Zum Inhalt springen
77. Sitzung
Donnerstag, 31. Januar 201919. Wahlperiode, 77. SitzungInnovationsbrücke bauen zwischen Hochschule und Praxis – Die Deutsche Transfergemeinschaft
20 VermerkeReaktionswert: sehr hoch476 Wörter Im Protokoll lesen

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau ­Karliczeks Platz ist halb leer. Sie gibt wohl gerade ein Interview, wie Ende November in der „Zeit“, als sie mit einem Satz die Deutsche Transfergemeinschaft wegbürsten wollte. Sie sei – ich zitiere – „nicht dafür, ständig neue Strukturen aufzubauen“. Mit diesem Basta-Satz hat die Ministerin die Debatte nicht beendet; sie hat sie geradezu eröffnet –

Beifallbei der FDP

übrigens auch die Debatte über ihre eigene Glaubwürdigkeit als vorgebliche Jeanne d’Arc für Mittelstand, berufliche Bildung, Fachkräfte und Transfer. So billig kann sich die Ressortchefin nicht aus der Debatte stehlen. Denn zugleich fordert sie, dass über den Forschungstransfer die Innovationspipeline dieses Landes stets gefüllt wird. Wer trägt denn dafür die politische Verantwortung?

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Liebe Frau Karliczek – Herr Staatssekretär, nehmen Sie das mit! –, die Schonfrist als Kabinettsnovizin nähert sich dem Ende.

Beifallbei der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD

Was tun Sie denn für die Hochschulen, die sich bei der Anwendung in der Praxis richtig reinhängen?

Viel Geld, viel, viel Geld!

Es sind übrigens die Hochschulen neben den Milchkannen,

Es gibt Geld aus der Milchkanne!

die einen Schlüsselbeitrag zum Transfer leisten, oft mit magersten Ressourcen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bedenkt die Fachhochschulen hierzulande mit einem halben Prozent ihrer Forschungsgelder. Das ist so viel wie für die germanistische Mediävistik.

Und Ihre 60 Millionen Euro Bundesmittel für Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen? Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, hat sich ja entsprechend geäußert:

Falsch hat er sich geäußert!

Tropfen auf die heißen Steine.

Meine Damen und Herren, nur 35 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen investieren in Innovation. Diese Innovationsarmut schönzureden, gilt nicht mehr.

Beifallbei der FDP

„Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit.“ Das ist übrigens ein Satz von

Volker Kauder!

Kurt Schumacher.

Nee, nee, nee! Volker Kauder hat das gesagt! Nicht falsch zitieren!

Seine heutigen Genossinnen und Genossen haben die Deutsche Transfergesellschaft in den Koalitionsverhandlungen zwar thematisiert, aber dazu kein Wort im Koalitionsvertrag ausgehandelt. Kein Wunder, denn die CDU/CSU windet sich bei dem Thema wie ein Aal. Konservative setzen ja bei solchen Themen gerne auf mehr vom Selben.

Beifallbei Abgeordneten der FDP

Insofern schlagen wir Ihnen heute einen kühnen Wurf vor:

die Deutsche Transfergemeinschaft

– ja, oho! –,

Beifallbei der FDP
Patrick Schnieder [CDU/CSU]: Kühner Beifall!

eine Organisation, die weder Reparaturbetrieb für Unternehmen ist noch Elfenbeinforschung für die Hochschulen betreibt.

Zurufvon der FDP: Das ist für die auch Neuland!

Der Clou dabei: Wir lesen die zwischen zwei Ministerien zerfledderten Mittel auf und bündeln sie – kein Silo-Denken mehr im Hause Altmaier und auch nicht im Hause Karliczek, sondern gemeinsame, interministerielle Verantwortung.

Beifallbei der FDP

Wir wollen eine Deutsche Transfergemeinschaft, die die nötigen Projekte in Wirtschaft und Zivilgesellschaft sauber auswählt, gerne mit den bewährten Netzwerken, wie etwa der Industriellen Gemeinschaftsforschung unter dem Dach der AiF, als Rückgrat. Die bekäme so einen weiteren Schub.

Beifallbei der FDP

Wir wollen eine Deutsche Transfergemeinschaft, die Oberfranken genauso befruchtet wie die Lausitz, die wirtschaftlich und demografisch geforderte Regionen stärkt, die sich um Lebensqualität, um soziale Innovation und Gesundheit kümmert, die Hochschulen beflügelt, die für den Transfer brennen.

Wir Freien Demokraten kämpfen dafür, das innovative Potenzial dieses Landes zu entfesseln. Die CDU/CSU lacht.

Sie schmunzelt! Das ist was anderes!

Lassen Sie uns nicht ständig darüber diskutieren, was alles nicht geht. Lassen Sie uns endlich darüber reden, was alles möglich ist.

Beifallbei der FDP

Ran an den Speck, Frau Karliczek!

Beifallbei der FDP
Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ähnliche Reden