Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Wir debattieren in einer schwierigen finanziellen Lage: Jeder Euro ist umkämpft, jedes Ressort steht vor großen Herausforderungen; das gilt auch für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat.
Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland übergewichtig oder adipös sind. Eine Untersuchung vom RKI hat ergeben: Jedes sechste Kind ist betroffen. Das bedeutet eine massive Einschränkung der Lebensqualität sowie steigende Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gelenkprobleme und eben auch Depressionen.
Damit gehen auch enorme Folgekosten für das Gesundheitssystem einher. Von den Auswirkungen, was die Wirtschaft betrifft, will ich gar nicht erst reden.
Produkte mit viel Zucker und Fett, aber wenig Nährstoffen sind für viele Familien Alltag. Die Folge: Kinder nehmen Kalorien auf, aber nicht die Nährstoffe, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Das Ergebnis: Gewichtszunahme, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, eine schlechte gesundheitliche Ausgangslage fürs Leben. Kinder und Jugendliche sind aber unsere Zukunft. Und Bildung ist unsere einzige Ressource.
Ein Blick in den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher zeigt, warum wir dringend handeln müssen. Immer mehr Lebensmittelkonzerne nutzen soziale Medien und die Gamingwelt, um Junkfood-Werbung direkt an Kinder und Jugendliche zu richten. Ob Roblox, Minecraft oder Fortnite: Wo Kinder spielen, ist Werbung für zuckerhaltige Getränke, fettige Snacks und Süßwaren nicht weit. Das ist ein Angriff auf die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen.
Solange Konzerne digitale Spielwelten als Türöffner nutzen dürfen, um schon die Jüngsten an ungesunde Ernährung zu gewöhnen, haben Eltern und Schulen überhaupt keine Chance, gegenzuhalten.
Wir müssen Familien und Verbraucher unterstützen, sich gesund zu ernähren. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die gesunde Ernährung einfacher, bezahlbarer und selbstverständlicher machen.
Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ hat deutlich gemacht, dass die Menschen in unserem Land eine gesunde Ernährung als zentrale Aufgabe der Politik verstehen. Mit seiner klaren Positionierung fordert er uns zum Handeln auf. Die Frage ist: Wie mutig sind Sie, Herr Minister?
Seit 2023 wird das Nationale Ernährungsmonitoring im Haushalt finanziert. Dieses Monitoring erfasst kontinuierlich, was in Deutschland tatsächlich gegessen wird, welche Trends es gibt und wie Werbung, Preise und Lebensumstände die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen. Diese Erkenntnisse nutzen uns, um eine wirksame Ernährungsstrategie umzusetzen. Dafür müssen wir als Politikerinnen und Politiker aber auch bereit sein, unsere eingetretenen Pfade zu verlassen – auch Sie, Herr Minister.
Es braucht eine verbindliche Ernährungsstrategie und Ernährungsbildung, um Kinder und Jugendliche wirksam vor manipulativer Werbung zu schützen.
Der Haushaltsentwurf 2026 enthält richtige Ansätze. Aber im Bereich Ernährung sehen wir: Die Mittel bleiben weitgehend stabil, obwohl die Herausforderungen wachsen. Wir brauchen mehr Mittel für Ernährungsbildung, für Monitoring, für Prävention. Mit jedem Euro, den wir investieren, investieren wir in eine Zukunft mit gebildeten, fröhlichen und gesunden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
In diesem Haushalt geht es nicht nur um Landwirtschaft oder Verbraucherfragen. Es geht um Gesundheit, um Bildung und um Gerechtigkeit. Ernährungspolitik ist Gesundheitspolitik, ist Sozialpolitik.
Vielen Dank.
Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Niklas Wagener für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.