Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Welche neuen Kompetenzen müssen unsere Auszubildenden erwerben, damit sie in der digitalisierten Arbeitswelt von morgen selbstbestimmt leben und arbeiten können? Dieser Frage, die für unser gesamtes Bildungssystem zentral ist, ging eine Enquete-Kommission drei Jahre lang nach. Ich habe das Geschehen auch als Nichtkommissionsmitglied eng verfolgt.
Nun liegt der Abschlussbericht vor. Auch wenn es auf eine so komplexe Frage sicher keine ganz einfachen Antworten gibt, so bleibt der Bericht doch an manchen Stellen hinter unseren Erwartungen zurück. Wir hätten uns noch mehr zukunftsweisende Aussagen gewünscht, wie Innovation und Digitalisierung in der beruflichen Bildung beschleunigt werden können.
Als FDP-Fraktion ergänzen wir diesen Abschlussbericht daher mit einer echten Modernisierungsagenda für die berufliche Bildung; mein Kollege Jens Brandenburg hat in seiner Rede in Auszügen darüber gesprochen. Meine Damen und Herren, wenn die Berufsausbildung für junge Menschen wirklich attraktiv werden soll, dann muss diese Modernisierungsagenda das Arbeitsprogramm der künftigen Bundesregierung werden.
Spätestens die Coronakrise hat die Schwachstellen unseres Bildungssystems schonungslos offengelegt, und sie hat große neue Herausforderungen geschaffen, die uns leider noch lange begleiten werden. Nicht erst die aktuelle Studie der Goethe-Universität Frankfurt bescheinigt, dass Kinder und Jugendliche im Lockdown ihr Recht auf Bildung nur unzureichend wahrnehmen konnten und die entstandenen Lerndefizite mindestens teilweise kaum aufzuholen sind. Das, meine Damen und Herren, darf uns nicht kaltlassen. Das muss uns alle aufrütteln.
Für mich als Freie Demokratin hat Bildungspolitik einen extrem hohen Stellenwert. Ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Thema für meine Fraktion in den letzten vier Jahren hier im Bundestag bearbeiten durfte. Denn weltbeste Bildung ist das Fundament für unser Menschenbild, das einen selbstbestimmten Menschen sieht, den wir starkmachen wollen und damit auch sein Umfeld und die Gesellschaft insgesamt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in dieser Hinsicht gibt es noch viel zu tun. Unser Bildungssystem muss digitaler werden. Es muss jede und jeden Einzelnen unterstützen und fördern, einen individuellen Weg gehen zu können. Der Bildungserfolg muss vom Elternhaus unabhängiger werden.
Im Kern muss unser Bildungssystem aber vor allem eines: Es muss in seiner gesamten Breite von der Kita über Schulen, Ausbildungsstätten und die Hochschulen Menschen dafür begeistern, Neues zu lernen.
Dies ist meine letzte Rede im Deutschen Bundestag. Ihnen wünsche ich daher von ganzem Herzen, dass Sie die zentralen Herausforderungen, die für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheidend sind, auch in der nächsten Legislaturperiode mit voller Tatkraft angehen. Es war mir eine große Freude und Ehre, an dieser Stelle in den vergangenen vier Jahren mit Ihnen über unsere liberalen Konzepte zu debattieren, zu beraten und manchmal auch zu streiten. Ich danke Ihnen sehr dafür. Ihnen wünsche ich alles Gute. Mögen Neugier, Gesundheit und Glück Sie auch in Zukunft begleiten.
Auf Wiedersehen und vielen Dank.