Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Die Coronapandemie hält uns seit über einem Jahr in ihrem Bann, täglich und in allen Lebensbereichen. Kurz vor Ostern sind wir mitten in der dritten Welle, mit ansteckenderen Virusmutationen. Zunehmend sind auch Kinder betroffen. Wir sehnen uns wirklich alle nach mehr Normalität und spüren gleichzeitig, dass die Pandemie noch nicht zu Ende ist und es noch dauert, bis alle geimpft sind. Ja, das verlangt uns allen verdammt viel ab. Deshalb will ich hier und heute zuerst einmal all jenen Danke sagen, die uns im Kampf gegen das Virus täglich unterstützen; denn nach wie vor tun viele Menschen – im Privaten, in den Schulen und Kitas, in den Verwaltungen, bei der Arbeit und natürlich ganz besonders in Krankenhäusern, Arztpraxen, Impfzentren und Pflegeheimen – sehr viel dafür, dass sich das Virus nicht noch stärker verbreitet. Sie alle haben unseren Respekt und unseren Dank verdient.
Ich will in meiner Rede jedoch den Fokus auf die Familien und Kinder legen; denn über sie wird mir zu wenig gesprochen. Immer wieder sagen wir den Satz: Es sind Familien, die unser Land durch diese Pandemie tragen. – Das stimmt. Aber gerade Kinder leiden doch ganz besonders; denn Kinder brauchen andere Kinder, um sich gut zu entwickeln. Nach wie vor ist da keine Normalität in Sicht. Freunde treffen, Sport und Freizeit, all das bleibt auf der Strecke, und die Kinder leiden darunter. Weil nicht klar ist, wann diese Normalität zurückkehren wird, brauchen wir neben dem Impfen andere Möglichkeiten, um möglichst viel Normalität zu gewährleisten.
Es ist wichtig und richtig, dass wir den politischen Konsens haben, Schulen und Kitas zuerst zu öffnen und, wo möglich, sie auch offen zu halten. Aber dieses Ziel braucht mehr Aufmerksamkeit; denn auch Schulen und Kitas werden zunehmend zu Hotspots, wenn wir dort nichts ändern. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir eine ehrgeizigere Teststrategie brauchen, gerade für unsere Kleinen; unsere Bundesfamilienministerin Franziska Giffey setzt dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung. Es ist nicht nur für mich, sondern für viele Menschen im Land nicht nachvollziehbar, wieso Kinder in Kitas nicht verbindlich getestet werden, im Gegensatz zu den Grundschulen, wo das schon stattfindet oder stattfinden soll. Müssen wir da nicht mehr Ehrgeiz wagen? Müssen wir nicht an dem Ziel arbeiten, gerade unsere Kinder täglich zu testen, damit Kitas offen bleiben können, nicht zu Hotspots werden und Familien entlastet werden? Ich weiß, dass es da große Herausforderungen gibt. Aber müssen wir nicht sagen, wo wir hinwollen? Ich will tägliche Tests für Kinder und Erwachsene in Schulen und Kitas, damit wir unser Versprechen – Schulen und Kitas zuerst – mit Leben füllen.
Seit vielen Monaten stecken Familien im Dauerspagat aus Homeschooling, Homeoffice und Kinderbetreuung. In einer Riesenkraftanstrengung ist es uns Anfang des Jahres gelungen, den Familien dafür Zeit zu geben. Wir haben die Zahl der Kinderkrankentage verdoppelt und damit die Voraussetzungen verbessert. Doch jetzt, im Lockdown, sind die Kinderkrankentage teilweise schon aufgebraucht. Die Familien benötigen sie aber nicht nur während der Pandemie, sondern darüber hinaus; denn Kinder werden nicht nur bis März krank, sondern bis Dezember. Langer Rede kurzer Sinn: Ich finde, wir brauchen mehr Kinderkrankentage, um die Familien in diesem besonderen Jahr erneut zu entlasten.
Für mich ist klar: Wir stärken Kinder und Familien, indem wir sie unterstützen und mehr politische Aufmerksamkeit auf verbindliche Tests richten. Das stärkt natürlich die Familien selbst; das ist unser aller Anliegen. Aber es stärkt vor allen Dingen auch das Soziale und den sozialen Zusammenhalt – Rolf Mützenich hat dies vorhin hier im Namen der SPD-Bundestagsfraktion eingefordert –; denn Coronatests sind eine Brückentechnologie, bis alle geimpft sind. Natürlich sollte das, was in Kita und Schule gilt, auch am Arbeitsplatz gelten: mehr und regelmäßige Tests, wenn notwendig auch verbindlich statt freiwillig. Nur dann nützt diese Brückentechnologie uns allen.
Viele Menschen sind in dieser Woche vor Ostern müde, doch eines weiß ich: Ostern ist das Fest der Auferstehung. Ostern bedeutet ein neues Leben. Ein neues Leben können auch wir beginnen, wenn wir alle gemeinsam in eine Richtung gehen. Die Pandemie besiegen wir gemeinsam und solidarisch. Helfen Sie alle mit!