Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Liebes Publikum! Erinnern Sie sich noch, wie Sie als junger Mensch nach dem Schulabschluss zu Hause ausgezogen sind? Sie sind in eine neue Stadt gezogen, um dort ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen. Ein neues Kapitel im Leben fängt an, und alles ist sehr aufregend. Natürlich geht es zuerst einmal darum, eine Bleibe zu finden. Vielleicht hatten Sie damals schon dabei große Schwierigkeiten, aber heute ist das fast unmöglich. Es findet sich kaum ein Wohnheimplatz, geschweige denn eine bezahlbare Wohnung oder ein WG-Zimmer, und gerade in Ballungsgebieten ist die Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum massiv.
Die Folgen von akuter Wohnungsnot und explodierenden Mieten sind fatal. Studis und Azubis können sich das Leben in unseren Städten und an ihren Ausbildungsorten nicht mehr leisten. Sie brechen die Ausbildung ab, sie fangen die Ausbildung vielleicht gar nicht erst an, und viele Ausbildungsstellen bleiben daher unbesetzt. Das bedeutet: Bei der Wohnungsfrage verschärft sich die soziale Ungleichheit mit Blick auf Bildungs- und Teilhabechancen von jungen Menschen, und das darf nicht sein.
Klar ist: Wir lassen die jungen Menschen nicht allein. Wir unterstützen sie. Und genau hier setzt das Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“ an. Es ist Teil unserer Investitionsoffensive im Wohnungsbau. Damit schaffen wir neue Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende. Das Programm ist vor zwei Jahren gestartet und seitdem ein voller Erfolg. Wir wissen alle: Der Bedarf in diesem Bereich ist riesig, und deshalb verdoppeln wir die Mittel für dieses Erfolgsprogramm auf 1 Milliarde Euro.
Zusätzlich schaffen wir eine bundesweite Beratungsstelle für Azubi-Wohnen. Warum tun wir das? Wir freuen uns enorm, dass die Mittel des Programms bisher so gut von den Trägern des studentischen Wohnens abgerufen wurden. Jetzt wollen wir, dass das Azubi-Wohnen ebenso profitiert, und gleichen deshalb den strukturellen Nachteil aus. Wir wollen Azubis und Studis gleichermaßen fördern. Durch diese neue Anlaufstelle sorgen wir für Vernetzung und einen Wissenstransfer bei den Bauträgern.
Ein Fokus liegt dabei auch auf den spezifischen Wohnbedürfnissen der Azubis. Es muss von Anfang an mitgedacht werden, dass es geeignete Räume zum Lernen und für den sozialen Austausch braucht. Denn anders als Studis können Auszubildende nicht so leicht auf die Angebote von Universitätsbibliotheken oder auf Lern- und Gemeinschaftsräume zurückgreifen.
Meine Damen und Herren, das Thema Fachkräftemangel ist uns allen bekannt. Gerade vor diesem Hintergrund sollten wir jungen Menschen nicht nur gute Ausbildungsbedingungen anbieten, sondern auch guten Wohnraum. Das ist doch wohl das Mindeste, damit junge Menschen unbeschwert in ihre Zukunft starten können.
Vielen Dank.