Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Fraktionen! Heute ist der 12. September, und heute in neun Tagen beginnt eines der größten deutschen Volksfeste: das Oktoberfest.
Dieses Fest, auf das viele von Ihnen sich vermutlich sehr freuen, geht jedes Jahr gleichzeitig einher mit massivem Alkoholkonsum, aber auch mit Gewaltbereitschaft, Vandalismus, Belästigung und Straftaten.
Nicht zuletzt deshalb macht es mir große Sorgen, dass dieser Haushalt wieder einmal eine Absenkung der Mittel für Aufklärung über Alkoholmissbrauch und andere Suchtmittel vorsieht.
Sucht geht uns alle an. Wenn Sie beim Thema Suchtprävention, Herr Müller, immer als Erstes an Cannabis oder an Heroin als große Gefahr denken, dann ist das falsch. Alkohol ist die Volksdroge Nummer eins. Ich habe in der Suchtkrankenhilfe gearbeitet und kann Ihnen sagen, dass der allergrößte Teil der Menschen, die sich in der Suchtkrankenhilfe in Behandlung begeben, alkoholkrank ist, und zwar 48 Prozent ambulant und 64 Prozent stationär.
Das sind die Zahlen zu alkoholkranken Menschen in Deutschland in der Suchtkrankenhilfe im Jahr 2023.
Circa 3 Millionen Kinder in Deutschland wachsen mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf.
Auch da ist das Hauptproblem Alkohol. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns bitte endlich darüber reden, wie wir in diesem Land Prävention und Hilfen auf den Weg bringen können, um die Konsumrisiken von Alkohol wirksam zu bekämpfen.
Ich kann Ihnen nur sagen: Es gibt Maßnahmen gerade im Bereich der Verhältnisprävention, die man sofort angehen könnte, und die kosten nicht mal Geld, beispielsweise die Werberegulierung bei Alkohol.
Dafür gibt es auch eine große Zustimmung in der Bevölkerung. Es wäre eine einfache, für uns kostenlose Maßnahme: kein begleitetes Trinken mehr ab 14 Jahre,
keine Fläschchen „Kleiner Feigling“ mehr an jeder Supermarktkasse, bei der Quengelware.
All das sind Maßnahmen der Verhältnisprävention, die es für null gibt. Wir wollen sie endlich angehen.
Wir wollen darüber hinaus eine Onlineplattform stärken, mit der Menschen bundesweit die Suchthilfeeinrichtungen vor Ort besser finden und kontaktieren können. Dafür muss das Angebot im ganzen Land aber verlässlich da sein; da ist die Situation innerhalb Deutschlands momentan sehr unterschiedlich. In einigen Ländern kommt eine Stelle in der Suchtkrankenhilfe auf 8 000 Einwohner, in anderen auf bis zu 25 000 Einwohner. Das haben wir in meinem Büro berechnet. Ich möchte, dass wir, Bund und Länder, hier endlich investieren und konsequent die Verhältnisprävention und die Suchtkrankenhilfe vor Ort stärken.
Dafür werde ich mich in den Beratungen über diesen Haushalt und kommende Gesetzentwürfe –