Das macht deutlich, wie komplex nicht nur die Welt ist, sondern auch die unterschiedlichen bilateralen Beziehungen und die unterschiedlichen Beziehungen der Europäischen Union mit unterschiedlichen Ländern sind, weswegen Differenziertheit so wichtig ist und nicht „Schwarz oder weiß?“. Das Gleiche gilt für China, jedenfalls aus meiner Sicht: dass man im Dialog sein und trotzdem einen klaren Standpunkt beziehen kann. Das ist kein Widerspruch, sondern es ist in so einer komplexen Beziehung, wie wir sie mit China haben, gerade weil China sich so stark verändert hat, wichtig. Und das Gleiche gilt für mich auch für Länder wie Brasilien, das als gefestigte Demokratie natürlich ganz anders aufgestellt ist; auch das möchte ich unterstreichen. Der Regierungswechsel, den es in Brasilien gegeben hat, auch der ganz intensive Wahlkampf machen den Unterscheid zwischen Demokratien und autokratischen Regimen deutlich.
Brasilien ist ein Schlüsselpartner für uns und strategischer Partner in Lateinamerika; aber wir haben mit Brasilien bei unterschiedlichen Themen auch unterschiedliche Haltungen. Beim Freihandelsabkommen – das habe ich bereits deutlich gemacht – sind wir näher beieinander, als man vielleicht gedacht hat, gerade auch beim Waldschutz. Das ist der große Unterschied zu China. Brasilien ist es wichtig, Klima- und Umweltstandards zu verankern. Bei anderen Themen, wie zum Beispiel der Verurteilung des russischen Angriffskriegs, bedauern wir sehr – das machen wir auch immer wieder deutlich: der Kanzler, der Wirtschaftsminister, auch ich, wenn ich demnächst hinreisen werde –, dass Brasilien seine Verantwortung nicht sieht.
Ich möchte zur Frage der Vorfragestellerin ergänzen und darauf hinweisen, dass auch Brasilien in der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution gestimmt hat, die deutlich gemacht hat: Russland ist der Angreifer, Russland muss seine Bombardierung einstellen. Die Ukraine ist das Opfer und hat ein Recht auf Selbstverteidigung.
Vielen Dank. – Vorletzter Nachfrager zu dieser Frage ist der Kollege Larem, SPD-Fraktion.