Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich stehe hier für eine Generation der Chancenverwirklicher, als deren Vertreterin, als Frau, als Politikerin,
die Chancen ergreifen und ermöglichen möchte, die Chancengerechtigkeit fordert, verteidigt und sich dafür einsetzt. Und die Chancenverwirklichung voranbringen möchte.
Alle sagten immer: Das geht nicht. – Bis eine kam, die das nicht wusste und es einfach machte. – Das ist die Generation der Chancenverwirklicher, meine Damen und Herren.
Sie will kein Gegeneinander, sondern sie will ein Miteinander der Geschlechter, sie will die Potenziale bestmöglich entfalten, und zwar unabhängig vom Lebensbereich, und sie will schließlich eine Kultur, ein Umfeld, das genauso modern und fortschrittsoffen ist wie die Welt, in der wir wohnen.
Frauen und Männer sitzen doch eigentlich im gleichen Boot, egal ob es darum geht, Karriere zu machen, oder darum, wie man sich die Elternzeit aufteilt. Aber besonders bedeutend wird dies, wenn beides zusammenkommt; denn es gilt immer noch zu oft ein Entweder-oder, es heißt: du oder ich, Familie oder Führungsposition. Wir Freie Demokraten wollen beides. Wir wollen echte Wahlfreiheit für Eltern, für Familien, für Mütter, für Väter, für jeden und jede Einzelne.
Das ist das, was Chancenverwirklicher tatsächlich wollen.
Wir alle haben unterschiedliche Talente. Diese frühzeitig zu erkennen und zu fördern, und zwar völlig unabhängig vom Geschlecht und von Rollenstereotypen, das ist ein Anfang. Aber auch die Antworten von morgen werden eines entscheidend brauchen, nämlich die MINT-Bildung. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Forschungsgeist, Lösungsentwicklung, Technologienutzung – all das ist das Potenzial, das wir dringend nutzen sollten, wenn wir weiterhin Vorreiter werden wollen. Es ist auch entscheidend, wie wir dafür die Frauen und die Mädchen entsprechend begeistern können; denn eines weiß ich: Sie können es.
Die Frauen, denen ich im Ingenieurstudium immer begegnet bin, waren super smart, aber viel zu wenige, und genau das ist der Punkt: Es waren viel zu wenige. Wir brauchen viel mehr. Dort müssen wir ansetzen. Andere Länder machen es uns vor. Chancenverwirklicher brauchen ein gutes Talentmanagement, strategisches Befördern statt wohlmeinendes Fördern. Wir brauchen einen Pool von Talenten, aus denen die Wirtschaft, die Politik, die Parteien, aber auch die Unternehmen schöpfen können.
Meine Damen und Herren, wenn wir das tatsächlich hätten und wenn wir eine nachhaltige Lösung hätten, dann bräuchten wir heute keine Diskussion über Parität oder Quoten.
Denn was hilft uns eigentlich ein Paritätsgesetz, wenn wir auf kommunaler Ebene Frauen gewinnen wollen? Oder was nutzt uns eine Vorstandsquote, wenn es immer noch nicht in den Köpfen angekommen ist?
Wir sind in einer dynamischen, vernetzten und hochkomplexen Welt. Sie ist so vielfältig und von Veränderungen geprägt. Damit passen starre Quoten für ein Geschlecht doch gar nicht zusammen. Die Berufe und die Teams arbeiten unglaublich unterschiedlich, die Art und Weise ist unterschiedlich, viel vielfältiger, und auch die Digitalisierung unterstützt das weithin.