Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal: Es war eine sehr gute Debatte. Eine ähnlich gute Debatte haben wir hier vor mehr oder weniger genau fünf Jahren geführt. Ich habe damals ausgeführt: Wir werden in wenigen Jahren diese Debatte hier erneut führen, weil mit jeder Variante der Zustimmungslösung das Problem nicht zu lösen ist.
Kollege Gröhe hat recht: Die Einführung einer Widerspruchslösung ist keine Garantie, dass die Situation sich verbessert. Es gibt fünf Länder, die die Widerspruchslösung eingeführt haben, und es hat sich nicht verbessert. Sie ist aber eine notwendige Bedingung, weil alle Länder, die es geschafft haben, eine Widerspruchslösung haben.
Somit: Ohne Widerspruchslösung ist unser Scheitern gesichert, mit der Widerspruchslösung haben wir wenigstens eine Chance.
Ich will auch auf Folgendes hinweisen: Es wurde eben gesagt: Die Ärzte sind zu schwach. Es wird zu wenig getan. – Ich kann Ihnen aus den Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken sagen: Diese Gespräche werden geführt. Da wird um jedes einzelne Organ gekämpft. Es ist eine Unterstellung, zu glauben, dass wir dieser Frage ausweichen würden.
Das sind schwierige Gespräche, das gönnt man niemandem. Niemand führt diese Gespräche gern. Aber die Wahrheit ist doch: Wenn es vorher keinen erklärten Willen gibt, dann ist es für die Angehörigen genauso schwer wie für den Arzt. Wir kommen so nicht weiter. Wir müssen uns ehrlich machen.
Im Übrigen: Die Idee, dass die körperliche Selbstbestimmung nur ausgedrückt werden könnte, wenn ich mich mit einer so wichtigen Frage nie beschäftige, aber dann das Organ automatisch bekommen will, wenn ich es selbst benötige, kann doch nicht richtig sein. Das würde ja bedeuten, dass in all den europäischen Ländern, die diese Widerspruchslösung erfolgreich praktizieren, die körperliche Selbstbestimmung nicht gewährleistet wäre. Das ist falsch, das war falsch.
Ich hoffe, wir werden diese Debatte nicht in wenigen Jahren erneut führen und ich werde hier nicht erneut stehen und sagen: Wir hatten eine gute Debatte; aber es ist nichts dabei herumgekommen. – Das wäre ein moralischer Fehler.