Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich komme zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland zurück, die wir nachhaltig reduzieren wollen. In Deutschland – wir haben es schon von Frau Schulte gehört – landen jährlich circa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 25 Milliarden Euro im Müll. Davon entsteht allerdings circa die Hälfte, 48 Prozent, bereits auf dem Acker, bei der Ernte, bei der Verarbeitung, beim Transport und bei der Lagerung in Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gastronomie. Der Verbraucher allein hat auf diese Hälfte der Verluste nämlich so gut wie keinen Einfluss.
In unserem Antrag zeigen wir Möglichkeiten auf, wie gemeinschaftliche Bemühungen den beim Verbraucher entstehenden Verlust verringern können. Wir begrüßen die nationale Strategie von Februar 2019 „Zu gut für die Tonne“. Unsere Wunschliste wäre: eine Förderung unserer Landwirte durch eine landwirtschaftliche Direktvermarktung. Kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher und zu Hofläden sind unumgänglich. Eine Renationalisierung der Landwirtschaft zur Selbstversorgung, um uns unabhängiger von Importen und Lieferketten zu machen, ist wünschenswert.
Plastikverpackungen bleiben aus hygienischen Gründen und zur Verlängerung der Haltbarkeit verderblicher Nahrungsmittel weiter in Verwendung, bis Alternativen zur Verfügung stehen. Auf EU-Ebene wünschen wir uns eine Abschaffung der Mindesthaltbarkeitsdauer für langlebige Lebensmittel unter Beachtung der Produktsicherheit. Die Bundesregierung sollte zusammen mit den Ländern noch stärker die Ernährungsbildung in den Schulen fördern und damit die Wertschätzung der Lebensmittel erhöhen. Die Förderung der KI-Technologien würde eine bessere Warenbedarfsplanung der Supermärkte ermöglichen und eine deutliche Reduzierung der ablaufenden Lebensmittel bewirken.
Wir halten es für zielführend, die Haftungsrisiken bei Lebensmittelspenden zu reduzieren. Für deren richtige Lagerung sollten nicht die Spender verantwortlich sein, sondern die empfangenden Wohltätigkeitsorganisatoren, wie zum Beispiel die Tafeln. Dabei muss aber auch eines klar sein – im Gegensatz zu Frau Schulte –: Die Förderung der Tafeln ist aus unserer Sicht keine ideale Lösung auf Dauer. Wir wollen keine von Lebensmittelspenden abhängige Gesellschaftsgruppe heranziehen, sondern anständige Renten für unsere alten Bürger, und wir wollen den freien Bürger, der in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten, ohne durch die höchsten Steuern in Europa geschröpft zu werden.
Als Mitglied der unmittelbaren Nachkriegsgeneration habe ich eine völlig andere Wertschätzung für Lebensmittel entwickelt, im Gegensatz zur heutigen Wohlstandsgeneration, die keinen Hunger mehr kennt – Gott sei Dank – und leicht bereit ist, Lebensmittel zu verschwenden und wegzuwerfen.
Ich danke Ihnen.
Darf ich noch einen Satz sagen, Frau Präsidentin? Ich möchte gerne einen Appell an die Frau Bundeskanzlerin richten: Sie möge sich doch bitte die Ministerpräsidentin von Neuseeland, Ardern, zum Vorbild nehmen und mitsamt ihrem ganzen Kabinett für die nächsten sechs Monate, bis zum Ende der Legislaturperiode, auf 50 Prozent ihrer Diäten verzichten.
Das hätte eine bessere Wirkung als ihre Entschuldigung. Ich werde dies auch so handhaben und hoffe, dass es einige von den Parlamentariern ebenfalls machen werden.
Vielen Dank.