Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin sehr dankbar für die Korrektur, dass wir heute über Sanitärversorgung und nicht über Sanitätsversorgung sprechen. Ein kleiner Buchstabe macht den Unterschied.
Es ist ein sehr wichtiges Thema: Wasser, Trinkwasser. 2 Milliarden Menschen sind ohne Zugang zu frischem Trinkwasser. Ich glaube, das kann uns nicht egal sein. Aber die Weltgemeinschaft hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 Trinkwasser für alle und eine entsprechende sanitäre Versorgung zu ermöglichen. Aber ich befürchte, wir werden es nicht schaffen, wenn wir uns nicht mehr anstrengen als bisher.
Die Technik für sauberes Wasser ist da, die Mittel sind da. Warum scheitert es denn trotzdem?
Erster Punkt: schlechte Regierungsführung. Ich will Ihnen nur ein Beispiel nennen. Denken Sie zum Beispiel an Kongo, ein wasserreiches Land: An Wasser mangelt es nicht; an Rohstoffen, an Reichtum mangelt es auch nicht. Aber es gibt eine schlechte Regierungsführung, eine Regierung, die sich wenig Gedanken um die eigene Bevölkerung macht. Daran müssen wir arbeiten, und dabei sind Maßnahmen im Bereich der Bildung und der Korruptionsbekämpfung sowie der Förderung einer guten Regierungsführung das Mittel der Wahl.
Der zweite Punkt ist: Der Wasserbedarf steigt; er steigt mit einer exponentiell wachsenden Weltbevölkerung – einmal, weil sie mehr Trinkwasser braucht, und andererseits, weil sie auch mehr Nahrung braucht. Denken Sie an das ganze Wasser, das für die Bewässerung von Feldern gebraucht wird.
In vielen semiariden Staaten sind die Wasservorkommen aufgebraucht. Die unterirdischen Grundwasserseen aus vergangenen Geschichtsepochen werden langsam aufgebraucht. Damit haben wir uns bisher ein bisschen beholfen, aber das wird nicht reichen.
Nehmen wir zum Beispiel Gaza. In Gaza wohnen 2 Millionen Menschen, 5 000 Einwohner pro Quadratkilometer. Das ist eine immense Zahl. Und die Bevölkerung wächst. In 20 Jahren wird sie sich verdoppelt haben. Das Grundwasser ist aber komplett erschöpft durch Tausende illegaler Brunnen, die das Grundwasser sozusagen nach oben gesogen haben, ein Vakuum haben entstehen lassen. Und das salzige Mittelmeerwasser drückt nun in das Grundwasser hinein, sodass es eigentlich nicht mehr nutzbar ist. Es fehlt eine Entsalzungsanlage im Gaza. Das wäre ein konkreter Vorschlag. Eine Entsalzungsanlage würde Gaza Trinkwasser bringen.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hatte dort einen Erfolg zu verbuchen: Für das Abwasser, die Kloake, die bisher in das Grundwasser versickert oder einfach ins Mittelmeer weitergeleitet worden ist, gibt es jetzt eine neue Kläranlage, die hoffentlich nach jahrelangen Verzögerungen in Betrieb gehen wird, finanziert durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und durch die KfW.
Der dritte Punkt, den ich ansprechen muss, ist fehlendes Management bei der Benutzung von Wasserquellen. Ich glaube, hier kann Deutschland viel zur Verbesserung beitragen. Trinkwassersperren sind nicht umsonst. Auch Entsalzungsanlagen sind nicht umsonst. Einer muss sie bezahlen. Deshalb ist die Idee, Wasser gratis abzugeben, keine gute. Wasser braucht einen Preis, weil Wasser ein knappes Gut ist.
Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass es auch in den Ländern im globalen Süden möglich wird, dass die Leute sich das Wasser leisten können. Das können sie nur dann, wenn es Arbeit und Einkommen gibt. Dafür müssen wir sorgen: dass eben in diesen Ländern diese Möglichkeiten geschaffen werden und nicht die Globalisierungsgewinne, die wir einst hatten, jetzt durch den Shutdown aufgrund von Corona verloren gehen.