Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war uns klar, wie komplex die Welt ist, die uns umgibt – vom Higgs-Boson über die Entschlüsselung des menschlichen Genoms bis hin zu den Erkenntnissen der Klimaforschung oder den spektakulären Fortschritten bei der künstlichen Intelligenz. Wir leben in einer Zeit, in der die Komplexität der Welt, die uns umgibt, rasant zunimmt, in der uns als Menschheit mit jedem Tag mehr und mehr Wissen zur Verfügung steht. Diese Tatsache verunsichert viele Menschen. Ich spreche nicht einfach nur von denjenigen, die in einer komplexen Welt denen hinterherrennen, die einfache Antworten versprechen, wo es in Wahrheit gar keine gibt. Ich spreche von all denjenigen Menschen, die beim Gedanken an Wissenschaft und wissenschaftliche Erkenntnisse abwinken und sagen: Geh weg damit, das versteht doch niemand.
Arthur C. Clarke sagte einst: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Das kann gefährliche Folgen haben. Leute, die sich hinstellen und bewiesene Dinge wie den menschengemachten Klimawandel einfach leugnen, könnte man womöglich noch als harmlos bezeichnen – angesichts der Tatsache, dass immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angefeindet und Opfer von Übergriffen werden, allerdings nicht mehr.
Fürwahr, Wissenschaft, ihre Methoden und Erkenntnisse so zu formulieren und zu präsentieren, dass auch diejenigen außerhalb der jeweiligen Wissenschaftscommunity verstehen, worum es im Kern geht und was diese Erkenntnis für die Gesellschaft bedeutet, ist oftmals ein schwieriges Unterfangen. Wer Erkenntnisse nachvollziehen kann, ist umso mehr bereit, diese auch zu akzeptieren.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das ist eine große Herausforderung sowohl für die Sender als auch für die Empfänger der Wissenschaftskommunikation. Deswegen ist es so wichtig, dass wir als Koalition mit unserem Antrag vorangehen und den Weg dafür ebnen, dass die kommunizierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen ihrer Karriere bestmöglich bei dieser Aufgabe unterstützt werden, und dass wir zugleich in diesem Bereich Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen, eben nicht nur für die Wissenschaftscommunity, sondern auch für die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft als Empfänger. Wie ich bereits sagte: Wir haben es mit einer Herausforderung auf beiden Seiten, für Sender und Empfänger, zu tun. Deswegen ist es wichtig, mit unserem Antrag an beiden Enden der Kommunikation anzusetzen.
Ein Beispiel: Im angloamerikanischen Wissenschaftsbereich, der in hohem Maße von Fundraising abhängig ist, ist Wissenschaftskommunikation thematisch weit höher aufgehängt. So bietet beispielsweise die American Association for the Advancement of Science ein Kommunikations-Toolkit und das Handbuch „Recommended Practices for Science Communication with Policymakers“ an, also ein Handbuch für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik. Von solch guten Beispielen aus der internationalen Wissenschaft wollen wir lernen. Mit diesem Antrag tun wir einen entscheidenden Schritt auf diesem Weg.
Vielen Dank.