Nein, der Kollege hatte Redezeit genug. – Das Rangieren mit Fahrzeugen ist im Dunkeln schwieriger. Die Qualität der Arbeiten kann in der Nacht leiden. Es gibt viele Arbeiten, die aus Lärmschutzgründen nachts nicht stattfinden können. Zudem müssen Lenkzeiten von Zulieferfirmen beachtet werden. Wir sollten auch die Kosten von Nachtbaustellen nicht vernachlässigen.
Daher sage ich: Nachtbaustellen sind möglich, es gibt sie auch, aber sie müssen in jedem Einzelfall begründet werden. Sie taugen nicht als pauschales Modell.
Im Regelfall wird bei längeren Baustellen das Tageslicht für die Bauarbeiten voll ausgenutzt. Insbesondere bei kurzen Baustellenarbeiten, die am Wochenende und über Feiertage hinweg durchgeführt werden können, wird auf Nachtbaustellen zurückgegriffen.
Ich will es noch einmal sagen: Bei jeder einzelnen Entscheidung darüber, wo wir eine Nachtbaustelle einrichten, müssen wir das Nutzen-Kosten-Verhältnis errechnen. Es ist ja nicht so, dass das per se günstiger wäre, sondern das ist in der Regel teurer. Deshalb müssen wir diesen Wirtschaftlichkeitsnachweis immer führen.
Im Übrigen ist für den Verkehrsfluss gar nicht entscheidend, für wie lange eine Baustelle eingerichtet ist, sondern wie viel Fahrstreifen verfügbar sind. Wenn der Verkehrsfluss aufrechterhalten werden kann, dann gibt es in der Regel gar keinen Bedarf, über die normalen Arbeitszeiten hinaus zu arbeiten.
Weiter schlagen Sie eine Beschränkung der Länge von Baustellen vor. Schon heute gilt in Deutschland: Baustellen sollen möglichst nicht mehr als 12 Kilometer Länge aufweisen. Auch hier sage ich: Eine starre, politisch festgelegte Grenze macht keinen Sinn, sondern wir müssen im Einzelfall schauen: Was ist sinnvoll? Können wir einzelne Bauabschnitte zusammenlegen? Ist das wirtschaftlicher? Geht das dann schneller? Das ist oft so. Dann wird die Baustelle eben etwas länger. Ansonsten machen wir hier das, was sinnvoll ist. Insofern: Starre, politisch festgelegte Grenzen sind hier nicht das Maß, das wir anlegen sollten.
Der dritte Vorschlag, den Sie machen: konsequente Freigabe des Seitenstreifens. Das ist bereits heute gängige Praxis. Man hätte sich besser einmal informiert, was heute schon gilt: An allen Baustellen wird versucht, die bestehende Fahrstreifenzahl aufrechtzuerhalten. Es wird nur dann darauf verzichtet, wenn dies die Sicherheit der Bauarbeiter und den Ablauf der Arbeiten beeinträchtigen könnte.
Es gibt bessere Wege für kluges Baustellenmanagement, als von Ihnen in dem Antrag beschrieben ist. Da die Baustellen auch in dieser Anzahl notwendig sind, ist ein intelligentes Verkehrsmanagement der Schlüssel zur Optimierung des Verkehrsflusses in der bestehenden Infrastruktur. Durch die Autobahn GmbH wird ab dem 1. Januar 2021 ein länderübergreifendes Baustellenunterhaltungsmanagement die Regel. Zudem wird zeitgleich die Verkehrszentrale Deutschland in Frankfurt ihre Tätigkeit aufnehmen und die Verkehrsmengen auf den Autobahnen digital koordinieren.
Der zweite Punkt. Digitales Bauen und Planen ist das Gebot der Stunde. Durch die Anwendung von Building Information Modeling werden zusätzliche Synergiepotenziale bei der Planung und Durchführung von Baustellen entlang von Autobahnen gehoben.
Deshalb sage ich als Fazit: Das bestehende System funktioniert. Viele Verbesserungen sind bereits auf dem Weg.
Den Antrag, den Sie vorgelegt haben, brauchen wir nicht.