Herr Weingarten, herzlichen Glückwunsch zur ersten Rede.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn Sie sagen, Herr Weingarten: „Die Strategie der Bundesregierung ist genau das Richtige“, dann sage ich: Sie ist langsam, hasenfüßig und geht nicht weit genug. Sie ist genau das Falsche.
Deutschland leidet unter einem massiven Baustau. Wir bauen zu wenig, wir bauen zu langsam, und wir bauen zu teuer. Das hat Folgen: Es fehlen Millionen Wohnungen, Millionen bezahlbare Wohnungen. Deswegen steigen die Mieten nicht mehr nur in den Metropolen. Wir müssen diesen Baustau endlich auflösen. Alles, was Sie tun – Mietenbremse – Preisregulierung, noch mehr Konfrontation statt Kooperation –, behebt das Problem nicht. Das ist Symptomdoktorei. Wer den Mietern Macht geben will, muss Wohnraum schaffen. Da heißt „günstiger bauen“ auch „günstiger wohnen“.
Zur Wahrheit gehört, dass die Bauwirtschaft an ihren Grenzen ist; das ist richtig. Es gibt seit Jahren deutlich mehr Genehmigungen als Fertigstellungen. Die Wohnungen sind in der Pipeline, aber wir kriegen sie halt nicht aufs Feld. Der Fachkräftemangel schlägt bei der Baubranche ein. Was in der Baubranche auch einschlägt, ist eine Politik, die verunsichert, die reguliert, die deckelt, die von Enteignungen schwadroniert, die einfach nicht zuverlässig ist. So eine Politik schafft kein Vertrauen, um Kapazitäten aufzubauen und in neue Technologien zu investieren. Dabei wäre jetzt die Zeit, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.
Die Bauwirtschaft gilt als eine der am wenigsten digitalisierten Branchen in ganz Deutschland. Im Grunde planen und bauen wir noch wie die alten Römer. Dabei sind neue Technologien mittlerweile gang und gäbe. Wir brauchen nur nach Großbritannien zu schauen oder in die asiatischen Länder. Wir haben in Deutschland wieder mal akuten Nachholbedarf. Es wird dringend Zeit, dass wir ein Update im Wohnungsbau einleiten.
Die Digitalisierung des Planens und Bauens heißt vor allem Building Information Modeling. Mit BIM könnten wir schneller bauen. Wir könnten mehr bauen. Wir könnten günstiger bauen. Experten schätzen die Kostenersparnis auf 30 Prozent. BIM, liebe Grüne, macht Bauen auch nachhaltiger. Wenn ich genau weiß, welchen Baustoff ich beim Bau wo eingesetzt habe, dann tue ich mich beim Rückbau und vor allen Dingen beim Recycling leichter.
BIM ist gut für die Umwelt. BIM ist aber auch gut für die Unternehmen, weil es effizienzsteigernd ist. BIM ist auch gut für die Mieterinnen und Mieter, weil wir günstiger bauen können. Es wird Zeit für eine digitale Revolution am Bau. Da muss der Staat Vorreiter werden. Wir müssen im Hochbau und im Wohnungsbau endlich digital werden. Das bedeutet für uns: Die eigenen Bauprojekte müssen zu Leuchtturmprojekten werden. Überall da, wo der Bund mitfinanziert, muss BIM zum Standard werden.
Aber BIM ist nicht das Ende, sondern der Anfang der Digitalisierung. Wenn ich mir hier die Reden anhöre, werte Kolleginnen und Kollegen, dann kann ich nur sagen: Beim Bauen wird es Zeit für Digital first, Bedenken second; sonst wird das nichts.
Vielen Dank.