Sehr geehrte Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich muss mich ein bisschen entschuldigen: Ich bin sehr müde heute. Das Plenum ging gestern bis nach 22 Uhr; danach fanden noch Sitzungen statt. Es hat mich, ehrlich gesagt, auch nicht munter gerüttelt, als ich diesen Antrag gelesen habe. Er las sich eher wie eingeschlafene Füße, muss ich feststellen. Na ja, ich muss trotzdem dazu reden.
Einwanderer nehmen uns die Wohnungen weg, Klimaschutz ist völlig unnötig, die ganze Welt bereitet sich auf die Folgen des Klimawandels vor, nur Deutschland muss das nicht, völlig unnötig! Herr Bernhard, Sie sind ja kein Dummer. Ich frage mich manchmal: Wenn Sie da sitzen, Ihren Antrag schreiben und Ihre eigene Welt formulieren, muss Ihnen doch manchmal auffallen, wie unschlüssig die eigentlich ist. Das traue ich Ihnen eigentlich zu.
Man muss sich das einmal überlegen: Seit 1990 haben wir einen Wanderungssaldo von Nichtdeutschen von ungefähr 7,6 Millionen Bürgern. Ihre Großstadtrechnung ist also – – Egal! Hätten wir die nicht in Deutschland, dann – da bin ich mir sicher – wäre ich heute nicht unfallfrei im ÖPNV hierhergekommen. Ich weiß gar nicht, ob ich mein Frühstück so hätte zu mir nehmen können – egal ob das jetzt vegan ist oder aus Fleisch besteht –; dafür hätte ich auch fleißige Hände gebraucht. Krankenhäuser, Pflegeheime: Alles würde sicherlich in sich zusammenstürzen wie ein Kartenhaus.
Sie haben recht: Bei 76 Millionen Einwohnern hätten wir jetzt vielleicht keine angespannten Wohnungsmärkte, aber dann würden wir hier heute über ganz andere Probleme diskutieren als über die Wohnungsnot.
Wenn ich nichts zu Essen und zu Trinken habe, aber ein Dach über dem Kopf, hilft mir das nicht weiter.
Ich will Ihnen sagen: Ich bin Handwerker. Man kann zu den Energieformen stehen, wie man will – das zeigen Sie uns ja ständig –, aber auch eine Heizung, die mit Öl betrieben wird, geht irgendwann kaputt, und dann brauche ich einen, der das repariert. Den hätten Sie ganz genauso wenig in Ihrem Weltbild.
Dann sprechen Sie vom „vermeintlichen Klimaschutz“. Das ist schon die erste Krux und unterscheidet eben die, die mitdenken, von denen, die das nicht tun. Wenn Sie einmal ein bisschen verfolgen würden, was Energie gerade im Aufruf kostet – gerade wenn wir neue an den Start bringen –, dann würden Sie sehen, dass die erneuerbaren Energien mittlerweile viel günstiger als die fossilen sind. Uran ist übrigens endlich, genau wie fossile Energieträger. Alles, was endlich ist, wird teurer.
Wie erklären Sie es eigentlich Ihren Leuten, dass Sie sie nicht auf die steigenden Kosten vorbereiten? Wir tun das zumindest und haben ein Auge darauf, dass Energie nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft bezahlbar ist. Das – und nicht das, was Sie tun – ist zukunftsgewandte Politik.
– Lassen Sie es doch sein!
Schon in Ihrem Vortext schreiben Sie, dass Sie den „vermeintlichen Klimaschutz“ und alles, was damit zu tun hat, abschaffen wollen. Und dann schreiben Sie etwas von Lärmschutz. Sie müssen doch wenigstens beim Schreiben ein bisschen überprüfen, was da steht. Was hat denn der Lärmschutz mit dem Klimaschutz zu tun?
Gar nichts! Steht in Ihrem Antrag drin.
So viel Unwissen in einem Antrag macht beim Lesen echt keinen Spaß.
Den Lebenszyklus wollen Sie nicht betrachten; der ist Ihnen egal. Ich sage Ihnen: Egal womit ich baue, es ist eine endliche Ressource.
Endlich ist eine Fortschrittsregierung da, die sagt: Wir geben acht darauf, womit wir bauen, wir schauen, dass wir es wiederverwenden, damit wir dieses Land auch in Zukunft erfolgreich gestalten können; denn die Wohnungen, die wir heute brauchen, stehen vielleicht auch in 30 Jahren noch an der falschen Stelle, weil Menschen wandern. Deshalb ist das, was wir treiben, richtig.
400 000 Wohnungen haben wir uns vorgenommen, weil selbst die 360 000 der letzten Legislatur – wären sie geschafft worden – nicht gereicht hätten. Der Bedarf ist höher. Deshalb das hohe Ziel, das wir uns vorgenommen haben!
Ja, wir wollen die Baukosten im Blick behalten, innovative Materialien und Zulassungsverfahren beschleunigen. Das ist nämlich das Gebot der Stunde.
Sie haben die Bauvorschriften angesprochen. Es ist völlig richtig: Das sind zum geringsten Teil Gesetzesnormen, und sie wurden schon gar nicht hier im Bundestag beschlossen. Das sind privatwirtschaftliche Normen. Selbst das haben wir uns aufgeschrieben, weil wir erkannt haben, welche Stellschrauben es gibt.
Die Baukostensenkungskommission hat schlaue Vorschläge gemacht. Die wollen wir umsetzen, damit wir endlich niedrigere Baukosten bekommen. Die lineare AfA wird umgesetzt.
Ich komme zum Abschluss – man soll nicht überziehen –: Ich sage Ihnen, ich bin zurzeit heilfroh – ich bin selber Handwerker und habe ein Handwerksunternehmen – über jeden Maurer, Tischler und Trockenbauer, den ich bekomme, egal ob er aus der EU kommt oder von außerhalb. Was ich nicht brauche, sind Anträge, die sich anfühlen wie tausendjährige Eier, und die will ich in Zukunft auch nicht mehr lesen.
Ich lehne Ihren Antrag mit großer Freude ab.