Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Idee der nachhaltigen Entwicklung kam zunächst auf dem UN-Gipfel 1992 auf. Damit kam es damals zur Errichtung von neuen Gremien und Strukturen, die den Gedanken der Nachhaltigkeit beförderten. Der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung hat nun schon eine lange Tradition im deutschen Parlament. Vorher war das Thema Nachhaltigkeit in der Regierung und nicht im Parlament angesiedelt.
Der Beirat hat die Aufgabe, die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie dauerhaft parlamentarisch zu begleiten und natürlich weiterzuentwickeln. Dazu werden alle Gesetzesvorhaben auf ihre langfristige Wirkung hin überprüft und die Nachhaltigkeitsstrategien der Bundesregierung, der Europäischen Union hinsichtlich des Green Deals und der Vereinten Nationen inhaltlich begleitet. Die Stärke des Beirates ist die ganzheitliche und zukunftsorientierte Betrachtung mit einem internationalen Bezug; denn Nachhaltigkeitspolitik geht weit über das kurzfristige Denken in Wahlperioden hinaus.
Sie erfordert eine weitgehend konsensorientierte Arbeitsweise, um auch nach der nächsten Wahl zu bestehen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir teilen alle gemeinsam die Überzeugung, dass ein Querschnittsthema wie Nachhaltigkeit auch ein breit angelegtes Gremium braucht. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass der Beirat inhaltlich umfassend aufgestellt ist, aber nun mit 20 Mitgliedern und 20 stellvertretenden Mitgliedern auch personell breit aufgestellt ist;
denn Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Kriterium für gute Politik. Dieser Grundkonsens sollte auch in dieser Legislaturperiode für die Arbeit des Beirates gelten.
Wirtschaftliches Handeln sollte stets mit dem Blick stattfinden, dass wir auch an die zukünftigen Generationen denken, die Generationen unserer Kinder und Enkelkinder, die bereits mit zunehmend lauterer Stimme diese Nachhaltigkeit von uns einfordern.
Liebe Kollegen und Kolleginnen, 2050 werden mehr als 9 Milliarden Menschen auf dieser Erde leben. International bedeutet Nachhaltigkeit, für lebenswerte Grundlagen dieser 9 Milliarden Menschen zu sorgen.
Die EU hat sich vorgenommen, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Dafür bleibt noch viel zu tun. Wir befinden uns nun, um mit den Worten des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu sprechen, in einer Dekade des Handelns. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel aus dem Wald nur so viel Holz herausholen können, wie wir mindestens neu anpflanzen, dass wir der Natur nur so viel zumuten können, wie sie auch verkraftet. Das wusste übrigens schon, wie gerade erwähnt, der Chemnitzer Hans Carl von Carlowitz. Vor über 300 Jahren prägte er damit als Erster den Begriff der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist also ein sächsischer Gedanke, und ich als gebürtige Sächsin bin stolz darauf.
Liebe Kollegen und Kolleginnen, derjenige, der heute die Umwelt schützt, der schützt auch den Wohlstand von morgen. „Zu den unabdingbaren Menschenrechten gehört eine Umwelt in bestem Zustand.“ Sie werden es sicherlich kennen; denn so steht es im Kapitel über die Umweltpolitik der Freiburger Thesen von 1971. Nachhaltigkeit im Sinne der Freiheit und der Chancen jetziger und kommender Generationen muss sozial und ökologisch zugleich sein, damit niemand auf der Strecke bleibt; denn Nachhaltigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, nicht nur ein Projekt der Politik und derjenigen, die es sich leisten können.
Vielen Dank.