Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Einer der größten Widersprüche unserer Zeit ist für mich der Hunger und das Elend in einem Teil und der Überfluss und die gigantische Lebensmittelverschwendung im anderen Teil unserer Welt.
1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichten wir jedes Jahr weltweit. Das wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern ist auch ökologisch ein Irrsinn;
denn wir verbrauchen sowohl für die Produktion als auch für die Vernichtung der Lebensmittel wichtige Ressourcen wie Wasser und Energie.
Ich stelle diese Tatsache an den Beginn meiner Rede, weil Lebensmittelverschwendung auch eng mit dem Thema Ernährungs- und Verbraucherbildung zusammenhängt. Innerhalb der EU stammen 42 Prozent der Lebensmittelabfälle aus Privathaushalten. Hier ist jeder von uns gefordert, bewusst einzukaufen, Lebensmittel richtig zu lagern und Reste weiter zu verwerten. Ich freue mich, dass diese Themen im Landwirtschaftsministerium endlich einen höheren Stellenwert bekommen, und ich freue mich auch darüber, dass das Max-Rubner-Institut mehr Geld bekommt.
Das ist sinnvoll ausgegebenes Geld. Sinnvolle Vorschläge vermisse ich bei der AfD. Sie haben zwar mächtig über die Ausgaben geschimpft, aber Sie haben keine Alternativen aufgezeigt. Das ist wirklich billig.
Ernährungs- und Verbraucherbildung sollte zwingend in den Kitas und Schulen beginnen. Auch darüber sind wir uns eigentlich alle einig. Um das hinzubekommen, müssen wir die Länder mit ins Boot nehmen. Das haben wir noch nicht so ganz geschafft. Ich denke, ein freundschaftlicher Druck in Richtung Länder ist allmählich bitter notwendig, damit Ernährungs- und Verbraucherbildung endlich in die Lehrpläne einziehen kann.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft hat von den Mitgliedsländern mehr Aufmerksamkeit für die gesunde Ernährung von Kindern gefordert. Da reicht es nicht aus, auf die Schulmilch- und Schulobstprogramme hinzuweisen. Natürlich ist die Ernährung von Kindern in erster Linie Aufgabe der Eltern. Aus dieser Verantwortung will ich sie auch nicht entlassen; aber Fakt ist auch: Viele Kinder verbringen immer mehr Zeit in Schulen und Kitas und nehmen natürlich dort auch ihre Mahlzeiten ein. Daher ist es sehr wichtig, dass wir endlich einheitliche Qualitätsstandards hinbekommen, für Kinder, Senioren und Menschen, die ihre Mahlzeiten in Kantinen zu sich nehmen. „Hauptsache billig“ kann doch nicht länger unsere Prämisse sein. Die Wortmeldung von Frau Klöckner hat mir gut gefallen, in der sie gesagt hat: Fleisch darf doch nicht zur Ramschware werden. – Das muss doch unser aller Meinung sein.
Die Mahlzeiten sollten zudem ausgewogen sein. Sie müssen schmecken, und die Portionen müssen an die jeweiligen Bedürfnisse der Menschen angepasst werden. Auch so vermeiden wir im Übrigen Lebensmittelabfälle.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen die ländlichen Räume weiterentwickeln. Wenn das unser Ziel ist, dann sind die Wertschöpfungsketten von der Erzeugung bis zur Verarbeitung zu stärken. Kooperationen zwischen Landwirten, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen müssen nach unserer Ansicht finanziell gefördert werden. Es ist mehr Geld im Haushalt vorhanden – das hat der Herr Staatssekretär gesagt –, also dürfte diese Idee doch auch schnell zu realisieren sein.
In Frankreich ist es zum Beispiel derzeit angesagt, regionale Produkte frisch zu vermarkten und den Fleischanteil mehr und mehr durch frisches Gemüse zu ersetzen. Das muss doch auch hier in den Kitas, Schulen und stationären Einrichtungen wieder selbstverständlicher werden. Der Duft von frisch gekochtem Essen oder selbst gebackenem Kuchen ist auch ein Stück Lebensqualität, und es ist auch ein Stück Zuhause.
Das Wissen über Ernährung geht leider auch bei immer mehr Erwachsenen verloren. Davon sind vor allem Menschen betroffen, deren finanzieller Spielraum oft eng ist und die auf den Einkauf bei den Tafeln angewiesen sind. Hier setzen wir mit unserer Idee an, die ich mit Frau Landgraf von der CDU besprochen habe, Ernährungswissen und Verbraucherbildung niedrigschwellig anzubieten. In jedem Bundesland sollte wenigstens eine Tafel gefunden werden, die bereit ist, gemeinsam mit ihren Kunden zu kochen, Kochfertigkeiten zu vertiefen und Wissen über gesunde Ernährung bis hin zur Verwendung von Lebensmittelresten zu vermitteln. Selbstverständlich müssen wir die Tafeln finanziell unterstützen. 47 Prozent der Tafeln unterstützen bereits ihre Kunden. Das wollen wir weiter ausbauen, um diese Spirale zu beenden: ungesunde Ernährung, geringere Lebenserwartung. Das darf es im 21. Jahrhundert nicht mehr geben.
Kochen soll heute vor allen Dingen schnell gehen. Der Griff zu Fertigprodukten wird immer selbstverständlicher. Deswegen ist der Blick auf den Zucker-, Salz- und Fettgehalt dieser Produkte mehr als gerechtfertigt, vor allem wenn wir an die Kosten denken, die falsche Ernährung im Gesundheitsbereich verursacht – dazu gehören zum Beispiel Fettleibigkeit und Diabetes –: 100 Milliarden Euro, sagen die Experten, kostet uns das jährlich. Gut, dass wir die Reduktionsstrategie im Koalitionsvertrag fest miteinander vereinbart haben. Die Ministerin nennt das jetzt Innovationsstrategie. Das soll mir recht sein, weil wir uns im Ziel einig sind: Wir wollen weniger Fett, weniger Salz und weniger Zucker in den Produkten.
Dass unsere Forderung richtig ist, beweisen die Aussagen von Krankenkassen und Ärzten. Die Industrie hat jetzt noch die Chance, die Reduktion freiwillig anzugehen. Bei Getränken könnte sie zum Beispiel sehr schnell handeln; die Veränderung der Rezeptur ist da nicht ganz so schwierig. Da erwarte ich ein schnelles Aktivwerden der Hersteller. Ansonsten kann ich persönlich mir gesetzliche Regelungen gut vorstellen. Die Zuckersteuer könnte dann doch ein Thema werden. Ich will den Menschen damit nicht den Zugang zu bestimmten Produkten verwehren. Ich will einfach, dass die Menschen gesunde Produkte kaufen können. Dazu brauchen sie vor allen Dingen anständige Löhne und auskömmliche Renten.
Auch Koffein, liebe Kolleginnen und Kollegen, kann für Kinder unter Umständen gesundheitsschädigend sein, wenn sie zum Beispiel Energydrinks im Übermaß zu sich nehmen. Aldi und Lidl haben in Großbritannien den Verkauf von Energydrinks an unter 16-Jährige gestoppt. Warum das nicht in Deutschland, warum das nicht europaweit geschieht, kann ich mir nicht erklären. Ich appelliere an Aldi und Lidl, das auch hier zu tun.
Wir wollen im Haushalt mehr Geld bereitstellen, um eine Studie zu den gesundheitlichen Folgen des übermäßigen Konsums von Energydrinks auf den Weg zu bringen. Uns fehlen einfach valide Daten. Das hat auch das Expertengespräch beim Bundesamt für Risikobewertung im Jahr 2017 ergeben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, gesunde Produkte muss man leicht erkennen können. Das geht am leichtesten mit der Nährwertampel, am besten EU-weit. Ärzte, Krankenkassen, Verbraucherinnen und Verbraucher fordern diese Ampel. Unser Koalitionspartner und die zuständige Ministerin tun sich mit dieser Forderung ein bisschen schwer. Immerhin haben wir ein Nährwertkennzeichnungssystem im Koalitionsvertrag miteinander vereinbart. Bis zum Sommer 2019 soll es auf den Weg gebracht werden. Ich hoffe, dass dieses System dann auch seinen Namen verdient und den Menschen hilft, Kaufentscheidungen zu treffen. Vielleicht ist es am Ende doch die Ampel. Ich würde mich darüber freuen.
Jetzt hätte ich Ihnen noch so viel zu sagen, aber meine Zeit läuft ab. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.