Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Berufsbildungsbericht legt viele Probleme offen, die uns bereits seit vielen Jahren begleiten. Zwei wesentliche sind heute schon genannt worden: die unbesetzten Ausbildungsplätze und die Auflösungsquote.
Der Bericht zitiert Ursachen aus der Sicht der Azubis wie auch aus der Sicht der Ausbilder. Hier gilt es, bei grundlegenden Themen anzusetzen. Ein Schlüssel liegt sicherlich in der Rückkehr zu bewährten Tugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Leistungswille und Respekt. Ein altes Sprichwort sagt nicht umsonst: Lehrjahre sind keine Herrenjahre!
Die Erwartungshaltung, mit immer weniger Aufwand immer mehr und schneller etwas zu erreichen, ist ein Trugschluss, dem unser Nachwuchs nicht aufsitzen darf. Das muss zurück in den Fokus der gesellschaftlichen Akzeptanz.
So kann ich mich nur wundern, dass es augenscheinlich bisher niemanden gab, der den Fakt aufgegriffen hat, dass die vermeintlich so wunderbaren und tollen Matheergebnisse der zehnten Klassen letztens hier in Berlin am Ende dem Niveau der siebten Klasse in Bayern entsprachen. Es hilft also nicht, die Anforderungen zu reduzieren und mehr zu erwarten.
Die Lehrer und die Ausbilder sind nicht die Prügelknaben des Systems und nicht ständig dafür verantwortlich, dass es teilweise so ist, wie es ist. Sie haben stattdessen Respekt für eine Aufgabe verdient, die immer komplexer und anspruchsvoller wird. Das Vermitteln – das ist heute noch gar nicht angesprochen worden – von Sozialkompetenzen und Empathie muss zum einen diesen Damen und Herren zugestanden werden, aber es muss zum anderen vor allem vom Elternhaus erwartet werden dürfen.
Genauso wichtig ist die gesellschaftliche Anerkennung von Facharbeitern, Gesellen und Meistern. Es muss nicht immer das Studium sein; denn Handwerk – noch einmal ein altes Sprichwort – hat auch heute noch goldene Hände.
Die Rückkehr zur Meisterpflicht zum Erhalt von Qualifikation und Qualität sowie zur Sicherstellung gerechter Löhne ist daher längst überfällig. Wir haben ohne Not unsere weltweit anerkannten Ingenieurstudiengänge gegen den Bachelor eingetauscht, um hinterher festzustellen, dass ohne nachgeschobenen Master nichts läuft. Sich im Selbstfindungsprozess durchs Leben treiben zu lassen, hängt uns im globalen Wettbewerb nur weiter ab.
Wenn ständig dazwischengeredet wird, dann zeugt das vielleicht davon, dass man ohne Berufsabschluss nach 40 Semestern Sozialpädagogik oder dergleichen möglicherweise hier landet.
Wir brauchen stattdessen klare Ziele, Stringenz und Ehrgeiz, und das Ganze in zwingender Verknüpfung mit unserem Status als Hochtechnologieland und in dem Bewusstsein, dass wir lebenslang lernen.
Vielen Dank.