Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir bringen heute den Antrag „Wissenschaftskommunikation systematisch und umfassend stärken“ ein. Wir von den Koalitionsfraktionen haben uns entschlossen, diesen Antrag einzubringen, weil wir im Koalitionsvertrag das Thema Wissenschaftskommunikation als ein Thema beschrieben haben, das zu fördern wichtig ist. Der Grund für diese Förderung von Wissenschaftskommunikation liegt zu einem großen Teil in den Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren, insbesondere während der Coronapandemie, mit der Wissenschaftskommunikation, mit der Annahme der Kommunikation und den wissenschaftlichen Ergebnissen in der Gesellschaft gemacht haben.
Wir alle wissen, dass das Wissenschaftssystem in unserem Land leistungsstark ist, dass hervorragende Ergebnisse erzielt werden, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer Arbeit dazu beigetragen haben, die Coronapandemie in den Griff zu bekommen, dass es gelungen ist, Impfstoffe zu entwickeln, die die Stärke der Pandemie gelindert haben.
Was wir aber auch festgestellt haben, ist, dass während der Coronapandemie die Aufnahme der Ergebnisse der Wissenschaft in der Gesellschaft nicht immer ganz so funktioniert hat, wie es sich die Wissenschaft und die Politik vielleicht vorgestellt haben. Es wurde dann, wenn Wissenschaftler ihre Ergebnisse nach neuen Studien revidiert haben, die Behauptung aufgestellt, die Wissenschaft würde lügen; solche Behauptungen gab es.
Das ist eine Frage der Kommunikation. Es ist aber auch die Frage: Wissen wir alle, wie die Methodik in der Wissenschaft funktioniert? Die Wissenschaft funktioniert eben mit Experimenten: Erkenntnisse gewinnen, Erkenntnisse überprüfen. Die Wissenschaftskommunikation hat die Aufgabe, diese Ergebnisse zu übermitteln, aber in einer Form, dass wir sie als potenzielle Laien tatsächlich auch verstehen und nachvollziehen können. Genau das ist unser Ansatzpunkt: dass wir die verschiedenen Ebenen, in denen Wissenschaftskommunikation erfolgen kann und soll, stärken wollen.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist, dass wir die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befähigen, mehr in diesem Bereich zu tun und ihre Wissenschaftskommunikation zielgruppenorientierter durchzuführen. Wenn wir die wissenschaftliche Ausbildung betrachten, ist es häufig so, dass wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lernen: Forschungsmethodik anwenden, Ergebnisse publizieren, Inhalte lehren. Aber es ist nicht immer ganz einfach, diese Ergebnisse zu übersetzen in eine Sprache, in eine Methodik, um die Ergebnisse gut zu vermitteln.
Genau da wollen wir ansetzen. Wir wollen die Kompetenzen stärken. Wir wollen zum Beispiel mit einem Förderprogramm Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befähigen, ihre Kenntnisse zu vertiefen und sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir wollen auch etwas im Hinblick auf den Wissenschaftsjournalismus tun, indem wir uns anschauen und prüfen: Wie können wir diesen Bereich stärken?
Einen ganz wichtigen Punkt dürfen wir nicht vergessen – auch dieser ist in unserem Antrag enthalten –: Es ist der Schutz der kommunizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Denn was wir in den letzten Jahren auch erlebt haben, ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse publiziert haben, angefeindet worden sind. Es darf im Sinne der Wissenschaftsfreiheit nicht sein, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wenn sie ihre Ergebnisse publizieren, womöglich irgendwann einmal mit der Überlegung spielen: Nein, dieses Forschungsgebiet bearbeite ich nicht mehr, weil ich womöglich dann, wenn ich zu einem Ergebnis komme, das irgendeiner bestimmten politischen Gruppe dienlich zu sein scheint, von dieser Gruppe vereinnahmt werde und ich dann letztendlich gebrandmarkt bin.
Das heißt, wir müssen die Fürsorgepflicht der Verantwortlichen, der Führungskräfte stärken. Wir müssen die Kenntnisse darüber stärken. Wir müssen Schutzmaßnahmen für solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln und einführen.
Deswegen, meine Damen und Herren, haben wir diesen Antrag eingebracht. Die Kolleginnen und Kollegen von den anderen Fraktionen werden noch auf weitere Punkte eingehen.
Ich freue mich auf die Diskussionen im Ausschuss. Ich bin sicher, dass wir zusammen etwas Gutes für unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tun können. Und wenn wir etwas für die Wissenschaftskommunikation tun, tun wir es auch für unsere Gesellschaft.
Vielen Dank.