Herr Sarrazin, das ist wie immer sehr freundlich von Ihnen. Herzlichen Dank dafür. – Ich finde aber, das ergibt sich auch aus der Antwort, die ich gerade gegeben habe: Wir haben uns darum bemüht, dass es überhaupt einen Gastransitvertrag zwischen Russland und der Ukraine gibt.
Die Bundeskanzlerin hat gegenüber dem russischen Präsidenten sehr deutlich gemacht, dass das für sie eine Voraussetzung dafür ist, dass das Nord-Stream-2-Projekt wie geplant fortgesetzt werden kann. Das heißt, dem ist dann auch Genüge getan worden. Wir können uns ebenso vorstellen, darüber Gespräche zu führen, dass dieser Transitvertrag über die Laufzeit, die er bisher hat, weiter verlängert wird, weil wir wollen, dass Gas auch langfristig durch die Ukraine transferiert wird, weil das aus wirtschaftlichen Gründen für die Ukraine außerordentlich bedeutsam ist.
Ich würde mal sagen: Wir gehen – Sie haben auf die Ausführungen von Präsident Putin angespielt, dass wohlfeiles Verhalten der Ukraine Voraussetzung dafür ist, dass dieser Vertrag auch eingehalten wird – grundsätzlich mal davon aus: Pacta sunt servanda. – Aber wer sich auf diese Ebene begibt, der muss natürlich auch damit rechnen, dass er die Voraussetzungen dafür schafft, dass man bei Projekten mit anderen Pipelines ähnlich darüber nachzudenken beginnt, ob man aufgrund von politischen Entscheidungen oder politischem Fehlverhalten ein entsprechendes Projekt oder ein bereits in Betrieb genommenes Projekt möglicherweise noch einmal komplett unter die Lupe nehmen müsste. Ich glaube, das ist nicht im Interesse der Russischen Föderation. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir die Voraussetzungen schaffen können, langfristig Gas auch durch die Ukraine zu leiten.