Tunesien macht uns allen in der europäischen Staatengemeinschaft große Sorgen. Was Sie angesprochen haben, kann man darüber hinaus noch erweitern um die finanzielle Situation, die Stabilität in dem Land und vieles mehr. Aber ein Blick auf die Landkarte zeigt: Tunesien ist ein europäisches Partnerland, und der Mittelmeerraum ist eine natürliche Nachbarschaftsregion für die Europäische Union. In Tunesien hat die arabische Rebellion hin zur Demokratie ihren Ausgangspunkt. Wenn die Verhältnisse so sind, wie Sie sie beschreiben, dann würde ich als Quintessenz feststellen: Dann haben wir zu wenig getan, Demokratie zu stabilisieren, aufzubauen, Institutionen zu stärken.
Ich war einmal Gast im tunesischen Parlament. Es sitzen dort Parlamentarierinnen und Parlamentarier wie Sie. Wir müssen Kontakte aufbauen und ausbauen. Demokratie entsteht nicht von heute auf morgen einfach so auf Zuruf. Deshalb brauchen Maghreb-Staaten wie Tunesien, Marokko und andere Staaten in der Mittelmeerregion die starke Hand Europas, die Öffnung des europäischen Marktes und eine neue Nachbarschaftspolitik, die sich hier zeigen muss.
Was wäre denn die Alternative, wenn Tunesien zusammenbricht, meine Damen und Herren? Aber hier sind wir genau an einem Punkt, wo ich mal emotional werde. Wir müssen beginnen, über die Grenzen der Europäischen Union hinaus Politik zu gestalten als Deutschland, als Europäische Union, und wir dürfen uns nicht allein auf unsere Binnenprobleme konzentrieren, sei es im Hinblick auf die Pandemie oder auf andere Bereiche.