Vielen Dank für diese Frage. Sie ist sehr spannend. Zufällig habe ich gestern mit dem Mittelstandsausschuss von BDI und BDA, wo man sich genau dieselbe Frage gestellt hat, darüber diskutiert. Natürlich ist es so: Wenn man die Wirtschaft auf Wasserstoff umstellt, dann muss man auch die Frage der Netzinfrastruktur beantworten. Das Fraunhofer-Institut hat dazu interessante Studien vorgelegt, in denen steht, dass man die Gasnetze auch doppelt nutzen kann, also das bestehende Gasnetz beispielsweise auch für die gleichzeitige Durchleitung von Wasserstoff. Die großen Gasnetzbetreiber haben vor ungefähr einem Jahr im „Handelsblatt“ gesagt, sie wollten den Weg gehen, die Gasnetze Wasserstoff-ready zu machen. Das ist eine vernünftige Infrastruktur, die man dann auch nutzen kann. Das ist eine Wirtschaftspolitik der Zukunft.
Aber dafür braucht man eben auch eine Wirtschaftspolitik, die die Förderung von Grünem Wasserstoff in den Mittelpunkt stellt. Auch da hat diese Bundesregierung nichts geleistet; denn Grüner Wasserstoff ist nur dann Grüner Wasserstoff, wenn er beispielsweise auch netzdienlich hergestellt wird. Dafür bräuchte es zum Beispiel eine Flexibilisierung des Abgaben- und Umlagesystems, um die Herstellung von Grünem Wasserstoff anzureizen.
Dies ist bislang nicht geschehen. Dafür bräuchte es eben auch einen Ausbau von erneuerbaren Energien, damit man Grünen Wasserstoff überhaupt produzieren kann. Dafür bräuchte es eine Offensive für faire Energiepartnerschaft mit anderen Ländern der Welt, bei denen es dann nicht nur einfach heißt: „Wir kommen mit unseren wirtschaftlichen Interessen“, sondern bei denen wir auch auf die wirtschaftlichen Interessen anderer Regionen dieser Welt achten.
Das wäre eine vorausschauende Politik,
die auf der einen Seite Klimaschutz und auf der anderen Seite wirtschaftliche Interessen miteinander verbindet. Dafür könnten wir Geld in die Hand nehmen. Dafür könnten wir politisch handeln. Dafür braucht es eine andere Regierung.