Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wie wir alle wissen: Durch die Coronakrise haben regionale Bauernmärkte und Biokistenvertreiber einen fulminanten Aufschwung erfahren. Ah, ja! Aber woran liegt das? Nicht nur daran, dass sich Leute, die jetzt Fremdkontakte scheuen, das Essen nach Hause liefern lassen. Nein, Gesundheitsaspekte und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Dazu gehören aus meiner Überzeugung auch regionale und saisonale Erzeugnisse unserer heimischen Landwirtschaft.
Unsere Produkte haben Qualität; das schätzen die Bürger, und das auch zu Recht. Die Landwirte leisten tagtäglich großartige Arbeit und sind innovativ. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Großmutter bereits vor über 25 Jahren als eine der Ersten in der Region mit Direktvermarktung begonnen hat. Sie wurde von vielen Seiten belächelt. Stellen Sie sich das einmal vor: eine Frau, die damals den Mut hatte, unternehmerisches Geschick mitbrachte und den richtigen Riecher für diese Zukunftsentwicklung hatte! Sie wurde belächelt. Heute hingegen – schauen Sie! –: regionale Märkte nahezu überall und moderner denn je.
Aber im Gegensatz zu Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen der Linken, bin ich nicht der Ansicht, dass es ohne Globalisierung geht. Wir werden auch weiterhin Futtermittel und Bananen importieren müssen.
Also suggerieren Sie nicht, dass eine „verbesserte“ Eiweißstrategie alle Probleme lösen wird.
Auch eine ausschließliche Extensivierung der Landwirtschaft hierzulande wird allgemein zu mehr Hunger und Not führen. Es ist nämlich unsere Landwirtschaft, die uns satt macht; dessen müssen wir uns tagtäglich bewusst sein.
Aber während Sie von „erpresserischen Großkonzernen“ und „landwirtschaftsfremden Investoren“ sprechen, denke ich bei der Landwirtschaft an die Landwirte in meinem Wahlkreis, die Milchtankstellen eröffnen, die Alpakawanderungen anbieten und die Eier- und Fleischautomaten aufstellen. Sie selbst entwickeln innovative Ansätze – trotz der bösen, bösen Industrie. Da kommen wir zum eigentlichen Punkt: Ohne diese böse Industrie, die Sie immer anzweifeln, könnten wir uns Ihre sozialen Wohltaten gar nicht leisten, die Sie großzügig tagtäglich verteilen wollen.
Dann komme ich auch gern zu den Grünen: Lassen Sie doch den Verbrauchern die Wahl. Deshalb plädiere ich im Bereich der Ernährung für mehr Forschung und Bildung. Ich fordere mehr Langzeit- und Interventionsstudien, um klare Aussagen über „gesund“ und „ungesund“ treffen zu können, und diesen Erkenntnisgewinn aus der Forschung können wir dann an Schulen, Universitäten, in Kindergärten und bei der Ausbildung vermitteln.
Aber auch die Eltern haben eine Schlüsselfunktion. Wenn wir sie und die Kinder erreichen und in den Schulen für Ernährung sensibilisieren, dann braucht sich der Staat nicht einzumischen, was die Familien am Abend auf dem Tisch haben.
Also: Auf ein besseres Gespür für das, was wir unserem Körper zumuten, für die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit, Bewegung und Ernährung, darauf kommt es an.