Zum Inhalt springen
212. Sitzung
Donnerstag, 25. Februar 202119. Wahlperiode, 212. SitzungGeschlechtergerechtigkeit und Diversität stärken und auf allen Führungsebenen verankern
6 VermerkeReaktionswert: lebhaft323 Wörter Zwischenfrage Im Protokoll lesen

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frauen dürfen mitmachen, aber nur ein bisschen. – Das ist die Botschaft, die von Ihrem Gesetzentwurf ausgeht. Und das reicht nicht. Es reicht nicht, weil Frauen führen wollen und weil sie es können.

Es reicht nicht, weil die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stockt, wenn es keinen Kulturwandel in den Führungsetagen gibt. Nach 20 Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung der Privatwirtschaft müssen wir konstatieren: Führende Männer sind an der Aufgabe gescheitert, es ohne gesetzliche Vorgaben zu schaffen.

Deswegen brauchen wir eine feste Quote auch für Unternehmensvorstände. Die gläserne Decke ist nicht gut sichtbar, aber sie wirkt weiter. Sie bremst Frauen aus und potenziert ihre Wirkung, wenn weitere Diskriminierungsmerkmale wie Herkunft, Behinderung oder sexuelle Identität mit dazukommen.

Meine Damen und Herren, als die Aufsichtsratsquote für eine kleine Pilotgruppe von etwas mehr als 100 Unternehmen im Jahr 2015 auf unser Drängen und durch den unermüdlichen Kampf von FidAR und anderen Frauenverbänden endlich durchgesetzt wurde, war das ein guter Anfang. Wir stellen fest: Die Quote wirkt. Die betroffenen Unternehmen haben die Quote alle eingehalten, und sie führt zu einer Professionalisierung der Arbeit in Aufsichtsräten.

Und was machen Sie damit? Warum wenden Sie diese Erkenntnis bei dem neuen Gesetz nicht an? Statt einer festen Quote für Unternehmensvorstände soll es nur eine Mindestbeteiligung geben. Noch schlimmer: Die Mindestbeteiligung gilt nur für 70 Unternehmen. In etwas mehr als der Hälfte dieser Unternehmensvorstände gibt es aber bereits mindestens eine Frau. Das heißt, es fehlen weitere 30 Frauen in Vorständen, und dann wäre Ihr neues Gesetz schon erfüllt.

Sie machen ein Gesetz für 30 Frauen? Das ist kein Fortschritt, das ist Symbolpolitik!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN

Ich sage Ihnen: Eine Frau im Vorstand reicht nicht. Sie allein kann die verkrusteten Strukturen nicht aufbrechen. Diversität braucht die kritische Masse von mindestens einem Drittel Frauen; so haben wir es in unserem Grünenantrag gefordert.

Das, was einige gegen die Quote einwenden, schaffen wir in Wahrheit erst mit der Quote: dass Qualität sich durchsetzt und nicht Geschlecht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Nadine Schön [CDU/CSU]

Ähnliche Reden