ und „Maschinenlernen“ bestimmen hier die Gespräche.
Spannend wird es doch aber erst, wenn es konkret wird, wenn es zur Umsetzung neuer Technologien kommt, und das passiert ja gerade in Wirtschaft und Gesellschaft. Denn die Digitalisierung ist schon lange in unserem Alltag angekommen. Wir, die Politik, müssen die gesetzlichen Rahmen setzen, um Innovationen zu fördern, Wildwuchs zu vermeiden und das Gemeinwohl zu stärken. Die Vorteile digitaler Innovationen sollten möglichst allen Teilen der Bevölkerung zugutekommen, egal ob im Bauen und Planen, bei der Steuer oder sonst wo.
Heute geht es hier um die Digitalisierung des Planens und Bauens. Unser Ziel ist es, Infrastruktur- und Hochbauprojekte nachhaltiger, schneller, kostengünstiger und vor allen Dingen terminsicherer zu machen. So kann Digitalisierung auch dazu beitragen, Probleme wie Wohnungsmangel in Ballungsgebieten zu entschärfen und auch für Entwicklungsschübe in strukturschwachen Regionen zu sorgen. Gelingen kann uns das vor allen Dingen mit der Methode BIM, dem Building Information Modeling bzw. der Bauwerksdatenmodellierung.
BIM bildet den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ab; es ist sozusagen ein digitaler Zwilling. Alle relevanten Daten werden in einem dreidimensionalen Gebäudemodell erfasst, kombiniert und modelliert, und zwar von der Planung über den Bau bis zum Betrieb und späteren Rückbau bzw. Abriss des Gebäudes.
Diese gemeinsame Arbeit an einem digitalen Baumodell mit realen Daten und ständigem Informationsaustausch in Echtzeit erleichtert auch die Abstimmung zwischen den Planern, Bauunternehmen und Auftraggebern sowie die Prüfung des Bauablaufs, und es ermöglicht allen Beteiligten, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und diesen gegenzusteuern.
Ein Beispiel: Wenn ich ein Gebäude habe, in das ich mehr Türen einbauen möchte, weil es dann vielleicht komfortabler wird, dann kann ich dies in der Planungsstufe in das Modell einarbeiten. Alle Beteiligten sehen dann sofort die Preissteigerung aufgrund der aktuellen Marktlage sowie die erhöhte Leistungszeit, die dann entstehen würde. Dann kann ich sagen: Das passt mir als Bauherr oder als Auftraggeber. – Oder ich sage: Die verlängerte Bauzeit finde ich jetzt doch nicht so gut, mehr Türen finde ich nicht so gut; das streichen wir wieder. – Bevor noch irgendetwas in die Umsetzung gekommen ist, habe ich reagieren können. Es wurde mit allen abgestimmt. – Es ist schneller passiert, als wenn man das erst mal probiert hätte und dann irgendwo in Verzögerung geraten wäre. Man sieht also: Es macht sehr viel Sinn.
Große Wohnungsunternehmen und andere, vor allem international agierende Baufirmen, nutzen BIM bereits. Kleinere und mittlere Unternehmen, die unsere Wirtschaft ja maßgeblich prägen, haben die digitalen Möglichkeiten zwar ebenso schon erkannt, sind mit der Einführung aber noch zögerlich. Warum? Das liegt zum einen an den Kosten, die bei der Umstellung auf BIM entstehen, am Mangel geeigneter Fachkräfte, aber auch an fehlender technischer Kompetenz im Umgang mit digitalen Tools und sensiblen Daten.
Wesentlich für das Zögern vor Investitionen in BIM ist die Frage der Rentabilität; denn noch ist es beim Planen und Bauen in Deutschland keine gängige Methode. BIM kann nämlich nur funktionieren, wenn alle verwertbaren Daten vorhanden sind, eingespeist werden und sich alle dann auch an die Spielregeln halten. Da hapert es noch vor allen Dingen weil es an einheitlichen Standards für die BIM-Methode fehlt und Datenformate zwischen den Systemen oft nicht miteinander austauschbar sind.
Um BIM bundesweit zur Standardmethode werden zu lassen, braucht es also verbindliche Voraussetzungen für die Umsetzung, und genau das ist das Ziel unseres heute vorliegenden Antrags. Das vom Bundesinnenministerium und vom Bundesverkehrsministerium eingerichtete nationale Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens, BIM Deutschland, hat letztes Jahr mit der Arbeit begonnen. Ziel ist es, ein abgestimmtes Vorgehen im Infrastruktur- und Hochbau zu entwickeln. Eine wesentliche Hilfe dabei sind die praktischen Erfahrungen aus der Anwendung des Stufenplans „Digitales Planen und Bauen“ sowie die zahlreichen Pilotprojekte des Bundes.
Aber es bleibt natürlich noch einiges zu tun. Vor allen Dingen braucht es offene und herstellerneutrale Standards für den Datenaustausch sowie einheitliche Normen in Deutschland und in Europa; das wurde ja auch schon angesprochen. Die müssen wir definieren. Nur so können wir die Vereinbarkeit der unterschiedlichen Systeme zwischen Planern, Unternehmen und Verwaltung flächendeckend herstellen.
Wir wollen, dass die öffentliche Hand die Wirtschaft bei der Erarbeitung von Normen auf internationaler Ebene stärker unterstützt und Qualifizierungsangebote im Bereich des digitalen Planens und Bauens unterbreitet. Denn wir müssen uns ja mal fragen, wo das Personal in den kleinen und mittelständischen Betrieben herkommen soll, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter digital zu schulen und in die Gremien zur Normbestimmung entsandt zu werden.
Aber auch die öffentliche Hand, die Bauverwaltungen vor Ort, dürfen wir beim Thema Digitalisierung nicht alleine lassen. Für uns als SPD ist es deshalb besonders wichtig, die Kommunen und Länder dabei zu unterstützen, ihre Planungsverfahren zu digitalisieren und zu standardisieren. Denn nur wenn alle am Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozess beteiligten Akteure, nur wenn Auftraggeber und Auftragnehmer wissen, was sie mit „digitaler Zusammenarbeit“ meinen und auf welcher Grundlage sie zusammenarbeiten, kann die Digitalisierung des Planens und Bauens gelingen. Wir wollen helfen, dieses gemeinsame Verständnis herzustellen.
Aber eins muss dabei klar sein: Wir können uns hier noch so sehr anstrengen – wenn die grundlegenden Voraussetzungen nicht stimmen, könnten diese Bemühungen ins Leere laufen. Deshalb ist es essenziell, endlich beim Breitbandausbau voranzukommen. Hier steht das Wirtschafts- und Infrastrukturministerium in Verantwortung. Wir dürfen die Architekturbüros, Bauunternehmen und Kommunen in der Fläche nicht hängen lassen. Schnelles und zuverlässiges Internet muss überall vorhanden sein; denn auch das gehört zu unserem Ziel, gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland zu schaffen.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind mit diesem Antrag auf einem guten Weg, das digitale Planen und Bauen unter den Bedingungen einer föderalen Verwaltungsstruktur und einer kleinteiligen Wirtschaft voranzubringen. Lassen Sie uns dieses Zukunftsthema als demokratische Parteien progressiv vorantreiben und somit unser Land mit dem Bauen 4.0 fit für die Zukunft machen.
Vielen Dank.