Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geht es Ihnen wie mir? Wenn ich an einen Cowboy denke, sehe ich ihn mit Zigarette im Mund. Was für ein Klischee!
Ursache dafür ist die Werbung, die uns alle, bewusst oder unbewusst, seit Jahrzehnten begleitet. Gut, dass damit jetzt Schluss ist!
Denn nicht nur mehrere dieser Marketingcowboys, sondern viele Millionen Menschen sind über die Jahrzehnte an den Folgen des Rauchens gestorben. Neue Konsumenten und in den letzten Jahren vor allem auch Konsumentinnen
werden schon in jungen Jahren von der Werbung abgeholt und viel länger, als ihnen selber lieb ist, im wahrsten Sinne des Wortes bei der Stange gehalten.
Nun endlich bekommen Jugend- und Gesundheitsschutz Vorrang vor Gewinninteressen.
Das war ein dickes Brett. Es hat viel zu lange gedauert – 17 Jahre, möglicherweise sogar noch länger –, und Teile der Union haben hier massiv gebremst.
Ich bin dankbar für so viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die beharrlich geblieben sind, auch innerhalb der Union gegen den Strom geschwommen sind, sodass wir jetzt zu diesem Ergebnis gekommen sind.
Ein ganz besonderes Danke geht aber auch an die Menschen in der Zivilgesellschaft, die sich seit Jahren für Gesundheits- und Jugendschutz einsetzen: das Deutsche Krebsforschungszentrum, SumOfUs, Bündnis Nichtraucherschutz, Unfairtobacco und viele andere. Danke, dass ihr nie aufgegeben habt!
Doch reicht das Gesetz, das wir heute beschließen, aus? Es ist ohne Frage ein Meilenstein, mit dem wir endlich zu allen anderen EU-Staaten aufschließen, in denen längst keine Cowboys und Cowgirls mehr eine trügerische Nikotinwelt versprechen. Wir müssen den Blick aber auch auf neue Werbestrategien richten, vor denen die WHO immer warnt. Und die WHO ist auch hier eine gute Ratgeberin.
Vor diesem Hintergrund entpuppt es sich als unnötiges Trostpflaster für die Industrie, dass sie für Tabakerhitzer und E-Zigaretten weiter – mit langen Übergangsfristen – werben darf. In der Anhörung gab es sehr deutliche Töne von den Sachverständigen: Auch diese Werbung braucht kein Mensch.
Ihr zusätzlicher Alibiantrag kann über diese Lücke leider auch nicht hinwegtäuschen. Wir, Bündnis 90/Die Grünen, hätten uns deutlich schnellere und umfassendere Regelungen gewünscht; denn was man für richtig hält, kann man doch auch gleich tun.
Dieses Gesetz ist aber ein so entscheidender Schritt für mehr Gesundheitsschutz, und es war so lange überfällig, dass wir heute gerne zustimmen.
Vielen Dank.
– Ich werde das tun, was ich tun kann. Wir werden das im Protokoll überprüfen – ob Ihnen das passt oder nicht.
– Wenn Ihre Bemerkung keines Ordnungsrufs würdig ist, dann werden Sie keinen bekommen,
und wenn wegen Ihrer Bemerkung ein Ordnungsruf nötig ist, dann werden Sie diesen Ordnungsruf bekommen, werter Kollege.
Die nächste Rednerin in dieser Debatte: Daniela Ludwig für die CDU/CSU-Fraktion.