Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist nicht wertneutral, sondern sie ist eine, die die Integrität von demokratischen Prozessen und von Wahlen schützen möchte – weil wir damit insgesamt die demokratische Willensbildung vor unfairen, intransparenten Anfeindungen schützen möchten.
Der EU-Aktionsplan ist ein Teil unserer Strategie, dass wir diese Werte hochhalten,
weil wir uns wappnen müssen, dass demokratische Wahlen nicht so von außen beeinflusst werden, dass Ergebnisse verfälscht und damit der demokratische Willensbildungsprozess selbst angegriffen wird. Wir schützen damit auch die demokratische Grundordnung.
Jetzt will ich über das Thema Meinungsfreiheit sprechen, weil es auch von Ihnen angesprochen worden ist. In dem Antrag haben Sie einiges dazu geschrieben, was schlichtweg falsch ist. Ich will hier noch mal sagen: Die Meinungsfreiheit wird in unserem Land gewährleistet. Wir müssen auch unbequeme Meinungen anderer aushalten; das ist gar keine Frage. Die Grenze ist aber dort erreicht, wo das Strafrecht beginnt und wo die Menschenwürde angegriffen wird. Da gibt es auch schon viele Äußerungen aus Ihrem Bereich, die hier grenzwertig sind und diese Grenze überschreiten. Aber die Tatsache, dass Sie das alles äußern, zeigt doch, dass die Meinungsfreiheit in unserem Land vollumfänglich gewährleistet ist.
Der Punkt ist aber, dass es keinen rechtlichen Anspruch darauf gibt, keinen Widerspruch ertragen zu müssen. Gegen all das, was Sie sagen, gegen die Art und Weise, wie Sie unsere Gesellschaft umgestalten möchten, haben Sie den Widerstand der Demokratinnen und Demokraten in unserem Land zu erwarten, meine Damen und Herren.
Wir wehren uns auch politisch dagegen, dass Desinformation und Hassrede zum Geschäftsmodell werden, wie es überall in Europa spürbar ist. Die Strategie von Populisten und von Rechtsextremen ist, durch Lüge und durch Desinformation die Integrität von Willensbildungsprozessen in einer Gesellschaft zu unterminieren.
Dagegen wehren wir uns. Wir sind für einen offenen, demokratischen Diskurs.
Herr Kollege Gauland, ich sage abschließend:
Verwenden Sie Ihre Energie darauf,
darüber zu reden und deutlich zu machen, dass Sie sich vom Flügel, von dem Sie gesagt haben, dass er in der Mitte der Partei steht, von Rechtsextremen oder Rechtsradikalen distanzieren.
Wenn Sie den Flügel aus Ihrer Partei in die Mitte der Gesellschaft rücken –
das sage ich abschließend –,
dann gehören auch Sie unter Beobachtung,
weil Sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen wollen.
Herzlichen Dank.