Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kommen wir zurück zum Thema unserer heutigen Debatte; es geht jetzt ja um die gesundheitlichen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona. Es ist gut, dass wir uns ressortübergreifend auf den Weg gemacht haben, Erkenntnisse über die Auswirkungen zu sammeln, die heute noch nicht ganz absehbar sind.
Als politisch Verantwortliche mussten wir unter Druck weitreichende Entscheidungen treffen. Manche dieser Entscheidungen lassen uns heute zweifeln; denn sie waren doch sehr reflexhaft: Spielplätze durften nicht betreten werden, Sportvereine durften nicht trainieren, und auch Leichtathletik im Freien konnte nicht stattfinden.
Am gravierendsten waren die Schulschließungen, die sicherlich zu den schwerwiegendsten Folgen für unsere Kinder und Jugendliche geführt haben. Für uns Freie Demokraten steht fest: Schulschließungen darf es nie wieder geben.
Denn Schule ist mehr als nur Lernen. Schule ist Begegnung, soziale Teilhabe und bietet Tagesstruktur, gerade für Kinder aus benachteiligten Familien. Schulschließungen führten nicht nur zu Bildungsrückständen, sondern auch zum Wegfall der meisten sozialen Kontakte. Essstörungen und depressive Erkrankungen nahmen deutlich zu.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Tochter hat mitten im Lockdown 2020 ihr Abitur gemacht. Ab sofort wurde der Unterricht auf digital umgestellt und ihre Schulzeit damit abrupt beendet. Kein Abistreich, keine Mottowoche, keine Partys nach bestandenen Prüfungen, kein Abiball, keine Chance auf das Auslandsjahr nach dem Abi ohne Einschränkungen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nicht trivial. Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht einfach nachholen. Hierbei geht es um Entfaltungschancen, ja, um Freiheitschancen, die es so genau nur einmal im Leben gibt. Um entgangene Chancen ging es nicht nur für Abiturienten, sondern für alle Kinder und Jugendlichen in der Pandemie. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Folgen im Blick haben und umfassende Maßnahmen ergreifen.
Die Mental Health Coaches sind ein erster Schritt; denn damit binden wir die mentale Gesundheit unserer Kinder in den Schulalltag ein.
Wir schaffen neue Rechtsansprüche, die es Kindern ermöglichen, beim Jugendamt psychosoziale Beratung in Anspruch zu nehmen, ohne dass es ihre Eltern erfahren.
Prävention und Gesundheitsförderung werden wir stärken und mehr Therapieplätze für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen schaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, besonders gut an dem hier vorgelegten Bericht ist, dass er sich auch zum Schulterschluss zwischen den Generationen bekennt. Er betont die in der Pandemie geleistete Solidarität junger Menschen mit der älteren Generation. Daraus resultiert für uns eine besondere Verantwortung und Anstrengung, um Kindern und Jugendlichen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen – ohne psychische Belastungen oder sonstige Beeinträchtigungen. Damit das gelingt, meine Damen und Herren, darf der Abschlussbericht keinen Schlusspunkt bilden. Er sollte vielmehr Auftakt dafür sein, dass wir achtsam bleiben, dass wir die Pandemie mit all ihren Folgen konsequent aufarbeiten, damit wir für künftige Krisen besser gerüstet sind. Fehler durch zu reflexhaftes Handeln dürfen uns kein zweites Mal unterlaufen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, in jeder Krise steckt auch eine Chance. Nutzen wir diese zur Schaffung einer resilienten Gesellschaft und fangen dafür bei unseren Kindern und Jugendlichen an!
Vielen Dank.