Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wir sind keine christliche Partei. Wir sind eine deutsche Partei, die sich bemüht, deutsche Interessen wahrzunehmen.“ Das sagte Alexander Gauland in „Christ & Welt“ 2016. Recht hatte er; die AfD ist wahrhaftig keine christliche Partei.
Angesichts dieser richtigen Feststellung ist die Dreistigkeit, ausgerechnet heute, gezielt kurz vor Weihnachten, einen Bundesbeauftragten zur Bekämpfung von Christenfeindlichkeit zu beantragen, die maximal mögliche Verhöhnung und Verspottung von Musliminnen und Muslimen, Jüdinnen und Juden in diesem Land.
Nicht nur das: Sie ist auch noch eine Verspottung aller Christinnen und Christen, die Sie für Ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchen und auf deren Rücken Sie Anschluss aus Verzweiflung über mangelnde Unterstützung suchen.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht nur dies sagte Herr Gauland; 2019 wies er im ARD-Sommerinterview auch noch darauf hin, dass die AfD dagegen wäre, dass die Kirchen – und nach meinem Verständnis haben Kirchen normalerweise etwas mit Christentum zu tun – sich in die Politik einmischen und politische Antworten geben. Jetzt stelle ich Ihnen die Frage: Wieso mischen Sie sich denn in religiöse Fragen ein und behaupten, christliche Antworten geben zu können? Ich sehe da eine gewisse Inkonsistenz.
Aber wir sind kurz vor Weihnachten, wir sind geprägt auch von christlichen wie humanistischen Werten, und einer ist die Feindes- und Nächstenliebe. Im Sinne dieser Feindesliebe möchte ich auch der AfD meine Wertschätzung ausdrücken,
meine Wertschätzung für Ihre Transparenz und Durchschaubarkeit; denn die Motive Ihrer Anträge sind maximal durchschaubar.
Sie interessieren sich genau dann für Terror, wenn sich damit Stimmung machen lässt gegen Islam und Musliminnen und Muslime. Sie interessieren sich genau dann – und nur dann – für die Rechte von Frauen, wenn sich damit Stimmung machen lässt gegen Musliminnen und Muslime. Sie interessieren sich genau dann für Antisemitismus, wenn dies zur Stimmungsmache gegen Geflüchtete und Musliminnen und Muslime geeignet ist.
Und nicht nur das; Sie steigern das Ganze auch noch. Wenn es antisemitische Vorfälle und Muster in Ihren eigenen Reihen gibt, schweigen Sie; aber Sie stellen Anträge zur Bekämpfung des Antisemitismus. Wenn in Ihren eigenen Reihen gegen Bischöfe, gegen Repräsentanten der Kirche gewettert wird: kein Wort. Aber Sie stellen Anträge zur Bekämpfung von Christenfeindlichkeit.
Und – auch das ist heute in Ihren Anträgen wunderbar passend vorgeführt – Sie klagen an, dass dieses Land zu leiden hätte unter Hunderttausenden von Geflüchteten. Und dann paktieren Sie mit Assad, stellen ihn als einen Wahrer von Menschenrechten und Religionsfreiheit dar, obwohl Assad einer der Hauptgründe ist, warum sich Hunderttausende von Syrerinnen und Syrern auf die Flucht begeben haben.
Um es kurz zu sagen: Sie paktieren mit Fluchtursachen, und Fluchtursachenbekämpfung ist AfD-Bekämpfung.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir wollen ja über christliche Botschaften reden, daher möchte ich in diesem Moment an ein paar Widersprüche erinnern. Die christliche Botschaft spricht von Nächsten- und Feindesliebe; ich erwähnte das. Was Sie praktizieren, sind Hass und Missgunst.
Ergo: Die AfD ist eine christenfeindliche, antichristliche Partei.
Das Christentum – Stichwort „Bergpredigt“ – verbreitet Toleranz. Sie stehen für Intoleranz. Die AfD ist eine antichristliche Partei.
– Lesen Sie lieber mal die Bergpredigt; ich würde es Ihnen empfehlen.
Das Christentum sagt unter anderem: Warum siehst du den Splitter nur im Auge deines Bruders, aber nicht den Balken in deinem eigenen? – In Ihren Augen sind 500 Balken, und ich würde Ihnen dringend raten, erst mal die Balken zu sehen und nicht immer die Splitter bei den anderen zu suchen. Und auch das ist eine christliche Botschaft. Sie haben sich aber leider nie mit dem Christentum ernsthaft auseinandergesetzt; das ist Ihr Problem.
Christentum bedeutet – heutzutage erst recht – Anerkennung von Religionsfreiheit. Was Sie tun, ist Missachtung von Religionsfreiheit. Christentum steht für Milde und Gelassenheit.
Sie stehen – Frau von Storch, Sie haben es eben wieder vorgeführt – für Hysterie, Daueraufgeregtheit und Hetze.
Die AfD ist eine christenfeindliche und antichristliche Partei.
Das Christentum steht für Empathie, steht dafür, mit den Schwachen und Verfolgten zu stehen, sie zu unterstützen. Sie leben davon, immer neu Schwache, Verfolgte und Arme auszuweisen und Schwache und Schwächere gegeneinander auszuspielen. Die AfD ist eine antichristliche, christenfeindliche Partei.