Frau Müller-Gemmeke, Sie haben gerade gesagt, es würde gearbeitet, als wenn es keine Pandemie gäbe. – Ehrlich gesagt, das trifft überhaupt nicht meine Beobachtungen. Ich kenne in Berlin überhaupt keinen Betrieb, der für seinen Bürobetrieb nicht irgendeine Form von Pandemiekonzept hat. Ich kenne gar keinen.
Ich lese auch in den sozialen Medien oder in irgendwelchen nicht repräsentativen Umfragen wie in der „Zeit“, dass es offensichtlich solche Fälle geben soll,
und dann müssten wir gegen diese Fälle in der Tat etwas tun. Da brauchen wir aber wirklich keine Arbeitsschutzverordnung.
Ich glaube, dass das, was der Bundespräsident morgen zusammen mit dem DGB und dem BDA vorhat, der erste richtige Schritt ist, nämlich: Wir führen jetzt in einem Appell allen Beschäftigten und allen Arbeitgebern vor Augen,
wie wichtig das Thema Homeoffice ist – da sind wir uns ja einig –, und fordern sie auf, dass sie da mehr tun sollen.
In der Tat brauchen wir mehr Homeoffice. Wir brauchen natürlich auch mehr Schichtdienste, und wir brauchen mehr Testungen.
Ihr Antrag spielt ja ein bisschen auf die Frage an, ob die Mutationen uns nicht noch mal zu weiteren Maßnahmen zwingen werden.
Das ist heute Abend noch nicht mit Gewissheit zu sagen. Ich glaube, wir hoffen alle, dass das nicht notwendig ist.
– Aber wenn das so ist, dass Ihr Antrag präventiv ist, dann hätten Sie es reinschreiben sollen. – Wenn dem so wäre, dann gäbe es aus unserer Sicht bessere Maßnahmen.
Wie wäre es denn mit einer Obergrenze für das gleichzeitige Nutzen von Büros? Das machen ja auch viele. Ich kenne eine Anwältin, die kommt morgens um 5 Uhr und ist um 9 Uhr wieder raus aus ihrem Büro, damit dann eine Angestellte da arbeiten kann.
Die regeln das halt mit so einer Schichtlösung. Da steht aber in Ihrem Antrag nicht drin.
Ich persönlich kann mir vorstellen, dass wir sagen: Wir entzerren das weiter, wir entzerren das auch in Produktionsbetrieben. Wie damals beim gestaffelten Schulbeginn wollen wir einen gestaffelten Schichtbeginn.
Nun muss man sagen, dass viele, viele Großbetriebe ja schon sehr gute Konzepte haben und auch noch intensiv Statistik darüber führen. Ein DAX-Konzern rechnet vor, dass nur 5 Prozent derjenigen in der Belegschaft, die mit Corona infiziert sind, sich auch im Betrieb angesteckt haben. Das heißt, das Risiko draußen ist größer als das Risiko drinnen mit Pandemiekonzept.
Wenn es schlecht laufen sollte, dann wäre es aus meiner Sicht richtig, dass wir neben der Obergrenze für das Büro und Homeoffice-Geboten – das ist ja das Thema Ihres Antrags – weitere Pandemiekonzepte erwarten. Ich warne davor, die Wirtschaft in weitem Umfang runterzufahren. Das wird alles noch viel teurer als das vorherige – auch mit unglaublichen sozialen Folgen, nicht nur wirtschaftlichen Folgen.
Und ich warne davor, dass ein Lockdown auch für Europa schlechte Folgen hat. Der Lockdown der deutschen Wirtschaft führt dazu, dass wir faktisch die Lieferketten für ganz Europa unterbrechen werden.
Insofern: Ich verstehe die Intention Ihres Antrags, aber ich kann ihm leider nicht zustimmen.