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224. Sitzung
Donnerstag, 22. April 202119. Wahlperiode, 224. SitzungEinen Nationalen Aktionsplan Kulturelle Identität auf den Weg bringen
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD möchte einen kulturellen Aktionsplan auf den Weg bringen. Hätten Sie es lieber nicht getan! Ihren Plan braucht wirklich niemand. Ihr Plan ist dürftig.

Schon die Eingangsthese ist falsch. Sie behaupten, dass eine Identitätsbildung zunehmend verunmöglicht sei wegen der Denunzierung des eigenen Herkommens und der eigenen Geschichte. Das Herkommen und die eigene Geschichte werden von niemandem in diesem Land denunziert oder geleugnet. Vielleicht machen Sie einmal einen Spaziergang durch Berlin. Hier gibt es so viele Erinnerungsorte unserer Geschichte wie in keiner anderen Stadt.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir planen und bauen sogar neue Denkmäler im Hinblick auf unsere Geschichte, wie das Freiheits- und Einheitsdenkmal, das Denkmal für die Opfer der SED-Diktatur, das Polen-Denkmal oder das Dokumentationszentrum für die Opfer der Nazidiktatur.

Beifallder Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU]

Nein, wir stellen uns unserer Geschichte; wir arbeiten sie auf. Ihr Blick auf unsere Geschichte ist hingegen selektiv, falsch und eindimensional.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Davon haben wir im Laufe des Tages einige Kostproben bekommen. Ich möchte einige Punkte nennen:

Erstens. Sie beklagen eine „Kulturrevolution“, die ihre Wurzeln in den 1960er-Jahren mit der Studentenbewegung und der Frauen- und Homosexuellenbewegung hat. Diese Bewegungen haben – das will ich hier so deutlich sagen – unserem Land aber einen Erneuerungsschub gegeben, den wir dringend brauchten.

Der Muff von 1 000 Jahren unter den Talaren musste raus.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Manches war sicher auch kritikwürdig und übertrieben; das würde ich gar nicht bestreiten.

Zurufvon der AfD: Aha!

Aber insgesamt waren diese Bewegungen positiv.

Beifallder Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Zweitens. Sie behaupten, dass die massenhafte Zuwanderung aus kulturfremden Regionen unsere eigene kulturelle Prägung „verflüssigt“ habe. Diese Aussage ist unfassbar und dumm.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und der LINKEN und des Abg. Hartmut Ebbing [FDP]

Diese Migranten, die zugewandert sind, die Alice Weidel als „alimentierte Messermänner“ oder als „Kopftuchmädchen“ bezeichnet, kommen aus Ländern und Regionen mit Hochkulturen,

Beifallder Abg. Simone Barrientos [DIE LINKE] und Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

mit Kulturen, die älter sind als unsere und die heute unser Land bereichern.

Beifallbei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

„Kulturfremde Regionen“: Vielleicht reisen Sie mal durch Asien oder Afrika; dann werden Sie viele beeindruckende kulturelle Orte finden.

Die besuchen nur Despoten!

Wir stellen ihre Exponate übrigens sogar aus. Ein Gang zur Büste der Nofretete würde sich lohnen.

Drittens. Sie werfen uns Gedächtnisverlust im Hinblick auf die eigene Identität und Mangel an Bildung vor. Was für eine Arroganz! Wer selbst so viel Nachholbedarf hat, sollte nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

Beifallbei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Hartmut Ebbing [FDP]

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen“, ist ein altes Sprichwort.

Dann lassen Sie es doch sein!

Viertens. Ihr Kulturbegriff ist völlig verengt. Ein Aktionsplan Kultur kann sich eben nicht nur auf die Erinnerungsgeschichte, die Architektur und die Museen beziehen, so wichtig diese Themen auch sind; ich würde das nicht bestreiten. Es fehlen aber Literatur, Theater, Musik, Film, Tanz, die Klubkultur; da gibt es so vieles, was Teil der lebendigen Kulturszene in Deutschland ist. Das alles ist in Ihrem Plan gar nicht enthalten. All das gehört auch zu unserer reichen, lebendigen Kulturlandschaft, um die uns viele, viele beneiden und die übrigens ein Anziehungspunkt für Millionen von Touristen ist.

Ich komme zum Schluss zur Sprache. Sie wünschen sich eine Deutsche Akademie für Sprache und Kultur als Pendant zur Académie française in Paris. Sie erhoffen sich eine ähnliche Pflege der Sprache. Ich empfehle Ihnen, selbst erst mal Ihre Sprache zu pflegen.

Beifallbei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP

Vielleicht befleißigen Sie sich selbst einmal einer gepflegten Sprache. Die Verrohung der Sprache ist ein Merkmal Ihrer Partei. Wenn Sie von „Drecksack“, „Antifa-Kindern“, „bekifften Eltern“, von „Merkel-Nutte“ oder „auf Leichen pissen“ sprechen,

Wir reden nicht von „Merkel-Nutte“!

Sind alles Zitate von Ihnen!

ist es kaum zu glauben, –

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