Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Viele meiner Vorrednerinnen und Vorredner haben bereits die Kennziffern benannt, die sowohl den Erfolg beschreiben als auch die immer noch großen Unterschiede zwischen Ost und West deutlich machen. Sie erzählen konkrete Geschichten über die gesellschaftliche Macht und Wirkmacht. Nur 14 Prozent der Führungskräfte in den oberen Bundesbehörden kommen aus Ostdeutschland, obwohl Ostdeutsche gut 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Das heißt: An den Konferenztischen und Zeichnungsschleifen, an und in denen die Zukunft dieses Landes bestimmt wird, mangelt es nach wie vor an ostdeutschen Perspektiven, und das ist ein Problem.
Lediglich 42 der 500 größten deutschen Unternehmen sitzen in Ostdeutschland. Da wundert es auch nicht, dass der durchschnittliche Bruttovollzeitlohn in Ostdeutschland gut 600 Euro unter dem westdeutschen liegt und dass in harten Zeiten eher die Kolleginnen und Kollegen in den Niederlassungen in Ostdeutschland entlassen werden
als in den westdeutschen Konzernzentralen.
Auch die Vermögensverteilung ist ein Problem. Deswegen brauchen wir mutige Lösungen dafür. Deswegen bin ich dem Ostbeauftragten auch besonders dankbar für seinen nicht nur mutigen, sondern auch richtigen Vorschlag zum Grunderbe.
Trotz aller aktuellen Schwierigkeiten ist es die Zukunft der Wirtschaft, die gerade viel Anlass auf Hoffnung und Zuversicht in Ostdeutschland gibt. Europaweit einzigartige Ansiedlungen von Mikrochip-Fabriken, der Boom der Wasserstoffindustrie, klimaneutrale Schwerindustrie – die Transformation der Wirtschaft findet gerade vor allem in Ostdeutschland statt. Sie hat das Potenzial, der Region ihren industriellen Stolz zurückzugeben, den sie in den 90er-Jahren so schmerzlich verloren hat. Wir müssen sie nur gestalten, und wir werden uns das auch von Ihnen von der CDU/CSU, die den Abgesang der Wirtschaft regelmäßig anstimmen, nicht kaputt machen lassen.
Wir müssen dafür sorgen, dass diese Entwicklungen nicht nur in den städtischen Ballungsräumen, sondern auch und gerade in denjenigen Orten, aus denen sich der Staat und die Wirtschaft in den letzten 30 Jahren zurückgezogen haben, zu spüren ist.
Arbeitsplätze allein reichen aber nicht aus für eine aktive Region. Es braucht Infrastruktur, es braucht Kultur, und es braucht politische Teilhabe; denn nur so schaffen wir endlich auch Perspektiven für die jungen Menschen, die Lust darauf haben, die Gesellschaft, in der sie leben, mitzugestalten. Nur so sichern wir gesellschaftlichen Zusammenhalt.
In meiner Heimatstadt Pirna haben Schülerinnen und Schüler zuletzt Kundgebungen gegen Hass und Hetze – im Übrigen auch gegen die der AfD da drüben – organisiert. Darauf bin ich wahnsinnig stolz – stolz darauf, dass es junge Menschen gibt,
die politisch aktiv sind, denen das gesellschaftliche Klima nicht egal ist und die etwas dafür tun. Aber junge Menschen brauchen Möglichkeiten, sich zu entfalten. Teilhabe und Perspektive gelingt nicht, wenn der nächste Jugendklub eine halbe Stunde entfernt ist und das nächste Angebot für Politik in der nächsten Großstadt. Deswegen müssen wir den jungen Menschen in jedem einzelnen Ort in Ostdeutschland Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe und Gestaltung bieten, wenn wir die Abwanderung dieser großartigen Menschen in Ballungszentren und nach Westdeutschland stoppen wollen. Dazu sind wir bereit. Lasst es uns tun!
Vielen Dank.