Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Nächstes Jahr feiern wir 1 700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Nicht nur als Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft freue ich mich darüber, dass wir dieses Fest gemeinsam feiern können. Selbstverständlich ist es nicht. Es gab gute und schöne Episoden in dieser Geschichte, und ich zähle auch den vorliegenden Gesetzentwurf ausdrücklich dazu.
Als Liberaler denke ich beispielsweise an den jüdischen Feldrabbiner Leo Baeck, der schon im Ersten Weltkrieg seinen Dienst tat. Rabbiner Baeck war einer der bedeutendsten Vertreter des liberalen deutschen Judentums. An seinem Beispiel lassen sich die unfassbaren Gräuel beschreiben, die Deutsche ihren jüdischen Mitbürgern angetan haben. Er wurde 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt inhaftiert – ein Mann, der sich für sein Land eingesetzt hat, ein Mann, der Seite an Seite mit seinen Kameraden aller Konfessionen gedient hat. Auch ihn hat man nur wenige Jahre später verfolgt und inhaftiert, allein aufgrund seines Glaubens. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das darf nie wieder passieren.
Die Wiedereinführung der jüdischen Militärseelsorge ist dafür ein richtiger und wichtiger Schritt. Heute, nachdem Nazideutschland vor 75 Jahren glücklicherweise besiegt wurde – wir haben letzte Woche daran erinnert –, haben wir damit ein Zeichen gesetzt: Jüdische Deutsche sollen sich überall zu Hause fühlen, auch in der Bundeswehr. Jüdisches Leben gehört in jeden Bereich unserer Gesellschaft, auch in unsere Truppe. Derzeit gibt es rund 300 jüdische Soldaten. Wir können uns glücklich schätzen, dass nach der Shoah heute Jüdinnen und Juden als Staatsbürger in Uniform in unserem Land ihren Dienst tun. Die Einführung der jüdischen Militärseelsorge ist ein Zeichen des Respekts genau für diesen Dienst.
Meine Damen und Herren, die Militärseelsorge ist grundsätzlich ein wichtiger Bestandteil der Truppenbetreuung. Sie geht aber weit über religiöse Belange hinaus. Zukünftig wird es auch nichtjüdischen Soldaten möglich sein, mehr über lebendiges Judentum zu erfahren. Die jüdischen Militärrabbiner betreuen alle Soldaten, wie es ihre christlichen Kollegen auch tun. Als Teil der Inneren Führung wird bereits Lebenskundlicher Unterricht von Militärseelsorgern übernommen. Daran wird zukünftig auch das Judentum teilhaben.
Bildung über das Judentum und die jüdische Geschichte ist besonders in Deutschland elementar. Wir haben hier eine besondere Verantwortung. Jüdische Militärrabbiner können helfen, Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen und diese durch Wissen ersetzen. Sie können helfen, dass das Interesse von Jüdinnen und Juden an der Bundeswehr steigt. Sie können Brückenbauer sein. So einfach ist das. Ich habe die Hoffnung, dass zukünftig in unseren Kasernen neben dem Weihnachtsbaum auch die Chanukkia leuchtet.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.