Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ja, wir leben in einer Wissensgesellschaft. Wissen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das gilt für jeden Einzelnen, das gilt aber auch für uns in der Gesellschaft und auch für die Politik. Auch wir brauchen die Erkenntnisse der Wissenschaft, um eine nachhaltige Politik zu gestalten. Gleichzeitig – das zeigen die Debatten über Fake News deutlich – werden selbst gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse immer stärker infrage gestellt. Wir erleben das leider immer wieder in unseren Debatten im Plenum, ganz besonders auch in der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Diese Erfahrungen machen deutlich, dass es notwendig ist, die Wissenschaftskommunikation zu stärken.
Wir haben erst vor Kurzem hier im Plenum darüber diskutiert, wie wir die Masern bekämpfen können. Dies ist ein Beispiel. Natürlich kann man politisch entscheiden, ob es eine Impfpflicht geben soll oder nicht. Aber wenn man am Ende in den Diskussionen fragwürdige Einzelstudien erhält oder wenn aus dem Zusammenhang gerissene Zahlen auf einmal die Wirksamkeit einer Impfung an sich infrage stellen, dann haben wir keine sinnvollen Debatten mehr. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Wissenschaft stärken, dass wissenschaftliche Erkenntnisse deutlich werden, weil es uns sonst auch bei politischen Debatten in die Irre führt.
Leider erleben wir immer öfter, dass wissenschaftliche Erkenntnisse infrage gestellt werden. Dadurch geht die Basis verloren, wie ich finde. Wir sollten auf gesicherter Basis diskutieren.
Meine Damen und Herren, auf der anderen Seite nehmen schiere Mengen an wissenschaftlicher Komplexität zu, gleichzeitig verändert sich Kommunikation dramatisch. Die Wissenschaft selbst hat diese Herausforderung bereits erkannt und auch angenommen. Hochschulen, wissenschaftliche Akademien, wissenschaftliche Organisationen und ihre Institute sind seit Längerem dabei, ihre Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftskommunikation zu stärken und entsprechende Strukturen aufzubauen.
Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir die Wissenschaftskommunikation verbessern wollen. Deshalb haben wir diesen Antrag, den Herr Kaufmann gerade vorgestellt hat, vorgelegt. Wir freuen uns, dass die Ministerin, Frau Karliczek, dieses Thema mit ihrem Grundsatzpapier zur Wissenschaftskommunikation ebenfalls aufgegriffen hat. Unsere Vorschläge zielen in die gleiche Richtung. Es geht darum, dass der Dialog mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft intensiviert wird. Dazu wollen wir mit unserem Antrag beitragen. Wir wollen, dass die Wissenschaft dort unterstützt wird, wo sie bereits aktiv ist. Wir wollen, dass Wissenschaftskommunikation zum Bestandteil von Ausschreibungen von öffentlichen Forschungsvorhaben wird, und wir wollen prüfen, wie wir Wissenschaftskommunikation bereits in der Ausbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verankern können.
Abschließend will ich sagen: Die Aufgabe der Wissenschaft ist es natürlich, selbst wissenschaftliche Erkenntnisse zu deuten. Es ist die Wissenschaft selbst, die das Wissen auf der Basis bereitstellen muss, dass wir in der Politik Handlungen verwirklichen. Ich möchte aber auch feststellen: Ohne Akzeptanz von wissenschaftlichen Erkenntnissen sind konstruktive Debatten nicht möglich. Ohne Kommunikation ist diese Akzeptanz auch nicht mehr zu erreichen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Ich hoffe, wir haben sehr gute Diskussionen zu unserem Antrag, den wir heute vorgelegt haben.