Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – das verbirgt sich nämlich hinter dem Kürzel MINT – gehören zu moderner Bildung. Warum? Weil wir solche großen Nummern wie Klimawandel, Digitalisierung der Gesellschaft, Demokratieentwicklung, eine gerechte Weltwirtschaft und Nachhaltigkeit nicht einfach über uns ergehen lassen dürfen, sondern weil wir sie aktiv mitgestalten müssen.
Dafür müssen kleine und große Menschen sich üben im Mitgestalten und im Mitentscheiden, eben nicht nur im Simulieren. Sie müssen naturwissenschaftliche und technische Sachen verstehen lernen und verändern können. Das braucht mehr als Anwenderqualitäten, meine Damen und Herren. Es geht immer noch um Bildung. Bücher lesen, programmieren, experimentieren, Kunst gestalten, kritisieren lernen, mit Abstand Dinge tun, hinter die Kulissen gucken, all das lernt man, wenn es gut läuft, in Kita und in Schule. Die wiederum brauchen dafür Profis verschiedener Ausbildungen: Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Wissenschaftlerinnen, Handwerkerinnen, Künstlerinnen,
eigentlich so viel, wie es geht, und sie brauchen gute Lehr- und Lernmittel. Von all dem gibt es zu wenig. Das sind die Bildungsbremsen. Das muss an jeder passenden Stelle immer wieder gesagt werden.
Ich will auf vier Punkte aufmerksam machen, für die wir uns auch mit unserem Antrag starkmachen:
Erstens. Naturwissenschaftliche Bildung darf kein Eliteprojekt bleiben. MINT-Bildung muss für alle – ich betone: für alle – Schülerinnen und Schüler zugänglich werden. Das darf eben nicht nur eine allgemeine Phrase bleiben, sondern dafür müssen sich Praktiken und Denkweisen verändern. Mit anderen Worten: MINT-Bildung muss dort initiiert werden, wo man gemeinhin eben keine Talente vermutet: in Schulen, die in Brennpunktvierteln liegen und die mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Es bedarf einer Ansprache, die an die Lebenswelt ebendieser Kinder anknüpft, und es bedarf der Themen, die sie in ihrem Alltag – und der unterscheidet sich gelegentlich von dem der anderen – interessieren.
Zweitens. Ich finde, naturwissenschaftliche Bildung darf kein Männerladen bleiben; hierzu ist erfreulicherweise schon einiges gesagt worden. Wir sind immer noch richtig schlecht: In den MINT-Berufen gibt es einen Frauenanteil von 16 Prozent. Noch schlechter sind wir bei der MINT-Berufswahl: Hier liegt der Frauenanteil bei 8 Prozent. Das heißt, aus der Sicht von Frauen, genau genommen aus der Sicht der Gesellschaft, geht es weiter bergab. Hier müssen wir aufmerksam sein.
Hier gilt es, früh anzufangen, schon in der Kita. Es geht darum, Vorbilder im Alltag zu erleben. Das geht im Übrigen am besten durch Ganztagsschulen. Lehrkräfte müssen sensibilisiert werden. In der Studieneingangsphase müssen die Studierenden, vor allen Dingen die jungen Frauen, begleitet werden. Wichtig ist auch, dass man mit Frauen – lassen Sie mich das so zugespitzt formulieren – nicht umgeht wie mit kranken Pferden, sondern dass man sie auf Augenhöhe unterstützt.