Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ministerin hat bei der Betrachtung der Lebensphasen schön formuliert, dass man am Älterwerden nicht vorbeikommt. Richtig. Man kann aber auch sagen: Das Beste kommt zum Schluss. Das ist wie so ein Krabbencocktail, wo Sie sich auch die dickste Krabbe bis zum Schluss aufbewahren. Das Leben könnte man durchaus mit diesem Krabbencocktail vergleichen.
Deswegen müssen wir uns um ein gutes Leben im Alter kümmern.
Ich bin froh, dass wir diese Debatte führen. Eine Erkenntnis sollte sein, dass wir häufiger über die Lebensmodelle, Lebensphasen von Seniorinnen und Senioren in Deutschland reden müssen, auch hier im Deutschen Bundestag, und das breiter aufstellen; denn bei dieser Lebensphase geht es um mehr als nur um die Frage der Digitalisierung oder die Frage danach, wie es in den Pflegeeinrichtungen aussieht. Vielmehr brauchen wir einen Gesamtansatz, wie man die Seniorenpolitik weiterentwickeln kann. Da haben wir viel getan. Ich teile das, was die Ministerin gesagt hat: Dieses Thema ist der Großen Koalition wichtig. Das sieht man an vielen einzelnen Projekten und Maßnahmen. Daran werden wir auch weiter arbeiten.
Es ist deswegen klug, zu fragen: Wie bringen wir, in der Nachbetrachtung des Berichts, heute und in den nächsten Wochen drei Dinge zusammen? Nämlich die Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren, die aktuelle, schwierige Situation in der Coronapandemie und die Fragestellung: Wie kann Digitalisierung helfen?
Gerade beim Thema Lebenssituation geht es für viele Seniorinnen und Senioren um Teilhabe. Es stellt sich die Frage: Wie leben diese Menschen? Ich will nur daran erinnern, dass wir in der Großen Koalition auch gesagt haben: Das Thema Einsamkeit kann mehrere Lebensphasen betreffen: die ganz jungen Menschen, die nur noch irgendwie eine Wischbewegung auf Mobilgeräten kennen, leiden unter Einsamkeit; ebenso die mittlere Generation, die drei Wochen das Projekt in der Stadt A, dann drei Wochen das Projekt in der Stadt B durchleben muss; insbesondere betrifft Einsamkeit aber die Seniorinnen und Senioren.
Deswegen möchte ich noch ganz kurz zurückkommen auf die Ausschusssitzung, die wir hatten. Die Kollegin Schulte berichtete sehr eindringlich über die Lebenssituation von vielen Menschen jetzt in der Coronapandemie, was sie erleben und erleiden, nämlich weniger Kontakte, soziale Isolation. Da gab es den Zwischenruf eines Kollegen der AfD, der sagte: Da haben Sie doch selbst Schuld, nehmen Sie doch das schwedische Modell! – Ich will nur eines sagen: Wenn – und da bin ich bei Kant – die Würde den Menschen zu einem besonderen Lebewesen macht, dann ist es auch unser aller Aufgabe, das Leben zu schützen, weil es die höchste Gabe ist an Würde, die wir bewahren können. Wenn das das Ziel ist, dann ist es auch in dieser Coronapandemie wichtig, gerade die Seniorinnen und Senioren zu schützen.
Wenn ich dann so eine laxe Bemerkung wie „Nehmen Sie doch das schwedische Modell!“ höre, dann kann ich nur sagen: Was wäre denn die Konsequenz gewesen? Wir mussten es ertragen, dass 10 000 Menschen in Deutschland verstorben sind während dieser Coronapandemie. Weitestgehend betroffen waren Seniorinnen und Senioren. In Schweden waren es „nur“ 6 000 – aber in Schweden leben auch nur 10 Millionen Menschen.