Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Nicht einmal acht Wochen ist es her, dass sich für viele Menschen alles änderte. Zehntausende verloren ihr Haus, ihr Geschäft, ihre Existenzgrundlage. 183 Menschen verloren ihr Leben. Nichts wird für ihre Angehörigen jemals wieder so sein wie zuvor.
Auch in meiner Heimat, der Städteregion Aachen, wütete das Hochwasser. Ich habe die Bilder der Zerstörung noch vor Augen: Bilder aus Eschweiler, Stolberg und Roetgen, Bilder der zerstörten Dörfer und Städte, wie kleine Bäche zu reißenden Flüssen wurden, wie das Wasser ganze Straßen überflutete, Geschäfte und Wohngebäude komplett verwüstet wurden. Ich werde die Bilder von meinem zerstörten Krankenhaus und die Verzweiflung in den Gesichtern der Menschen nicht vergessen.
Ein älteres Ehepaar erzählte mir, dass ihr Haus, in dem sie all die Jahre lebten, komplett zerstört ist. Sie haben sich auf ihren Lebensabend gefreut und müssen sich nun eine neue Bleibe suchen – Menschen in einem Alter, die auch nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Nichts standen. Ich werde auch nie mehr diesen Gestank vergessen, den Gestank von Schlamm, Öl, Benzin und Fäkalien.
Doch statt ohnmächtig zu beobachten, wie das Hochwasser unsere Heimat zerstörte, zogen die Menschen die Gummistiefel an, krempelten die Ärmel hoch, leerten Keller und Gebäude und befreiten diese von Schlamm und Geröll. Ich war begeistert, als ich gesehen habe, wie Landwirte und Unternehmer schweres Gerät bereitgestellt haben, um all den Schutt wegzuräumen – ohne Geld, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
Vor Ort und aus ganz Deutschland ist uns eine enorme Solidarität entgegengekommen. Menschen fuhren Hunderte Kilometer, bewaffnet mit Schaufeln, Schneeschiebern und Bautrocknern, um zu helfen. Sie erzählten mir, wie gerührt sie waren, dass die Menschen, die so schwer getroffen waren, sich auch noch um sie kümmerten und selbst hilfsbereit zu ihren Helfern waren. Der Zusammenhalt war und ist unglaublich. Das ist gelebte Nächstenliebe und verdient großen Respekt.
Ob Brötchen schmieren, Kaffee ausgeben, Spenden sortieren oder Wasser abfüllen: Bis heute wird Unglaubliches geleistet, um die Menschen zu versorgen und zumindest ein Stück Normalität zurückzubringen.
Die Menschen in den betroffenen Gebieten lassen sich nicht unterkriegen. Sie haben jetzt vor allem eines redlich verdient, liebe Kolleginnen und Kollegen: Hoffnung,
die Hoffnung darauf, dass ihre Dörfer und Städte wieder ihre Heimat werden, dass es ein bisschen wie früher, vor der Katastrophe, wird. Lassen Sie uns heute im Deutschen Bundestag ein Stückchen Hoffnung geben.
Einer, der Hoffnung gibt, ist Olaf Scholz.