Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Welt, in der wir leben, wird zunehmend komplexer, und mit ihr die Herausforderungen. Wenn wir diesen in Zukunft erfolgreich begegnen wollen, brauchen wir einen vielfältigen Blick auf die Dinge. Wir brauchen verschiedene Perspektiven für die beste Lösung. Und wir brauchen buntgemischte Teams, Teams, in denen Frauen mitentscheiden und mitführen, meine Damen und Herren.
Aber schauen wir in die Führungsetagen der deutschen Unternehmen, wünsche ich mir mehr Vielfalt. Wie in vielen anderen Ländern: Dort setzt man auf Vielfalt und Veränderung, gerade in der Krise. Da müssen wir auch ansetzen, wenn wir weiter agil und wettbewerbsfähig bleiben wollen. Ihre vorgeschlagenen Quoten werden daran herzlich wenig ändern, meine Damen und Herren. Sie sind weder innovativ noch zielführend.
Mischen wir uns also nicht derart in die unternehmerische Freiheit ein, sondern fragen wir uns vielmehr: Warum ist es so, wie es ist? Warum gelangen zu wenige Frauen bis nach ganz oben? Warum verlieren wir sie auf dem Weg dorthin? Dann werden wir schnell zu den Rahmenbedingungen kommen, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur Unternehmenskultur.
Damit den Frauen der Aufstieg genauso gelingen kann wie den Männern, brauchen wir – erstens – ein Umdenken in den Köpfen, einen Kulturwandel in den Unternehmen hin zu mehr Familienfreundlichkeit und Vielfalt und – zweitens – modernere Strukturen, damit es möglich ist, Verantwortung für Familie und Beruf zu übernehmen. Da sitzen die Killer der Karrieren.
Dabei wünschen sich doch ganz viele Männer in unserem Land in Führungspositionen auch mehr Zeit für die Familie, denn am Ende profitieren beide von mehr Flexibilität, orts- und zeitflexiblem Arbeiten und modernen Modellen wie Jobsharing oder Topsharing, von einem Talentmanagement, in dem Elternzeit als wertvoller Teil der Berufslaufbahn angesehen wird, weil es eben auch für die Führung qualifiziert, und von einer Kultur, die Diversity in allen Facetten schätzt. Im Wettbewerb um die besten Köpfe der Welt werden genau das die wesentlichen Faktoren sein, meine Damen und Herren.
Es ist im Interesse aller Unternehmen, mutig und ambitioniert voranzugehen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der Staat hat dabei auch seine Aufgaben: für die beste Kinderbetreuung zu sorgen und Gesetze nur dort zu ändern, wo es wirklich nötig ist, nämlich beispielsweise bei zeitlich begrenzten Auszeiten für Führungspositionen. In so einem Fall muss unsere Botschaft klar sein: Stay on board! Nimm dir die Auszeit, aber komm zurück ins Unternehmen!
Es ist zutiefst menschlich, Kinder zu bekommen, sich um die Pflege der Eltern zu kümmern oder selbst schwer zu erkranken. So können Führungskräfte – Herr Präsident, ich komme zum Schluss – Werte vorleben und Vorbild sein mit Strahlkraft ins gesamte Unternehmen. So sieht Leadership von morgen aus, und so sieht nachhaltige Veränderung ohne Quote aus.