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26. Sitzung der 21. Wahlperiode

Dienstag, 23. September 2025 · Berlin

103 Reden in dieser Sitzung

103Reden82.584Wörter
1.083Vermerke
Verlauf der SitzungBreite = Reden · Farbton = Reaktionswert
Tagesordnung5 RedenReaktionswert: hoch
Porträt von Reinhard Brandl
Foto: Reinhard Brandl/ Stefan Bösl
15 Vermerkeca. 417 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! In solchen Debatten sieht man das wahre Gesicht der AfD.

Widerspruchbei der AfD

Sie will verhindern, dass wir diese Woche über neue Verfassungsrichter abstimmen. Sie will, dass der Bundestag als handlungsunfähig dasteht.

Lachendes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Und sie will Stimmung machen auf Kosten des Bundesverfassungsgerichts und auf Kosten unserer Demokratie.

Beifallbei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Zur Geschäftsordnung!

Wissen Sie was? Machen Sie, was Sie wollen. Wir machen da nicht mit.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Super Rhetoriker!

Dieser Bundestag funktioniert. Unsere Demokratie funktioniert.

Zur Geschäftsordnung!

Und diese Koalition funktioniert. Wir wollen Deutschland voranbringen,

Was hat das mit der Geschäftsordnung zu tun?

und wir werden das in dieser Woche bei jedem einzelnen Tagesordnungspunkt unter Beweis stellen.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Und wir werden in dieser Woche auch über Richterkandidaten abstimmen. Ehrlich gesagt gibt es überhaupt keinen Grund, das nicht zu tun. Gestern tagte der Richterwahlausschuss. Er hat sich mit der notwendigen Mehrheit auf eine Kandidatin verständigt. Am Donnerstag findet im Plenum die Abstimmung statt. Alle Fristen werden eingehalten, genauso wie in der Geschäftsordnung vorgesehen.

Mit der Ex-SED!

Genauso machen wir es.

So machen Sie es!

Was würden Sie denn hier veranstalten, wenn wir es nicht so machen würden? Das zeigt doch die Absurdität der Debatte.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vernünftige Richter wählen!

– Liebe AfD, da Sie so schreien, schreien Sie doch, um was es Ihnen geht.

Wir schreien doch gerade gar nicht!

Ihnen geht es doch überhaupt nicht um die Tagesordnung und um die Haushaltswoche. Sie wollen ein Thema wieder großmachen, das überhaupt kein Thema mehr ist.

Das entscheiden Sie doch nicht!

Und ich sage Ihnen: Es ist deshalb kein Thema mehr, weil wir hier in diesem Bundestag vernünftig miteinander reden

Ja, mit der Ex-SED!

und zu vernünftigen Lösungen kommen. Das ist keine gute Nachricht für die AfD; aber das ist eine gute Nachricht für Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Bernd Baumann
Foto: Dr. Bernd Baumann
9 Vermerkeca. 327 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Koalition hat für diese Woche erneut Wahlen für die Richter des Bundesverfassungsgerichts aufgesetzt, und bei diesen Wahlen ist alles anders als bei allen Richterwahlen zuvor. Alles daran ist sonderbar. Und das hat wohl damit zu tun, dass die Richterwahlen vor der Sommerpause krachend gescheitert sind. Die Union hatte die Wahlen von der Tagesordnung genommen; und das war auch gut so, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Heute beginnt eine Haushaltswoche. Da geht es grundsätzlich nur um den Bundeshaushalt und die 20 Einzeletats. Jetzt still und heimlich eine solch extrem wichtige Wahl – die Wahl der höchsten Richter im Staat – in einer Haushaltswoche unterzuschieben, das geht nicht. Nehmen Sie die Wahl von der Tagesordnung!

Beifallbei der AfD

Sonst haben die Abgeordneten des Bundestages bei Wahlen immer 45 Minuten Zeit, um ihre Stimme abzugeben – 45 Minuten, eine Dreiviertelstunde, dann ist Schluss. Jetzt aber haben Sie von der Union die Dauer dieser Wahl fast verdreifacht, auf volle zwei Stunden.

Ja, ja, still und heimlich!

Das gab es noch nie.

Herr Baumann, Sie müssen sich entscheiden, welche Geschichte Sie erzählen!

So viel Zeit, glauben Sie, brauchen Sie diesmal, um auch ja alle Ihre Abgeordneten zur Wahlkabine zu geleiten; deshalb dieses sonderbare Prozedere.

Beifallbei der AfD

Das ist ja lächerlich!

Sie von der Union zittern, ob Sie eine Zweidrittelmehrheit zusammenkriegen; deshalb diese Farce. Nehmen Sie die Wahl von der Tagesordnung!

Beifallbei der AfD

Wer Unternehmen verstaatlichen, Klimapolitik erzwingen und die AfD verbieten will, darf niemals Verfassungsrichter in diesem Land werden, meine Damen und Herren,

Beifallbei der AfD

und erst recht nicht noch mit Stimmen der Grünen und der Ex-SED! Helmut Kohl und Franz Josef Strauß drehen sich im Grabe um.

Beifallbei der AfD
Porträt von Dirk Wiese
Foto: Dirk Wiese/ Marco Urban
12 Vermerkeca. 676 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Koalition setzt in dieser Woche Prioritäten. Wir wollen Deutschland voranbringen. Wir wollen dieses Land fitmachen für die Zukunft.

Und was sind die Prioritäten der AfD zu Beginn dieser Sitzungswoche: Geschäftsordnungsdebatten, um die Tagesordnung des Plenums zu blockieren. Geschäftsordnungstricks. Nichts anderes setzen Sie in dieser Woche als Priorität.

Es geht um das höchste deutsche Gericht!

Wir sprechen nämlich hier über etwas, was wir gewöhnlich im Einvernehmen vorab beschließen: die Tagesordnung des Plenums. Die AfD weigert sich aber, der Tagesordnung heute zuzustimmen, weil sie die Wahl von Richterinnen und Richtern am Bundesverfassungsgericht verhindern will. Das ist kein Missverständnis, das ist kein Zufall, das ist eine bewusste Blockade. Man muss es ganz klar sagen: Sie scheuen die Unabhängigkeit der Justiz wie der Graf das Licht. Sie wollen die Axt an den Rechtsstaat legen. Das ist der Maßstab dessen, was wir in anderen europäischen Ländern sehen;

Wir stehen für echte Gewaltenteilung!

das ist der Punkt, wo Parteien, die mit Ihnen verbündet sind, denen Sie nahestehen, immer anfangen. Sie gehen zuerst an den Rechtsstaat. Das werden wir nicht durchgehen lassen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Bei der Wahl der Richterinnen und Richter zum Bundesverfassungsgericht geht es um mehr. Es geht um die Funktionsfähigkeit unseres Landes, unseres Rechtsstaates und auch um die Stärke unserer Demokratie.

Übrigens ist es interessant, dass sich der Parlamentarische Geschäftsführer Baumann in dieser Woche hierhinstellt und die Tagesordnung des Deutschen Bundestages verkleinern will. In der letzten Woche hat uns Herr Baumann noch erzählt, dass er die Tagesordnung des Deutschen Bundestages verlängern will, weil er mehr arbeiten will.

Lachendes Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]

Jetzt hat er aber festgestellt, dass er diese Woche doch nicht so viel zu tun haben will und dass er früher nach Hause will. Also, Herr Baumann, Sie müssen sich schon einmal entscheiden, was Sie möchten. Wollen Sie länger tagen, oder wollen Sie nicht länger tagen? Einmal hü, einmal hott! Das sind die Prioritäten, die Sie tatsächlich setzen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Und eine zweite Erkenntnis ist auch sehr interessant. Herr Dr. Baumann führte gerade aus, dass es unüblich ist, in einer Sitzungswoche auch Personalfragen hier im Deutschen Bundestag zu entscheiden.

Zurufvon der AfD: Haushaltswoche!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie oft haben wir auch in Haushaltswochen Abstimmungen durchgeführt, weil die AfD einen Vizepräsidentenkandidaten zur Wahl gestellt hat?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich habe damals keine Kritik von Herrn Baumann an dieser Sache gehört. Also: Herr Baumann macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Er will nur die Wahl seiner Leute auf die Tagesordnung setzen, und er will diese Woche auch noch früher nach Hause. Das lassen wir ihm nicht durchgehen. Darum werden wir diese Wahl diese Woche auf die Tagesordnung setzen.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Und ich sage ganz deutlich, Herr Baumann: Das ist kein Ausdruck von konstruktiver Opposition. Was Sie hier machen, ist destruktiv. Es ist verantwortungslos. Sie missachten damit nicht nur die Geschäftsordnung, Sie schaden ganz bewusst – und das nehmen Sie billigend in Kauf – dem Bundesverfassungsgericht, einer der am höchsten angesehenen Institutionen unseres Landes, und das ist schäbig.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Das Bundesverfassungsgericht und auch der Verfassungsstaat leben davon, dass wir uns streiten, aber auch davon, dass wir bei zentralen Fragen des Rechtsstaates gemeinsam handeln.

Das haben wir gesehen beim ersten Anlauf!

Dieser Verantwortung werden in dieser Woche jedenfalls die demokratischen Fraktionen dieses Parlaments – im Gegensatz zu Ihnen – gerecht.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken
Porträt von Irene Mihalic
Foto: Irene Mihalic/ Annette Koroll
13 Vermerkeca. 544 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Vor der Sommerpause stand die Wahl zum Bundesverfassungsgericht schon einmal auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages. Leider konnte die Wahl damals vor der Sommerpause nicht durchgeführt werden, weil eine rechtsextremistische Diffamierungskampagne dafür gesorgt hat,

Mit der CDU!

dass es am Ende für eine der Kandidatinnen keine Mehrheit mehr im Deutschen Bundestag gegeben hat.

Keiner darf widersprechen! Öffentlichkeit wollen Sie nicht! Debatten wollen Sie nicht!

Das, meine Damen und Herren, darf nie wieder passieren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Nie wieder darf so etwas passieren. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass es rechtsextremistischen Diskreditierungs- und Diffamierungskampagnen gelingt,

Zurufvon der AfD: Was reden Sie für einen Unsinn?

unsere rechtsstaatlichen Institutionen verächtlich zu machen

Sie wollen den Leuten den Mund verbieten!

und demokratische, parlamentarische Prozesse zu sabotieren, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken

Herr Baumann, es ist ja auch so durchschaubar, weshalb Sie hier wieder diese Geschäftsordnungsdebatte lostreten. Der Kollege Wiese und auch der Kollege Brandl haben es schon gesagt: Ihnen geht es gar nicht um die Geschäftsordnung. Ihnen geht es auch nicht darum, wie wir hier die Tagesordnung miteinander gestalten.

Mir geht es um Deutschland! Um das Verfassungsgericht!

– Nein, es geht Ihnen ganz sicher nicht um Deutschland, und es geht Ihnen auch nicht ums Bundesverfassungsgericht.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken

Was Sie vom Bundesverfassungsgericht halten, Herr Baumann, können wir in regelmäßigen Äußerungen gerade aus Ihrer Fraktion hören, nämlich gar nichts. Sie machen es sich zur Aufgabe, demokratische und rechtsstaatliche Institutionen verächtlich zu machen und parlamentarische Prozesse zu sabotieren. Aus keinem anderen Grund machen Sie hier diese GO-Debatte.

Herr Baumann, diesen einen Satz zur Kandidatin konnten Sie sich ja dann doch nicht verkneifen,

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

obwohl die Präsidentin extra darauf hingewiesen hat, dass hier keine Aussprache über die Personen stattzufinden hat.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der Linken

Mir geht es um die Unterwanderung des Verfassungsgerichts!

Es gibt also keinen Grund, die Wahl von Richtern zum Bundesverfassungsgericht, auf die wir ja auch selber sehr lange gedrungen haben, in dieser Woche nicht durchzuführen. Gestern hat der Richterwahlausschuss entschieden. Es liegen drei Vorschläge vor für Kandidierende zum Bundesverfassungsgericht, für Richterinnen und Richter, die alle mit Zweidrittelmehrheit durch den Richterwahlausschuss bestätigt wurden.

Es ist gut und richtig, dass die Wahl in dieser Woche hier auf der Tagesordnung steht, damit diese Hängepartie für das höchste Gericht in Deutschland endlich beendet wird, meine Damen und Herren.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und der Linken

Deswegen stimmen wir selbstverständlich der Aufsetzung auf die Tagesordnung zu.

Ganz herzlichen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
6 Vermerkeca. 488 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Wir Linken wollen definitiv, dass die Wahl der Richter/-innen für das Bundesverfassungsgericht im Plenum, im Parlament in dieser Woche stattfindet. Es ist das Recht des Parlamentes, diese Entscheidung zu treffen, und dieses Recht wollen wir uns auch nicht nehmen lassen, und zwar egal wie jeder Einzelne am Ende hier geheim wählt. Mit einer weiteren Verschiebung, wie Sie hier von rechts außen fordern, würden wir dieses Recht aus der Hand geben. Das kann nicht im Sinne dieses Parlamentes sein.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Aus Sicht der Linken hätte die Wahl schon im Juli stattfinden müssen. Das Chaos, das hier angerichtet wurde, sollte man auf keinen Fall weiterbetreiben. Parteipolitische Machtspielchen haben zu einem absoluten Chaos geführt. Die Absetzung der Wahlen war ein Armutszeugnis der Koalition; das ist keine Frage.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zu verlockend ist es für die rechte Seite, hier noch einmal den Finger in die Wunde zu legen und noch einmal zu versuchen, Chaos zu stiften und die Schwäche der Union an dieser Stelle auszunutzen. Ich bin froh, dass die Union heute da nicht mitmacht.

Werden wir noch sehen!

Aber das sage ich hier auch ganz deutlich: Wir alle brauchen die Arbeitsfähigkeit dieses höchsten Gerichtes, und zwar weil jeder Bürger ein Recht hat, die Rechtmäßigkeit des Handelns des Parlamentes, der Bundesregierung und auch von Gerichten durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen.

Immer wieder ist von Ihnen hier, von Ihnen dort, von Plattformen, von Medien versucht worden, diese Wahl der Verfassungsrichterinnen und -richter extrem zu politisieren. Das haben wir Anfang Juli erlebt mit einer Hetzkampagne gegen eine Kandidatin, und das ist auf keinen Fall tragbar.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Hier bei dieser Wahl geht es darum – und das kann ich als Juristin ebenfalls sagen –, Menschen für ein Amt zu nominieren, um Rechtsstaatlichkeit, Verfassungsrecht nach dem Grundgesetz sicherzustellen und nach außen zu repräsentieren. Das liegt in unser aller Verantwortung hier im Hause, und dem sollten wir auch alle gerecht werden.

Zu den Einlassungen hier von rechts außen kann ich nur sagen, dass auch die AfD schon mehrfach entsprechende Anträge zur Durchführung von Wahlen auf die Tagesordnung gesetzt hat. Ich möchte Herrn Wiese hier ergänzen: am 8. September 2022, am 7. September 2023 Wahl eines Stellvertreters der Präsidentin und eines Mitglieds des PKGr, und auch am 02.06.2022 haben Sie die Wahl eines Richters beim Bundesverfassungsgericht in der Haushaltswoche nicht moniert.

Insofern sollte man nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt, und Sie sitzen hier definitiv im Glashaus. Die Linke wird der vorgeschlagenen Tagesordnung zustimmen, auch wenn keiner mit uns geredet hat.

Zurufvon der AfD: Oh!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Lars Klingbeil
Foto: SPD/ Maximilian König
66 Vermerkeca. 6.273 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist nur ein paar Tage her, dass ich hier im Deutschen Bundestag in der Schlussrunde bei den Beratungen für den Bundeshaushalt 2025 meine Rede gehalten habe. Heute, wenige Tage später, stehe ich hier an diesem Pult und stelle den Haushaltsplan für 2026 und die Finanzplanung bis 2029 vor. Zwei Haushalte in kurzer Zeit. Zwei Haushalte, die wir mit großer Geschwindigkeit in der Regierung auf den Weg gebracht haben und die auch hier im Parlament in großer Geschwindigkeit bearbeitet werden. Das ist ein hartes Stück Arbeit. Ich will hier gleich zu Beginn ausdrücklich allen Beteiligten im Kabinett, im Parlament, im Haushaltsausschuss, in den Regierungsfraktionen für die gute Zusammenarbeit und für das konstruktive Miteinander danken. Einen herzlichen Dank, dass wir zwei Haushalte in so kurzer Zeit hier auf den Weg bringen können.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht um gute Zusammenarbeit. Das soll auch das erste Stichwort meiner Rede sein. Eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist wichtig für unser Land. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern. Ich bin überzeugt davon, dass gute Zusammenarbeit in diesen Zeiten wichtiger denn je ist. Täglich erreichen uns beunruhigende Nachrichten. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber ich habe viele Leute auch in meinem privaten Umfeld, die sagen, sie schauen gar keine Nachrichten mehr, da sich alles überschlägt, weil es immer mehr wird, weil es immer heftiger wird, weil man nicht mehr hinterherkommt und weil das alles viel zu viel geworden ist, was uns an brutalen Nachrichten aus dieser Welt ereilt.

Ja, das Leben hat sich in den letzten Jahren gewandelt: die Pandemie, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Folgen, die sich aus diesem Krieg ableiten mit Energieknappheit, mit hohen Energiepreisen, Inflation, mit einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung, mit mehr Gegeneinander, das wir in unserer Gesellschaft feststellen müssen. Wir erleben auch, dass bestehende Gewissheiten wie etwa ein belastbares transatlantisches Verhältnis unter Druck geraten.

Es sortiert sich gerade vieles neu auf dieser Welt, und viele Herausforderungen kommen dazu. Ich bin deswegen fest davon überzeugt, dass Politik gerade in diesen Zeiten Orientierung geben muss, dass Politik gerade in diesen Zeiten Entscheidungen treffen muss. Durchmogeln funktioniert nicht. Gerade in diesen Zeiten geht es um Richtung und geht es um Führung. Und diese Regierung, diese Koalition hat ein klares Ziel: Deutschland muss ein starkes Land bleiben. Wir wollen und wir werden Deutschland voranbringen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir tragen Verantwortung für Deutschland, und dafür müssen wir Entscheidungen treffen, die unser Land voranbringen. Das ist die Verantwortung, der diese Regierung in den ersten Monaten nachgekommen ist und der wir weiter nachkommen werden. Ich bin fest davon überzeugt: Ein starkes Deutschland ist dringend notwendig, und es ist notwendiger denn je. Ich will betonen, dass ich dankbar bin, dass der Bundeskanzler die Geschlossenheit und die Entschlossenheit der europäischen Partner in den letzten Monaten maßgeblich vorangetrieben hat und auch weiter vorantreiben wird. Das ist wichtig, und ich danke dem Kanzler dafür, dass er die Initiative ergriffen hat.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Aber ich sage hier auch: Als wir die Bilder aus Alaska gesehen haben, die zeigten, wie Trump und Putin sich zum Gespräch getroffen und über die Zukunft der Ukraine geredet haben, haben wir alle für einen kurzen Moment befürchtet, dass dort Entscheidungen über die Köpfe der Ukraine hinweg getroffen werden, dass die Ukraine fallen gelassen wird. Ich kann Ihnen nur sagen: Unser Anspruch muss sein, dass Europa mit am Tisch sitzt, wenn solche Gespräche stattfinden, wenn Entscheidungen getroffen werden.

Stattdessen erleben wir Putins Antwort auf Trumps Friedensinitiative: noch mehr Drohnen. Der Luftraum der NATO wird angegriffen. Keine 600 Kilometer von hier entfernt testet Putin die NATO. Er provoziert, und innerhalb weniger Tage verletzt er die Grenzen des polnischen, des rumänischen und des estnischen Luftraums. Niemand glaubt, dass das aus Versehen passiert ist, und schon gar nicht glauben es unsere Nachbarn in Polen, in Rumänien und in Estland. Die Bedrohung durch Russland für diese Länder und auch für uns ist real. Deswegen geht es auch im Haushalt 2026 um Abschreckung und um Verteidigungsfähigkeit. Ich sage Ihnen: Es ist unverzichtbar, dass wir unsere Abschreckungs- und unsere Verteidigungsfähigkeit stärken. Ein Blick auf die Ukraine macht das auf dramatische Weise deutlich.

Ich war Ende August selbst in der Ukraine. Und ich sage Ihnen: Man kann noch so viel über diesen Krieg lesen und hören; aber wenn man dann mit Vitali Klitschko an einem zerbombten Wohnhaus in Kyjiw steht, wenn man dort die aufgereihten Bilder der Opfer sieht, die morgens um fünf von russischen Raketen ermordet wurden, dann sieht man, wie brutal dieser Krieg ist, dass er Leben zerstört, dass er Familien zerstört, dass er Zukunft zerstört. Und deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist es richtig, dass wir seit Tag eins an der Seite der Ukraine stehen und dass wir in Deutschland heute mit der größte Unterstützer auf der Welt sind, wenn es darum geht, dass die Ukraine sich gegen diesen brutalen Krieg wehren kann.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir sorgen mit dem Haushalt 2026 dafür, dass das weitergeht. Es ist eine klare Zusage, die wir an die Ukraine geben: mit weiteren Militärhilfen, mit finanziellen Unterstützungen. Wir ducken uns nicht weg, liebe Kolleginnen und Kollegen, weil wir wissen, dass in der Ukraine auch unsere Freiheit verteidigt wird. Und deswegen sind diese Ausgaben wichtig, auch für Deutschland.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sehr geehrte Damen und Herren, die Bundesregierung ist sich einig: Wir müssen mehr in die Sicherheit in Deutschland und in Europa investieren. Wir müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen; denn zeitgleich mit dem brutalen Angriffskrieg auf die Ukraine, den wir erleben, sehen wir ein weiteres massives Aufrüsten in Russland. Wir sehen immer stärkere hybride Bedrohungen durch Drohnen, durch Spionage, durch Sabotage und durch Cyberattacken. In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass Putin spätestens 2029 in der Lage sein wird, NATO-Territorium anzugreifen. Das heißt nicht, dass er das tut; aber das heißt, dass er es kann. Und ich sage hier sehr klar: Wir dürfen nicht naiv sein, wenn es um Wladimir Putin und seine Vorhaben geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir auch in Zukunft sicher in Deutschland und in Europa leben können. Deswegen investieren wir massiv in unsere Sicherheit. Einiges ist schon in der letzten Legislatur geschehen mit den 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, mit der Entscheidung, Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben von der Schuldenbremse auszunehmen. Und wir beenden auch den jahrelangen Sparkurs, den es bei der Bundeswehr gegeben hat. Ich persönlich bin Boris Pistorius sehr dankbar dafür, dass er als Verteidigungsminister die Stärkung und die Modernisierung unserer Truppe vorantreibt. Sehr geehrter Herr Minister, vielen Dank für Ihre Arbeit! Das will ich hier einmal ausdrücklich sagen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit den Haushalten 2025 und 2026 investieren wir massiv in die Verteidigungsfähigkeit. Wir stärken die Bundeswehr mit 10 000 zusätzlichen Soldatinnen und Soldaten. Und gleichzeitig fangen wir jetzt mit dem freiwilligen Wehrdienst an und bauen unsere Reserve auf. Deutschland sendet damit ein klares Signal: Wir sind verlässliche NATO-Partner. Wir stehen zu unseren Bündnisverpflichtungen. Das ist ein wichtiges Signal, das wir unseren Partnern senden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Gleichzeitig geht es nicht nur um Sicherheitspolitik. Es geht auch um eine geopolitische Neuordnung unserer Welt. Was sich verschiebt – das sieht man in diesen Tagen gerade in den USA; das sieht man auch in der Annäherung zwischen China und Indien –: Die Stärkeren legen zunehmend das Recht in ihrem Sinne aus. In dieser neuen Welt braucht Deutschland Verbündete. Deswegen ist Diplomatie so wichtig, und deswegen ist es wichtig, dass wir gegenüber dem Globalen Süden handeln. Aber vor allem brauchen wir mehr Europa und nicht weniger. Das ist meine feste Überzeugung.

Wir brauchen ein starkes Europa, das für die Stärke des Rechts einsteht, das die EU, die NATO, die UN, die Demokratie international hochhält. Und welche Kraft könnten wir eigentlich mit Europa entwickeln?

Meinen Sie die EU oder Europa?

Ich weiß nicht, wer sich von Ihnen diese Frage in den letzten Wochen gestellt hat; aber ich habe das immer wieder getan. Ich habe mich immer wieder gefragt: Welche Kraft könnten wir eigentlich in Europa entwickeln, wenn 27 Nationen und 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger mit einem Binnenmarkt und einem Kapitalmarkt mit einer Stimme sprechen? Dann wären wir auf dieser Welt eine starke wirtschaftliche und politische Kraft. Deswegen sage ich mit voller Überzeugung: Wir brauchen mehr europäischen Patriotismus.

Wir brauchen keinen EU-Zentralstaat! Nein, danke!

Es ist vielleicht die größte Aufgabe meiner politischen Generation, dass wir für ein starkes Europa einstehen, rauskommen aus den Sonntagsreden und konkret handeln, damit Europa endlich wieder stärker wird, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir haben es bei den Zollverhandlungen gesehen: Ja, es war richtig, dass man am Ende eine Lösung mit den Amerikanern gefunden hat. Aber wir sind doch alle nicht zufrieden mit dem, was wir dort verhandelt haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass langfristig Zölle zu unser aller Schaden sind, dass abgeschottete Märkte zu unser aller Schaden sind, und das gilt auf beiden Seiten des Atlantiks. Deswegen ist es richtig, dass wir in dieser Bundesregierung uns vorgenommen haben und konkret daran arbeiten, dass wir mit unseren Freunden in ganz Europa die Zusammenarbeit intensivieren, dass wir gemeinsame Projekte suchen, dass wir die europäische Idee vorantreiben, dass wir aber auch neue Partner suchen. Australien, Japan, Großbritannien, Kanada – überall dort wird eine enge Zusammenarbeit gewünscht. Wir suchen die, und wir arbeiten an der europäischen Souveränität, an der europäischen Unabhängigkeit. Unser Anspruch muss klar sein: Europa gehört nicht an den Katzentisch, sondern mitten rein, wenn es darum geht, weltpolitisch Dinge zu entscheiden, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Alles das, was vor uns liegt, wird uns viel abverlangen, auch hier im Parlament. Das sind harte Entscheidungen – Entscheidungen und Entwicklungen, die nicht von alleine kommen. Ich sage Ihnen: Die nächsten Jahre werden uns viel Kraft kosten. Wir sehen Instabilität heute da, wo wir eigentlich Stärke brauchen. Wir sehen, dass Europa nicht die militärische und diplomatische Stärke hat, die es eigentlich bräuchte.

Ist das hier eine Finanzdebatte, oder was ist das?

Wir sehen, dass wir in Europa mit einer hohen Staatsverschuldung kämpfen und dass wir ein zu niedriges Wachstum haben. Wir sind in Europa noch zu stark auf fossile Energieimporte angewiesen, und bei der Digitalisierung hinken wir hinterher.

Sagen Sie noch was zum Haushalt?

Wir haben eine technologische Abhängigkeit von Staaten außerhalb der Europäischen Union. Es ist strategisch riskant, dass wir diese Abhängigkeiten haben. Das müssen wir ändern. Daran müssen wir hart und konsequent arbeiten.

Geradewegs in den Staatsbankrott!

Ich möchte, dass Europa sich selbst verteidigen kann. Ich möchte, dass Europa wieder wettbewerbsfähiger wird, dass Europa seinen Platz in dieser neuen Weltordnung behaupten kann. Deswegen brauchen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein starkes Europa, um zukunftsfähig zu sein. Und meine feste Überzeugung ist: Deutschland muss vorangehen. Deutschland muss eine europäische Führungsmacht sein, um ein starkes Europa voranzubringen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sagen Sie auch was zu den Finanzen? Wie viele Schulden wollen Sie noch machen? Kein Wort zu den Finanzen! Welcher Minister sind Sie eigentlich?

Damit wir in Europa stark sind, müssen wir uns im Land verändern, müssen wir hier Reformen vorantreiben, müssen wir hier Entscheidungen treffen. Meine feste Überzeugung ist: Wir dürfen dabei nicht im Status quo verharren.

Wenn Deutschland stark sein soll und in einem unabhängigen Europa die führende Kraft sein soll, dann müssen wir auch hier im Land mutige und teils unbequeme Entscheidungen treffen. Und das steht jetzt die nächsten Jahre an.

Wir haben mit der demokratischen Mehrheit hier im Parlament im Frühjahr bereits unseren Kurs geändert, was die Finanzpolitik angeht. Wir haben wichtige Entscheidungen getroffen, indem wir 500 Milliarden Euro

Im abgewählten Bundestag!

für Infrastruktur und Klimaschutz investieren. Das ist das größte Investitionsprogramm, das je in der Geschichte unseres Landes aufgelegt wurde,

Sie investieren ja gar nicht!

500 Milliarden Euro, die wir in den nächsten zwölf Jahren ausgeben werden. Das entspricht ungefähr dem Volumen eines Bundeshaushalts.

Ja, gigantischer Schuldenberg!

Wir sorgen für mehr Wachstum. Wir sorgen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Und vor allem sorgen wir dafür, dass Arbeitsplätze in diesem Land sicher werden und wir mehr Beschäftigung bekommen,

Das klappt ja wunderbar!

Was ist das denn für ein Quatsch? Genau das Gegenteil ist der Fall!

liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das ist ein finanzpolitischer Paradigmenwechsel, den wir eingeleitet haben.

In der Tat! Zum Schlechten, ja!

Ich sehe es auch auf der internationalen und der europäischen Ebene, dass die Kolleginnen und Kollegen alle zurückspiegeln, egal ob in der EU, im G7-Format oder im G20-Format:

Die wollen alle unser Geld!

Es ist richtig, dass Deutschland stark zurück ist, dass wir investieren – in die Zukunft, in die Sicherheit unseres Landes. Das klare Signal, das wir von unseren Partnern bekommen, ist: Es ist gut, dass Deutschland verstanden hat und diesen Weg jetzt geht.

Für den kommenden Haushalt will ich das mal sehr konkret machen. 2026 werden wir Rekordinvestitionen haben. Im Jahr 2025 hatten wir 115,7 Milliarden Euro, die wir investiert haben. Im Jahr 2026 werden wir das Ganze weiter steigern: auf 126,7 Milliarden Euro. Davon sind 56 Milliarden aus dem Kernhaushalt, 21,7 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds und 49 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz. Im Kernhaushalt bleiben wir weiter – und das ist ja uns allen wichtig – bei einer Investitionsquote von über 10 Prozent. Wir investieren also massiv in die Zukunft des Landes.

Natürlich habe ich auch, das trifft sicherlich auf uns alle zu, in den letzten Wochen in Gesprächen immer wieder gemerkt, wie schwierig es ist, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, dass wir auf der einen Seite jetzt massiv in die Zukunft unseres Landes investieren, wir aber auf der anderen Seite auch gefordert sind, im Kernhaushalt massiv zu sparen. Ich sage Ihnen: Beides ist notwendig. Wir investieren auf der einen Seite in die Modernisierung des Landes, und gleichzeitig müssen wir die laufenden Kosten in den Griff bekommen. Diese Verantwortung tragen wir. Wir dürfen das Ganze nicht vermischen, sondern wir müssen es trennen. Mit den Investitionen aus dem Sondervermögen werden wir keine Haushaltslöcher stopfen, sondern wir werden sanieren, was jahrelang vernachlässigt wurde. Da geht es vor allem um die Infrastruktur.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit wir in diesem Land gut zusammenleben können, muss die Infrastruktur funktionieren. Es ist meine feste Überzeugung, dass die Infrastruktur in diesem Land uns miteinander verbindet, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist mehr als Teer und Technik und Kupfer und Kabel. Zur Infrastruktur gehören auch die Schulen, die Kindergärten, die Krankenhäuser. Zur Infrastruktur gehören auch die Busse und Bahnen, die im ländlichen Raum viel häufiger und stärker fahren müssen. Infrastruktur ist das Fundament für den Zusammenhalt, für unseren Alltag und für unsere Zukunft in diesem Land. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn dieses Fundament sicher ist und wenn es steht, dann kann auch die Wirtschaft in unserem Land wieder wachsen. Eine wachsende Wirtschaft macht uns als Standort attraktiv und sichert in unserem Land Arbeitsplätze.

Deswegen sind mehr Investitionen in unsere Infrastruktur auch Investitionen in Gerechtigkeit und Zusammenhalt – in Gerechtigkeit für alle, die hart arbeiten, aber sich eben nicht alles leisten können. Investitionen machen unser Land gerechter, liebe Kolleginnen und Kollegen, und sie machen unser Land stärker.

Was ist das für ein Quatsch, was Sie da erzählen!

Deswegen ist es richtig, dass diese Bundesregierung so viel Geld in Investitionen in die Infrastruktur steckt.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es sind 166 Milliarden Euro, die wir in Schienen, in Straßen, in Brücken stecken werden bis 2029 – in einen Bereich, der über Jahre vernachlässigt wurde und wo wir jetzt dringend investieren können, damit Unternehmen sich ansiedeln können und damit Arbeitsplätze geschaffen werden. Es ist eine Notwendigkeit für wirtschaftliches Wachstum, dass wir eine starke Verkehrsinfrastruktur haben. Deswegen erwarte ich auch von allen, egal ob im Bund, in den Ländern, in den Kommunen, dass die Gelder, die wir jetzt für die Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stellen, schnell investiert werden und die Projekte schnell umgesetzt werden.

Was ist das für ein totaler Quatsch, den Sie da erzählen!

Wir werden in der Forschung und Entwicklung auch sehen in den nächsten Jahren, dass dort massiv investiert wird. Allein im Jahr 2026 stehen 17,1 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Da geht es auch um neue Produkte. Da geht es darum, Unternehmen zu stärken. Da geht es darum, dass Arbeitsplätze in unserem Land geschaffen werden. Wir haben in Deutschland eine starke Grundlagenforschung. Und wir wollen, dass die internationalen Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher nach Deutschland kommen und hier ihre Arbeit machen. Aber wir müssen jetzt dafür sorgen, dass sie mehr Zeit in den Laboren und am Mikroskop haben und weniger Zeit mit Anträgen zu Förderprogrammen verbringen. Wir wollen, dass die mRNA-Impfstoffe künftig auch vor Krebs schützen. Wir wollen, dass die Daten aus der Industrie mit künstlicher Intelligenz verbunden werden können. Gerade beim Transfer von Forschung in die Produktion müssen wir in Deutschland noch besser werden. Und dafür nehmen wir jetzt massiv Geld in die Hand.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich war erst in der letzten Woche beim Spatenstich am Berliner Nordhafen, wo die Charité mit Bayer zusammen ein großes Zentrum für Gen- und Zelltherapien aufbaut. Das ist Spitzenforschung, die hier in unserem Land stattfindet und die künftig helfen wird, dass heute noch unheilbare Krankheiten künftig geheilt werden können. Wir können stolz darauf sein, dass solche Entwicklungen in Deutschland stattfinden. Aber ich finde, es muss unser Anspruch sein, dass wir noch besser werden und die Industrie der Zukunft hier in Deutschland stärken. Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, investieren wir ganz massiv mit dem Haushalt 2026.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Es geht um Straßen. Es geht um Schienen. Es geht um Forschungszentren. Aber es geht genauso um die eigenen vier Wände. Es geht um die Frage, die viele Menschen in diesem Land umtreibt: ob der Wohnraum eigentlich noch bezahlbar ist, man sich die eigene Wohnung noch leisten kann oder sich perspektivisch eine leisten kann. Deswegen sorgen wir auch dafür, dass neuer, bezahlbarer Wohnraum entsteht. Das passiert nicht über Nacht. Aber wir stellen jetzt die Weichen, indem wir auch daran arbeiten, dass alles schneller geht und Bürokratie abgebaut wird. Allein im Jahr 2026 werden wir 1 Milliarde Euro zusätzlich in die Städtebauförderung stecken. Wir stecken 4 Milliarden Euro mehr in den sozialen Wohnungsbau. Das sind über 10 Prozent mehr als in der alten Finanzplanung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir schaffen damit bezahlbaren Wohnraum, das ist ein Gerechtigkeitsthema in unserem Land, und zusätzlich sichern wir Arbeitsplätze in der Bauindustrie. Ich bin froh, dass wir diesen Weg mit unseren Investitionen gehen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir bauen an anderen Stellen auch: bei den Kitas und Kindergärten. Wir wollen für unsere Kinder die bestmögliche Bildung und Betreuung. Wir wollen für Eltern eine verlässliche Unterstützung. Eltern hetzen heute viel zu oft hin und her zwischen Arbeit und Kita

Wer hat denn all die Jahre regiert?

und haben nicht mehr das Gefühl, dass sie allem gerecht werden können. Deswegen übernehmen wir auch als Bund Verantwortung und unterstützen die Länder, wenn es um Bildung und Betreuung geht, und wir werden zwischen 2026 und 2029 jährlich 1 Milliarde Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. Auch das ist ein wichtiger Schritt, wenn es um Gerechtigkeit in unserem Land geht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Haushalt ist die Unterstützung der Kommunen. Wir haben sehr großen Wert in der Koalition darauf gelegt, dass die Kommunen unterstützt werden, 100 Milliarden Euro, die es mit dem Sondervermögen gibt für die Länder und die Kommunen. Ich war vor Kurzem in Ludwigshafen zusammen mit Alexander Schweitzer, und ich habe dort sehr viele zufriedene Bürgermeister und Landräte gesehen, weil dort eine erste Landesregierung ein umfassendes Paket mit den Kommunen geschnürt hat und dafür sorgt, dass die Gelder jetzt wirklich schnell bei den Kommunen ankommen. Das ist ein richtiger Schritt, der da in Rheinland-Pfalz gegangen wird. Ich bin froh, wenn viele andere Länder auch folgen. Wir wollen, dass mit dem Geld, das wir zur Verfügung stellen, die Kommunen starkgemacht werden, dass die Investitionen vor Ort fließen können. Und alle können mithelfen, dass das in den Ländern schnell passiert.

In meinem Ministerium arbeiten wir jetzt zudem daran, dass wir bei den kommunalen Altschulden vorankommen. Auch hier wollen wir die Kommunen unterstützen. Erst gestern hat mir ein Oberbürgermeister aus Nordrhein-Westfalen gesagt, er blickt auf seine Schulen und traut sich gar nicht mehr, vom Aufstiegsversprechen zu reden. Aber das ist doch genau das, was wir brauchen: starke Schulen in starken Kommunen, die eine Aufstiegsperspektive bieten. Deswegen ist es doch wichtig, dass wir als Bund bei allen finanziellen Schwierigkeiten, die da sind, den Kommunen helfen, dass sie aus dieser Schuldenspirale rauskommen. Deswegen werden wir bei Altschulden einen Schritt gehen.

Zurufdes Abg. Christian Görke [Die Linke]

Deswegen haben wir beim Wachstumsbooster dafür gesorgt, dass die Kommunen kompensiert werden. Und deswegen überweisen wir an die Länder und Kommunen 100 Milliarden Euro.

Zurufdes Abg. Pascal Meiser [Die Linke]

Wir wollen starke, handlungsfähige Kommunen, die vor Ort entscheiden können. Darum geht es dieser Koalition. Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, stellen wir die Weichen mit diesem Haushalt 2026.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ich bin dem Kollegen Wildberger – das will ich hier ausdrücklich sagen – sehr dankbar dafür, dass er das Thema Bürokratieabbau vorantreibt, dass er das in der Regierung tut. Wir werden uns in der Klausur der Regierung dafür ausreichend Zeit nehmen; denn das ist neben der Frage, welche Gelder wir zur Verfügung stellen, ein wichtiges Thema, mit dem wir dringend vorankommen müssen.

Wir alle erleben doch, dass es in Deutschland keinen Spaß mehr macht, ein Haus zu bauen, einen Verein zu führen oder ein Unternehmen zu gründen.

Zurufvon der AfD: Warum wohl!

Das muss besser werden. Es hat sich zu viel Bürokratie aufgebaut. Das Leben ist zu kompliziert geworden.

Deswegen geht parallel mit diesem Haushalt 2026 auch einher, dass wir die Verfahren beschleunigen, dass wir Infrastrukturprojekte voranbringen und dass wir Bürokratie abbauen. Und wir werden in dieser Regierung geschlossen vorankommen, das Leben in Deutschland einfacher, unkomplizierter und schneller zu machen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Es geht im Haushalt auch darum, dass wir die Einnahmenseite stärken. Es geht darum, dass wir darauf achten, dass der Staat sich das Geld sichert, das ihm zusteht.

Zurufvon der AfD: Haha!

Als Finanzminister habe ich deshalb die Bekämpfung von Finanzkriminalität, von Schwarzarbeit und von Steuerbetrug zu einem meiner Arbeitsschwerpunkte gemacht.

Fangen Sie mal bei Cum-Ex an!

Wir haben die Gangart verschärft. Ich will, dass wir Menschen davor schützen, dass sie ausgebeutet werden und dass sie mit katastrophalen Arbeitsbedingungen zurechtkommen müssen. Ich will, dass wir faire Wettbewerbsbedingungen für die Unternehmen in diesem Land haben und dass wir die Unternehmen stärken, die sich an die Regeln halten. Ich sage Ihnen sehr klar, liebe Kolleginnen und Kollegen: Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein! Der Rechtsstaat in diesem Land muss konsequent durchgreifen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufder Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]

Das gilt für die Schwarzarbeit in diesem Land, die in großem Stil organisiert wird. Deswegen senden wir das klare Signal: Der Staat lässt sich nicht austricksen.

Ich habe Anfang August einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich um die Finanzkontrolle Schwarzarbeit kümmern wird, der sie schlagkräftiger macht, der sie moderner macht, der sie digitaler aufstellt. Und ja, auch bei den Verjährungsfristen für Cum-Cum und Cum-Ex sind wir Schritte gegangen.

Das reicht nicht!

Aber ich sage Ihnen, wir haben auch noch viel vor in dieser Legislatur, um Steuerbetrug, um internationale Finanzkriminalität und um Schwarzarbeit zu bekämpfen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein weiteres Thema, das in den nächsten Wochen eine große Rolle spielen wird, ist die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie und im Stahlbereich. Das liegt mir besonders am Herzen; ich will das hier ausdrücklich sagen. Es sind 80 000 Menschen, die in Deutschland in der Stahlindustrie arbeiten. Und die Stahlindustrie, um das hier klar zu benennen, ist eine Schlüsselindustrie für Deutschland: Sie ist notwendig für den Maschinenbau, für die Automobilindustrie, für den Schiffbau, für den Energiesektor, aber auch für den Sicherheitsbereich. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Stahlproduktion in Deutschland eine Zukunft hat.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Sie machen genau das Gegenteil!

Wir dürfen nicht zulassen, dass günstiger und dreckiger Stahl aus China oder von anderswo hierherkommt und den heimischen Stahl verdrängt. Deswegen ist es richtig, dass der Bundeskanzler jetzt zu einem Stahlgipfel einlädt, dass alle entscheidenden Akteure an einen Tisch geholt werden, dass wir den Beschäftigten eine Perspektive und Sicherheit bieten. Wir müssen Lösungen finden, liebe Kolleginnen und Kollegen, und unser Anspruch muss klar sein: Die Stahlindustrie muss eine Zukunft in Deutschland haben. Dafür kämpfen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Gleiches gilt auch für die Automobilindustrie. Wir können stolz sein, dass wir eine so starke Automobilindustrie in unserem Land haben. Und wir werden alles dafür tun, dass es stark weitergeht. Aber wir sehen auch die Herausforderungen, die da sind. Ich bin fest davon überzeugt: Die Zukunft der Automobilindustrie ist elektrisch. Und wir müssen jetzt genau prüfen: Was können wir noch weiter tun, um die Elektromobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu stärken? Der Automobildialog wird hierfür ein wichtiger Austausch sein, und dann geht es nicht darum, dass wir mit flotten Schlagzeilen, sondern mit sehr konkreten Ideen und politischen Entscheidungen dafür sorgen, dass die Automobilindustrie hier in Deutschland eine Zukunft hat. Die Transformation findet gerade statt. Aber das, was diese Regierung antreibt, das, was diese Regierung will, ist, dass die Arbeitsplätze der Industrie hier in Deutschland eine Zukunft haben, dass Stahl-, Automobil- und andere wichtige Industriebereiche hier in Deutschland die Arbeitsplätze der Zukunft schaffen und nicht irgendwo anders.

Zurufdes Abg. Leif-Erik Holm [AfD]

Und dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir Entscheidungen treffen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Ziel dieser Regierung ist es, Menschen in Arbeit zu bringen. Ich bin überzeugt davon, dass Arbeit zentral ist für den Wohlstand, für den Zusammenhalt in unserem Land. Dafür nehmen wir Geld in die Hand, investieren, dafür treffen wir politische Entscheidungen, damit mehr Menschen in Arbeit kommen.

Vor uns liegen weitreichende politische Entscheidungen, die wir in den nächsten Monaten treffen werden, um unser Land stark zu halten. Ich habe vorhin schon gesagt, es wird anstrengend, es wird herausfordernd. Ich bin mir aber sicher: Die Menschen in unserem Land spüren längst, dass wir weitreichende Veränderungen brauchen und dass Durchmogeln, Zögern oder Zurücklehnen nicht funktionieren wird. Die Menschen in unserem Land wissen, dass wir in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen haben, um etwa die schlimmsten Härten der Pandemie abzufedern, dass wir Geld in die Hand genommen haben, um Arbeitsplätze zu retten, dass wir Geld in die Hand genommen haben, um Familien und Betriebe in der Energiekrise zu entlasten, und dass wir Geld in die Hand genommen haben, um Europas Sicherheit in Zeiten eines Krieges zu verteidigen. Das waren keine leichten Entscheidungen. Aber ich sage hier: Das waren notwendige Entscheidungen, auch um die Freiheit und die Menschen in unserem Land zu schützen.

Diese Ausgaben waren Investitionen in das Zusammenleben. Aber sie müssen auch zurückgezahlt werden. Das Geld, das wir alle gebraucht haben und von dem wir alle als Gesellschaft profitiert haben, dieses Geld müssen wir halt irgendwann zurückzahlen. Dieses Irgendwann war sehr lange ein sehr fernes Wort. Aber Irgendwann fängt jetzt an. Deswegen sehen wir, dass beim Haushalt 2026 das noch alles vernünftig funktionieren kann und wird, ich bin mir sicher, dass die Beratungen hier im Haus das zeigen werden, aber dass die Haushaltslücke 2027 uns fordern wird. Und diese Aufgabe, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist meine Überzeugung, diese Aufgabe können wir nur gemeinsam schultern, indem wir nicht die Lasten auf einige wenige abwälzen, indem wir nicht den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden, sondern indem wir einen Weg finden, der fair und solidarisch ist und bei dem alle – und ich betone: alle – ihren Beitrag leisten werden, damit es in unserem Land gerecht zugeht. So bleibt Deutschland ein starkes Land.

Wenn ich davon rede, dass wir 2027 eine Lücke von 30 Milliarden Euro haben,

dann ist das keine Kleinigkeit. Es hat noch nie eine Regierung gegeben, die 30 Milliarden Euro einsparen musste.

Deswegen habe ich alle Ministerinnen und Minister aufgefordert, jetzt mit dem Sparen anzufangen.

Lachenbei Abgeordneten der AfD

Wir reden nicht von kurzfristigen Ausreißern, sondern wir haben eine strukturelle Schieflage, und ich bin fest davon überzeugt: Wenn wir auf diese strukturelle Schieflage keine überzeugende Antwort geben, dann gefährden wir den Wohlstand und die Sicherheit und das Zusammenleben in unserem Land. Wer glaubt, wir könnten einfach so weitermachen wie bisher,

Das machen Sie doch!

der irrt sich. Wir werden stärker werden, wenn wir unser Land gerecht machen und wenn wir Veränderungen vorantreiben, die uns alle betreffen.

Ich will hier in aller Klarheit auch einmal zum Sozialstaat sagen, über den ja viel diskutiert wird: Natürlich brauchen wir einen Sozialstaat, der sich verändert.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Natürlich muss der Sozialstaat zukunftsfest gemacht werden. Natürlich muss der Sozialstaat effizienter gemacht werden.

Zurufder Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]

Aber ich sage hier auch in aller Klarheit: Wir können stolz darauf sein, dass wir einen Sozialstaat haben, der denen hilft, die hinfallen, die Hilfe brauchen. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, wird sich in unserem Land nicht ändern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Es wird sich nicht ändern, dass wir einen Sozialstaat haben, der sich um die Menschen kümmert, die Hilfe brauchen.

Gleichzeitig dürfen wir doch nicht die Augen davor verschließen, dass es eine zunehmende Schwarzarbeit gibt, dass es eine zunehmende Ausnutzung,

Sozialstaat ohne Grenzen geht nicht!

einen Missbrauch auch beim Sozialstaat gibt, dass es diejenigen gibt, die sich verweigern, und dass es mittlerweile auch professionelle Strukturen gibt, die den Sozialstaat ausnutzen.

Zurufvon der Linken: Wer sagt das denn?

Und darauf, sage ich in völliger Überzeugung, muss der Rechtsstaat mit aller Konsequenz und Härte reagieren, und das werden wir als Koalition tun, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Wenn wir nicht handeln, wenn wir am Status quo festhalten, dann verlieren wir an wirtschaftlicher Stärke, dann verlieren wir an sozialem Zusammenhalt, dann verlieren wir auch das Vertrauen der Menschen. Deswegen ist der Status quo unser Gegner, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir brauchen Reformen, die die Beschäftigung ins Zentrum stellen, die neues Wachstum schaffen, die mehr Beschäftigung schaffen, die dafür sorgen, dass die Sozialausgaben sinken und die staatlichen Einnahmen wachsen. Ich will einfach mal ermuntern, dass wir alle Entscheidungen, die wir treffen, aus der Perspektive von Menschen treffen, die für 2 500 oder 3 000 Euro jeden Morgen aufstehen, die fleißig sind, die arbeiten gehen,

Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

die sich um die Kinder kümmern, die im Verein aktiv sind, die wahrscheinlich nicht diejenigen sind, die laut auf Instagram oder Facebook rumbrüllen und die Debatten polarisieren. Das sind die Menschen, für die wir Politik machen in dieser Koalition.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]

Wir wollen, dass es denen gut geht, dass die ein vernünftiges Leben haben. Für die, liebe Kolleginnen und Kollegen, treffen wir Entscheidungen.

Wir alle wissen, dass Reformen überfällig sind: bei der Bürokratie, beim Sozialstaat, in der Wirtschaft. Wir alle wissen das, weil wir doch mitbekommen, dass in diesem Land nicht mehr alles gut oder vieles auch zu langsam läuft, weil wir wissen, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass die Krisen der letzten Jahre auch große Spuren hinterlassen haben, dass es eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Staat und seiner Performance gibt. Das alles führt zu Frust; das kriegen wir als politisch Verantwortliche jeden Tag mit. Aber ich bitte auch darum, dass uns dieser Frust nicht lähmt. Ich sage Ihnen hier sehr klar: Er darf nicht dazu führen, dass wir uns zurückziehen oder dass wir den Populisten das Feld überlassen. Ja, ich beobachte sehr häufig, dass wir uns in dieser Unzufriedenheit zu sehr gefallen, dass wir dann alles schlechtreden und dass wir uns kleinmachen. Ich finde, wir sollten uns als Land nicht kleinmachen bei dem, was wir alles können, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wissen Sie, ich habe das Privileg, viel auf dieser Welt unterwegs zu sein, und ich durfte schon in vielen Ländern sein und viele Länder kennenlernen. Aber ich sage Ihnen auch mit völliger Überzeugung: Ich habe noch kein Land kennengelernt, in dem ich lieber leben möchte als in Deutschland. Wir leben in einem starken Land mit tollen Menschen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Unser Job ist es, dass wir jeden Tag daran arbeiten, dass es besser wird. Aber lassen Sie uns das mit Zuversicht und nicht mit schlechter Laune tun. Das wollen die Populisten. Die wollen das Gegeneinander, die wollen den Hass und die Hetze, und das darf niemals, liebe Kolleginnen und Kollegen, unser politischer Stil sein.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Und ja, das ist alles wahnsinnig viel. Ich habe es vorhin gesagt: Das ist wahnsinnig viel, was auf die Menschen und auch auf uns in der Politik eindrischt: die Bedrohung von Arbeitsplätzen, die wirtschaftliche Schwächephase, die Unsicherheit, die Polarisierung, der Krieg, die internationale Situation. Aber genau deswegen geht es jetzt darum, dass diese Regierung Entscheidungen trifft, die unser Land voranbringen. Und noch mal: Ich bin fest davon überzeugt, die Bürgerinnen und Bürger wissen, es muss jetzt Entscheidungen geben, es muss Veränderungen geben, und das dürfen keine kleinen Trippelschritte sein,

Erbschaftsteuerreform!

Zurufder Abg. Nicole Gohlke [Die Linke]

sondern das müssen große Veränderungen sein. Dann haben wir auch das Zutrauen, dieses Land am Ende starkzumachen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wichtig ist, liebe Kolleginnen und Kollegen, und das will ich zum Schluss noch mal sagen, dass wir eine Debattenkultur hier in diesem Parlament finden, in der wir konstruktiv diskutieren, in der wir offen und ehrlich die Probleme ansprechen, indem wir die Sorgen und die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen, den Frust ernst nehmen und indem wir Veränderungen erklären.

Meine feste Überzeugung ist, dass Kooperation uns guttut und dass das Gegeneinander diesem Land schadet.

Da sind wir mal gespannt!

Das gilt für die Koalition, das gilt für das Verhältnis zur Opposition, das gilt für unsere Gesellschaft insgesamt.

Wir müssen auch um unsere politische Kultur kämpfen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich erlebe zu häufig, dass politische Debatten nach dem Motto geführt werden: Ja/Nein, Schwarz/Weiß, eins/null;

Fangen wir mit dem Vizepräsidenten an!

bist du nicht zu 100 Prozent meiner Meinung, dann bist du mein Gegner. Und ich sage Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Das macht unser Land kaputt.

Zurufvon der AfD: Das erleben wir ja gerade!

Wir brauchen eine Debattenkultur, in der wir auch bereit sind, Kompromisse zu finden, gemeinsame Wege zu gehen, Brücken zu bauen. Deutschland braucht kein Schwarz-Weiß. Deutschland braucht keine zusätzliche Polarisierung. Deutschland bleibt ein starkes Land, wenn wir in der demokratischen Mitte dieses Landes in der Lage sind, Kompromisse zu finden und gemeinsame Lösungen zu finden. Dafür steht diese Regierung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Wir alle wollen doch, dass unsere Kinder und Enkelkinder in einem sicheren und funktionierenden Land groß werden. Das eint uns doch! Und wir alle wollen doch, dass es in unserem Land unseren Mitmenschen und der Umwelt gut geht. Das eint uns doch! Und wir alle wollen doch in einer Gesellschaft leben, in der niemand im Stich gelassen wird, in der niemand allein gelassen wird. Wir alle wollen in einer solidarischen Gesellschaft leben, in der Menschen, die Unterstützung brauchen, auch Unterstützung bekommen. Noch mal: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bürgerinnen und Bürger bereit sind, dazu ihren Beitrag zu leisten.

Vor uns liegt viel Arbeit mit dem Haushalt 2026 und erst recht mit dem für 2027. Wir werden im Großen und im Kleinen harte Entscheidungen treffen. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin mir sicher: Unser Land kann das!

Ich freue mich auf die Beratungen über den Bundeshaushalt 2026 und will mich schon jetzt beim Haushaltsausschuss und bei den Fraktionen für das gute Miteinander bedanken.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Michael Espendiller
Foto: Dr. Michael Espendiller
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuschauer im Saal und an den Bildschirmen! Der Bundesfinanzminister bringt heute seinen Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 ein. Die Regierung plant im nächsten Jahr Ausgaben im Gesamtvolumen von 630,6 Milliarden Euro. Und bei diesem Gesamtvolumen beginnt für den Nichthaushälter auch schon die erste Verwirrung. Denn wenn man aufmerksam die Tagespresse liest oder auf die Internetseite bundeshaushalt.de schaut, steht dort, dass die Gesamtausgaben des Bundeshaushalts 2026 eigentlich 520,5 Milliarden Euro sind. Bei diesen 520,5 Milliarden Euro handelt es sich aber um die Ausgaben aus dem sogenannten Kernhaushalt, also jenem Dokument, das auch der Bürger draußen über die Bundestagsdrucksache 21/600 einsehen kann.

Obendrauf kommen dann aber für das Jahr 2026 noch die Ausgaben aus dem sogenannten Sondervermögen; wir nennen das hier immer korrekt Sonderschulden. Diese Ausgaben sollen sich nach dem Willen der Bundesregierung auf 110 Milliarden Euro belaufen. Und damit kommen wir dann auf die eingangs erwähnten 630,6 Milliarden Euro, die Lars Klingbeil und Friedrich Merz 2026 ausgeben wollen.

Genau hier setzt unser Kritikpunkt an: Gerade in Zeiten, in denen die Regierung Rekordschulden macht und den Bürgern immer mehr abverlangt, ist es wichtig, dass die Bürger selbst einfach und transparent nachvollziehen können, was mit ihrem Steuergeld geschieht und wie der Staat damit arbeitet.

Beifallbei der AfD

Aber genau das wird durch diese ganzen Finanztricksereien der Bundesregierung mit ihren Sonderschulden systematisch verunmöglicht. Und ein schöner Beleg dafür ist, dass man die Höhe der geplanten Gesamtausgaben von 630,6 Milliarden Euro für das kommende Jahr so gut wie in keinem Presseartikel findet. Hier muss sich was ändern, und die Regierung muss hier unbedingt transparenter werden.

Beifallbei der AfD

Aber auch in anderer Hinsicht mangelt es an Transparenz und Nachvollziehbarkeit, nämlich im Hinblick darauf, wie so ein Bundeshaushalt überhaupt zustande kommt.

Am Beginn des Haushaltsaufstellungsverfahrens liegen die sogenannten Bedarfsanmeldungen. Das läuft dann so ab, dass die einzelnen Ministerien in ihrem Geschäftsbereich kalkulieren, welche Mittel sie brauchen, und dann gehen sie mit ihrer Bedarfsanmeldung zum Finanzministerium. Davor holen die entsprechenden Haushaltsreferate der einzelnen Ministerien bei den ihnen unterstellten Behörden, Ämtern, Abteilungen, Instituten deren Bedarfsanmeldungen ab. Also zum Beispiel sagt die Bundespolizei dem Bundesinnenministerium, wie viele Stellen sie braucht oder wie viele neue Drucker oder Haushaltsmittel für eine Mietzahlung; was es halt alles so gibt.

Zusätzlich kommen aber auch noch viele Extrawünsche dazu. Wenn man die Verwaltung fragt, hat sie immer Ideen, wie sie noch mehr Kompetenzen, noch mehr Befugnisse und noch mehr Aufgabenfelder bekommen kann und damit automatisch noch mehr Stellen und noch mehr Geldmittel. Die Haushaltsreferate in den Ministerien setzen diesem jährlichen Trend zu Mehrausgaben einfach viel zu wenig entgegen.

Beifallbei der AfD

Ich habe auch noch nie ein Berichterstattergespräch erlebt, wo mal jemand gesagt hat: „Wir brauchen weniger Geld“, oder wo mal jemand gesagt hat: „Wenn wir effizienter arbeiten, dann brauchen wir auch weniger Stellen.“ Im Gegenteil: Jammern, dass es von allem zu wenig gibt, ist der Standard. Und selbst wenn man zu der Auffassung kommen könnte, man bräuchte weniger Geld, würde das keiner sagen; denn man will ja selber nicht zu kurz kommen. Es gibt in diesem Verfahren einfach keinen Anreiz zum Sparen.

Wenn das Finanzministerium dann tatsächlich mal Priorisierungen vornimmt, dauert es keine zwei Sekunden, bis diejenigen, die von dieser Steuergeldsparmaßnahme betroffen sind, Briefe und E-Mails schreiben. Darin wird dann wortreich und möglichst dramatisch dargestellt, warum man bei ihnen ja auf gar keinen Fall sparen kann. Je nach Sachgebiet gibt es dann Presseartikel, mediales Mimimi oder Drohungen, dass XYZ nie wieder gewählt wird, und dann knicken die meisten ein. So ergibt sich ein System, bei dem diejenigen, die besonders lautstark ihre vermeintlichen Ansprüche auf das von anderen erarbeitete Steuergeld geltend machen, den Ton angeben. Deshalb steigen die Staatsausgaben und unsere Schulden Jahr um Jahr.

Beifallbei der AfD

Es gibt übrigens auch eine Gruppe, die im Haushaltsaufstellungsverfahren überhaupt nicht nach ihren Bedarfen gefragt wird, und das sind die Bürger. Ja, natürlich geben wir im Bundeshaushalt auch Geld für die Bürger aus. Aber sie selbst können ja nicht einfach anmelden, dass sie im Jahr 2026 einen höheren Finanzbedarf wegen gestiegener Mietkosten haben und deshalb gern mehr von ihrem Steuergeld behalten würden. Die Bürger haben keine Lobby.

Wir alle sind die Lobby der Bürger!

Sie haben keine Stimme und keinen Platz am Tisch im Haushaltsaufstellungsverfahren, aber sie sind es, die am Ende die Rechnung bezahlen müssen.

Beifallbei der AfD

Wir haben damit ein System, das die Wortführer von Umverteilung begünstigt. Ihre Stimme, mit der sie ihre Ansprüche, von anderer Leute Hände Arbeit leben zu wollen, geltend machen, wird überproportional gewichtet. Und genau da müssen wir ran.

Beifallbei der AfD

Wir haben Ihnen allen ja schon am 2025er-Haushalt gezeigt, wie das gehen könnte. Wir können Ausgaben kürzen. Wir können die Bürger finanziell entlasten. Und genau das machen wir von der AfD auch weiter; denn irgendjemand muss Lars Klingbeil ja mal erklären, wie er seine Haushaltslöcher stopfen kann.

Beifallbei der AfD

Und damit wären wir auch schon bei besagten Finanzierungslücken: Mit der einseitigen Fokussierung auf angebliche Milliardenlöcher im Haushalt wird so getan, als wären diese Löcher in Stein gemeißelt. Aber das sind sie gar nicht. Bei den Haushaltslöchern handelt es sich zunächst einmal um Bedarfsanmeldungen, deren Saldo mit dem der Einnahmen des Staates plus erlaubter Nettokreditaufnahme nicht ganz zusammenpasst. Ganz salopp gesagt: Wenn ich feststelle, dass ich zu wenig Geld für die angemeldeten Bedarfe habe, dann muss ich mich halt entscheiden, was ich noch finanzieren kann und was ich finanzieren will.

Beifallbei der AfD

Der Bundesrechnungshof hat genau das der Regierung auch noch mal aufgeschrieben und sagt – Zitat –:

„Vielmehr lebt der Bund strukturell über seine Verhältnisse. […] Wer plant, im Jahr 2026 fast jeden dritten Euro ‚auf Pump‘ zu finanzieren, ist von einer soliden Finanzwirtschaft weit entfernt“,

sagt der Bundesrechnungshof.

Beifallbei der AfD

Recht hat er!

So ziemlich das Gleiche haben wir Ihnen auf der Regierungsbank auch schon zum 2025er-Haushalt gesagt. Das Problem ist aber, dass diese Regierung ja absichtlich den Point of no Return überschreiten will. Sie will so viele Schulden machen, dass es keine Alternative zu noch mehr Schulden gibt. Genau deshalb werden die angeblichen Finanzierungslücken mit freundlicher Unterstützung der Narrativmedien als unabänderliches Schicksal dargestellt. Denn die ohnehin nur schwache Schuldenbremse soll ganz weg. Dahinter steckt der nachweislich falsche Gedanke, dass man mit Schuldengeld nachhaltiges Wirtschaftswachstum erzeugen kann, obwohl die Geschichte in zig Fällen das Gegenteil gezeigt hat.

Beifallbei der AfD

An dieser Stelle muss man sagen, dass diese Art der Haushaltsführung bei einem SPD-geführten Finanzministerium nicht verwundert. Was die Menschen im Land aber richtig sauer macht, ist, dass die CDU, die versprochen hatte, das alles anders zu machen, bei diesem ganzen Mist mitmacht und ihn überhaupt erst ermöglicht.

Beifallbei der AfD

Die Bürger haben zur Bundestagswahl nicht einen Kanzler gewählt, der ständig im Ausland weilt und dessen Hauptthema die Fortführung des Krieges in der Ukraine ist, sondern den angeblichen Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz.

Sehr guter Kanzler!

Sie haben den Typen gewählt, der vor Jahren die Debatte mit der Idee beflügelt hat, eine Steuererklärung müsse man auf einem Bierdeckel machen können.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Bravo!

Jeder wusste, dass das übertrieben ist. Aber dieses Versprechen einer radikalen Entbürokratisierung hat viele begeistert und hat bis in den Bundestagswahlkampf 2025 gestrahlt.

Der größte Fehler, Herr Merz, den Sie fiskalpolitisch begehen, ist aber die schuldenfinanzierte Ausrüstung der Bundeswehr. Bundesverteidigungsminister Pistorius hat schon in der letzten Wahlperiode viel zu viel Material, das unsere Bundeswehr selber benötigt, an die Ukraine abgegeben und hat es nicht geschafft, die dadurch entstehenden Lücken wieder zu schließen. Lücken, die im Übrigen sehr teuer für uns werden.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Michael Thews [SPD]

Und auch in dieser Wahlperiode hat Herr Pistorius mal wieder die Spendierhosen an und hat unter anderem Patriot-Systeme an die Ukraine abgegeben, die nun in unserem Bestand für die Verteidigung unseres Landes fehlen. Dabei hat er voller Selbstbewusstsein verkündet, dass man die Patriot-Systeme dann einfach bei den Amerikanern nachkaufen würde. Dumm nur, dass die Amerikaner sich Medienberichten zufolge jetzt entschieden haben, selbst keine Patriot-Systeme mehr abzugeben; denn nach drei Jahren Ukrainekrieg sind nicht nur die Waffenlager der NATO erschreckend leer, sondern auch die der Amerikaner.

Laut den militärischen Einsatzplänen der Amerikaner verfügen sie selbst nur noch über 25 Prozent der für ihre Sicherheit erforderlichen Patriot-Systeme. Und hier wurde nun festgestellt, dass die eigene Sicherheit über der der Verbündeten in Europa steht. Aus zwei Jahren Wartezeit für die Bestellung können jetzt leicht fünf Jahre werden, und weitere Patriot-Systeme wird sich die US-Regierung sicherlich gut was kosten lassen. Trump weiß halt, wie man gute Deals macht, und das wird zulasten von Deutschland passieren.

Beifallbei der AfD

Das ist aber auch direkte Folge davon, wenn man für alle sichtbar einen riesigen Geldtopf hinstellt und das Motto ausgibt: Whatever it takes. – Die Preise steigen, und genau das haben wir Ihnen auch vorhergesagt.

Es gibt auch im Bundeshaushalt 2026 jede Menge Sparpotenzial, mit dem wir verhindern könnten, dass wir als Land in eine nicht endende Schuldenspirale eintreten, deren Zinszahlungen uns und künftige Generationen erdrücken werden. Wir als AfD-Bundestagsfraktion werden das wieder aufzeigen und hoffen, dass die Regierung endlich auch sparsam sein wird, anstatt weiterhin Geld zu verschwenden, das wir eigentlich gar nicht haben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Porträt von Mathias Middelberg
Foto: Dr. Mathias Middelberg/Tobias Koch
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Verehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Auch der Haushalt 2026, den wir in dieser Woche beraten, ist vor allem eins: ein Investitionshaushalt.

Vollkommen richtig!

Zurufvon der AfD

Wir investieren in einem Maß wie nie zuvor. 127 Milliarden Euro von den Gesamtausgaben sind Investitionen; das sind 21 Prozent. Das ist Rekordniveau. Mit diesen öffentlichen Mitteln – und das ist wichtig, auch gerade im Unterschied zu dem, was gerade von der AfD kam – sichern wir unsere Verteidigungsfähigkeit. Das ist angesichts der sicherheitspolitischen und außenpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre und Monate dringend erforderlich; und es ist wichtig und gut, dass der Finanzminister das hier an erster Stelle heute betont hat.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir schaffen mit diesen öffentlichen Investitionen aber auch die Grundlage für neues wirtschaftliches Wachstum hier in Deutschland, und – das ist mir auch wichtig, das zu betonen – wir verbessern parallel auch die Rahmenbedingungen für private Investitionen. Auch das ist ganz wichtig; denn die privaten Investitionen machen den bei Weitem größten Teil der Investitionen für unsere wirtschaftliche Entwicklung aus.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben den ersten Schritt schon beim Thema Steuern mit den Sonderabschreibungen und der Absenkung der Körperschaftsteuer um 5 Prozentpunkte gemacht – der größten Steuerreform im Unternehmensteuerbereich seit 2008. Den nächsten Schritt gehen wir jetzt mit der Entlastung der Wirtschaft und der Verbraucher bei den Energiepreisen: Wir senken die Netzentgelte, wir streichen die Gasspeicherumlage, und wir senken die Stromsteuer. Das sind aufs Jahr gerechnet insgesamt 10 Milliarden Euro Entlastung. Eine vierköpfige Familie spart bei den Stromkosten so bis zu 100 Euro pro Jahr.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir gehen das Thema Bürokratieabbau an durch die Streichung der Berichtspflichten beim Lieferkettengesetz. Wir entlasten die Dienstleistungsbranche, indem wir die Gastrosteuer auf 7 Prozent absenken.

Wir entlasten aber auch die Arbeitnehmer, also die, die morgens früh aufstehen, fleißig sind und dieses Land tragen – so hat es Lars Klingbeil zu Recht gesagt – steuerlich durch eine höhere Pendlerpauschale.

Zurufdes Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wir schaffen zusätzliche Anreize für Mehrarbeit, indem wir jetzt die Aktivrente einführen. Bis zu 2 000 Euro kann man steuerfrei hinzuverdienen, wenn man schon Rentner ist. Auch das ist eine deutliche Verbesserung.

Alle diese Maßnahmen werden einen Anschub für neues wirtschaftliches Wachstum schaffen. Damit bringen wir Deutschland voran.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Klar ist aber auch – und das wollen wir gar nicht verkennen; das muss man ehrlicherweise auch sagen –: Bei Ausgaben von insgesamt 605 Milliarden Euro finanzieren wir 174 Milliarden Euro aus neuen Krediten. Das sind fast 29 Prozent, deutlich mehr als jeder vierte Euro. Deswegen sind zwei Dinge jetzt ganz entscheidend:

Erstens. Die Gelder, die wir mobilisieren, müssen jetzt wirklich zielgenau investiert werden. Es darf kein wirtschaftliches Strohfeuer geben, sondern wir müssen mit dem, was wir jetzt in die Hand nehmen und investieren, wirklich das Potenzial für neues wirtschaftliches Wachstum schaffen. Deswegen ist es entscheidend, dass wir den Fokus stringent auf die Bereiche setzen, die dann das Potenzial für neues Wachstum bilden. Das sind die Bereiche Bildung, Forschung, Digitalisierung und Verkehr.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zum anderen ist wichtig, dass wir die Zeit, die wir uns jetzt durch diese Kreditfinanzierung erkaufen, nutzen, um wirklich strukturell zu reformieren. Der Bundesrechnungshof hat zu Recht – wir nehmen die Kritik ernst – darauf hingewiesen, dass die Zinsausgaben massiv steigen: von jetzt aktuell 30 Milliarden Euro auf perspektivisch bis 2029 dann 67 Milliarden Euro. Das ist mehr als eine Verdopplung. Der prozentuale Anteil an den Ausgaben wird von 6 auf 12 Prozent steigen. Eine Kreditfinanzierung in diesem Ausmaß werden wir natürlich nicht auf Dauer leisten können; auch das hat der Finanzminister heute hier ja sehr ehrlich und klar angesprochen.

Deswegen ist es jetzt wichtig, dass die Dinge umgesetzt werden, die wir heute hier angesprochen haben – die öffentlichen Investitionen, die Verbesserung für private Investitionen –, damit wir wirklich wieder zu Wirtschaftswachstum kommen; das ist das wichtigste Element. Und zum anderen müssen wir auch ganz klar an das Thema „Einsparungen und struktureller Umbau“ im Haushalt rangehen:

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Hört! Hört!

bei Förderprogrammen, bei Subventionen, aber auch bei Themen wie zum Beispiel dem Bürgergeld oder anderen sozialen Sicherungssystemen.

Hört! Hört! Da hat der Finanzminister was anderes erzählt!

Da besteht zwischen uns auch überhaupt gar kein Konsens – gar kein Dissens.

– So ist das halt manchmal. – Es besteht zwischen uns überhaupt gar kein Dissens.

Ihr seid die besten Freunde!

Uns geht es nämlich nicht darum, irgendwo einfach zu kürzen, sondern uns geht es darum, wirklich präzise zu prüfen, ob die Mittel zielgenau eingesetzt sind. Am Ende muss es auch so sein, dass wir einen Konsens finden, der alle gesellschaftlichen Gruppen, alle Beteiligten fair und gerecht miteinbezieht.

Bis auf die Steuerzahler!

Das ist unser Ziel, und das werden wir jetzt angehen.

Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Aber auf diesem Weg – und auf keinem anderen – wird es uns gelingen, Deutschland voranzubringen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Das ist alternativlos!

Porträt von Sebastian Schäfer
Foto: Sebastian Schäfer/ Stefan Kaminski
12 VermerkeZwischenfrageca. 572 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Im Haushalt wird das Tatsächliche deutlich – jenseits aller politischen Rhetorik. Trotzdem hören wir auch in Haushaltsdebatten wie in der letzten Woche ausgerechnet vom Bundesfinanzminister nur politische Prosa: „Wir investieren, wir reformieren, und wir konsolidieren.“

Zum Investieren:

„Die geplanten Verschiebungen im Bundeshaushalt sind unverständlich, unvermittelbar und in jeder Hinsicht kontraproduktiv.“

Treffender als Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst in der „FAZ“ kann ich es auch nicht zusammenfassen:

„Die Verschiebungen führen nach Ansicht von Wüst ‚den Sinn und Zweck des Sondervermögens ad absurdum.“

Zurufder Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD]

Oder frei nach Herrn Middelberg: Konsens in der Koalition.

Heiterkeitund Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Reformieren: Sonntagsreden, Kommissionen, Widersprüche in der Koalition, bisher vor allem „Bullshit“ und nichts Konkretes. Herr Bundeskanzler, damit aus Ihrem Herbst der Reformen kein Winter der Enttäuschungen wird, brauchen unsere Kommunen Geld, um in Busse,

Dieselbusse!

Bahnen und Schienen zu investieren. Dafür müssen wir die Sozialversicherungen auch dringend stabilisieren. Wir brauchen Investitionen in unsere Infrastruktur, in Zukunftstechnologien, in Klimaschutz. Da liegen die wirtschaftlichen Chancen, die Arbeitsplätze. Wir müssen wettbewerbsfähig sein, damit sich die Verschuldung nicht entgrenzt.

Dafür könnte auch das Konsolidieren beitragen. Herr Linnemann sagt:

„Die Ministerialbürokratie nimmt mittlerweile Größenordnungen an, das ist ja Wahnsinn. Ich finde, zehn Prozent einzusparen an Personal innerhalb einer Periode ist machbar.“

Ende 2023 – das ist unser aktueller Stand – waren laut Bundesrechnungshof über 30 000 Stellen in der Bundesverwaltung unbesetzt und damit über 10 Prozent. Die geplanten Einsparungen bei den Stellen können rechnerisch einfach aus diesen ohnehin unbesetzten Stellen genommen werden. In anderen Worten: Sie streichen Stellen und sparen damit aber gar nichts.

Dazu kommt, dass es bei Ihrer Einsparvorgabe viele Ausnahmen gibt. Fast zwei Drittel aller Stellen sind davon gar nicht betroffen. Gleichzeitig sollen in manchen Bereichen – zum Beispiel beim Zoll, bei der Bundespolizei, beim Zivil- oder Bevölkerungsschutz – neue Stellen geschaffen werden. Unterm Strich heißt das: rund 5 000 Stellen mehr im Haushalt 2026 im Vergleich zum zweiten Regierungsentwurf für den Haushalt 2025.

Unsere Bundeswehr ist dabei natürlich nicht berücksichtigt.

Ich will das heute auch gar nicht in der Sache bewerten, aber Sie machen sich nicht ehrlich mit Ihrer Ankündigungspolitik,

mit Ihren Worten, denen keine Taten folgen – weder im Wahlkampf noch in Ihrer konkreten Regierungsarbeit.

Und dann der Einsparhit mit den Beauftragten: Das durfte im Wahlkampf der Union in keiner Rede fehlen. Was ist rausgekommen?

Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Rohrkrepierer!

178 800 Euro Einsparungsbeitrag für die Abschaffung von 25 Regierungsbeauftragten. Das ist noch nicht einmal die Gegenfinanzierung für 20 Minuten Gastrosteuersenkung.

Quatsch! Totaler Quatsch diese Milchmädchenrechnung!

Das ist die Realität, mit der die Union konfrontiert ist, wenn sie echte Politik liefern muss, statt nur Überschriften zu produzieren.

Die Zeiten für unser Land sind zu schwierig, um sich um unbequeme Wahrheiten herumzudrücken. Da stimme ich mit dem Bundesfinanzminister durchaus überein. Wir müssen sie auch in unseren parlamentarischen Debatten ansprechen. Dafür sollten wir diese Woche und diesen Haushalt wirklich nutzen.

Porträt von Thorsten Rudolph
Foto: Dr. Thorsten Rudolph/ Photothek
7 Vermerkeca. 745 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland wird moderner, stärker und gerechter – das ist das Versprechen des Bundeshaushalts 2026. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur haben wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen Durchbruch geschafft, für den wir jahrelang gekämpft haben. Ich bin mir sicher: 2026 wird ein gutes Jahr für unser Land. Ab jetzt geht es wieder bergauf.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir reden über Rekordinvestitionen, mit denen wir für Wachstum und sichere Arbeitsplätze sorgen: 126,7 Milliarden Euro insgesamt – mehr als je zuvor. Allein 49 Milliarden Euro davon aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Große Zahlen, ja, aber entscheidend ist: Sie machen das Leben der Menschen besser. Kinder lernen in Schulen ohne Schimmel, mit modernen Klassenzimmern und funktionierendem WLAN. Pendlerinnen und Pendler fahren über sichere Brücken oder nutzen gleich die Deutsche Bahn mit ihren dann endlich wieder deutlich pünktlicheren Zügen. Familien profitieren von günstiger und sauberer Energie, die nicht nur dem Klima nützt, sondern auch die Stromrechnung senkt. Das ist Politik, die man im Alltag spürt. Und genau darum geht es jetzt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Felix Schreiner [CDU/CSU]

Aber wir müssen ehrlich sein: Auch diese Rekordsummen reichen nicht, um den riesigen Sanierungsstau in unserem Land vollständig aufzulösen. Deutschland hat zu lange von seiner Substanz gelebt. Wir müssen Prioritäten setzen: die Bahnkorridore, die Autobahnbrücken, die Digitalisierung, der Wohnungsbau. Klar ist damit auch: Andere Bereiche – die Kultur, die Kommunen, die Sozialwirtschaft – brauchen ebenso dringend Investitionen. Aber dafür reicht dieses Sondervermögen nicht. Genau deshalb ist die Kommission zur Reform der Schuldenbremse so wichtig: damit wir endlich dauerhaft ein höheres Investitionsniveau sicherstellen und damit wir nie wieder zulassen, dass unsere Infrastruktur über Jahrzehnte einfach verfällt.

Beifallbei der SPD

Und wir dürfen nicht vergessen: Mit dem Haushalt 2027 steht eine Herkulesaufgabe an; Lars Klingbeil hat einiges dazu gesagt. Wir müssen dann eine Lücke von 34 Milliarden Euro schließen. Der Grund für die Lücke ist einfach erklärt: Abgesehen von Verteidigung und Investitionen zur Sanierung unserer Infrastruktur gilt für alle anderen Ausgaben weiterhin die Schuldenbremse. Aber diese Herausforderung ist zu schaffen, wenn wir als Koalition zusammenstehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wie das geht? Nur im Team und nur mit einem Mix: kluges Wirtschaftswachstum, das für Mehreinnahmen sorgt, sparsame Haushaltsführung in allen Ministerien, eine ehrliche Überprüfung von Subventionen und Förderprogrammen und eine sozial gerechte Reform unserer sozialen Sicherungssysteme. Das wird nicht leicht, aber genau das ist die Verantwortung, die wir als Koalition tragen – und die wir tragen wollen.

Ich bin überzeugt, dass der Koalition diese Herkulesaufgabe gelingen kann. Vertreter meiner Partei haben öffentlich erklärt – und erklären es immer wieder –, dass sie solche Reformen, die natürlich auch zu Belastungen führen, mittragen. Und Vertreter der Union – Mathias Middelberg zum Beispiel gerade – haben erklärt, dass die Frage einer gerechten Verteilung dieser Belastungen ebenfalls geklärt werden muss, etwa bei der Erbschaftsteuer. Das sind, finde ich, ermutigende Signale. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass es eine gute Lösung für die Handlungsbedarfe geben kann.

Und weil ich den Erfolg dieser Koalition, den Erfolg der Regierung Merz will, erlaube ich mir an dieser Stelle auch einen mahnenden Hinweis: Wer heute Milliardenforderungen aufstellt, muss auch sagen, wie er sie finanzieren will. Stattdessen höre ich in den letzten Wochen öffentlich mit großer Vehemenz vorgetragene Forderungen: 5 Milliarden Euro mehr für die Stromsteuersenkung, 2 Milliarden Euro mehr für die Pflege, 10 Milliarden Euro mehr für die Krankenkassen, 15 Milliarden Euro mehr für neue Straßenbauprojekte. Teile der Union in Fraktion und Regierung sind derzeit mit diesen Forderungen Weltmeister im Geldausgeben – und Kreisliga bei der Haushaltsdisziplin; um die sollen sich dann anscheinend andere kümmern.

Zurufevon der Linken: Oah!

Ich weiß nicht, ob das eine bewusste Strategie ist. Aber wenn das so weitergehen sollte, dann wird es schwer für die Konsolidierung – und die Koalition.

Darum mein Appell heute: Lassen Sie uns die vor uns liegenden Aufgaben gemeinsam anpacken – als Koalition, die Verantwortung trägt und die gezeigt hat, dass sie handlungsfähig ist. Wir investieren in nie dagewesenem Ausmaß in unser Land, und wir konsolidieren den Haushalt – gemeinsam mit Vernunft und Verantwortung.

Beifallbei der SPD

Wenn wir das schaffen – und ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen –, dann bringen wir Deutschland sicher und gerecht voran, dann blüht unser Land auf, und dann entziehen wir den Populistinnen und Populisten den Boden.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD
Porträt von Dietmar Bartsch
Foto: DBT/ Inga Haar
15 Vermerkeca. 1.085 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Lars Klingbeil, Sie haben uns ja aufgefordert, hier offen und ehrlich zu reden. Ich werde mir große Mühe geben. Ich habe allerdings heute früh in vielen Publikationen gelesen, dass der Bundeskanzler gesagt hat, Sie seien sensibel und man solle Sie nicht kritisieren. Ich finde, eine größere Demütigung für den Koalitionspartner kann es überhaupt nicht geben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]

Und ich will auch eins versprechen: Ich kann mich nicht daran halten.

Ich will mal die Frage stellen: Was ist denn der Kern Ihres Handelns? Alles wird gut? Ich meine, Sie brechen Ihren eigenen Koalitionsvertrag; der ist noch gar nicht so alt. Ob das die Stromsteuer betrifft, ob das das Deutschlandticket betrifft: alles aufgeschrieben und jetzt schon nicht mehr wahr? Das kann doch wohl nicht wahr sein.

Beifallbei der Linken

Ich war immer ein Gegner der Schuldenbremse, immer, auch heute noch. Und ich bin für Investitionen in die Infrastruktur, in den Rechtsstaat, in den sozialen Zusammenhalt, gar keine Frage, aber doch wirklich nicht für grenzenlose Aufrüstung. Aber das ist das, was Sie mit diesem Haushalt machen.

Beifallbei der Linken

20 Milliarden Euro mehr! Diese 20 Milliarden Euro entsprechen genau dem Betrag, um den der Verteidigungsetat steigt; das ist die Wahrheit. 82 Milliarden Euro, mit dem Sondervermögen 108,2 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Lars Klingbeil hat gesagt, wir überweisen den Ländern 100 Milliarden Euro. Das stimmt doch einfach nicht! Es sind 8,3 Milliarden Euro in diesem Jahr. Und ich kann Ihnen mal sagen, was das für mein Land Mecklenburg-Vorpommern bedeutet: 160 Millionen Euro im Jahr! Das ist genauso viel wie fünf neue Leopard-2-Panzer, und Sie bestellen sogar 1 000.

Zurufvon der Linken: Unfassbar!

Da ist doch irgendwas nicht in Ordnung. Das ist doch Wahnsinn, was Sie da machen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Es gibt nur eines, was bei Ihnen schneller wächst als die Rüstungsausgaben: Das sind die Schulden. Ihre Haushaltslöcher sind keine Löcher wie im Schweizer Käse, da ist nur noch Loch – oder nur noch Käse, wie der eine oder andere sagt. 174 Milliarden Euro neue Schulden! 174 Milliarden! Und das wird die nächsten Jahre nicht weniger. Man muss es immer wieder sagen: Es war der Kanzlerkandidat Friedrich Merz, der neue Schulden ausgeschlossen hat. Das ist noch nicht so lange her, meine Damen und Herren. Wer Ihnen noch glaubt, der glaubt auch, dass der Wolf dem Schaf nur eine Gutenachtgeschichte erzählt. Das ist doch die Wahrheit.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, Sie versuchen jetzt, die Diskussion allein auf die Ausgabenseite zu richten. Der Kanzler selbst sagt, wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten. Mit dieser Leier führen Sie die Bürgerinnen und Bürger hinter die Fichte. Die Wahrheit ist doch: Die Ausgaben für soziale Sicherung sind, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, niedriger als vor zehn Jahren, niedriger als 2010, niedriger als 2000. Das sage nicht ich, das sagt nicht Die Linke, das sagt das Statistische Bundesamt.

Beifallbei der Linken

Meine Damen und Herren, eines ist gesichert wahr: 463 Personen haben in den letzten zehn Jahren 100 Millionen Euro und mehr geschenkt oder vererbt bekommen. Da geht es um 158 Milliarden Euro. Und mehr als die Hälfte von denen hat nicht einen einzigen Cent Erbschaftsteuer gezahlt. Nicht einen einzigen Cent!

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Bundesregierung hat gerade ihren Subventionsbericht veröffentlicht. Laut diesem Bericht ist die teuerste Subvention im Land die Steuervergünstigung für Betriebsvermögen und Konzernanteile im Erb- und Schenkungsfall.

Beifallbei der Linken

Hört! Hört!

Nichts daran ändern möchte die Wirtschaftsministerin. Das ist reichlich daneben, meine Damen und Herren.

Das Problem ist: Wer arbeitet, wird in diesem Land besteuert. Wer Hunderte Millionen oder gar Milliarden Euro geschenkt bekommt, der spart Steuern. Das ist rechtlich erlaubt. Aber ich sage Ihnen: Das ist politisch ein Skandal, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Wer es mit Gerechtigkeit ernst nimmt, der muss diese Schlupflöcher schließen. Wann kommt dazu ein konkreter Vorschlag, Herr Finanzminister? Das wäre wirklich mal eine Maßnahme.

Meine Damen und Herren, ein Drittel der Bevölkerung kann eine unvorhergesehene Ausgabe, zum Beispiel wegen eines kaputten Kühlschranks, nur mit größter Not stemmen. Ein Viertel der Rentnerinnen und Rentner bekommt nach 45 Jahren Arbeit unter 1 300 Euro. Nach 45 Jahren Arbeit! Diese Menschen können weder Ihre Aufrüstungsfantasien finanzieren noch Ihre Haushaltslöcher mit Kürzungen füllen. Deshalb mein konkreter Vorschlag: Besteuern Sie die großen Vermögen nicht mal so, wie Die Linke es vorschlägt, sondern so wie in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien oder in Frankreich. Sie würden Mehreinnahmen von 80 bis 120 Milliarden Euro erzielen. Das wäre mal eine Maßnahme.

Beifallbei der Linken

Wir brauchen dringend eine Erbschaftsteuerreform, meine Damen und Herren.

Beenden Sie Lohndumping! Beenden Sie Tarifflucht! 7 Milliarden Euro jährlich zahlt der Steuerzahler für Aufstockungen. Das ist doch nicht mehr normal, wenn für die Leute der Lohn zum Leben nicht reicht, und das trotz Arbeit. Das ist und bleibt inakzeptabel.

Meine Damen und Herren, Sie selbst wissen: Ihre gigantischen Haushaltslöcher können Sie weder mit Ihrer Bürgergeldreform, über die Sie immer reden und wozu jeden Tag neue Zahlen kommen, noch mit Wirtschaftswachstum schließen. Sie schaffen es nicht einmal, die Wirtschaft überhaupt anzukurbeln. Denn die Wahrheit ist – hier wird ja immer so ein Fantasieland aufgebaut –: Allein der Maschinenbau verzeichnete in den letzten Monaten einen Produktionsrückgang um 4,5 Prozent. Die Arbeitslosenzahl ist das erste Mal über 3 Millionen; die ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Das ist die Wahrheit. Und Sie erzählen hier etwas von einem Fantasieland. Und was droht? Ich will Ihnen mal etwas sagen: Schließen Sie hier im Deutschen Bundestag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus! Das wäre mal eine klare Aussage.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Schließen Sie auch aus, dass das Renteneintrittsalter erhöht wird! Das wären wirklich wichtige Maßnahmen.

Meine Damen und Herren, Ihr Schuldendoping setzt die falschen Prioritäten. Ihr Aufrüstungsgigantismus bedroht den Sozialstaat. Ihr Haushalt ist so, wie er vorliegt, nicht ansatzweise zustimmungsfähig. Ich wünsche mir, dass das Selbstbewusstsein der Koalitionäre in den Haushaltsberatungen so steigt,

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

dass es Veränderungen gibt, Veränderungen zum Positiven für die Menschen in diesem Land gibt.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Christian Haase
Foto: Christian Haase / Tobias Koch
10 Vermerkeca. 821 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Finanzminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Bricklebrit, Bricklebrit“, rief der Müllerssohn, und der Goldesel speite Goldstücke. Ja, auch wir wünschen uns manchmal, dass es unbegrenzte Spielräume ohne Anstrengung gibt. Die Moral der Geschichte der Gebrüder Grimm ist, wie wir wissen, dass es wahres Glück nicht ohne Fleiß, Leistung und Anstrengung gibt. Und diese zeitlose Erkenntnis sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Dem Bundesrechnungshof mag das Goldeselmärchen Pate bei seinem Bericht zum Haushalt 2026 gestanden haben. Ich zitiere:

„Der Bund muss wieder in die Lage kommen, seine staatlichen Kernaufgaben aus seinen laufenden Einnahmen zu finanzieren. Die strukturellen Haushaltsprobleme lösen sich nicht im bloßen Vertrauen auf eine künftige positive wirtschaftliche Entwicklung. Es bedarf nachhaltiger Einsparungen durch das Setzen von Prioritäten und Posterioritäten, eine Fokussierung auf die verfassungsrechtlichen Kernaufgaben, das Hinterfragen von Subventionen und den Vorrang von Investitionen gegenüber konsumtiven Ausgaben. Die Bundesregierung muss die Ausgabenproblematik jetzt und strukturell angehen.“

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Welch wahre Worte, die wir uns ungeachtet von Person und Partei zum Leitmotiv der Haushaltsverhandlungen 2026 machen müssen. Von diesem grundsätzlichen Standpunkt aus will ich vorab auf zwei für mich wichtige Aspekte hinweisen:

Erstens. Zum einen nehmen wir Rekordsummen zur Verbesserung unserer Verkehrsinfrastruktur in die Hand. Hierbei müssen wir aber tunlichst aufpassen, dass es zu einem angemessenen Ausgleich zwischen Straße und Schiene einerseits und Sanierung und Neubau bzw. Lückenschlüssen andererseits kommt.

Beifallbei der CDU/CSU

Eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur ist gerade für die Wirtschaft und den ländlichen Raum existenziell. Zugleich müssen wir aber auch die Marktkapazitäten im Auge haben. Mehr Geld muss am Ende bedeuten, dass mehr Kilometer saniert werden, egal ob das Straße oder Schiene ist. Deshalb müssen wir aufpassen, dass wir die Mittel effizient einsetzen.

Zweitens. Die Bereichsausnahme der Schuldenbremse für Verteidigung, für Zivil- und Bevölkerungsschutz, für die Nachrichtendienste und den Schutz informationstechnischer Sicherheitssysteme ist wichtig, um unsere Freiheit zu sichern. Trotzdem müssen der Schuldenaufnahme auf der einen Seite auch eine lückenlose parlamentarische Kontrolle und ein effizienter Mitteleinsatz auf der anderen Seite gegenüberstehen. Politik – das erwartet jeder Bürger von uns – muss lernen, nicht nur Geld bereitzustellen, sondern konkrete Zielvorgaben zu machen sowie diese bei Bedarf auch zu korrigieren. Die Vision eines Goldesels gibt es halt nur im Märchen.

Zurufdes Abg. Dr. Sebastian Schäfer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deshalb ist es wichtig, dass wir investieren. Wir investieren im nächsten Jahr 127 Milliarden Euro. Das ist wichtig für unsere Wirtschaft. Es ist wichtig, dass wir die Wirtschaftsimpulse auch wieder nach vorne bringen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Herr Schäfer, das sind 40 Prozent mehr, als die alte Regierung geplant hat. Und da sagen Sie immer, das sei nichts, wir würden nichts investieren, wir würden nur Verschiebebahnhöfe schaffen.

Ihr eigener Verkehrsminister sagt das!

Das ist doch nicht richtig. Es sind 40 Prozent mehr, als in der Finanzplanung vorgesehen ist. Das dürfen Sie auch mal anerkennen bei allem, was Sie hier im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens kritisieren.

Was sagt denn Herr Wüst und der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein?

Wir entlasten die Menschen und Unternehmen bei den Strompreisen. Übernahme der EEG-Umlage: 17,2 Milliarden Euro. Entlastung stromintensiver Unternehmen: 3 Milliarden Euro. Bei den Netzentgelten sind es 6,5 Milliarden Euro. Reden wir doch diese Leistung nicht runter. Das sorgt dafür, dass die Menschen zu Hause mehr konsumieren können. Wir sorgen dafür, dass die Unternehmen in Deutschland bleiben und dass letztendlich damit Arbeitsplätze gesichert werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir entlasten in Milliardenhöhe bei Wirtschaft und Bürgern. Ich gebe nur ein paar Beispiele: Verlängerung des Deutschlandtickets; die 1,5 Milliarden Euro dafür waren nicht eingeplant. Diese werden zukünftig wieder veranschlagt, damit der ÖPNV in der Breite genutzt wird. Ich nenne die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung. Das mag Ihnen nicht gefallen, für die Aufrechterhaltung der deutschen Landwirtschaft und deren Wettbewerbsfähigkeit ist sie aber enorm wichtig. Wir senken die Umsatzsteuer auf Speisen und Gastronomie. Auch da geht es um den Erhalt der Wirtschaft und letztendlich auch um den Erhalt von Strukturen, von Arbeitsplätzen.

Das mag Sie alle nicht interessieren.

Das bringt gar nichts!

Mich interessiert das insbesondere als Vertreter des ländlichen Raumes. Wir heben die Pendlerpauschale auf 38 Cent an. Auch hierdurch sorgen wir dafür, dass die Arbeitnehmer zur Arbeit kommen, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können, dass sie letztendlich mehr Geld haben, um zu konsumieren.

Das gesamte Paket macht 40 Milliarden Euro aus. Sie sehen: Der Dreiklang muss funktionieren. Wir müssen gucken, dass wir konsolidieren. Wir entlasten hier deutlich, und wir sorgen dafür, dass Investitionen kommen. Genau dieser Dreiklang ist gut für Deutschland. Wir bringen Deutschland voran.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Georg Schroeter
Foto: Georg Schroeter / AfD-Fraktion
13 Vermerkeca. 770 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Finanzminister Klingbeil! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sie haben vorhin die Rede des Finanzministers und die von Herrn Espendiller gehört. Wir reden hier über den Haushalt, während der Herr Klingbeil wohl seine vorgezogene Kanzlerrede gehalten hat: wenig Haushalt, viel Allgemeines.

Sie müssen mir nur noch das Datum sagen, wann Sie die Regierung stürzen wollen; dann können wir uns darauf vorbereiten.

Wir sollten zu dieser Haushaltswoche zurückkommen. Bevor wir uns den Einzelplan für das Finanzministerium mit einem Volumen von 10,8 Milliarden Euro im Detail ansehen, werfen wir besser einen Blick auf das Ganze.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Wir haben 174,3 Milliarden Euro Nettoneuverschuldung und – das muss man wissen – bereits Schulden in Höhe von 2 510 Milliarden Euro. Diese fatale Weichenstellung zeigt uns auch die Hinwendung zur Klimapolitik, die wir hier unvermindert fortsetzen. Mit über 14,4 Milliarden Euro bleibt das Volumen, das über das Finanzministerium fließt, viel bedeutender als das Volumen des Einzelplans des Finanzministers selbst. Zwar werden etwa 400 Millionen Euro gegenüber 2025 eingespart, aber die Fehlausrichtung des Haushaltes bleibt weiterhin bestehen.

Meine Damen und Herren, dieser Einzelplan ist das organisatorische Rückgrat einer verfehlten Politik, die auf Dogmen statt auf Vernunft und Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler, unseren Bürgern, basiert.

Beifallbei der AfD

Allein die Zuweisungen an den Energie- und Klimafonds verschlingen auch 2026 wieder Milliardenbeträge. Über 12 Milliarden Euro werden hier für eine Energiewende verbrannt, die auf der nicht bewiesenen These vom menschengemachten Klimawandel basiert.

Beifallbei der AfD

Nebenbei werden auch noch aus dem Haushalt 17 Milliarden Euro für PV- und Windstrom bezahlt, subventioniert. Dazu kommen noch 6 Milliarden Euro für den Netzausbau. Das alles bräuchten wir nicht, wenn wir vernünftige Energiepolitik machen würden.

Beifallbei der AfD
Zurufevon der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Schauen wir mal in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort wurde die Energie ursprünglich mit Gaskraftwerken erzeugt; diese haben sie zurückgefahren. Inzwischen haben sie vier Kernkraftwerke in der Größenordnung von denen gebaut, die wir abgeschaltet haben. Das ist für die Vereinigten Arabischen Emirate die Zukunft.

Es geht aber noch weiter: Dazu kommen mehrere Millionenbeträge für internationale Klimafonds, die ohne ausreichende demokratische Kontrolle ausgeschüttet werden. Unter dem Haushaltstitel 892 01 – ich kann Ihnen leider die Zahlen nicht immer ersparen – werden wieder undurchsichtige Zuschüsse in Millionenhöhe an nichtstaatliche Organisationen fließen. Wenn es nach mir ginge, wären die sofort gestrichen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, das sind keine Peanuts, über die wir hier reden. Das sind gewaltige Summen, die für ideologische Projekte verpulvert werden, während die wirklichen Probleme unseres Landes vernachlässigt werden. Gleichzeitig glaubt die Bundesregierung, weitere Milliarden für die Folgen des überstürzten Atomausstiegs ausgeben zu müssen – einer der größten energiepolitischen Fehler unserer Geschichte.

Beifallbei der AfD

Die AfD-Fraktion kann diesem Einzelplan des Bundesfinanzministeriums in dieser Fassung nicht zustimmen.

Beifallbei der AfD

Mir scheint es auch ausgeschlossen, dass hier durch Beratungen in den Ausschüssen noch etwas zu retten ist. Ich hatte immer geglaubt, in den Ausschüssen würde verhandelt. Dabei wird einfach quasi schwarz-weiß im Block abgestimmt; das wirft man uns immer wieder vor.

Da wird viel zu lange Herrn Schroeter zugehört!

Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

– Das ist doch so. Ihr gehört doch dazu. – Wir fordern einen Haushalt, der sich auf die Kernaufgaben besinnt. Herr Haase, Sie haben es vorhin gesagt – da stimme ich Ihnen ausnahmsweise deutlich zu –: Wir brauchen Sparsamkeit, Transparenz, und wir brauchen die Entlastung unserer Bürger.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Als Berichterstatter zum Haushalt des Bundesrechnungshofs muss ich aber noch einen Themenwechsel vornehmen. Wir beraten heute in dieser Tagesordnung ebenfalls die Ausstattung unserer obersten Finanzkontrollbehörde. Sie ist nicht Anhängsel des Finanzministeriums; das muss man da draußen wissen. 202 Millionen Euro werden dafür im Haushaltsplan veranschlagt. Diese Euros sind gerechtfertigt, denn diese Institution erfüllt essenzielle Aufgaben für uns.

Beifallbei der AfD

Sie soll den Steuerzahler vor Verschwendung schützen.

Ein aktuelles Beispiel. Bei der politisch motivierten Entlassung von Reservisten der Bundeswehr sind erhebliche finanzielle Mittel verloren gegangen. Nach meinen Informationen hat die Bundeswehr pro Reservisten inzwischen 80 000 bis 150 000 Euro an Ausbildung und Qualifikation investiert. Allein durch Entlassung von 20 Reservisten entstünde damit ein finanzieller Schaden von 3 Millionen Euro. Diese Zahlen gilt es exakt durch den Bundesrechnungshof zu verifizieren. Das ist mein Anspruch an den Bundesrechnungshof für das nächste Jahr.

Danke schön.

Beifallbei der AfD
Porträt von Wiebke Esdar
Foto: Wiebke Esdar/ Pat Röhring
7 Vermerkeca. 801 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach dem Sommer der Haushaltsverhandlungen folgt jetzt der Herbst der Haushaltsverhandlungen, und ich kann Ihnen zusichern: Wir arbeiten bei jedem Wetter. Wir sind sturmerprobt. – Darum freue ich mich, dass wir heute den Haushalt 2026 einbringen. Das ist der erste Haushalt der neuen Regierungskoalition, der für das ganze Jahr 2026 gelten wird.

Mein Dank gilt der Bundesregierung und insbesondere dem Finanzminister Lars Klingbeil, der uns einen guten Regierungsentwurf nach kurzer Zeit vorlegen konnte, nachdem wir gerade aus den Haushaltsberatungen für das Jahr 2025 herausgekommen sind, wo noch das Gesetz zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität behandelt wurde.

Top! Wirklich top!

Der Haushalt für das Jahr 2026, meine Damen und Herren, setzt gezielt Maßnahmen um für ein stärkeres Wirtschaftswachstum, für mehr Bildung und Forschung sowie für den Erhalt und die Schaffung von guten Arbeitsplätzen. Das sind die richtigen Impulse, die wir jetzt brauchen. Das sind die Möglichkeiten, Deutschland voranzubringen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir wollen die Bildungs- und Infrastruktur der Betreuung verbessern. Darum werden wir die Länder und Kommunen massiv unterstützen, mehr Kitas, OGS und Hortplätze auszubauen. Dafür gibt es 1 Milliarde Euro aus dem Sondervermögen plus 2 Milliarden Euro für das KiTa-Qualitätsgesetz plus noch mal 3,5 Milliarden Euro für einen schnelleren Ganztagsausbau. Der Digitalpakt wird fortgesetzt, das Startchancen-Programm wird ausgebaut, und das Programm „Digitales Lehren und Lernen“ werden wir weiter finanzieren, weil Bildungsfinanzierung immer eine Finanzierung in die Zukunft ist.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Felix Schreiner [CDU/CSU]

In der Forschung werden wir nicht nur die bestehende langfristige Bund-Länder-Vereinbarung stärken, sondern dem Forschungsministerium im Jahr 2026 für die Hightech Agenda fast 5 Milliarden Euro für die Forschungsförderung zur Verfügung stellen. Damit verfolgen wir das Ziel, Innovationen zu fördern und Arbeitsplätze zu sichern, die Wohlstand schaffen und unsere Souveränität in Deutschland und Europa stärken. Jetzt starten diese Beratungen, und ich wünsche insbesondere Thorsten Rudolph und Christian Haase, aber auch allen weiteren Verhandlerinnen und Verhandlern viel Erfolg.

Meine Damen und Herren, unser Ziel bei diesem Haushalt ist es, das Leben in Deutschland gerechter zu machen. Unseren Kindern ein modernes Land zu hinterlassen, ist eine Frage der Gerechtigkeit; gute Bildungs- und Forschungsmöglichkeiten sind eine Frage der Gerechtigkeit. Es ist richtig, dass wir in Deutschland auf ein öffentliches, steuerfinanziertes Bildungs- und Forschungssystem setzen, weil wir alle Kinder brauchen, die zukünftig Ingenieure, Forschende und Unternehmerinnen und Unternehmer werden können. Funktionierende Straßen, Schienen und Fahrwege zur Arbeit sind eine Frage der Gerechtigkeit für alle, damit alle gut zur Arbeit kommen, egal ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Das Gleiche gilt für schnelles Internet und eine stabile Energieversorgung.

Meine Damen und Herren, darum ist die Frage der intakten Infrastruktur eine Frage der Gerechtigkeit. Darum sind die Beratungen, die jetzt anstehen, insbesondere bezogen auf den Haushalt und das Sondervermögen, Fragen von Gerechtigkeit.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Unser Ziel bei diesem Haushalt ist es auch, das Leben in Deutschland sicherer zu machen. Unseren Kindern ein modernes Land zu überlassen, ist auch eine Frage von Sicherheit. Gute Bildungs- und Forschungsmöglichkeiten sind heute eine Frage der Sicherheit, weil sie Unabhängigkeit und technologische Souveränität sichern. Gleiches gilt für Straßen, Schienen, stabile Netze. Denn wir hätten uns wahrscheinlich alle vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen können, wie sehr es in dieser globalen Welt darauf ankommt, technologische Souveränität und Sicherheit aus eigener Stärke zu gewährleisten.

Meine Damen und Herren, wir haben gemeinsam entschieden, massiv in den Verkehr zu investieren. 166 Milliarden Euro, das ist mehr denn je. Das Geld steht bereit, und die Herkulesaufgabe für Sie, Herr Schnieder, wird jetzt sein, diese Milliarden auch zu verbauen. Da kann ich Ihnen zusichern: Wir als SPD stehen mit allen Kräften zur Unterstützung bereit. Ich sage an dieser Stelle auch ganz klar: Sollte es Bedarf geben, den von Ihnen verhandelten Kabinettsentwurf, den Haushaltsentwurf, zu verändern, dann können wir auch das gerne intern beraten.

Aber es hat sich eben bewährt – nicht nur in der vorherigen, auch in der vorvorigen und vermutlich in allen vorherigen Koalitionen –, dass, wenn wir gemeinsam einen Haushalt verabschieden wollen, die Verhandlungen dann intern geführt werden. Ich würde sogar sagen, die goldene Regel bei den Haushaltsverhandlungen lautet: Das, was verhandelt wird, wird, wenn es gelingen soll, intern verhandelt. Was vorher öffentlich gemacht wird, treibt die Preise in die Höhe. Was vorher öffentlich gespielt wird, müssen wir vom Tisch nehmen.

Ich bin optimistisch, dass das jetzt alle verstanden haben, und darum freue ich mich auf die Beratungen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
6 Vermerkeca. 852 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Diese Regierung hat den Menschen im Land wahnsinnig viel versprochen. Sie wollten nicht nur die Stromsteuer für alle senken; Sie wollten auch das Deutschlandticket bis 2029 im Preis stabil halten. Sie wollten dafür sorgen, dass die Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen. Sie wollten das Sondervermögen nur für zusätzliche Investitionen ausgeben. Und Sie haben uns allen versprochen, dass das die Bundesregierung sein wird, die weniger streitet als die letzte. Und was soll man sagen? Sie haben in wenigen Monaten schon alle diese Versprechen gebrochen. Sie haben sich das Siegel „Koalition des Wortbruchs“ redlich verdient, und das werden Sie wahrscheinlich auch nicht mehr loswerden.

Das ist jetzt Ihr erster wirklich eigener Haushaltsentwurf, den Sie hier vorlegen, und der meißelt diese Wortbrüche noch mal in Stein. Sie tun mit diesem Haushaltsentwurf eben nicht genug, damit zum 01.01. die Krankenkassenbeiträge nicht steigen. Sie tun nicht genug, damit das Deutschlandticket tatsächlich so wie heute für die Haushalte in diesem Land finanzierbar bleibt. Und Sie hören nicht damit auf, das Sondervermögen in die viel zu vielen Haushaltslöcher Ihres eigenen Unvermögens zu schießen.

Ein Problem, das man tatsächlich an dieser Stelle sieht, ist: Die Bundesregierung muss jetzt offensichtlich den Menschen im Land langsam erklären, warum das alles angeblich kein Problem ist. Denn wir lesen jetzt gerade zum Beispiel im „Spiegel“ von Markus Feldenkirchen, auch bei „Politico“ – das ist wahrscheinlich etwas, das Sie denen erzählt haben –, diese Regierung habe einfach nur ein Problem mit der Erwartungshaltung, mit dem „Erwartungsmanagement“. Meine Damen und Herren, so leicht können Sie die Menschen in diesem Land nicht hinter die Fichte führen. Diese Regierung hat kein Problem mit dem Erwartungsmanagement. Diese Regierung hat ein Problem mit dem Punkt „Ehrlichkeit“.

Wenn diese Regierung nicht ehrlicher wird, dann wird diese Regierung tatsächlich eventuell die letzte Chance für die Demokratie.

Sie sind gestartet mit der Vorstellung, dass es den Leuten schon reicht, einfach nur nicht die Ampel zu sein. Aber die Leute gucken sich an, was Sie machen, und sie sehen: Das reicht ihnen eben nicht. – Die einzige Verlässlichkeit, die diese Bundesregierung tatsächlich schafft, ist die, dass wir uns inzwischen alle sicher sein können: Egal was Sie versprechen oder ankündigen, es kommt am Ende sowieso nicht. Egal ob zum Beispiel Jens Spahn, um von seinen persönlichen Problemen abzulenken,

Aha! Da sind wir wieder! Das Drehbuch steht!

So! Jetzt aber mal!

irgendwelche Atomwaffen für Deutschland fordert oder aber Katherina Reiche durch die Gazetten zieht, alles wird am Ende des Tages ohnehin wieder eingesammelt.

Ich fürchte, die Menschen in diesem Land wissen auch, dass dieser eigentlich so wichtige Herbst der Reformen am Ende von Friedrich Merz wieder eingesammelt wird. Wir haben jetzt gesehen: Dieser Herbst der Reformen wäre auch für einen stabilen Bundeshaushalt 2026 unglaublich wichtig. Aber am Ende wird er nicht kommen. Wir haben gestern schon die Schmalspur-Bahnstrategie bekommen. Und der restliche Herbst der Reformen wird ähnlich laufen: kleine Schönheits-OPs, wahrscheinlich im November eine Schmalspur-GKV-Reform und eine Schmalspurreform der Schuldenbremse als Ergebnis dieser Schuldenbremsenkommission. Mehr wird es am Ende nicht sein.

Ich bin Modelleisenbahner! Ich weiß, wovon ich rede bei Spuren!

Robin Alexander hat ein Buch über diese Bundesregierung geschrieben, das sich ganz gut verkauft, mit der Erzählung, das wäre angeblich die letzte Chance der Demokratie. Das ist eine Erzählung, die für Sie aus zwei Gründen extrem nützlich ist:

Auf der einen Seite können Sie immer sagen: Also wer die letzte Chance der Demokratie kritisiert, der macht sich nicht verdient um sie, und deswegen ist jegliche Kritik aus der Opposition an der Stelle schädlich für die Demokratie. – Meine Damen und Herren, wenn wir Sie kritisieren, versuchen wir, dass Sie es an der Stelle besser machen und nicht schlechter.

Der zweite Punkt, warum das so für Sie so nützlich ist: Wenn man die letzte Chance ist, dann kann man so ein bisschen regieren nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“, und die Haushaltspolitik von Lars Klingbeil ist nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“. So wie sich jetzt die Schulden auftürmen, sinkt der Spielraum für alle künftigen Regierungen. Das wäre kein Problem, wenn es tatsächlich die letzte Chance der Demokratie wäre. Aber alle in diesem Parlament, die wollen, dass eine Bundesregierung auch nach 2030 noch Handlungsspielräume hat, sorgen jetzt dafür, dass diese Schulden und diese Zinszahlungen, die wir da in Zukunft anhäufen, einen realen Gegenwert auf der anderen Seite haben.

Da muss ich mich Dietmar Bartsch anschließen: Das Haushaltsrecht ist das Königsrecht des Parlaments. Und wann, wenn nicht jetzt, müssen wir zeigen, dass das gilt? Dieser Haushalt darf dieses Parlament nicht so verlassen, wie er reingekommen ist, wenn Sie alle mit mir gemeinsam 2030 noch in einem Land leben wollen, wo eine Bundesregierung Handlungsspielräume hat.

Vielen Dank.

Dreieinhalb Jahre alles in die Grütze fahren, und dann wieder so! Mann, Mann, Mann!

Porträt von Christian Görke
Foto: DiG/ Thomas Kläber
6 Vermerkeca. 488 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch in dieser Haushaltsdebatte wurden der Unternehmensbooster und die Absenkung der Körperschaftsteuer wieder mal überschwänglich gelobt. Meine Damen und Herren von der Koalition, haben Sie sich denn die Stellungnahme des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Haushalt 2026 noch mal angesehen? Da heißt es – ich zitiere –:

„[…] die Steuern auf Grundeigentum, Kapitaleinkünfte und Unternehmensgewinne [sind] in Deutschland […] deutlich geringer als in den meisten anderen OECD-Ländern […].“

Mit anderen Worten: Deutschland ist ein Niedrigsteuerland für Reiche, aber ein Höchststeuerland bei der Besteuerung von Arbeit.

Meine Damen und Herren, sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister, Sie haben mit dieser These, die ich soeben nannte, Ihren Gerechtigkeitswahlkampf geführt und haben gleichzeitig als erste Maßnahme dieser neuen Bundesregierung die Unternehmensteuern gesenkt. Ich sage Ihnen: Das schlägt dem sozialdemokratischen Fass den Boden aus.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Kein Wort heute in Ihrer Rede zur angekündigten Steuerreform zur Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, um die Kaufkraft zu stärken! Gar nicht mehr erwähnt! Aber noch mal eine Zahl zur Unternehmensteuerreform: Die kostet uns in den nächsten zehn Jahren 143 Milliarden Euro durch Steuermindereinnahmen bei gleichzeitig zunehmenden Haushaltsdefiziten beim Bund, bei den Ländern und unseren Kommunen.

Unfassbar!

Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, dass es auch beim Haushalt 2027 heißen wird: Die steuerliche Entlastung der großen Mitte muss ausfallen, weil kein Geld mehr da.

Meine Damen und Herren, liebe Sozialdemokraten, Sie haben sich ja heute wieder als die Gerechtigkeitspartei inszeniert. Und mal ehrlich: Ich hätte zumindest erwartet, dass man ein bisschen mehr Selbstkritik an den Tag legt, nachdem man von 25 Jahren 21 Jahre in diesem Land regiert hat. Wo waren Sie denn? War es denn nicht Ihre Regierung, die beschlossen hat, dass bei Erbschaften ab der 26. Million fast keine Erbschaftsteuer anfällt? Wer war denn in der Regierung, als bekräftigt wurde, dass 300 oder mehr Wohnungen steuerfrei vererbt werden können? Es war Olaf Scholz, der als Hamburger Bürgermeister mit Wolfgang Schäuble die letzte Reform der Erbschaftsteuer verhandelt hat. Es war Olaf Scholz, der als Finanzminister angewiesen hat, das Urteil des Bundesfinanzhofs umzuinterpretieren, sodass 300 Wohnungen, ja ganze Straßenzüge steuerfrei vererbt werden können. Und was sagt uns das? Offensichtlich hat nicht nur Olaf Scholz Gedächtnislücken.

Beifallbei der Linken

Aber das kann man ja gutmachen, wenn man die Umfragen richtig deutet. 60 Prozent der Deutschen finden es jetzt richtig, dass die Erben größerer Vermögen höhere Erbschaftsteuer zahlen. Deshalb erwarten wir: Legt endlich einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Privilegien bei der Erbschaftsteuer vor!

Zurufvon der AfD

Besprecht das mit unserem Neugenossen Jens Spahn, und wartet nicht auf das Bundesverfassungsgericht!

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Erwischt!
Porträt von Florian Oßner
Foto: CSU Landesgruppe/ Florian Oßner/ Lucas Weigl
14 Vermerkeca. 903 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Letzte Woche hatten wir die Beschlussfassung zum Haushalt 2025, diese Woche haben wir die erste Lesung zum Haushalt 2026. Das ist schon ein Stück weit rekordverdächtig und einzigartig, und es beweist eines, nämlich die Handlungsfähigkeit dieser Koalition.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die kommenden Jahre entscheiden darüber, ob Deutschland im Konzert der größten Volkswirtschaften der Welt mithalten kann. Dies gelingt jedoch nicht damit, dass wir Luxusdebatten über geringere Arbeitszeiten oder Work-Life-Balance führen. Dies gelingt nur, indem wir wieder wettbewerbsfähiger werden, hungrig nach neuen Innovationen und Ideen sind und alles dafür tun, was Wachstum und Beschäftigung in unserem Land dient.

Wir haben einen hohen Bedarf an Investitionen in unsere Infrastruktur. Die Lohnnebenkosten sind wie die Energiekosten immer noch zu hoch, und insgesamt wird Arbeit zu stark besteuert. Das schadet unserem Wirtschaftsstandort massiv. Deshalb brauchen wir Entlastungen für die Steuerzahler. Und wir halten auch das, was wir versprechen.

Ich nenne nur ein paar Beispiele: die Erhöhung der Pendlerpauschale auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer zum 1. Januar 2026.

Mehr Geld für die Bestverdiener! Bei denjenigen, die wenig verdienen, kommt gar nichts an!

Das entlastet alle, ob sie mit dem Auto, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln. Leistung wird damit wieder gerecht belohnt.

Zudem senken wir die Mehrwertsteuer dauerhaft auf 7 Prozent für die Gasthäuser; denn Wirtshäuser sind Treffpunkte und Anker für Feste, für Vereine, für die Gemeinschaft. Wir halten unser Versprechen und stehen zu unserer Gastronomie.

Beifallbei der CDU/CSU

Was ist mit anderen Dienstleistern?

Abgesehen davon können ab 2026 alle Arbeitnehmer in der Rente freiwillig – ich betone: freiwillig – bis zu 24 000 Euro im Jahr steuerfrei hinzuverdienen. Mit dieser sogenannten Aktivrente schaffen wir die Möglichkeit, auch im Ruhestand selbstbestimmt und ohne Nachteile erwerbstätig zu bleiben. Wer noch anpacken will, soll dafür auch ordentlich belohnt werden. Damit halten wir unser Versprechen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Die kommenden Jahre entscheiden darüber, ob die Menschen in einem freien und sicheren Deutschland leben dürfen. Deshalb setzen wir auf innere und äußere Sicherheit, auf unsere Polizisten und Soldaten, auf unsere Blaulichtorganisationen wie das THW und die Feuerwehren. Der Zivil- und Bevölkerungsschutz muss wieder gestärkt werden. Und damit dies am Ende nicht nur warme Worte bleiben, haben wir die finanziellen Mittel dafür spürbar erhöht. Denn eines ist klar: Ohne innere und äußere Sicherheit gibt es keinen Frieden, ohne Frieden gibt es keine Freiheit, und ohne Freiheit ist alles nichts.

Es gilt daher der Dreiklang: Wir werden investieren, wir werden reformieren, und wir werden konsolidieren. Dazu braucht es die konsequente Anwendung einer ziel- und wirkungsorientierten Haushaltspolitik, Aufgabenkritik und Ausgabendisziplin. Und machen wir uns nichts vor: Mehr als jeder zweite Euro im Bundeshaushalt ist bereits für soziale Zwecke veranschlagt – mit leider wachsender Tendenz. Deshalb ist eine vernünftige Sozialreform, vor allem im Hinblick auf das Bürgergeld, zwingend notwendig für unser Land.

Beifallbei der CDU/CSU

Zukunft gestaltet man nicht, indem man in der Vergangenheit lebt. Lassen Sie uns deshalb fernab von ideologischen Verkrustungen, von „Linke Tasche, rechte Tasche“ und Neiddebatten auf das Wesentliche konzentrieren. Wir wollen die neue Grundsicherung, die den Kern des Sozialstaats bewahrt. Niemand muss Angst haben, dass er durch Arbeitslosigkeit in Armut verfällt. Aber alle, die arbeiten können, sollen am Ende auch arbeiten.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU
Christian Görke [Die Linke]: Langanhaltender Beifall!

Es ist doch offensichtlich: Deutschland hat kein Einnahme-, sondern vielmehr ein Ausgabeproblem.

Zurufevon der AfD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Klar ist zudem: Wir haben wieder Stabilität und Ordnung in die Staatsfinanzen gebracht. Das ist die Grundlage für Vertrauen und für politische Problemlösungskompetenz. Mit dem Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland haben wir prioritäre Maßnahmen zur Investitionsförderung und zur Standortstärkung umgesetzt.

Zurufdes Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Die Hightech Agenda stellt die Weichen für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Wir als Koalition aus CDU, CSU und SPD haben damit alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, mit diesem Haushalt veranschlagen wir 520 Milliarden Euro im Kernhaushalt, 127 Milliarden Euro für Investitionen und damit knapp 40 Prozent mehr, als dies noch die Vorgängerregierung getan hat. Damit aber das Ganze zum Fliegen kommt, ist für die gesamte Legislaturperiode von essenzieller Bedeutung, dass wir Strukturreformen zügig umsetzen, konsumtive Ausgaben eindämmen, Mittel für investive Ausgaben klug und effizient einsetzen und die dringend gebotenen Sozialreformen mutig anpacken.

In den nun anstehenden Haushaltsverhandlungen werden wir diesen Entwurf noch ein Stück weit besser machen – für ein starkes und wettbewerbsfähiges Deutschland.

Herzliches „Vergelts Gott!“ fürs Zuhören.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Wolfgang Wiehle
Foto: Wolfgang Wiehle
9 Vermerkeca. 393 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! „Es sind nicht nur die USA. Die ganze Welt hat genug von der Klimapolitik“, so titelte die „New York Times“ am 16. September 2025. Aber in der Bundesregierung und im Brüsseler Elfenbeinturm glaubt man immer noch daran, mit Opfergaben an Volksvermögen, Arbeitsplätzen und Lebensstandard die Welt retten zu können. Was für ein fataler Fehler!

Beifallbei der AfD

Die Regierung plant für 2026 wieder 33 Milliarden Euro im KTF ein, also im sogenannten Klima- und Transformationsfonds. Fast 21 Milliarden Euro davon müssen die Bürger durch immer höhere CO2-Abgaben berappen. 10 Milliarden Euro sind neue Sonderschulden. Es ist eine Art schwarzes Loch für das Geld der Deutschen. Beinahe 10 Milliarden Euro wollen Sie dafür verwenden, Strompreise zu subventionieren. Dazu kommen noch einmal gut 17 Milliarden Euro aus dem Einzelplan 60. Wenn es die unselige Energiewende und die CO2-Abgaben nicht gäbe, wäre der Strom nicht so teuer, und niemand bräuchte diese Subventionen.

Beifallbei der AfD

3 Milliarden Euro sollen auch nächstes Jahr in ein energiepolitisches Luftschloss namens Wasserstoff gehen. 12 Milliarden Euro versenkt die Regierung aufs Neue rund um das Heizgesetz, das sie immer noch nicht geändert hat. Wie einfach wäre das Einsparen von Geld, wenn sich die Union endlich mal an ihre Wahlversprechen erinnern würde!

Beifallbei der AfD

Der Bundesrechnungshof bemängelt außerdem den schlechten Mittelabfluss und unklaren Nachweis der Wirksamkeit bei vielen Positionen im KTF. Es ist höchste Zeit, dass auch Deutschland den Zug der Zeit erkennt und sich nicht mehr als alleiniger Retter des Weltklimas aufspielt.

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD-Fraktion wollen den Klimafonds auflösen. Die Sonderschulden dafür fallen weg, und den Bürgern ziehen wir keine CO2-Abgaben mehr aus der Tasche.

Beifallbei der AfD

Wir stoppen die Energiewende. Wir fördern die Forschung an effizienten Zukunftsenergien, zum Beispiel Kernreaktoren der vierten Generation.

Abgeschaltete Kernkraftwerke nehmen wir, wo es geht, wieder in Betrieb, statt sie zu zerstören.

Beifallbei der AfD

Wenn wir von der AfD Verantwortung übernehmen, meine Damen und Herren, endet das Opfern von Volksvermögen, Arbeitsplätzen und Lebensstandard auf dem Altar der grünen Ideologie – zum Wohle Deutschlands.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich das Wort erteilen Kathrin Michel.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Porträt von Kathrin Michel
Foto: Kathrin Michel/ Photothek Media Lab
11 Vermerkeca. 483 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt hätte ich doch fast meinen Einsatz verpasst ob der Märchenstunde, die hier gerade gehalten worden ist.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich habe so den Eindruck, die eine oder andere Fraktion hat den Sommer genutzt, um Kurse in Schauspiel bzw. im Märchenerzählen zu nehmen.

Das machen eher Sie abends!

Das kann ja sehr erheiternd wirken.

Nun aber zum Haushalt. Ich werde oft gefragt: Worauf kommt es im Haushalt wirklich an? – Meine Antwort ist immer dieselbe: Wenn wir die Zukunft gewinnen wollen, dann müssen wir heute klug investieren. – Deshalb lässt sich der Bundeshaushalt in drei Worten zusammenfassen:

Schulden, Schulden, Schulden!

Investitionen, Investitionen, Investitionen.

Beifallbei der SPD
Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da müssen Sie selber lachen!

Nach 2025 ist 2026 das zweite Jahr in Folge mit Rekordinvestitionen.

Rekordschulden!

Fast 127 Milliarden Euro fließen in die Zukunft unseres Landes, so viel wie nie zuvor. Wir knüpfen nahtlos daran an, was wir im Haushalt 2025 begonnen haben:

Mit der Schuldenpolitik!

Wir investieren jetzt, damit unser Land morgen moderner, gerechter und sicherer wird. – Was genau heißt das in der Praxis? Wir modernisieren Straßen und Schienen, wir stärken unsere Krankenhäuser, wir treiben die Digitalisierung voran, und wir investieren in den Klimaschutz – alles Bereiche, die den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen. Es geht voran!

Ich bin sehr froh, dass der Bundesfinanzminister im Einzelplan 08 die Einnahmeseite weiterhin fest im Blick hat. Sein Ansatz ist unmissverständlich: Steuerbetrug und Finanzkriminalität haben bei uns keinen Platz!

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Denn wer ehrlich zahlt, darf nicht die Zeche für diejenigen übernehmen, die sich aus der Verantwortung stehlen. Mit neuen Gesetzen und 500 zusätzlichen Stellen bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit gehen wir hier weiter entschlossen voran.

Doch es wird nicht bei Investitionen allein bleiben. Man muss nicht Haushaltspolitikerin sein, um zu erkennen, dass ein Konsolidierungskurs notwendig ist. Der Regierungsentwurf macht mit Einsparungen bei Personal- und Verwaltungsausgaben erste Schritte. Klar ist aber: Jeder und jede in der Regierung wird sparen müssen, auch in den eigenen Häusern. Denn wer sparen will, muss selbst modern und nachhaltig arbeiten, seine eigenen Prozesse optimieren und digitalisieren. Wir werden das volle Einsparpotenzial nur heben können, wenn sich wirklich alle einbringen.

Alles in allem: Es ist ein guter Entwurf. Wir werden ihn im parlamentarischen Verfahren nachschärfen und besser machen

und so unser Land stark in die Zukunft führen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Und was heute noch keiner gesagt hat: Ich freue mich auf die Beratungen.

Glück auf!

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Katharina Beck das Wort erteilen.

Porträt von Katharina Beck
Foto: Katharina Beck/Oliver Hadji
11 Vermerkeca. 765 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Ich muss mich echt festhalten und kneifen, wenn ich sehe, was hier mit den Rekordschulden passiert, die aufgenommen wurden und die wir Grüne reinverhandelt haben und zu denen wir gesagt haben: Sie müssen in zusätzliche Investitionen fließen. – Zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur sind gut für die Wirtschaft; das ist superwichtig. Und was kommt dabei heraus?

Zusätzliche Investitionen!

Man weiß es nicht. Ein paar Prozent fließen in zusätzliche Investitionen; aber Haushalte werden verschoben, und es wird getrickst.

Wir Grüne waren immer für eine Reform der Schuldenbremse, für Investitionen in Schulgebäude, in Kitagebäude, in die Schiene, auch in die Straßenreparatur, in einsturzgefährdete Brücken, damit sie nicht mehr drohen einzustürzen. Und Sie von der CDU/CSU haben uns immer an einem Nasenring durch die Manege gezogen und behauptet: „Ihr würdet das in konsumtive Ausgaben stecken. Das ist unfassbar! Wir würden das natürlich nur in investive Ausgaben stecken!“, und das Gegenteil ist der Fall.

Mit diesen Schulden quersubventionieren Sie gigantische Steuersenkungen. Das ist absolut verrückt! Zig Milliarden Euro gibt es für Kapitalgesellschaften, ein weiterer zweistelliger Milliardenbetrag wird benötigt, um sich diese Steuersenkungen bei Ländern und Kommunen zu erkaufen. Ganz viele weitere Milliarden Euro gibt es für Steuergeschenke, die Sie gemacht haben. Und wo fließt das Geld in Investitionen? Man sieht es kaum. Da wird im Verkehrsetat krass getrickst. Das ist wirklich unfassbar, und das hätte ich mir von der CDU/CSU nie erwartet.

Ja, wir brauchen sehr starke Impulse für die Wirtschaft, und da können Abschreibungsbedingungen natürlich helfen. Die darf man sich auch bezahlen lassen. Aber was machen Sie ansonsten? Es geht in der Wirtschaft doch um Planungssicherheit.

Und Sie machen in der Energiepolitik einen Zickzackkurs sondergleichen. Man weiß überhaupt nicht mehr, wo es hingeht.

Zurufdes Abg. Christian Haase [CDU/CSU]

Für Planungssicherheit sollte eine konservative Partei doch eigentlich stehen, und das Gegenteil machen Sie. Das Handwerk wartet auf die Senkung der Stromsteuer, und was kommt? Nichts. Wie können Sie diese ganzen Steuersenkungen für irgendwelche Klientelgruppen machen, aber nicht das Handwerk und den Mittelstand entlasten? Das ist einfach unfassbar, und das hätte ich mir nie vorstellen können.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Kathrin Michel [SPD]

Zur Einnahmeseite. Sie haben jetzt ja trotz der Aufnahme gigantischer Schulden riesige Haushaltslöcher zu stopfen. Man könnte den Grabenkampf zwischen Steuererhöhungen und keinen Steuererhöhungen hinter sich lassen und das Steuersystem an einigen Stellen einfach glattziehen. Man müsste sogar Gerechtigkeitslücken im Steuersystem schließen. Das ist dringend geboten. Denn wenn man sich mal anguckt, wie stark die Buchhandlung um die Ecke und die arbeitende Bevölkerung beitragen und ehrlich ihre Steuern zahlen, während es legale Ausnahmen gibt – etwa wenn man ab einer Summe von 26 Millionen Euro vor der Erbschaft oder der Schenkung einfach das Konto leerräumt, dem Finanzamt dann sagt: „Ich bin bedürftig“, obwohl man bald Multimillionär ist, und dadurch null Euro Steuern zahlt –, dann stellt man fest: Das ist himmelschreiend ungerecht!

Ganz meine Meinung!

Und diese Ungerechtigkeiten müssen doch glattgezogen werden. Da gibt es noch ein paar weitere Beispiele. So muss man ab 300 Wohnungen auf einmal keine Steuern mehr zahlen. Absolut verrückt! Das Schließen von Gerechtigkeitslücken in ein paar Bereichen würde in Summe 15 Milliarden Euro an Mehreinnahmen generieren und auch dem Haushalt helfen.

Dann zur Finanzkriminalität. Ich bin natürlich froh, dass der Finanzminister unseren Vorschlag, den Vorschlag der Grünen, übernommen hat, dass weiterhin Belege zur Aufdeckung von Cum-Cum-Geschäften aufbewahrt werden sollen, dieser riesengroßen organisierten Steuerhinterziehung durch die großen Fische, die uns alle bis zu 28 Milliarden Euro gekostet hat, damit da weiter nachgeforscht werden kann. Aber Sie müssen bitte noch ein bisschen mehr Druck machen. Es darf nicht nur um die Bekämpfung der Schwarzarbeit beim Friseursalon um die Ecke gehen, sondern es muss auch um die großen Dinge gehen, um die Geldwäsche in enormer Höhe -100 Milliarden Euro –, um die riesengroßen Fälle von Steuerhinterziehung.

Da müssen Sie nun Prioritäten setzen mit dem Einsatz der Bundesbetriebsprüfer/-innen, müssen den Vollzug stärken und damit die Steuerfahnder/-innen und alle, die daran arbeiten. Das muss Priorität werden. Das ist es noch nicht. Da werden wir dranbleiben.

Vielen Dank.

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Carsten Körber das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Carsten Körber
Foto: Carsten Körber/ Tobias Koch
9 Vermerkeca. 749 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Erst in der vergangenen Woche haben wir hier im Parlament den Haushalt 2025 abschließend beraten. Demnach kann der Bund in diesem Jahr gut 502 Milliarden Euro ausgeben. Wir Haushälter haben im parlamentarischen Verfahren das Volumen des Etats gegenüber dem, was im Regierungsentwurf vorgesehen war, sogar um knapp 500 Millionen Euro gesenkt. Das ist neu; denn wir kannten es bisher nur, dass wir im parlamentarischen Verfahren hier und da noch eine Schippe daraufgelegt haben. Die Investitionen in diesem Etat betragen rekordverdächtige 116 Milliarden Euro. Aber: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Die Neuverschuldung im Kernhaushalt beträgt knapp 82 Milliarden Euro, und über das Sondervermögen sind wir in Summe bei 140 Milliarden Euro gelandet.

Beim Blick auf den Regierungsentwurf zum Haushalt 2026 sieht man noch größere Rekordinvestitionen in Höhe von 127 Milliarden Euro. Allerdings gibt es über alle Sondervermögen und den Kernhaushalt hinweg voraussichtlich eine neue Kreditaufnahme in Höhe von 174 Milliarden Euro.

Ja, wir sind mit dem Haushalt 2026 endlich wieder im Zeitplan. Nach Monaten haushaltspolitischer Unsicherheit sind wir wieder im regulären Verfahren. Das ist gut, aber das ist für das Land auch absolut notwendig. Aber für die Beratungen in den nächsten Wochen kann ich uns auch sagen: Das reicht nicht. Dieser Entwurf macht das strukturelle Defizit der Bundesfinanzen noch deutlicher als der Vorgängerentwurf.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Spätestens jetzt kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass wir in den nächsten Wochen im Haushaltsausschuss eine gigantische Aufgabe vor uns haben, dass wir wahnsinnig viel Verantwortung tragen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Was ist zu tun? Wir müssen uns bei diesen Haushaltsberatungen von drei Punkten leiten lassen: Konsolidieren, Investieren und Reformieren. Die Lage ist so ernst, dass wir an diesem Dreiklang nicht vorbeikommen.

Zum Punkt „Konsolidieren“. Wir müssen Schluss machen mit der Politik des Verschiebens und Vertagens. Jede Ausgabe muss auf den Prüfstand. „Das haben wir schon immer gemacht“ ist kein Kriterium verantwortungsbewusster Haushaltspolitik. Wir müssen Strukturen verschlanken, Bürokratie abbauen sowie streichen, was nicht mehr zeitgemäß ist.

Zurufvon der AfD: Bravo!

Das ist keine Kürzungswut, sondern das ist notwendige Generationengerechtigkeit im besten Sinne.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Zum zweiten Punkt „Investieren“. Ich glaube, da sind wir uns hier alle einig: Eine gute Zukunft werden wir nur haben können, wenn wir heute mutig investieren in Infrastruktur, Energieversorgung, Sicherheit, Bildung, Digitalisierung. Dafür haben wir das neue Sondervermögen geschaffen, dafür ist es richtigerweise da. Klar ist aber auch: Als Bund dürfen wir diese Mittel nur zusätzlich und nur investiv ausgeben.

Aha! Macht ihr das auch?

Diese Sonderschulden dürfen wir nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwenden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Nur wenn wir das Geld aus den neuen Schulden konsequent für zusätzliche Investitionen ausgeben, werden daraus die Innovationen und der Wohlstand von morgen. Das ist dann auch wieder gelebte Generationengerechtigkeit; denn wir investieren für die nächste Generation und eben nicht auf ihre Kosten.

Gute Oppositionsrede!

Doch Investitionen alleine – jetzt komme ich zum Punkt „Reformen“ – reichen nicht. Ohne tiefgreifende Strukturreformen ersticken wir in unseren eigenen Zuständigkeiten. Wir müssen als Staat schneller, schlanker, effizienter werden. Dazu brauchen wir eine Verwaltungsmodernisierung – wir haben ja unser neues Ministerium dafür – und auch eine Reform der Bund-Länder-Finanzbeziehungen. Das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ muss endlich wieder gelten. Wenn wir das Problem nicht lösen, dann werden auch viele Milliarden Euro aus dem Sondervermögen nicht weiterhelfen.

Wir Haushälter haben die Pflicht, in den Haushaltsberatungen in den nächsten Wochen dafür zu sorgen, dass wir jeden Euro so einsetzen, dass neues Wachstum, neue Innovationen und neue Chancen entstehen. Das erwarten die Menschen von uns – und ich finde, das erwarten sie zu Recht. Deshalb kämpfen wir nun dafür, dass mit dem Haushalt 2026 nicht einfach nur neue Schulden gemacht werden, sondern dass er auch einen kraftvollen Politikwechsel einleitet. Wenn wir uns an unseren Dreiklang aus Reformieren, Investieren und Konsolidieren halten, dann wird uns das in anspruchsvollen Verhandlungen als Koalition in den nächsten Wochen gelingen, da bin ich ganz zuversichtlich.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Für die AfD-Fraktion darf ich das Wort Hauke Finger erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Hauke Finger
Foto: Hauke Finger
7 Vermerkeca. 459 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Werte Kollegen! Hochverehrte Bürger! Herr Bundeskanzler Merz – er ist schon weg –, Sie werden als Schuldenkanzler in die Geschichte eingehen. Wenn Sie 2029 mit unserem Land fertig sein werden, werden Sie mit Ihrer eigenen Finanzplanung den Schuldenstand um 50 Prozent erhöht haben. Die Hälfte von dem, was alle anderen Kanzler vor Ihnen angehäuft haben, kommt jetzt an Schulden noch mal obendrauf. Das hat natürlich auch Folgen für die Zinsaufwendungen. Diese werden dann doppelt so hoch sein wie heute; der Bericht des Rechnungshofs wurde vorhin schon erwähnt. Sie sind der Anführer einer kleinen Koalition der großen Schulden.

Beifallbei der AfD

Und Sie verspielen damit nicht nur unsere Zukunft; Sie verspielen auch die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

Wer auch nur den Hauch einer finanzpolitischen Ahnung hat, steht entsetzt vor diesem Haushaltsplanentwurf für 2026. Mit diesem Haushalt bringen wir Deutschland eben nicht voran, wie heute Morgen auch betont wurde. Das Gegenteil ist richtig: Der Haushalt und die Finanzplanung bis 2029 werden Deutschland quasi vor die Wand fahren.

Damit die Bürger es besser verstehen, erkläre ich es gerne noch mal ausführlicher. Mehr Schulden bedeuten mehr Zinsen. Wenn zu den bereits vorhandenen Schulden in Höhe von 1 900 Milliarden Euro, also 1,9 Billionen Euro, bis Ende 2029 entsprechend der Finanzplanung weitere 850 Milliarden Euro dazukommen, steigen logischerweise die Zinsausgaben. Ich möchte da gerne die Dimensionen verdeutlichen: In den letzten zehn Jahren hat der Bund insgesamt 208 Milliarden Euro an Zinsen ausgegeben. In den nächsten zehn Jahren wird es – je nachdem, wie man die Zinssätze ansetzt – durch die neuen Schulden zu ungefähr 600 Milliarden Euro an Zinsaufwand kommen.

Rechnen Sie es doch auf 20 Jahre aus!

Mit diesen 600 Milliarden Euro könnten wir, das wissen wir alle, natürlich gut die größten Reformbaustellen in der Rentenversicherung oder im Gesundheitssystem angehen und grundlegende Dinge wiederherstellen. Deswegen ist für mich die Diskussion, noch mehr Schulden aufzunehmen, völlig falsch. Das Gegenteil ist richtig: Wir müssen den Sparstift ansetzen. Das sage nicht nur ich, das sagt auch der Bund der Steuerzahler.

Beifallbei der AfD

Diese Regierung verzockt die größte Volkswirtschaft der Welt. Da ist das Prinzip Hoffnung der Lage nicht mehr angemessen. Das sage nicht nur ich, das sagt auch der Bundesrechnungshof.

Zurufder Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD]

Sie können einfach nicht mit Geld umgehen. Das sage nicht nur ich, das sagt auch der gesunde Menschenverstand.

Beifallbei der AfD

Als AfD fordern wir Haushaltskonsolidierung statt Schuldenpolitik. Mit unserem Programm werden sogar Steuersenkungen für Bürger und Mittelstand machbar. Gegen die Verschwendungs- und Geltungssucht der aktuellen Regierung hilft nur die blaue Pille der Vernunft, und das ist die Afd.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich Frauke Heiligenstadt das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD
Porträt von Frauke Heiligenstadt
Foto: Frauke Heiligenstadt/ Photothek Media Lab
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Bundeshaushalt 2026 ist ein weiterer mutiger Schritt nach vorne; denn 2026 ist ein Jahr der Rekordinvestitionen; wir haben das heute Morgen schon mehrfach gehört.

Wir sprechen von rund 127 Milliarden Euro, die explizit dafür gedacht sind, Deutschland in den nächsten Jahren zu modernisieren, verteidigungsbereit zu machen und endlich die großen Rückstände in ganz vielen Bereichen aufzuholen, wie zum Beispiel in der Verkehrsinfrastruktur, in der Bildung und Betreuung unserer Kinder, in den Krankenhäusern, bei der Digitalisierung oder beim Klimaschutz.

Gleichzeitig hat aber unser Bundesfinanzminister Lars Klingbeil heute Morgen auch darauf hingewiesen, dass wir uns für 2027 darauf einrichten müssen, dass wir einen hohen Konsolidierungsbedarf haben werden. Das heißt konkret: Jeder wird auch Belastungen tragen müssen.

Rekordinvestitionen und Belastungen tragen: Ich kann verstehen, dass viele Menschen das so nicht nachvollziehen können. Daher möchte ich das vielleicht mal an einem Beispielbild erläutern.

Wen wollen Sie denn wieder belasten? Wieder Steuererhöhungen, Abgabenerhöhungen?

Stellen wir uns vor: Wir haben ein sanierungsbedürftiges Haus. Die Fenster sind undicht. Es regnet durch das Dach. Heizung und Elektrik sind veraltet. Das Fundament zeigt Risse.

Hausherr war 16 Jahre die SPD!

Wenn wir jedes Jahr nur einen Raum sanieren oder reparieren, dann können wir zwar Raum für Raum sanieren und müssen nicht so viele Kredite aufnehmen; aber die Schwächen an den anderen Stellen machen Sanierungserfolge zunichte.

Daher nehmen wir jetzt Kredite auf, um das ganze Haus schnell und umfassend zu sanieren: neues Dach, Fenster dicht, Elektrik sicher, Isolierung ordentlich. Und mit der Generalsanierung sparen wir in Zukunft Energie, beheben Mängel dauerhaft und legen eine stabile, nutzbare Grundlage für unser Haus. Genau das ist unser Ansatz der Haushalte 2025 und 2026, meine Damen und Herren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Der Kredit, den wir für unsere Haussanierung aufnehmen, bedeutet: massive, gebündelte Investitionen jetzt und Einsparmöglichkeiten später. Wenn das Dach einmal in Ordnung ist, müssen Sie später nicht mehr ständig einzelne Ziegel neu drauflegen. Wenn neue Fenster eingesetzt sind, zieht es nicht mehr. Wenn Heizung und Dämmung stimmen, sinken die laufenden Kosten.

Genauso ist es mit dem Bundeshaushalt. Lediglich die Dauer der Sanierung unseres Hauses Deutschland ist nicht in einem Jahr zu schaffen, deshalb haben wir mit dem Sondervermögen für 12 Jahre geplant.

Außerdem sorgt die Modernisierung dafür, dass laufende Ausgaben für Instandhaltung, Reparaturen, Energie und Verwaltung usw. deutlich zurückgehen können. Wir gewinnen Effizienz und schaffen neue Werte. Wir sorgen für die nächste Generation vor, und das ist das Entscheidende in diesem Haushalt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Durch neue Schulden, Frau Kollegin!

Aber wie das so ist: Wenn man ein Haus grundlegend saniert hat, kann man danach erst mal keine großen Sprünge machen. Die Phase nach den Baumaßnahmen muss dann eine Phase der Konsolidierung sein. Wir müssen Einnahmen stabilisieren, Ausgaben kritisch prüfen und eine solide Haushaltsführung etablieren.

Daher wird es notwendig sein, dass wir auch viele grundsätzliche Strukturreformen angehen. Wir leisten uns in den kommenden Jahren mit dem Sondervermögen und auch dem Haushalt 2026 einen riesengroßen Sprung bei der Sanierung unseres Hauses Deutschland. Damit stellen wir sicher, dass wir eine solide Finanzierungsbasis, ein solides Fundament haben.

Der Haushalt 2026 ist daher kein bloßes Zahlenwerk. Er ist unser Sanierungsplan, unsere Zukunftsinvestition in das Haus Deutschland. Wir bauen jetzt, wir modernisieren, wir schaffen Stabilität, damit Deutschland auf lange Sicht stark, widerstandsfähig und handlungsfähig bleibt.

Nicht wegen der Kosten heute,

sondern wegen der Vermögenswerte, –

Frau Kollegin.

– die wir für unsere Kinder und Enkel schaffen. Und das wird ein Gewinn für morgen.

Schulden sind keine Vermögenswerte!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Als letzte Wortmeldung zur Aussprache über die Einzelpläne 08, 20, 32 und 60 darf ich für die CDU/CSU-Fraktion Lukas Krieger aufrufen.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Lukas Krieger
Foto: Tobias Koch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Alle namhaften Wirtschaftsforschungsinstitute sind sich einig: Deutschland hat ein Wachstumsproblem. Wir verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, und unsere Sozialsysteme sind zu teuer.

Als neue Bundesregierung aus Union und SPD haben wir diese Herausforderung angenommen. Und wir haben schnell gehandelt. Das Bundesfinanzministerium und die Haushälter unserer Koalition haben mit großem Einsatz dafür gesorgt, dass wir die unhaltbare Situation einer Republik ohne Haushalt beendet haben.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit der Verabschiedung des Haushalts 2025 in der vergangenen Woche haben wir Klarheit geschaffen und die Hängepartie beendet, die unserem Land nur geschadet hat.

Bereits diese Woche widmen wir uns dem Haushalt 2026. Von diesem Haushalt müssen und werden weitere entscheidende Wachstumsimpulse ausgehen. Denn wir stehen an einem Scheideweg. Es geht um die Frage, ob wir die Ausgaben unseres Staates endlich in den Griff bekommen.

Eines ist klar: Wir haben kein Einnahmeproblem. Im Gegenteil: Unsere Steuereinnahmen vor der Verteilung auf Bund, Länder und Kommunen beliefen sich 2024 auf rund 948 Milliarden Euro und sind so hoch wie nie. Wir haben darüber hinaus durch das Sondervermögen zusätzliche Mittel in Milliardenhöhe bereitgestellt.

Das eigentliche Risiko für unsere Haushalte sind die Zinsausgaben für die bestehende und die steigende Schuldenlast. Deshalb gilt: Nur wenn wir klug sparen und zugleich in Wachstum investieren, sichern wir den dringend benötigten Handlungsspielraum für diese Regierung und für kommende Regierungen.

Beifallbei der CDU/CSU

Sollte der frei verfügbare Spielraum im Bundeshaushalt weiter sinken, könnte keine Regierung mehr die Politik machen, für die sie gewählt wäre.

Die Schließung der Haushaltslücke vor allem ab 2027 ist eine enorme Aufgabe. Es gibt zwei Optionen, wo das Geld herkommen kann. Eine von der Linken auch heute immer wieder geforderte Option wären höhere Steuern und Sozialabgaben. Doch dieser Weg würde unsere Bürgerinnen und Bürger sowie unsere Unternehmen weiter belasten, Arbeitsplätze kosten und Investitionen ins Ausland treiben.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Wiebke Esdar [SPD

Das Einzige, was aus meiner Sicht im Bereich der Einkommensteuer infrage kommt, ist das Gegenteil: nämlich eine Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir müssen dafür kämpfen, dass die Spielräume dafür da sind.

Das haben wir gefordert! Ihr müsst es umsetzen! Wir sind gespannt!

Wir als Union wollen also keine Steuererhöhungen, sondern faire Steuersenkungen. Wir müssen also an die Ausgaben ran. Das ist unser Weg. Wir müssen die Ausgaben des Staates senken. Aber, meine Damen und Herren, wir dürfen dabei nicht so radikal und verantwortungslos vorgehen, wie es die AfD fordert. Wer die Hilfen für die Ukraine streichen will, stellt sich gegen ein Land, das tapfer seine und unsere Freiheit gegen den russischen Aggressor verteidigt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Dieser Vorschlag könnte so auch aus der russischen Botschaft kommen.

Wer dann auch noch den Klima- und Transformationsfonds infrage stellt,

…, spart richtig Geld!

leugnet die Realität des Klimawandels und riskiert am Ende noch viel höhere Kosten für unser Land.

Wir hingegen wollen die Ausgabenstruktur des Staates klug reformieren. Wir setzen auf Bürokratieabbau, auf Effizienz und Strukturreformen.

Sie setzen auf Schulden, Herr Kollege!

Dafür haben wir eine Kommission zur Sozialstaatsreform eingesetzt. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr präsentiert werden.

Wer nicht weiterweiß, gründet eine Kommission!

Die Ergebnisse der Rentenkommission kommen bis Mitte der Legislatur.

Darüber hinaus haben wir uns im Koalitionsvertrag auf konkrete Maßnahmen verständigt: Den Personalbestand jenseits des Sicherheitsbereichs wollen wir um 8 Prozent senken und die sächlichen Verwaltungsausgaben um 10 Prozent reduzieren. Das sind seriöse, verantwortbare Vorschläge. Im Rahmen der Haushaltsberatungen werden wir weitere Vorschläge ausarbeiten, wo gespart werden kann.

Beifallbei der CDU/CSU

Das sind mikroskopische Schritte! Das ist nicht das, was Deutschland braucht!

Das ist die Grundlage für eine Politik, die Wachstum schafft, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und die die Zukunft unseres Landes sichert. Die Union steht für einen klaren Kurs, für verantwortungsvolle Haushaltspolitik, für gezielte Investitionen und für Wachstum. So sichern wir den Wohlstand und die Zukunft für die Menschen in unserem Land.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Patrick Schnieder
Foto: Patrick Schnieder/ Tobias Koch
13 Vermerkeca. 1.485 WörterReaktionswert: hoch
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Demokratie lebt von Vertrauen, davon, dass die Menschen spüren: Wir hören zu. Wir kümmern uns. Wir handeln. Wir verbessern ganz konkret ihre Lebensverhältnisse. – Vertrauen in den Staat entsteht dort, wo der Alltag funktioniert. Doch genau dort erleben wir gerade eine brandgefährliche Situation. Wenn zentrale Bereiche nicht reibungslos funktionieren, empfinden einige das als generelles Versagen des Staates. Dieses Gefühl kann schnell dazu führen, dass Menschen grundsätzlich an unserer Demokratie zweifeln. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir nicht denen das Feld überlassen, die behaupten, es gäbe einfache Lösungen für komplexe Probleme.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir müssen dieses Vertrauen zurückgewinnen, indem wir zeigen, dass unsere Demokratie zwar nicht immer einfach, aber immer handlungsfähig ist, indem wir liefern – schnell, transparent und mit Blick auf das, was die Menschen wirklich bewegt. Für meinen Zuständigkeitsbereich heißt das: Wir müssen und werden dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger gut, sicher und schnell an ihr Ziel kommen, egal ob sie in unseren Metropolen leben oder in ländlichen Regionen und egal für welches Verkehrsmittel sie sich entscheiden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dafür spielt der Haushalt 2026 eine entscheidende Rolle. Konkret haben wir angekündigt, dass wir in dieser Legislaturperiode 166 Milliarden Euro für Verkehrsinvestitionen bereitstellen werden. Das ist eine sehr gute Nachricht. Denn damit haben wir viele, sehr viele Mittel zur Verfügung, die wir vor allem in die Sanierung der Schiene und maroder Autobahnbrücken stecken können. Hier gibt es einen großen Nachholbedarf. Den Sanierungsstau bei der Schiene und bei den Autobahnbrücken müssen und werden wir abbauen.

Der Großteil der Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wird künftig aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität finanziert. Dieses konzentriert sich nach den bisherigen Planungen vollständig auf zwei wesentliche Bereiche: bei der Schiene die Sanierung und Digitalisierung des Bestandsnetzes, bei der Straße die Sanierung von Brücken und Tunneln an Autobahnen. Das Motto heißt: Erhalt vor Neubau. Das ist auch richtig so, weil wir dort großen Nachholbedarf haben.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Darüber hinaus gibt es Projekte, die baureif sind; andere wurden längst begonnen. Die Menschen warten darauf, dass es losgeht, dass es schneller geht und nicht langsamer. Wir müssen auf allen Feldern der Verkehrsinfrastruktur liefern, bei allen Verkehrsträgern.

Aufgrund der neuen Architektur der Finanzierung von Verkehrsinvestitionen, mit einem höheren Anteil an Investitionsmitteln außerhalb des Verkehrsetats als im Verkehrsetat, kann der Verkehrsminister das nicht alleine leisten; denn das Sondervermögen hat nicht die notwendige Flexibilität. Deswegen begrüße ich, dass wir im parlamentarischen Verfahren über diese Fragen sprechen werden. Und ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Lösung finden werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Diese Bundesregierung eint das Ziel, Planungssicherheit für Bürger und Unternehmen zu schaffen. Wir wollen Schienen und Straßen endlich auf Vordermann bringen – überall im Land. Die Dringlichkeit ist auch deswegen so hoch, weil im Straßenbau die Mittel – anders als noch vor ein paar Jahren – rasant schnell abfließen. Die Verkehrspolitik hat geliefert – die Haushaltsreste in dem Bereich gehen gegen null –, und die Baufirmen stehen bereit. Sie haben die Kapazitäten bzw. sind bereit, sie aufzubauen.

Im parlamentarischen Verfahren werden wir uns jetzt gemeinsam um Lösungen und mehr Flexibilität bei den Verkehrsinvestitionen kümmern. Denn im Moment macht die Struktur des Sondervermögens es noch nicht möglich, dass es voll zur Geltung kommt. Wir müssen zu Lösungen kommen, damit der aufgezeigte Bedarf bei Straße, Schiene und Wasserstraße gedeckt wird. Das ist eine Aufgabe, die wir zusammen meistern müssen. Ich bin aber überzeugt, dass das alles Probleme sind, die sich lösen lassen, und das werden wir tun.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gleiches gilt für das Planen und Genehmigen unserer Infrastrukturprojekte. Wir werden in Zukunft – so haben wir es auch vereinbart – schnellere Verfahren ermöglichen und unnötige Bürokratie abbauen. Es muss möglich sein, das Geld zügig dort einzusetzen, wo es gebraucht wird. Deshalb werden wir noch in diesem Herbst ein Gesetz vorlegen, das das Planen und Genehmigen von Bauprojekten endlich schneller und unkomplizierter macht.

Bei Bahn und ÖPNV haben wir gestern und in der vergangenen Woche gleich mehrere Meilensteine erreicht. Seit vergangener Woche ist klar: Das Deutschlandticket bleibt. Nach langem Ringen ist die Finanzierung bis 2030 gesichert.

Aber es ist viel teurer!

Die gute Nachricht ist, dass wir endlich eine längerfristige Perspektive haben und dort nicht von Jahr zu Jahr um die Finanzierung ringen müssen. Dafür danke ich allen Akteuren ganz herzlich.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sicherlich hätten sich einige gewünscht – das will ich auch für mich in Anspruch nehmen –, dass die Ticketpreise erst einmal gleich bleiben. Das war bei der aktuellen Gemengelage einfach nicht möglich. Die Alternative wäre gewesen, das Deutschlandticket entgegen den Versprechen ganz aufzugeben. Dass seitens des Bundes bis 2030 jährlich 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, so wie die Länder das auch tun, war angesichts der aktuellen Haushaltslage nicht einfach. Dafür, dass das möglich war, danke ich auch dem Bundesfinanzminister. Dass wir das ermöglicht haben, unterstreicht, wie ernst wir es meinen, wenn wir sagen: Wir haben die Kunden im Blick. – Es war unser Ziel das Deutschlandticket fortzuführen. Wir werden das erreichen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Gleiches gilt für den Verkehrsträger Schiene insgesamt. Die Qualität der Bahn ist ab sofort Chefinnensache. So hat das Evelyn Palla gestern bei unserer gemeinsamen Pressekonferenz angekündigt. Ich freue mich, dass der Aufsichtsrat heute zugestimmt hat und sie die Bahn als Vorstandsvorsitzende der DB AG wieder auf die Erfolgsspur führen wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dafür bringt Frau Palla alles mit. Sie steht für Erfahrung und für einen Neuanfang, den wir dringend brauchen.

Wir alle erleben es, wenn wir mit der Bahn unterwegs sind: unpünktliche Züge, gesperrte Toiletten und Bordbistros, marode Bahnhöfe und Stellwerke, Projekte, die viel langwieriger werden als angekündigt. Die Negativliste bei der Bahn ist lang. Diese Bundesregierung ist angetreten, um die Situation auf der Schiene zu verbessern. Wir haben im Koalitionsvertrag unter anderem angekündigt: „Wir werden [...] dafür sorgen, dass die Bahn wieder pünktlich fährt“. Das gehen wir jetzt an. Deshalb habe ich hier eine Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene angekündigt. Ich bin froh, dass ich sie gestern gemeinsam mit Frau Palla und Herrn Professor Rompf vorstellen konnte. Herrn Professor Rompf habe ich für die Spitze der InfraGO vorgeschlagen. Er bringt fast 30 Jahre Erfahrung im Eisenbahnsektor und fundierte Kenntnisse in der Infrastruktur mit.

Eine katastrophale Bilanz bringt er mit! Was für eine Fehlentscheidung!

Er ist im Sektor hervorragend anerkannt. Beide haben bekräftigt, dass sie unsere Ziele und Maßnahmen teilen und engagiert vorantreiben wollen.

Das heißt: Wir fokussieren uns in Zukunft auf das Kerngeschäft, auf den Eisenbahnverkehr in Deutschland und die Bahnkunden. Wir vermeiden künftig Doppelstrukturen und verschlanken die Chefetagen, etwa indem wir die Vorstände beim Konzern und bei der DB InfraGO von acht auf zukünftig sechs Vorstandsmitglieder verkleinern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir sorgen für eine bessere Steuerung durch den Bund, zum Beispiel dadurch, dass wir Boni ganz klar an Pünktlichkeitsziele koppeln. Wir setzen auf realistische Pünktlichkeitsziele und werden dafür sorgen, dass diese auch Wirklichkeit werden. Konkret heißt das: 70 Prozent Pünktlichkeit bis 2029, mittelfristig 80 Prozent, langfristig 90 Prozent. Damit wir uns richtig verstehen: „70 Prozent Pünktlichkeit bis 2029“ stellt uns alle nicht zufrieden. Aber es kann auch nicht sein, dass wir aus der Luft gegriffene Pünktlichkeitsfantasieziele verkünden, die realistisch niemand erreichen kann.

Ich halte angesichts der Situation die 70 Prozent bis 2029 für ambitioniert, aber realistisch. Warum ist das so? Wir sind im Moment auf einem absoluten Tief und haben enorme Investitionen in das Schienennetz vor uns, mit einer Fülle von Baustellen, die zu bewältigen sind. Das wird nicht dazu führen, dass das Netz einfacher zu befahren ist und dass die Pünktlichkeit schneller steigt. Wir müssen Schritt für Schritt vorankommen, aber wir werden auch Schritt für Schritt vorankommen.

Wir sanieren mindestens 500 Bahnhöfe in den kommenden fünf Jahren, anschließend weitere 500, auch um sie barrierefrei zu machen. Und wir bringen drei Sofortprogramme auf den Weg: eines für mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen, eines für mehr Komfort in den Zügen der DB Fernverkehr und eines für bessere Kundenkommunikation.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, „Verantwortung für Deutschland“ – so haben wir unseren Koalitionsvertrag überschrieben. Mit all den genannten Maßnahmen zeigen wir, dass wir das ernst meinen. Wir sorgen dafür, –

Herr Minister, ich muss langsam abpfeifen.

– dass die Menschen und Unternehmen endlich wieder spüren, dass wir in einem Land leben, das funktioniert, das in vielen Bereichen immer noch Vorreiter ist, das lebenswert ist. Das Vertrauen, das die Bürgerinnen und Bürger in uns gesetzt haben, verpflichtet. Diese Bundesregierung liefert.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Marcus Bühl das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Marcus Bühl
Foto: Marcus Bühl/ Andreas Drößler
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Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Verkehrsminister! Die maroden Straßen und Brücken in unserem Land sind kein abstraktes Problem. Sie sind jeden Tag ein massiver Schaden für unsere Wirtschaft. Deutschland steht im Stau. Riesige Umwege sind nötig, weil Brücken gesperrt sind. Das bedeutet: Lieferketten sind gestört, die Produktion ist erheblich beeinträchtigt. Die volkswirtschaftlichen Folgen: Diese Staus und Sperrungen kosten Unsummen, und das Jahr für Jahr. Das sind Belastungen, die am Ende von den Bürgern und den Unternehmen getragen werden: durch höhere Preise, sinkende Wettbewerbsfähigkeit und verlorene Arbeitsplätze.

Die Ursachen dafür sind bekannt: zu teuer, zu langsam und zu spät. Es dauert im Vergleich viel zu lange, bis eine Autobahnbrücke ersetzt wird; andere europäische Länder sind deutlich schneller. In Österreich können komplexe Brückensanierungen teilweise in wenigen Monaten realisiert werden. Die neue San-Giorgio-Brücke im italienischen Genua wurde nach ihrem Einsturz 2018 in deutlich weniger als zwei Jahren neu errichtet. Wenn in Dresden alles gut läuft, könnte die Carolabrücke im November 2030 fertig werden, also in fünf Jahren. Allein diese Differenz macht klar: Die über Jahrzehnte maßgeblich von CDU und SPD mit aufgebaute Bürokratie und Überregulierung hängen wie ein Mühlstein an der Sanierung unserer Infrastruktur.

Beifallbei der AfD

Herr Minister, Ihr Haushaltsentwurf für 2026 ist wieder ein Verschiebebahnhof. Ins Sondervermögen werden 2,5 Milliarden Euro für das Brückenprogramm für Autobahnen geschoben. Im Gegenzug werden im Kernhaushalt 1,6 Milliarden Euro gekürzt. Das ist weder die vielbemühte Zusätzlichkeit bei Investitionen, noch kann damit das Ziel von 400 Brückensanierungen pro Jahr erreicht werden. Es ist schlichtweg zu wenig. Der Investitionsbedarf allein für Straßenbrücken liegt bei circa 100 Milliarden Euro. Währenddessen pumpen Sie wieder über 20 Milliarden Euro in die Schiene, einen Verkehrsträger, der in Deutschland zwar wichtig ist, aber nie die Hauptlast übernehmen kann. Über 80 Prozent des Verkehrs laufen über die Straße. Das ist die Realität. Und diese Realität muss sich auch in den Haushaltszahlen wiederfinden.

Die Baukosten für öffentliche Verkehrsprojekte sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, insbesondere bei Schienenprojekten. Die Sanierung der Riedbahn letztes Jahr bestätigt diese Entwicklung eindeutig. Statt der geplanten 500 Millionen Euro kostete die Reparatur den Steuerzahler satte 1,5 Milliarden Euro, also das Dreifache.

Auch bei der gestrigen Vorstellung Ihrer Bahnstrategie ist Ihnen der große Wurf nicht gelungen. Ihr Ziel, bis 2029 im Personenfernverkehr 70 Prozent Pünktlichkeit zu erreichen, ist wenig ambitioniert.

Beifallbei der AfD

In vier Jahren soll also fast jeder vierte Zug unpünktlich einlaufen. Und Ihre Reduzierung der Anzahl der Vorstände um jeweils zwei bei der DB AG und der DB InfraGO – wir haben es gerade gehört – wird den aufgeblähten Verwaltungsapparat der Bahn nicht wesentlich verschlanken. Außerdem reicht es nicht, die Auslandsbeteiligungen der Bahn zu reduzieren. Das Auslandsgeschäft muss komplett verkauft und abgeschafft werden.

Beifallbei der AfD

Die Wasserstraßen fallen bei Ihnen ganz hinten runter. Weder werden sie in Ihrem Entwurf mit Mitteln verstärkt, noch werden sie als verteidigungsrelevante Infrastruktur betrachtet.

Wir fordern eine klare Prioritätensetzung. Das heißt:

Erstens. Jeder Euro aus der Lkw-Maut muss vollständig in die Straße fließen.

Zweitens: klare Priorisierungen zugunsten des Verkehrsträgers Straße.

Drittens: beschleunigtes Genehmigungsrecht für Brückensanierungen. Brückenbauten in Österreich und Italien zeigen, wie es geht.

Viertens: Weg mit dem ideologischen Ballast im Haushalt, der Autofahrer behindert.

Fünftens: klare Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. Der Mischfinanzierungsdschungel gehört neu geordnet.

Beifallbei der AfD

Herr Minister, die Straße ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Marode Straßen und Brücken schaden unserer Industrienation, schaden unserer Logistik, schaden unseren Arbeitsplätzen. Deutschland braucht so schnell wie möglich eine sanierte Infrastruktur. Das werden wir auch in diesen Haushaltsverhandlungen konsequent einfordern.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich Uwe Schmidt das Wort erteilen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Uwe Schmidt
Foto: Uwe Schmidt/ Photothek Media Lab
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Moin, Herr Präsident! Moin, Herr Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Im vergangenen Jahr wurde in Bremerhaven der Hafentunnel fertiggestellt. Es hat ein bisschen länger gedauert, als wir gedacht haben, aber jetzt ist er da. Der Überseehafen und die A27 sind endlich direkt miteinander verbunden. Das hat nicht nur die Verkehrsführung verbessert, sondern vor allem auch die Lebensqualität der Menschen in den angrenzenden Stadtteilen: kein Stau, kein Lärm, keine Gefahr mehr für Anwohner, stattdessen mehr Sicherheit und weniger Abgase. Für manche mag es nur ein Tunnel sein, aber es ist viel mehr: Es ist ein Schlüsselprojekt für die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Stabilität unseres Landes.

Der Tunnel ist nur ein Beispiel für eine größere Wahrheit: Verkehrsinfrastruktur ist nicht nur Straße, Schiene und Wasserstraße. Natürlich sind das auch Häfen. Das eine ist, über die Häfen zu sprechen, was ich hier hin und wieder häufiger tue. Mir aber geht es darum: Deutschland muss die Häfen aus einer ganz anderen Perspektive denken. Deutschland ist nämlich ein Global Player. Deutschland lebt vom Welthandel. Wer Deutschland nicht von den Häfen aus denkt, hat Deutschland offensichtlich nicht richtig verstanden. Häfen sind unsere Tore zur Welt. Was uns ausmacht – unser Export, unsere Industrie, unsere Versorgung –, das alles beginnt und endet in den Häfen.

Ich spreche hier nicht von idyllischen Fischerhäfen mit Möwen und Fischbrötchen; ich spreche von gigantischen Containerterminals, von unermüdlich arbeitenden Menschen und Stahlkolossen, die täglich riesige Mengen an Waren für unsere Wirtschaft bereitstellen. Sind die Häfen dicht, steht die deutsche Wirtschaft und damit Deutschland: leere Regale im Supermarkt, keine Medikamente und auch keine neuen Smartphones. Vielleicht denken Sie das nächste Mal daran, wenn Sie am Bahnübergang warten und ein Containerzug an Ihnen vorbeifährt. Unsere großen Automobilhersteller in Stuttgart, München und Wolfsburg fahren Autozüge teilweise im Stundentakt. Diese Züge sind quasi Fließbänder auf Schienen.

Auch Gütertransporte auf der Straße verbinden unsere Industrie mit dem Weltmarkt. Wie kommen eigentlich riesige Windkraftanlagen, Baumaschinen oder Industrieanlagen von der Fabrikhalle in den Hafen und damit weiter in die Welt? Über unsere Verkehrsinfrastruktur. Und das sind nicht nur Häfen. Häfen sind die Knotenpunkte. Aber die Verbindungen nach und von den Häfen sind mindestens genauso wichtig; Straßen und Schienen habe ich schon erwähnt. Um die schweren Massengüter bewegen zu können, braucht es vor allem Wasserstraßen. Alles muss Hand in Hand gehen. Wasserstraßen spielen dabei eine immer größere Rolle. Sie sind der Verkehrsträger der Zukunft, der noch massives Potenzial hat, zusätzliche Güter aufzunehmen. Und das müssen wir ausschöpfen.

Für alle Verkehrsträger gilt: Das Geld muss schnell und zielgerichtet in die Projekte fließen, die als Nächstes anstehen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Dafür hat das Parlament das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität auf den Weg gebracht. Geld ist da.

Wir müssen schneller, besser und effizienter werden. Das ist ja nichts Neues, Herr Minister.

Aber wir werden einen grundlegenden Kurswechsel brauchen. Wie wollen Sie diesen Prozess in Ihrem Haus eigentlich gestalten, Herr Minister? Das müssen Sie dem Parlament auch mal darlegen; in Ihrer Rede waren schon ein paar Sachen drin. Wir stehen bereit, um starre Strukturen in der Verwaltung aufzubrechen und echte Fortschritte zu erzielen, indem wir ins Handeln kommen. Herr Minister, welche Unterstützung brauchen Sie denn vom Parlament, damit das gelingt? Dazu habe ich eben nichts gehört. Darüber würde ich aber gern mit Ihnen noch mal reden.

Der Haushalt 2026 gibt uns eine historische Chance. Doch dabei dürfen wir uns nicht verzetteln. Es geht darum, immer dort anzupacken, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Das sind nämlich die Engpässe, die uns aktuell bremsen. Ja, es wird Baustellen, Sperrungen und Einschränkungen geben, wie jetzt zwischen Hamburg und Berlin oder wie bei der Rahmedetalbrücke; auch das gehört zur Wahrheit dazu. Aber das sind Notwendigkeiten, die nicht aufgeschoben werden dürfen, weil sie das Fundament unseres Wohlstands abbilden. Denn eines ist klar: Ohne eine leistungsfähige Infrastruktur setzen wir unseren Wirtschaftsstandort aufs Spiel. Ohne eine funktionierende Hinterlandanbindung wird es schwer, die globalen Lieferketten aufrechtzuerhalten, die für unsere Industrie und unsere Versorgung entscheidend sind. Deshalb muss auch die Wasserstraße als Teil des SVIK gestärkt und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden. Darum werden wir gar nicht herumkommen,

Steht aber nicht drin!

wollen wir übrigens auch nicht als Küstenkinder. Unsere Häfen als Energiedrehkreuze müssen weiterentwickelt werden, um den Energiebedarf der Zukunft zu decken. Wo sollen denn Wasserstoff, Methanol und E-Fuels angelandet werden? Auch hier dürfen wir die Dinge nicht auf die lange Bank schieben.

Und noch ein Punkt. Wer in die Infrastruktur investiert, stärkt nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Sicherheit. Eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur ist ein erheblicher Sicherheitsfaktor. Das hilft uns dabei, unsere NATO-Verpflichtungen zuverlässig zu erfüllen und militärische Verlagerungen schnell und effizient durchzuführen. Der Hafentunnel in Bremerhaven war ein Beispiel, aber es wird mehr Projekte brauchen. Und wir können uns keine langjährigen Verfahrenszeiten mehr leisten; das haben Sie eben angesprochen.

Der Haushalt 2026 ist unsere Chance, jetzt zu handeln und gemeinsam die Weichen für eine zukunftsfähige Infrastruktur zu stellen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Lasst uns diese Chance nutzen für ein modernes Deutschland! Deutschland sicher und gerecht voranbringen! So: Jetzt nicht schnacken, anpacken!

Danke.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Dr. Paula Piechotta aufrufen und ihr das Wort erteilen.

Wenig, aber dafür umso frenetischer!

Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kollegen der Koalition haben gerade sehr, sehr tapfer versucht, die aktuelle Situation schönzureden. Ich muss sagen: Dass wir so extrem gut zwischen Opposition und Koalition im Bereich Verkehr zusammenarbeiten, sieht man auch daran, wie kollegial uns diese Regierung Stoff für diese Reden in der nun folgenden zweiten Haushaltswoche nach der Sommerpause liefert. Ich hatte letzte Woche tatsächlich ein bisschen Angst. Nachdem wir erst letzten Dienstag über den Verkehrshaushalt 2025 gesprochen haben, hätte es durchaus sein können, dass nur eine Woche später gar nicht genug neuer Stoff da ist, über den man sich hier an der Stelle auslassen kann. Aber Herr Schnieder, Herr Klingbeil und die gesamte Unionsfraktion haben wirklich alles dafür getan, dass wir heute genug neue Themen haben.

Ich fange mal an. Wir haben hier letzten Dienstag den Verkehrshaushalt 2025 debattiert. Am Donnerstag schickte der Verkehrsminister verschiedene Presseinformationen dazu raus, dass der Finanzminister die Milliarden aus dem Sondervermögen zurückhalten würde und deswegen in Deutschland quasi kein einziger Autobahnneubau mehr möglich sei. Er hat extra auch all die Wahlkreise dazu aufgelistet. Die Message im ganzen Land war: Dieser Verkehrsminister beschwert sich öffentlich bei seinem eigenen Finanzminister. – Das konnte die SPD natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Einen Tag später wurden Briefe von der SPD-Fraktionsspitze durchgestochen, dass dieser Verkehrsminister doch nicht so viel jammern und vielleicht mal mit dem Arbeiten anfangen solle. Schon da waren Sie an einem Punkt angelangt, den selbst Christian Lindner und Robert Habeck fast nie erreicht haben –

herzlichen Glückwunsch! –, und das nach nur wenigen Monaten.

Also, Paula, du neigst zur Untertreibung!

Das war aber noch nicht genug. Es war klar: Es muss die neue Bahnstrategie noch vorgestellt werden. Und dann kam die neue Bahnstrategie. Am Wochenende wurde aber schon durchgestochen, wer die neue Bahnchefin werden soll: Evelyn Palla. Von hier aus noch mal herzlichen Glückwunsch! Es ist ja ganz typisch: Wenn die Karre so richtig im Dreck steckt, dann darf die Frau ran. Aber deswegen umso mehr: Evelyn Palla, alles Gute für die neue Aufgabe!

Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Dann aber kam heraus, dass der Verkehrs- und der Finanzminister anscheinend nicht mal mehr miteinander reden. Und das, meine Damen und Herren, hatte die Ampel tatsächlich nie geschafft. Gestern nun wurde die neue Bahnstrategie vorgestellt. Weil sie nicht den Rückhalt des gesamten Kabinetts hat, war die auch verdammt lasch und hat die gesamte Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit tatsächlich enttäuscht. Das war deswegen der Fall, weil das Kabinett eben nicht mehr hinter diesem Verkehrsminister steht.

Das ist eine hervorragende Bahnstrategie!

Es ist in der Tat eine zukunftsweisende Bahnstrategie!

Da dachte ich: Okay, spätestens jetzt habe ich genug Material für die Rede morgen.

Aber da hatte ich meine Rechnung ohne die Unionsfraktion gemacht, die gestern zuverlässig jeden einzelnen Satz von Friedrich Merz in der Unionsfraktionssitzung an die Presse durchgestochen hat. Und da hat er ja gesagt, dass im Koalitionsvertrag zwar stehe – das ist anscheinend das nächste Versprechen, das gebrochen werden soll – „Erhalt vor Neubau“ – super eindeutige Formulierung –, dies aber nicht bedeuten dürfe, dass es Erhalt statt Neubau sei. Ja, aber „Erhalt vor Neubau“, lieber Friedrich Merz, ist schon sehr eindeutig. Bevor nicht der gesamte Erhalt – heute ist übrigens der zweite Jahrestag des Einsturzes der Carolabrücke –

Aber es ist doch ein grüner Bürgermeister, der dafür zuständig ist!

finanziert ist, gibt es keinen Neubau. Punkt! Da ist der Koalitionsvertrag eindeutig.

Aber auch das war noch nicht genug. Denn dann hat Friedrich Merz noch gesagt – danke, liebe „Bild“-Zeitung –, man solle in der Unionsfraktion doch bitte den Lars Klingbeil nicht so kritisieren, der sei so „sensibel“ bei Kritik. Also, der Kanzler stellt seinen Vizekanzler in der Fraktionssitzung als Sensibelchen dar.

Zurufdes Abg. Maximilian Kneller [AfD]

Und ja, heute Morgen die Überraschung: Verkehrs- und Finanzminister reden nicht mal mehr miteinander.

Da muss er mehr aushalten!

Meine Damen und Herren, dafür haben wir kein Sondervermögen über 300 Milliarden Euro freigegeben.

Wie Sie das jetzt hier verzocken und verpulvern, das geht wirklich auf keine Kuhhaut. Es gibt genau eine Person, die davon profitiert: Markus Söder. Markus Söder ist der Einzige, der profitiert, und die insgesamt im deutschen Vergleich auch ziemlich gut ausgestattete bayerische Verkehrsinfrastruktur. Das sind die Einzigen, die profitieren, wenn sich CDU und SPD in dieser Regierung so zerlegen.

Da zerlegt sich doch niemand! Wunschträume!

Wer nicht profitiert, das sind die Autobahnbrücken in NRW, das sind alle fehlenden Schienenverbindungen, zum Beispiel der Brenner-Nordzulauf oder die Fehmarnbeltquerung, und das sind alle Menschen in diesem Land.

Was bräuchten wir stattdessen? Vielleicht müssen Sie in der Verkehrspolitik nach dieser turbulenten Woche noch mal den Neustartknopf drücken. Wir brauchen ein gemeinsames Verständnis dafür, wo wir mit dieser Bahn hinwollen. Die Vorstellung der Bahnstrategie gestern hat deutlich gemacht: Das haben wir noch nicht.

Ich saß gestern Abend gemeinsam mit dem Kollegen Donth auf einem Podium, zusammen mit dem ehemaligen österreichischen Kanzler Christian Kern. Er hat nicht nur gesagt: Man wundert sich schon, wenn man nach Deutschland guckt. So viele Milliarden für die Bahn, und sie kriegen es trotzdem nicht gschissn. – Er hat auch gesagt: Die Grundlage für den Erfolg der österreichischen Bahn war, dass man sich über alle Parteien hinweg einig war, was man von der Bahn will, und das dann auch gemeinsam durchgesetzt hat.

Meine Damen und Herren, jetzt fließen Milliarden und Milliarden in die Bahn. Wir Grünen finden das gut. Aber die werden am Ende nur zu einer besseren Schiene führen, wenn Verkehrs- und Finanzminister und das Parlament, wir alle gemeinsam darauf achten, dass die auch sinnvoll ausgegeben werden.

Die Streitigkeiten mit EVG und Co um Palla und Rompf sind schon wieder ein Hinweis darauf, dass es an der Stelle noch nicht gut genug funktioniert. Diese Milliarden werden verpulvert, wenn wir hier nicht den großen überparteilichen Konsens herstellen und sagen, wo wir mit der Deutschen Bahn hinwollen.

Der nächste Punkt, wo wir Einigkeit brauchen, ist, dass dieses Sondervermögen tatsächlich auch komplett für Verkehrsinfrastruktur ausgegeben werden muss. Jetzt wird viel über Flexibilisierung geredet. Wir bräuchten keine Flexibilisierung, wenn das Sondervermögen tatsächlich in Verkehrsinfrastruktur fließen würde, und zwar vollständig.

Wir lesen ja in der Presse, dass Sie darüber reden wollen, dass man da die Deckungsfähigkeit wieder hineinschreibt; das haben wir in der letzten Legislatur mühsam wegverhandelt. Ich übersetze das mal für Sie: Deckungsfähigkeit bedeutet, dass das Ministerium, ohne das Parlament und ohne die Öffentlichkeit zu fragen, das Geld zwischen Schiene und Bahn wild hin- und herschieben darf. Und wer profitiert davon? Wieder Markus Söder; denn die ganzen Beamten im Verkehrsministerium sind immer noch von der CSU, meine Damen und Herren. Das wäre nicht im Interesse Deutschlands, das wäre nur im Interesse Bayerns. Und auch dafür haben wir das Sondervermögen nicht freigegeben.

Vielen Dank.

Für die Fraktion Die Linke darf ich Sascha Wagner das Wort erteilen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Sascha Wagner
Foto: DBT / Inga Haar
6 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Bundesrechnungshof hat es unmissverständlich formuliert: Der Verkehrsetat 2026 ist intransparent, unterfinanziert und unausgewogen.

Hört! Hört!

In die Schiene werden angeblich Milliarden investiert. In Wahrheit verschiebt die Regierung die Ausgaben nur ins Sondervermögen. Und jetzt wird auch die ganze Dimension deutlich: Die Mittel im Kernhaushalt schrumpfen hier von 16,2 Milliarden Euro im letzten Jahr auf 12,6 Milliarden Euro in diesem Jahr und schließlich auf 2,7 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Das ist schon eine Leistung, meine Damen und Herren. Wenn Sie jetzt immer noch leugnen wollen, dass das Sondervermögen ein Verschiebebahnhof im großen Stil ist, dann ist Ihnen tatsächlich nicht mehr zu helfen.

Beifallbei der Linken

Aber der Bahn muss endlich geholfen werden. Wir brauchen eine Stärkung der öffentlichen Steuerung und mehr Gemeinwohl statt Gewinn.

Beifallbei der Linken

Dann verzeihen Ihnen die Kunden vielleicht auch, dass Sie die Pünktlichkeitsziele mit der neuen Bahnstrategie gefühlt auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben haben.

Auch das Thema Bundesfernstraßen bleibt ein Trauerspiel. Für die Erhaltung werden lediglich 4,9 Milliarden Euro bereitgestellt, obwohl der tatsächliche Erhaltungsbedarf bei über 6,7 Milliarden Euro liegt. Das heißt, der Substanzverlust geht weiter.

Auch für die Bundeswasserstraßen ist weniger Geld vorgesehen als im Vorjahr, satte 160 Millionen Euro. Dabei gilt schon jetzt die Hälfte aller Anlagen als dringend sanierungsbedürftig. Schleusen, Kanäle, Wehre sind überaltert und überlastet. Trotzdem fehlen Geld und Personal, um Projekte auch umzusetzen. Die Folge auch hier: Substanzverlust. Mit anderen Worten: Verfall der Infrastruktur, das, wogegen wir mit aller Macht und über Sondervermögen vorzugehen versuchen. Hier stimmt doch etwas nicht, meine Damen und Herren!

Auch das Thema Deutschlandticket ist und bleibt ein Desaster. Nächstes Jahr soll der Preis auf 63 Euro steigen. Dabei sollte das Deutschlandticket ein Durchbruch für bezahlbare Mobilität werden. Das ist sozial ungerecht.

Beifallbei der Linken

Der Bund muss den Ländern dauerhaft verlässliche Mittel zur Verfügung stellen, um den Preis des Deutschlandtickets zu stabilisieren oder, viel besser noch, ihn langfristig auf 29 Euro zu senken; so sähe eine soziale und klimafreundliche Verkehrspolitik aus.

Meine Damen und Herren, dieser Haushalt löst keine Probleme, er verschiebt sie, wie auf einem Verschiebebahnhof, und er sichert auch keine Zukunft, er lässt sie weiter zerbröseln.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Carl-Philipp Sassenrath das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Carl-Philipp Sassenrath
Foto: Carl-Philipp Sassenrath / Vanessa Leissring
6 Vermerkeca. 758 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hier ist was in Bewegung. Man kann nicht behaupten, Frau Kollegin Piechotta, dass es in der Verkehrspolitik dieser Tage langweilig ist; da gebe ich Ihnen recht. Meine Damen und Herren, ein Sofortprogramm für die Autobahn, der Befreiungsschlag des Haushalts 2025, eine neue Bahnagenda und neues Führungspersonal, jetzt der Haushalt 2026: In der Verkehrspolitik bewegt sich was, und das ist – das können Sie auch anerkennen – erst einmal gut so.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Armand Zorn [SPD]

Jetzt muss es nur noch in die richtige Richtung gehen!

Die Frage lautet nun: In Bewegung, schön und gut. Aber in welche Richtung? Ich bin neu hier, muss fast alles noch lernen und weiß deswegen auch nicht, ob das Folgende ein neues Phänomen ist: Hinter vorgehaltener Hand wird fraktionsübergreifend heftig diskutiert, auf dem Flur, am Rande der Ausschusssitzungen, auch mal spät am Abend. Einige Beispiele:

Hinter vorgehaltener Hand sagen nahezu alle: Um die deutsche Verkehrspolitik in Schwung zu bringen, um die Verkehrsinfrastruktur zu sanieren, müssen wir mehr in die Infrastruktur investieren, und dafür müssen wir für eine begrenzte Zeit und zu einem begrenzten Zweck Schulden machen. – Dann muss aber auch gelten: Alles, was baureif ist, kann nach und nach gebaut werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Hinter vorgehaltener Hand sagen alle: Um die Bahn voranzubringen, braucht es eine Strategie, die sich wirklich auf strategische Ziele beschränkt und in der Umsetzung vertrauenswürdigem Personal vorbehalten ist. – Dazu hat der Minister nun eine Agenda geliefert.

Hinter vorgehaltener Hand sagen mittlerweile alle, auch bei uns: Das Deutschlandticket, eingeführt von der vorherigen Regierungskoalition, ist ein Erfolg,

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

und es bringt, wenn auch mit abflachender Kurve, immer noch mehr Fahrgäste.

Hinter vorgehaltener Hand sagen wir seit vielen Wochen: Wir haben jetzt viel Geld. Aber wir haben immer wieder auch Schwierigkeiten, es zu verausgaben, vor allem auch bei der Bahn. – Also braucht der Bundesverkehrsminister die größtmögliche Flexibilität für den Einsatz der Mittel.

Hinter vorgehaltener Hand sagen alle – und Kollege Schmidt hier eben im Plenum –: Im Bereich der Wasserstraßen und Häfen muss noch mehr gehen – sie sind in jeder Hinsicht Lebensadern, auch und gerade in meiner Heimatregion –, und wir können in diesem Bereich mit verhältnismäßig wenig mehr Mitteln viel mehr bewegen.

Hinter vorgehaltener Hand sagen alle: Um die Verkehrsinfrastruktur zu stärken, müssen wir auch gegenüber anderen politischen Vorhaben und Bereichen priorisieren, am Ende, in Grenzen, natürlich auch innerhalb des Verkehrsbereichs. – Wenn wir aber, wie aus dem Finanzplan der Bundesregierung ersichtlich, einen weiteren Aufwuchs der Finanzhilfen des Bundes von 30 Milliarden Euro auf bald fast 50 Milliarden Euro haben, dann sind wir noch weit davon entfernt, die Subventionspolitik vergangener Jahre zu beenden.

Hinter vorgehaltener Hand sagen wir in der Koalition, wir teilen doch alle Ziele im Verkehrsbereich: Sicherheit und Verfügbarkeit der Mobilität für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaftlichkeit und Effizienz, Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit. Vielleicht setzen wir zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Prioritäten; aber dieses Zieldreieck, das teilen wir uneingeschränkt.

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Lassen Sie uns – und da schließe ich mich dem Aufruf des Bundesfinanzministers zur Debattenkultur hier vorhin an – das, was wir hinter vorgehaltener Hand sagen, häufiger in dieses Plenum tragen, offen und ehrlich. Und dann: Setzen wir so viel wie möglich davon um!

Wir sind ja bereits auf einem guten Weg. Wir nehmen, ja, Schulden auf, um die Infrastruktur zu stärken, und wir arbeiten auch an sehr gezielten Mechanismen zur weiteren Finanzierung der Infrastruktur, von der Sanierung des militärischen Verkehrsnetzes bis zur Kreditfähigkeit und damit Soforthandlungsfähigkeit der Autobahn GmbH. Wir haben eine klare Agenda für den Verkehrsträger Schiene. Wir tun alles, um das Deutschlandticket fortgesetzt anzubieten.

Und wir werden als Haushaltsgesetzgeber dem Bundesverkehrsminister große Flexibilitäten einräumen. Der Bundesfinanzminister hat schon am vergangenen Freitag als Ziel ausgegeben: Die Fachminister sind dafür zuständig, dass in ihren Bereichen das Geld schnell fließt. Das werden wir jetzt im Rahmen der Haushaltsberatungen sicherstellen. Dafür danke!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Heute ist kein Tag, um zurückzuschauen oder um das, was wir gerade erst beginnen, bereits marktschreierisch zu verkaufen. Dafür ist es zu früh. Heute, genau sieben Monate nach der Bundestagswahl, ist ein weiterer Tag, um die Dinge besser zu machen. Das braucht harte Arbeit, und die leistet diese Koalition, gerade und während der folgenden Beratungen jeden Tag. Dafür vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Wolfgang Wiehle das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Wolfgang Wiehle
Foto: Wolfgang Wiehle
19 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.092 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die deutsche Verkehrspolitik steckt im Stau fest und ist hoffnungslos verspätet. Wenn es dafür noch einen Beweis gebraucht hat, dann hat ihn der Haushaltsentwurf für 2026 geliefert.

Beifallbei der AfD

Immer größere Teile des Verkehrshaushaltes und seiner Aufgaben werden aus dem Kernhaushalt in sogenannte Sondervermögen geschoben. Transparenz scheint aus Sicht der Regierung eine Tugend von vorgestern zu sein.

Beifallbei der AfD

Das Pikante daran ist daran ist, dass diese Regierung auch noch selber über ihre Intransparenz stolpert. Die Sonderschulden haben Sie mit großen Hoffnungen auf zusätzliche Investitionen verkauft. Jetzt sehen alle, wie wenig dahintersteckt. Das Verkehrsministerium schlägt Alarm: Für viele Autobahnlückenschlüsse fehlt das Geld. Das SPD-geführte Finanzministerium will die Sonderschulden nur für Brückensanierungen verwenden, aber nicht für den Neubau. S wie „Stau“ passt eben zur SPD, schon seit Jahrzehnten.

Beifallbei der AfD

Der Verkehrsminister hat das wohl nicht geahnt und protestiert jetzt. Ich wünsche dem Kabinett nun viel Spaß beim Auskosten der selbstgeschaffenen Intransparenz.

Beifallbei der AfD

Große Verspätung hat die Strategie zur Sanierung der Bahn. Daran ist nicht diese Regierung schuld. Es ist längst überfällig, den DB-Konzern und seine Infrastruktursparte zu verschlanken. Die Fantasien des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn über einen Welttransportkonzern sind schon lange Geschichte. Die Matrixorganisation der DB, das Gegeneinander von Konzern und operativen Einheiten, muss überwunden werden. Dafür haben Sie, Herr Minister Schnieder, auch die Unterstützung der AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD

Das Herzstück einer funktionierenden Bahn ist allerdings die Infrastruktur, Gleise und Bahnhöfe. Es ist richtig, die zuständige DB InfraGO innerhalb des Konzerns eigenständiger zu machen. Weitere wichtige Schritte verspäten sich unter dieser Regierung aber immer mehr. Der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen DB-Konzern und der DB InfraGO muss beendet werden. Das bleibt aber unklar. Eine Änderung der Rechtsform der DB InfraGO in eine GmbH erfolgt leider nicht. Der Bundesrechnungshof kritisiert die mangelnde Steuerung der Bahninfrastruktur durch den Bund. Das wird so aber eben nicht behoben. Herr Minister Schnieder, Ihre Bahnstrategie ist und bleibt halbherzig!

Viel Erfolg wünsche ich Frau Palla und Herrn Rompf für ihre neuen Chefpositionen. Sie werden sehr viel damit zu tun haben, die Bahn wieder zuverlässig zu machen. Das betrifft auch uns Abgeordnete, genauso wie alle Bürger. Ich weiß von einigen Kollegen, die gestern bei der Anreise über Hannover große Verspätungen erlebt haben.

Zurufvon der AfD: Wie immer in Hannover!

Dass es gestern zusätzlich wieder einen Sabotageanschlag auf die Strecke zwischen Köln und Düsseldorf gegeben hat, ist völlig unerträglich. Der Kampf gegen die linksextremen Bahnhasser dahinter muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein.

Beifallbei der AfD

Viel Geld wird auch in Zukunft für das Deutschlandticket ausgegeben. Der deutschlandweit einheitliche Tarif ist eine gute Idee. Aber auch der neue Preis von 63 Euro im Monat ist nicht ehrlich. 1,5 Milliarden Euro gibt der Bund jährlich für den Billigfahrpreis, und die Länder verdoppeln das. Das Geld fehlt aber für die Infrastruktur und für bessere Fahrpläne.

Will die AfD ein teureres Deutschlandticket?

Häufig wird übersehen, dass viele Städte und Landkreise mit ihren Verkehrsbetrieben draufzahlen. Sie ziehen bei der Aufteilung der Einnahmen häufig den Kürzeren, und einige von ihnen geraten in finanzielle Schieflage.

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD fordern auch deshalb einen ehrlichen Preis für das Deutschlandticket und dazu einen Sozialtarif, damit es sich auch Bürger mit schmalem Geldbeutel leisten können.

Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Die Linke zulassen?

Rednerwechsel

Gerne. Bitte schön.

Herr Präsident, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen.

Der Redner hat die Zwischenfrage zugelassen, nicht der Präsident!

Herr Wiehle, Sie sprechen davon, dass der Preis für das Deutschlandticket nicht ehrlich ist. Sehr viele Menschen, die das Deutschlandticket nutzen, haben wenig Einkommen. Das Deutschlandticket ermöglicht ihnen Mobilität, ermöglicht ihnen, sich in diesem Land zu einem bezahlbaren Preis frei zu bewegen. Wenn Sie sagen, dass der Preis für das Deutschlandticket nicht ehrlich ist und Ihnen 63 Euro zu wenig sind: Wie hoch ist denn der Preis, den die AfD für das Deutschlandticket vorschlägt?

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Seien Sie mal ehrlich!

Beifallbei der Linken sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]
Rednerwechsel

Herr Abgeordneter, vielen Dank für Ihre Frage. Das gibt mir die Chance, die Sache noch ein bisschen genauer zu erläutern.

Den Preis legen am Ende die Länder untereinander fest, die Länderverkehrsminister, die Ministerpräsidenten. Das ist deren Aufgabe, in die ich hier nicht eingreifen werde. Ich sage aber ganz deutlich: Wenn wir von der AfD-Fraktion darüber nachdenken und reden, dann wissen wir: Ein Sozialtarif für zum Beispiel Schüler, Rentner, Studenten wird erforderlich sein, damit sich das Deutschlandticket wirklich alle leisten können, die es brauchen.

Aber eine Sache halte ich im Sinne Gerechtigkeit für sehr wichtig, nämlich dass nicht diejenigen, die das Deutschlandticket gar nicht nutzen können, weil sie auf dem Land leben und kaum öffentlichen Nahverkehr haben, mit ihren Steuern für die Verbilligung der Fahrpreise für andere auch noch draufzahlen.

Beifallbei der AfD

Die AfD setzt sich für eine freiheitliche Verkehrspolitik ein. Für uns stehen die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt. Das beginnt mit der Freiheit der Wahl des Verkehrsmittels. Für rote und grüne Ideologie gibt es mit uns keinen Platz mehr.

Die Straße trägt nach allen Verkehrsprognosen auch in Zukunft die Hauptlast des Verkehrs in Deutschland. Wenn die Alternative für Deutschland Verantwortung trägt, gibt es mehr Geld für die Bundesfernstraßen, und wir bekennen uns auch klar zum Neubau.

Beifallbei der AfD

Wir sorgen für klare Strukturen bei der Bahn. Mit unserer Bahnreform wandeln wir auch den Konzern in eine GmbH um.

Wie denn? Wie schaffen Sie es, eine AG in eine GmbH umzuwandeln?

Rechtsformwechsel nennt man das! Ganz einfach!

Dann ist die Steuerung durch den Bund endlich klar geregelt.

Auch für die Bundeswasserstraßen wollen wir mehr Mittel bereitstellen. Die Luftverkehrsteuer verringern wir deutlich, und auf europäischer Ebene kämpfen wir gegen die Verbotspolitik und für die Erhaltung des Verbrennungsmotors.

Beifallbei der AfD

Wir sorgen dafür, dass in der Verkehrspolitik Staus und Verspätungen keinen Platz mehr haben. Wer Politik mit Maß und Vernunft und für die Freiheit will, kommt an der Alternative für Deutschland

… immer noch gut vorbei!

nicht vorbei.

Beifallbei der AfD

Für die SPD-Fraktion darf ich das Wort erteilen Anja Troff-Schaffarzyk.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Anja Troff-Schaffarzyk
Foto: Anja Troff-Schaffarzyk/ Anna Voelske
6 Vermerkeca. 834 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Alle, die regelmäßig mit der Bahn unterwegs sind, kennen das Gefühl: Der Zug ist verspätet, das Gleis wird gewechselt, oder der Navigator leuchtet knallrot. Auf der anderen Seite sehen wir, wie die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn, von der Zugbegleitung bis zur Fahrdienstleitung, ihr Bestes geben, um diesen täglichen Herausforderungen zu trotzen. Sie sind das Herzstück des Konzerns und verdienen unseren größten Respekt für die Arbeit, die sie unter diesen schweren Bedingungen machen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir müssen mit den im Haushalt bereitgestellten Mitteln die Rahmenbedingungen schaffen, damit diese Arbeit der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner wieder Früchte trägt.

Der heute vorliegende Entwurf des Bundeshaushalts 2026 setzt ein unmissverständliches Signal. Mit Rekordinvestitionen in unsere Infrastruktur, allein 16,3 Milliarden Euro für die Instandhaltung der Schiene, zeigen wir, dass wir die Infrastrukturkrise ernst nehmen.

Ein besonderer finanzieller Schwerpunkt liegt dabei auf der Digitalisierung. Wir alle wissen, dass die Digitalisierung des Schienennetzes der Schlüssel zu einer modernen, leistungsfähigen Bahn ist. Doch wie der Verband der Bahnindustrie bemerkt, war ein tatsächlicher Hochlauf dieser wichtigen Projekte bislang noch nicht absehbar. Daran sehen wir: Das Versprechen von Geld alleine reicht nicht.

Beifallder Abg. Uwe Schmidt [SPD] und Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir dürfen nicht riskieren, dass dieses beispiellose politische Engagement in der Realität verpufft. Wir stehen vor einem massiven Investitionsstau, und gleichzeitig fehlt es in der gesamten Branche an qualifizierten Fachkräften. Die Bahnindustrie, insbesondere die kleinen und mittleren Betriebe, können nur schwer in Personal und Ausrüstung investieren, weil ihnen die langfristige Planungssicherheit fehlt. Unsere Haushaltslogik sieht vor, dass die Mittel, die nicht innerhalb eines Jahres verbaut werden können, am Ende des Jahres verfallen. Das ist für die Verkehrsinfrastruktur ein Teufelskreis, in dem das Geld verfällt, der Investitionsstau bleibt und die Züge weiterhin unpünktlich fahren.

Und so wird es dann zu einer Frage der Glaubwürdigkeit. Wir können nicht Rekordinvestitionen beschließen und gleichzeitig zusehen, wie unser Haushaltsrecht die Wirksamkeit dieser Investitionen blockiert. Alle Experten sind sich in dieser Frage einig: Sie fordern eine Abkehr von der starren jährlichen Budgetplanung und die Einführung eines Eisenbahninfrastrukturfonds.

Beifallbei der SPD

Darum heute mein Appell: Wir müssen schon im vorliegenden Haushaltsgesetz 2026 eine explizite Regelung für die Übertragbarkeit der Mittel für die Eisenbahninfrastruktur verankern. Und wir müssen weiter den Weg für einen Eisenbahninfrastrukturfonds ebnen und die Bahn zu dem machen, was sie sein soll, nämlich das Rückgrat unserer Mobilität, ein Symbol für Verlässlichkeit und ein Garant für Wohlstand und Klimaschutz.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich möchte die Aufmerksamkeit aber auch auf einen weiteren Verkehrsträger lenken, der in den Haushaltsdebatten hier des Öfteren übergangen wird, nämlich das Flugzeug. Das gilt manchen hier im Bundestag als schädlicher Luxus, andere verweisen dann auf die Nutzerfinanzierung, also die Nichtzuständigkeit des Bundes für die Wirtschaftlichkeit des Verkehrs. Beide Sichtweisen sind nach meiner Meinung zu kurz gegriffen.

Wir nehmen also sinnbildlich den Zug zum Flug. Wer dieses Ticket schon einmal gebucht hat, weiß um die Stärke dieses Angebots: Einstieg in der nächsten Stadt, komfortable Bahnfahrt – wenn alles gutgeht – zum nächstgrößeren Flughafen, schneller Umstieg ins Flugzeug, und dann folgt die Weiterreise in die weite Welt. In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Tore zur Welt meistens die großen Flughäfen wie Frankfurt oder München. Doch die Erreichbarkeit Deutschlands auf dem Luftweg wird auch durch ein Netz kleinerer Regionalflughäfen sichergestellt, die sich im ganzen Land befinden.

Diese Verkehrslandeplätze haben vielleicht keinen Linienverkehr, doch sie sind unverzichtbarer Teil der öffentlichen Infrastruktur. Sie sind regionale Wirtschaftsmotoren und entscheidender Standortfaktor für die ansässigen Unternehmen, die auf schnelle Verbindungen zu ihren Kunden und Zulieferern in der ganzen Welt angewiesen sind. Die kleinen Flughäfen stellen globale Lieferketten sicher, die heutzutage auf dem Land- oder Seeweg allzu oft gestört sind. Und im Katastrophenfall oder im Notfall sorgen die Regionalflughäfen für Versorgung aus der Luft; von der sicherheitspolitischen Dimension in diesen leider sehr unsicheren Zeiten einmal ganz zu schweigen. Also: Die Zukunft der Regionalflughäfen geht uns alle an.

Doch viele Regionalflughäfen sind in Gefahr, weil ein wirtschaftlicher Betrieb angesichts steigender Kosten nur schwer aufrechtzuerhalten ist. In den letzten Jahren haben wir im Bundeshaushalt mit dem Gebührenkreis 2 eine enorm wichtige zusätzliche Finanzierungssäule geschaffen, die das Überleben der Regionalflughäfen gesichert hat, und das mit einem kleinen Titel im Einzelplan 12. Viel öffentliche Infrastruktur mit wenig Geld: Ja, auch das geht.

Der Haken ist: Im Haushaltsentwurf 2026 entfällt der Gebührenkreis 2. Für die ländlichen Räume und die Verkehrsinfrastruktur in vielen Regionen unseres Landes sind das schlechte Nachrichten. Wir als SPD-Fraktion arbeiten derzeit intensiv an Möglichkeiten, um die Förderung der Regionalflughäfen zu erhalten; denn wir wollen, dass auch zukünftig die gute Erreichbarkeit aller Regionen in Deutschland per Zug und Flugzeug sichergestellt ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Swantje Henrike Michaelsen das Wort erteilen.

Porträt von Swantje Henrike Michaelsen
Foto: Swantje Michaelsen / Stefan Kaminski
10 Vermerkeca. 573 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass Sie, Herr Minister, auf eine nicht einfache Haushaltslage verweisen, ist angesichts eines Sondervermögens von 500 Milliarden Euro schon ein bisschen absurd.

Das Problem ist doch nicht das Geld. Das Problem ist, wie Sie es einsetzen. Sie verprassen das Geld für Steuergeschenke, während die nötigen Aufgaben liegen bleiben. Das ist verantwortungslos.

Wir haben nach jahrzehntelanger Vernachlässigung unserer Infrastruktur einen massiven Sanierungsstau. Das spüren viele Menschen inzwischen jeden Tag: wenn die Bahn zu spät ist, wenn die Brücke gesperrt ist, wenn der Radweg holpert. Besonders dramatisch ist die Lage bei der Schiene: über Jahrzehnte vernachlässigt – kaputte Infrastruktur, fehlende Digitalisierung, zu wenig Strecken. Und was macht der Verkehrsminister? Er stellt eine Bahnstrategie vor, die das Wort „Strategie“ nicht verdient und der obendrein das Geld fehlt.

Auch bei den Straßen erleben wir eine Katastrophe. Die Union hat jahrelang Geld in neue Prestigeprojekte gepumpt. Unionsverkehrspolitiker haben bunte Bänder an neuen Autobahnen durchgeschnitten, während der Erhalt von Schienen, Straßen und Brücken liegen blieb.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das Ergebnis: Allein 4 000 Brücken im Autobahnkernnetz sind in einem kritischen Zustand. Bei den Bundesstraßen sieht es noch düsterer aus: Bis zu 20 000 Kilometer werden in dieser Wahlperiode in den sogenannten Erhaltungszustand kommen. Die Folgen sind kaum noch kalkulierbar. Ist das Ihre Vorstellung von Mobilität in Deutschland?

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und was macht diese Koalition angesichts dieser dramatischen Lage? Sie schiebt Gelder zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen hin und her, in der Hoffnung, dass niemand merkt, dass am Ende lächerliche 5 Milliarden Euro mehr für Investitionen herumkommen – trotz astronomischer Neuverschuldung. Noch mal: Bei 500 Milliarden Euro Sondervermögen investieren Union und SPD gerade einmal 5 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr. Das ist verantwortungslos, und das war auch nicht der Deal, als wir das Sondervermögen gemeinsam beschlossen haben.

Sie haben sich reinlegen lassen! Besser auf die AfD hören! Dann wäre das nicht passiert!

Nicht nur wir Bündnisgrüne kritisieren das. Auch das ifo-Institut, der Bundesrechnungshof und das Institut der deutschen Wirtschaft schlagen Alarm. Aber statt zu handeln, bricht die Regierung eine völlig absurde Debatte über angeblich fehlendes Geld für Neu- und Ausbau von Autobahnen vom Zaun. Weil das Verkehrsministerium sich beim Finanzminister nicht durchsetzen konnte, wird eine Kampagne für mehr Geld für die Straße mithilfe der „Bild“-Zeitung gestartet.

Haben sie doch gut gemacht!

Das ist einfach nur erbärmlich und das Gegenteil von „Erhalt vor Neubau“.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Sie sind nach einem halben Jahr so zerstritten wie die Ampel nach drei Jahren nicht. Statt eine Debatte über Lieblingswahlkreisautobahnprojekte der Union anzuzetteln, sollte sich die Koalition lieber um die wahrlich dringenden Aufgaben kümmern: die zügige Sanierung und den Ausbau der Schiene, die dringende Sanierung von Brücken, Autobahnen und Bundesfernstraßen und eine auskömmliche Unterstützung der Kommunen mit einer Fahrradmilliarde für sichere Radwege.

So wie die Ampel!

Mein dringender Appell geht an Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von Union und SPD: Sorgen Sie in den Verhandlungen dafür, dass Schulden endlich für Investitionen gemacht werden und nicht für teure Wahlkampfgeschenke.

Vielen Dank.

Für die Fraktion Die Linke darf ich Jorrit Bosch das Wort erteilen.

Beifallbei der Linken
Porträt von Jorrit Bosch
Foto: Cornelius von Haugwitz
12 Vermerkeca. 986 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen!

„Deutsche demokratische Altfraktionen“ heißt das!

Liebe Besucher/-innen! Wer heute unterwegs ist, erlebt jeden Tag das Scheitern der deutschen Verkehrspolitik: Staus auf den Autobahnen, marode Brücken, überfüllte Straßenbahnen, verspätete Züge. Dabei wollen die arbeitenden Menschen keine Schlagworte hören, sie wollen Verlässlichkeit, egal ob sie mit Auto, Rad, Bus oder Bahn unterwegs sind. Doch dieser Verkehrshaushalt liefert keine Orientierung, sondern Unsicherheit. Statt Investitionen in die Zukunft setzen Sie weiter auf die Rezepte der Vergangenheit. Auch der Bundesrechnungshof kritisiert, dass die 500 Milliarden Euro Sondervermögen nicht zielgerichtet eingesetzt werden können.

Liebe Besucher/-innen, ich möchte ganz kurz erklären, was hier gerade passiert. Diese Regierung schafft das Kunstwerk, dass trotz Sondervermögens, trotz zusätzlicher Milliarden bei den Bürgerinnen und Bürgern da draußen keinerlei finanzielle Erleichterung ankommt. Was fehlt, ist eine Vision, ein klarer Plan, wie Mobilität in 10 oder 20 Jahren aussehen soll, eine Richtung, die Vertrauen schafft und den Alltag verlässlich macht.

Beifallbei der Linken

Am deutlichsten zeigt sich diese Planlosigkeit bei der Bahn: Fast jeder zweite Fernzug ist verspätet, die Infrastruktur marode, die Beschäftigten sind völlig am Limit. Gestern haben Sie dann Ihre lang erwartete Bahnstrategie in knapp sieben Minuten vorgestellt. Das Ergebnis: Ein verkleinerter Vorstand, gesenkte Pünktlichkeitsziele und keine kurzfristige Verbesserung für die Fahrgäste.

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein echter Neuanfang sieht, ehrlich gesagt, anders aus. Während die Bahn weiter in der Krise steckt, wird es für die Menschen da draußen immer teurer. Die Preisschraube beim Deutschlandticket wird erneut angezogen. Ab nächstem Jahr soll es dann schon 63 Euro kosten. An dieser Stelle möchte ich gerne – sehr gerne sogar – aus Ihrem Koalitionsvertrag zitieren. Da steht nämlich: „Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt.

Dabei wird der Anteil der Nutzerfinanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht.“ Kleine Info, Herr Donth – Sie haben gerade reingerufen –: Wir haben 2025! Ein Versprechen, dass Sie im April dieses Jahres gegeben haben, keine fünf Monate später zu brechen – Chapeau! –, das ist sogar für Ihre Verhältnisse wirklich schamlos.

Beifallbei der Linken

Um wie viel steigt der Anteil? Wie viel Prozent mehr?

Aber es passt ja zu Ihrer Politik. Egal ob Wort- oder Rechtsbruch, Sie sind dabei – ob beim Mindestlohn, beim Strompreis oder beim Deutschlandticket. Es trifft immer die, die am dringendsten Entlastung brauchen. Aber Sie verstehen davon nichts. Ihre Politik geht an der Lebensrealität dieser Menschen komplett vorbei.

Beifallbei der Linken
Widerspruchbei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich hätte eine Empfehlung: Fahren Sie doch mal einen Monat mit dem Bus oder mit der Bahn – und nicht nur erster Klasse und nicht mit dem Dienstwagenfahrservice. Reden Sie mit den Menschen in der Bahn. Dann wüssten Sie, was diese Preiserhöhungen für viele bedeutet. Sie ist schlicht verantwortungslos.

Beifallder Abg. Katalin Gennburg [Die Linke]

Frust herrscht ja bekanntlich nicht nur bei der Bahn, sondern auch in der Autoindustrie. Wenn Kanzler Merz mehr Flexibilität in der Regulierung fordert, dann heißt das nichts anderes, als den Verbrennerausstieg wieder infrage zu stellen. Mit Ihrem ständigen Hin und Her bei der Elektromobilität verunsichern Sie nicht nur Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher, Sie verunsichern damit vor allem die Mitarbeiter/-innen in der Automobilbranche. Statt nur auf Sondergipfeln mit den Konzernbossen abzuhängen, sollten Sie mal mit den Beschäftigten reden.

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Dann wüssten Sie, dass diese Menschen an den Bändern, in den Werkstätten und in den Entwicklungsabteilungen sich endlich Planungssicherheit wünschen.

Beifallbei der Linken

Woher wissen Sie das denn?

Aber was tun Sie? Sie verschleppen die Transformation, blockieren, statt zu gestalten, und sorgen dafür, dass Deutschland vom Zukunftsmarkt E-Mobilität endgültig abgehängt wird. Dabei wurden bei uns im ersten Halbjahr dieses Jahres 25 Prozent mehr vollelektrische Autos verkauft als im Vorjahr – und das ganz ohne Kaufprämie. Das zeigt: Der Markt hat Ihre Politik längst überholt.

Und noch etwas, Herr Minister: Bitte vergessen Sie die jungen Menschen da draußen nicht. All denen, die auf ein Auto angewiesen sind, haben Sie versprochen, den Führerschein bezahlbar zu machen. Passiert ist nichts – keine Entlastung, keine Reform. Aber jetzt plötzlich macht Ihre Regierung 3 500 Euro für den Führerschein locker – allerdings nur für diejenigen, die zur Bundeswehr gehen. Während junge Menschen unter den massiv gestiegenen Führerscheinkosten leiden und echte Lösungen ausbleiben, präsentiert Ihre Regierung eine zynische Alternative, die lautet: Wer bereit ist, zur Waffe zu greifen, bekommt den Führerschein bezahlt. Wer aber ein FSJ macht oder einfach nicht zum Bund möchte, muss sehen, wie er klarkommt. Die Jugend wird nicht nur vergessen, sondern regelrecht verhöhnt, ob beim Führerschein, beim Kulturpass oder beim günstigen ÖPNV-Ticket. Ihre Wehrdienstpläne zeigen: Sie interessieren sich nicht für die Belange junger Menschen in diesem Land.

Beifallbei der Linken
Zurufdes Abg. Björn Simon [CDU/CSU]

Ein Staat, der Mobilität und Teilhabe an Bedingungen wie Militärdienst knüpft, hat seinen moralischen Kompass verloren.

Liebe Mitbürger/-innen, liebe Besucher/-innen, diese Regierung hat uns allen vor einem halben Jahr versprochen, sehr viel zu ändern. Doch was ist daraus geworden? Wahlversprechen? Gebrochen. Investitionen? Trotz Sondervermögen gekürzt. Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger? Fehlanzeige. Liebe Union, liebe SPD, Sie haben diese Menschen bewusst im Stich gelassen. Man muss an dieser Stelle einmal klar sagen: Sie haben auch Ihre Wähler/-innen getäuscht. Ihr Haushalt ist kein Aufbruch, er ist ein Offenbarungseid. Sie lassen die Menschen im Regen stehen, vor allem jene, die schon heute jeden Tag spüren, was in diesem Land schiefläuft.

Wir als Linke machen das nicht mit. Wir stehen an der Seite derer, denen Sie jeden Tag mit Ihrer Politik das Leben schwermachen. Wir kämpfen für eine Verkehrspolitik, die bezahlbar, ausgebaut und gerecht ist.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Selbstgerecht!

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Daniel Kölbl das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Daniel Kölbl
Foto: Daniel Kölbl/ Uwe Hüttner
12 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 886 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Gegensatz zur Ampelplanung investieren wir im kommenden Jahr 10 Milliarden Euro zusätzlich in die Sanierung unserer Schieneninfrastruktur. Für die Jahre 2026 bis 2029 summiert sich dieser Betrag auf über 35 Milliarden Euro zusätzlich.

Komisch, ich höre was anderes!

Das zeigt: Anstatt die Bahn weiter auf Verschleiß zu fahren, lösen wir den Sanierungsstau auf. Und das ist genau der Politikwechsel, den wir in unserem Land brauchen, meine Damen und Herren!

Beifallbei der CDU/CSU

Die Politik hat viel zu lange zugeschaut, wie die Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn nachlässt.

Zurufvon der AfD: 16 Jahre!

Doch Sie, lieber Herr Minister Schnieder, packen die Herausforderung beherzt an.

Wie kommen Sie denn darauf? Das ist ja eine verrückte Idee!

Sie wissen, dass sich nicht alle Probleme bei der Deutschen Bahn allein mit Geld lösen lassen, sondern mit Ihrer Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene haben Sie konkrete Vorschläge vorgelegt, wie die Deutsche Bahn auch strukturell und personell neu aufgestellt werden kann. Bitte behalten Sie diese Tatkraft bei; denn wir brauchen mehr „Rambo Zambo“ in der Verkehrspolitik.

Heiterkeitund Beifall bei der CDU/CSU

Das Gute an Herrn Schnieder ist, dass er genau so nicht ist!

Auch bei den Brücken und Tunneln für unsere Bundesfernstraßen starten wir angesichts der zahlreichen maroden Bauwerke eine Investitionsoffensive. 2,5 Milliarden Euro stellen wir dafür jährlich über das Sondervermögen zur Verfügung. Aber bei der Errichtung des Sondervermögens haben wir nicht nur die Erwartung erweckt, dass wir unsere Schienen, Brücken und Tunnel instand setzen, sondern auch, dass wir wichtige Straßen- und Schienenverbindungen neu bauen.

Ich selbst komme aus Schleswig-Holstein. Seit Jahrzehnten diskutieren wir über die A 20; wir planen an ihr und streiten vor Gericht um sie. Dabei brauchen wir in Norddeutschland dringend die A 20 als Ost-West-Verbindung – für einen besseren Verkehrsfluss für unsere Wirtschaft und in diesen unruhigen Zeiten insbesondere auch für die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes.

Herr Abgeordneter, gestatten Sie eine Zwischenfrage aus der Fraktion Die Grünen?

Ja, sehr gern.

Jetzt kommt „Rambo Zambo“!

Vielen Dank, Herr Kollege, vielen Dank, Herr Präsident, dass Sie die Frage zulassen. – Sie haben ja gerade auf die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn abgehoben. Wir würden die Interpretation voranstellen, dass die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn seit vielen Legislaturperioden ein Problem ist – unter anderem auch unter den drei CSU-Verkehrsministern, nicht zuletzt Andi Scheuer. Andi Scheuer hat 2019 mehrere Bahnkrisentreffen einberufen, bei denen er unter anderem gesagt hat: Die Pünktlichkeitswerte der Bahn sind ein Problem, werden sich aber kurzfristig nicht beheben lassen.

Würden Sie vor diesem Hintergrund sagen, dass das Problem der Pünktlichkeit der Bahn tatsächlich eins ist, was unabhängig vom jeweiligen Verkehrsminister in vielen Dekaden und auch vor allen Dingen unter Unionsverkehrsministern entstanden ist?

Vielen Dank.

In der Form!

Nee! Volker Wissing war das!

Liebe Frau Kollegin, wir können jetzt natürlich lange eine Vergangenheitsbewältigung betreiben und diskutieren, woran es liegt, dass die Deutsche Bahn unpünktlich ist. Unser Anspruch – gerade für mich als neuer Abgeordneter – ist, dass wir die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Ich finde es auch absolut sinnvoll, was unser Minister dahin gehend vorgeschlagen hat, dass wir uns realistische Ziele setzen, die wir auch erreichen können, und nicht wie die Ampel in der Vergangenheit immer eine große Ankündigungspolitik machen und das dann am Ende nicht erreichen.

Beifallbei der CDU/CSU

In meiner Rede war ich gerade schon einen Schritt weiter. Ich habe gesagt, die A 20 muss kommen; das ist wichtig. Im Koalitionsvertrag steht „Erhalt vor Neubau“, doch wir müssen in der vorliegenden Finanzplanung auch darauf achten, dass daraus nicht Erhalt statt Neubau wird. Wichtige Verkehrsprojekte wie die A 20 müssen realisiert werden. Die Bagger müssen rollen, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Drei CSU-Minister waren nicht in der Lage, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, daher ist es gut, dass wir in den kommenden Wochen – auch mit Ihnen, liebe Kollegen von den Grünen – über den Verkehrsetat beraten – auch darüber, wie wir es schaffen, die Neu- und Ausbauprojekte im Schienen- und Straßenbereich in den kommenden Jahren finanziell zu unterlegen. Ideen dafür gibt es einige, beispielsweise ein flexiblerer Einsatz der Haushaltsmittel: Weg mit starren Regeln, wonach ein Euro für die Bahn nur in die Schiene investiert werden darf, selbst wenn beispielsweise in einem Haushaltsjahr vielleicht ein Schienenprojekt aus irgendwelchen Gründen gar nicht realisiert werden kann, aber auf der anderen Seite ein baureifes Autobahnprojekt auf seine Realisierung und seine Finanzierung wartet.

Beifallbei der CDU/CSU

Genau! Immer schön das Geld rüber von der Schiene!

Wir müssen auch darüber diskutieren, wie wir es vielleicht schaffen können, den einen oder anderen Haushaltsansatz noch mal etwas nach oben anzupassen.

Zu tun gibt es auf jeden Fall genug. Lassen Sie es uns gemeinsam anpacken!

Beifallbei der CDU/CSU

Für die AfD-Fraktion darf ich Alexis L. Giersch das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Alexis L. Giersch
Foto: Alexis L. Giersch / Fotostudio Studioline Kiel
10 Vermerkeca. 568 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Herr Präsident! Kolleginnen! Liebe Landsleute! Seit mehr als zehn Jahren wird beklagt, dass das deutsche Volk gespalten sei. Ja, die Analyse stimmt. Wir sind gespalten in Klimafanatiker und Menschen, die normal denken. Wir sind gespalten in Coronahysteriker und normale Menschen. Wir sind gespalten in Menschen, die Russland-Bashing betreiben, und Menschen, die deutsche Interessen formulieren.

Lachenbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich lach mich tot!

Wir sind gespalten in Menschen, die eine multikriminelle, bunte Republik herstellen wollen, und Menschen, die sich dagegen wehren.

Die Antipatrioten!

– Ja, genau!

Das ist hier nicht die Duma!

Und da wir ja in einer Haushaltsdebatte sind: Wir sind gespalten in die Menschen, die an die moderne Geldtheorie glauben, und diejenigen, die wissen, das endloses Schuldenmachen und Gelddrucken in die nächste Finanzkatastrophe führt.

Beifallbei der AfD

Jetzt verstehen Sie nur noch Ihre Telegram-Auftritte!

Bei einer oberflächlichen Betrachtung dieses Haushaltes kommt man auf mindestens 60 Milliarden Euro, die in das Ausland überwiesen werden. 60 Milliarden sind 60 000 Millionen.

Sie schaufeln auf der einen Seite das Geld mit vollen Händen aus dem Land,

Sagen Sie doch mal, wie Sie auf 60 kommen! Wir sind uns nicht sicher, ob Sie die Grundrechenarten beherrschen!

aber wenn es um Ausgaben im Inland geht, dann wird um kleine Millionenbeträge geschachert wie auf dem sprichwörtlichen türkischen Basar.

Der Verband der deutschen Seehafenbetriebe beziffert den Finanzbedarf für die verschleppte Modernisierung der Infrastruktur auf 15 Milliarden Euro, und Sie stellen im Haushalt stolze 400 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Beifallbei der AfD

Man merkt, dass Sie keine Ahnung vom Haushalt haben!

Eine schriftliche Frage von mir hat ergeben, dass ausgeflaggte Seeschiffe mit 52 Millionen Euro gefördert werden. Ausgeflaggte Schiffe bezahlen keine Steuern und bieten keinem einzigen deutschen Seemann einen Arbeitsplatz.

Für unter deutscher Flagge fahrende Binnenschiffe gab es ebenfalls ein Förderprogramm zur Modernisierung, und hier wird jetzt gekürzt: von 50 Millionen Euro auf 29 Millionen Euro. Da darf ich vielleicht mal in Anlehnung an einen bekannten grünen Wirtschaftsfachmann sagen: Die Schiffe gehen nicht insolvent; sie hören auf, zu fahren.

Heiterkeitund Beifall bei der AfD

In Ihren Reden – Herr Vorredner Schmidt von der SPD, Herr Minister Schnieder – haben Sie betont, wie wichtig für Sie der Verkehrsträger Binnenschifffahrt ist und wie wichtig für Sie die Seehäfen für eine Exportnation sind. Ihre Reden klingen immer gut; aber wenn man ins Detail guckt, stellt man fest, dass Sie das Gegenteil machen. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist; das ist doch irrational. Aber wenn ich jetzt mal unterstelle, dass Sie tatsächlich absichtlich die deutsche Wirtschaft – die Seewirtschaft zumindest – an die Wand fahren wollen, dann kann ich nur mit Bewunderung sagen: Top, super gemacht!

Wir von der AfD-Fraktion, von der Fraktion Alternative für Deutschland, werden das beenden, spätestens 2029.

Vielen Dank.

Für die SPD-Fraktion darf ich das Wort erteilen Truels Reichardt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Truels Reichardt
Foto: Truels Reichardt/ SPD
11 Vermerkeca. 844 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Bundesverkehrsminister erhält durch diese Koalition so viel Geld für Investitionen wie nie ein Minister zuvor, und das ist auch unbedingt notwendig. Der Verkehrsträger, der dabei aktuell ein wenig auf der Strecke bleibt, sind unsere Wasserstraßen; denn die Wasserstraßen haben in den vergangenen Jahren zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Wir haben dort einen Investitionsbedarf von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich für den Erhalt und die Modernisierung. Die Binnenschifffahrt ist dabei nicht irgendein Sektor. Sie hält Versorgung und Industrie am Laufen. Die Wasserstraßen sind der Verkehrsträger, der noch zusätzliche Kapazitäten für den Transport hat.

Das haben die Kollegen Uwe Schmidt und Carl-Philipp Sassenrath gerade eben auch schon so gesagt.

Kollege Giersch auch!

Aber was nützt es, wenn wir von moderner Logistik reden, Schleusen jedoch bröckeln und Wehre marode sind?

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Carl-Philipp Sassenrath [CDU/CSU] und Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jeder Euro, den wir hier investieren, zahlt sich am Ende doppelt aus: im Klimaschutz und in der Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.

Wer regiert denn seit über 25 Jahren fast durchgehend?

Klar ist allerdings auch: Mehr Geld alleine reicht nicht. Wir brauchen auch die Menschen, die planen, sanieren, betreiben und bauen. Wer in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung beispielsweise Stellen bei Wasserbauern, Matrosen und Ingenieurinnen streicht, riskiert Stillstand statt Fortschritt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

Als Sozialdemokraten sind wir sehr stolz auf das Sondervermögen und darauf, dass wir das erreicht haben. Aber auch hier gilt: Geld und vor allem Baukapazitäten sind endlich. Der Verkehrsminister muss natürlich Vorschläge für eine Priorisierung machen; aber gerade mit Blick auf meine Heimat bin ich gerade mehr als alarmiert. Die Meldung, dass ein vom Verkehrsministerium beauftragtes Gutachten empfiehlt, den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn von Niebüll nach Westerland – das kennen einige von Ihnen – auf das Jahr 2045 – also ehrlicherweise: auf niemals – zu verschieben,

…, ist eine Falschmeldung!

schlägt vor Ort ein wie eine Bombe. Nun ist das nur ein Gutachten; aber leider ist bisher ein Bekenntnis von Ihnen, Herr Minister, gegen das Gutachten und für den zweigleisigen Ausbau ausgeblieben.

Ich erzähle das hier, weil es ein ganz grundsätzliches Beispiel für den wachsenden Vertrauensverlust von Bürgerinnen und Bürgern in „die Politik“ ist. Das zweite Gleis von Niebüll nach Sylt ist auf diesem überlasteten Schienenweg nicht nur elementar – dazu dann gleich noch mehr –, sondern es wurde auch bereits zugesagt. Ampelstaatssekretär Hocker hat vor knapp einem Jahr eine Resolution des Kreises Nordfriesland unterschrieben und für die damalige Bundesregierung erklärt, dass der Ausbau der Marschbahn nicht verschoben wird.

Nun könnte man sagen: Das ist ja gewesen. Aber ich habe mich im dann folgenden Wahlkampf sehr über die öffentlichkeitswirksame Ankündigung der CDU aus Hamburg und aus Schleswig-Holstein gefreut, dass mit ihr der zweigleisige Ausbau der Marschbahn kommen werde, und das zu einem Zeitpunkt, als die CDU die Aufnahme von Schulden für Verkehrsinfrastruktur noch abgelehnt hatte. Das hat sich dann ja geändert.

Jetzt haben Sie das Verkehrsministerium und zusätzliches Geld, das Sie eigentlich nicht wollten. Ampelparteien dafür, CDU dafür, mehr Geld da: Eigentlich müsste die Sache geritzt sein.

Sie sind aber sehr kritisch mit Ihrem Koalitionspartner! Ist das die richtige Rede hier?

Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, Herr Minister, sich der Sache persönlich anzunehmen, den Ausbau der Marschbahn zu priorisieren und die Umsetzung sicherzustellen

Beifalldes Abg. Stefan Seidler [fraktionslos]

– danke, Stefan Seidler –;

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Uwe Schmidt [SPD] und Alexis L. Giersch [AfD]

denn die Marschbahn ist die einzige alltagstaugliche Verbindung zur Insel Sylt.

Wir sehen zunehmend, dass sich Arbeitskräfte die Pendelei wegen der dramatischen Unzuverlässigkeit auf der Strecke nicht mehr antun und auf dem Festland neue Jobs suchen. Gemeinsam mit dem Kollegen Stefan Seidler habe ich daher zum Parlamentskreis Marschbahn eingeladen, um auf die Dringlichkeit hinzuweisen. Wir freuen uns über die Mitwirkung demokratischer Abgeordneter, die vielleicht mal wieder in Westerland in einem zukünftigen Urlaub ansprechende touristische und gastronomische Angebote von Arbeitskräften wahrnehmen wollen, die dort hinkommen und top motiviert sind. Ganz besonders freue ich mich, dass nach anfänglichem Zögern jetzt auch Kollegen von der CDU dabei sind. Das ist richtig so. Denn wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Sylt als wichtiger Leuchtturm im deutschen Tourismus zukunftsfähig bleibt.

Dafür – damit komme ich gleich zum Ende – müssen die Leute, die den Laden am Laufen halten, endlich vernünftig zur Arbeit kommen können. Gleiches gilt für die Touristinnen und Touristen, die ihren verdienten Urlaub reibungslos und ohne Privatflugzeug nachhaltig genießen möchten.

Die Marschbahn ist nur ein Beispiel dafür, dass die Vorhaben so priorisiert werden müssen, –

Jetzt müssten Sie zum Ende kommen.

Rednerwechsel

– dass sich der Alltag für Bürgerinnen und Bürger spürbar verbessert.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie der Abg. Alexander Jordan [CDU/CSU], Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Stefan Seidler [fraktionslos]

Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Tarek Al-Wazir das Wort erteilen.

Porträt von Tarek Al-Wazir
Foto: Tarek Al-Wazir
10 Vermerkeca. 557 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Minister Schnieder, ich will Ihnen zu dem Anfang Ihrer Rede ausdrücklich sagen: Da hatten Sie recht. Sie haben gesagt, die Infrastruktur in Deutschland muss wieder funktionieren. Das ist ausdrücklich richtig. Das Problem ist: Der Haushalt 2026 hat damit überhaupt nichts zu tun.

Ich will Ihnen auch sagen, woran das liegt. Wir haben es mit einer schwarz-roten Mogelpackung zu tun; das ist so: 15 Milliarden Euro mehr aus dem Sondervermögen für Verkehrsinfrastruktur, aber 10 Milliarden Euro weniger im Verkehrshaushalt. Unterm Strich bleiben nur 5 Milliarden Euro mehr übrig, als die Ampel geplant hatte, und zwar für alle Verkehrsträger. Wir alle wissen: Das reicht nicht.

Aber es bleiben 5 Milliarden Euro mehr!

Wer nur 5 Milliarden Euro mehr für die Infrastruktur ausgibt, obwohl er für zehn Jahre 500 Milliarden Euro mehr hat, hat das, was dieser Bundestag am Ende der letzten Legislaturperiode beschlossen hat, nicht in die Realität umgesetzt.

Und das hat Auswirkungen. Die Bahn hat fertig geplante Projekte, die jetzt wieder auf der Kippe stehen.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: der Brenner-Nordzulauf. Italien und Österreich haben am Wochenende den Durchschlag des über 57 Kilometer langen Erkundungstunnels gefeiert,

und wir haben noch nicht mal einen Meter Gleis verlegt. Das kann nicht sein, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Bei der Autobahn müssen Sie gar nicht über Neubauten reden. Gucken Sie sich den Finanzrahmen an! Noch nicht mal der Betrieb ist ausreichend dotiert. Noch nicht mal das Abfräsen und Neuauftragen von Asphalt alle zehn Jahre ist ausreichend finanziert, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Erst die Pflicht, dann die Kür!

Und für die Wasserstraßen ist überhaupt nichts drin. Deswegen sage ich Ihnen: Das ist nicht akzeptabel.

Und wo geht das Geld hin? Was kriegen wir stattdessen? Wir kriegen die Mütterrente mit der Gießkanne, die den ärmsten Rentnerinnen übrigens wieder von der Grundrente abgezogen wird.

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir kriegen eine Gastrosteuersenkung. Gibt es hier irgendjemanden, der glaubt, dass das Schnitzel ab dem 1. Januar billiger wird? Überlegen Sie sich, was Sie tun! Das sage ich ausdrücklich an die Koalitionsabgeordneten. Man muss nicht alles machen, was im Koalitionsvertrag steht; deswegen gibt es da einen Finanzierungsvorbehalt. Das haben Sie ja sogar bei der Stromsteuer gemacht.

Deswegen kann ich Ihnen an dieser Stelle nur sagen: Die Menschen werden es nicht akzeptieren, wenn wir in zehn Jahren 500 Milliarden Euro Schulden mehr haben, aber die Bahn immer noch nicht funktioniert; sie werden es nicht akzeptieren.

Sie können es ändern. Noch geht es; noch ist der Haushalt nicht beschlossen. Und das ist wirklich mein Appell an die Koalitionsabgeordneten: Verändern Sie das noch! Denn sonst geht das am Ende auf Kosten des Vertrauens der Bürgerinnen und Bürger in einen funktionierenden Staat.

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Michael Donth das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Michael Donth
Foto: Tobias Koch
8 Vermerkeca. 594 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vieles wurde heute auch von meinen Kollegen schon zum Haushalt 2026 gesagt, dem größten Investitionshaushalt des Bundes, und ich bedanke mich beim Kollegen aus der SPD, dass er seine Rede wegen Niebüll an den Finanzminister gerichtet hat. Gemeinsam können wir es vielleicht hinbekommen, dass wir da flexibler werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Frau Piechotta, Sie haben richtigerweise gesagt: Wir brauchen einen großen überparteilichen Konsens, wo wir mit der Bahn hinwollen. – Ja. Aber warum kommen Sie erst jetzt zu dieser richtigen Erkenntnis? Als Sie in der Ampel Verantwortung getragen haben, war Ihnen das ganz egal.

Nein, das hat ja schon bei Ihrer alten Koalition nicht funktioniert!

– Nein, bei der größten Reform der DB seit Jahrzehnten – Ihr Sprech –, nämlich der Schaffung der InfraGO, hatten Sie es nicht nötig, auch nur eine Sekunde, bevor das Ding fertig war, die größte Oppositionsfraktion einzubinden. So viel dazu!

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Aber zurück zum Haushaltsentwurf. Ich bin froh, dass wir weiterhin stark in die Schiene investieren werden. Baukostenzuschüsse zur Erhaltung der Schienenwege: 16,3 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen. Ausrüstung mit dem Zugsicherungssystem ERTMS: 2,45 Millionen Euro aus dem Sondervermögen.

– Milliarden; danke. – Trassenpreisförderung: 265 Millionen Euro für den Schienengüterverkehr und 200 Millionen Euro für den Schienenpersonenfernverkehr. Und Lärmsanierung: 185 Millionen Euro für bestehende Schienenwege.

Und es ist gut, dass wir wieder Baukostenzuschüsse vorsehen und nicht den von der Ampel begonnenen Irrweg der Eigenkapitalerhöhungen für die Deutsche Bahn AG fortsetzen.

Das zusätzliche Geld für die Schiene ist zusammen mit der gestern vorgelegten Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene, die unser Minister Patrick Schnieder vorgestellt hat, eine gute Basis für einen attraktiveren und besseren Zugverkehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich möchte aber noch ein anderes Verkehrsmittel ansprechen, das mir sehr am Herzen liegt und heute noch keine Rolle gespielt hat, nämlich den Bus. Auch für die Busbranche haben wir einiges vor.

Der Bus ist mit über 5,2 Milliarden Fahrgästen im Jahr das Rückgrat unseres öffentlichen Nahverkehrs und auch eines umweltfreundlichen Reiseverkehrs in vielen Teilen des Landes. Wir wollen den Kauf von Bussen mit alternativen Antrieben weiter fördern. Einen erneuten Förderaufruf für die Umstellung auf emissionsfreie Busse hat Minister Schnieder bereits gestartet. Mehr als die Hälfte der neu verkauften Stadtbusse in Europa war im ersten Halbjahr 2025 bereits lokal emissionsfrei. Die Branche ist auf dem richtigen Weg. Das wollen wir weiter unterstützen und nicht abwürgen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufdes Abg. Dr. Rainer Kraft [AfD]

Das hier eingestellte Geld für die Förderung umweltfreundlicher Busse hat bei deren großen Fahrleistungen eine große Effizienz, was das Verhältnis zwischen eingesetztem Geld zu eingespartem CO2 angeht.

Trotz dieser guten Punkte sind aus meiner Sicht in der Beratung – getreu dem Struck’schen Gesetz – generelle Änderungen im Verkehrsetat und beim Sondervermögen notwendig. Wir brauchen mehr Geld, und wir brauchen die Überjährigkeit und Flexibilität der Mittel im Sondervermögen.

Verkehrsprojekte dauern: Planungen, Genehmigungen, Klageverfahren. Mit Verzögerungen ist immer zu rechnen. Darum verstehe ich nicht, warum das Sondervermögen Infrastruktur keine Überjährigkeit der Ansätze vorsieht; im Sondervermögen Bundeswehr geht es.

Herr Abgeordneter.

Das müssen wir ändern. Einen möglichen Mittelverfall und Verzögerungen können wir nicht akzeptieren.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion darf ich Otto Strauß das Wort erteilen.

Beifallbei der AfD
Porträt von Otto Strauß
Foto: Otto Strauß
5 Vermerkeca. 502 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Bürger! Wenn wir heute im Rahmen der Haushaltsdebatte über die Verkehrspolitik in Deutschland sprechen, dann reden wir über eines der größten Versäumnisse der letzten Jahrzehnte. Infrastrukturverfall und Investitionsstau: Das ist die bittere Realität in unserem Land. Und wer ist dafür verantwortlich? Union, SPD und Grüne. Denn über Jahrzehnte habt ihr es versäumt, das Geld in Deutschland zu investieren. Ihr habt es stattdessen milliardenfach ins Ausland verschleudert.

Beifallbei der AfD

Statt leistungsfähiger Straßen, moderner Brücken und eines zuverlässigen Bahnnetzes sehen wir marode Bauwerke, Dauerbaustellen und ein System, das längst an seine Grenzen gestoßen ist. Ein Beispiel, das sinnbildlich für diesen Niedergang steht, ist die Rahmedetalbrücke an der A45. Diese Brücke ist gesperrt, und das nicht nur für ein paar Wochen oder Monate, sondern für Jahre. Für Pendler bedeutet das endlose Umwege, für Unternehmen Milliardenverluste durch Staus, Lieferverzögerungen und zusätzliche Kosten. Diese Brückensperre ist ein Symbol für den Investitionsstau, den jahrzehntelanges Zögern und Zaudern verursacht haben. Jahrzehntelang wurde zu wenig in den Erhalt investiert – mit katastrophalen Folgen.

Und was ist mit der versprochenen Rücknahme der Luftverkehrsteuer? Aus Finanznot soll sie nun doch nicht reduziert werden, wie uns noch vor der Sommerpause – auch von der CDU/CSU – versprochen wurde. Dieser Schritt ist falsch. Vielleicht sollten Sie weniger Milchmädchen damit beauftragen, Rechnungen zu schreiben.

Beifallbei der AfD

Es ist doch eine ganz einfache Rechnung: Weniger Flugzeuge bedeuten weniger Starts und Landungen. Weniger Starts und Landungen bedeuten weniger Passagiere. Weniger Passagiere bedeuten weniger Ticketverkäufe und weniger Einnahmen auf Flughäfen. Weniger Einnahmen auf Flughäfen bedeuten einen Rückgang bei den dortigen Geschäften, bei Gastronomie und bei Dienstleistern. Weniger Umsatz dort bedeutet weniger Arbeitsplätze und weniger Löhne. Weniger Löhne bedeuten weniger Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge. Weniger Beschäftigte bedeuten höhere Ausgaben für Arbeitslosengeld und Qualifizierungsmaßnahmen. Weniger Verkehr auf Flughäfen bedeutet geringere Investitionsbereitschaft von Airlines und Flughafenbetreibern sowie den umliegenden Unternehmen. Weniger Investitionen bedeuten Rückstand bei Infrastruktur und schlechtere Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen. Schlechtere Wettbewerbsfähigkeit bedeutet Verlagerung von Passagieren auf ausländische Drehkreuze: Amsterdam, Zürich oder Wien. Mehr Abwanderung ins Ausland bedeutet Verlust an Kaufkraft und Wertschöpfung in Deutschland. Am Ende nimmt der Staat nicht mehr, sondern weniger ein und schadet zugleich Wirtschaft, Arbeitsplätzen und unserem Standort.

Beifallbei der AfD

Damit wird deutlich: Eine kurzfristige Steuerfixierung verursacht langfristig Steuerausfälle und Mehrkosten. Aus den für 2024 erwarteten 1,9 Milliarden Euro werden dann sehr wahrscheinlich nur noch wenige Euro.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen Planungs- und Genehmigungsverfahren, die innerhalb weniger Jahre Ergebnisse liefern und nicht in Jahrzehnten. Wenn Deutschland und Nordrhein-Westfalen wieder ein leistungsfähiges und modernes Verkehrssystem haben sollen, –

Herr Abgeordneter.

Rednerwechsel

– dann müssen wir jetzt handeln – pragmatisch, effizient, im Sinne der Bürger und der Wirtschaft.

Ich bedanke mich.

Beifallbei der AfD

Ich darf unserem nördlichsten Nordlicht das Wort erteilen: für die dänische Minderheit Stefan Seidler.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Katalin Gennburg [Die Linke]
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
3 Vermerkeca. 441 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank. – Herr Präsident! Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Über ein Jahr ist es nun her, seit die Nationale Hafenstrategie der Bundesregierung im Kabinett beschlossen wurde. Auch wenn es sich hier um eine Strategie der Bundesregierung handelt, hätte ich mir damals eine Debatte über unsere nationale Hafenpolitik hier im Parlament gewünscht; denn wir müssen mehr für die Transformation unserer Häfen tun.

Der erste Schritt auf diesem Weg ist, dass Hafenthemen mehr Aufmerksamkeit im Bundestag bekommen. Es ist schon etwas absurd – der Kollege Schmidt hat es ja auch deutlich gemacht –: Egal welche Themen uns beschäftigen – Versorgungssicherheit in Krisen, militärische Drehscheiben, Knotenpunkte der Energiewende –, immer spielen die Häfen eine Rolle, und trotzdem blieben gerade Häfen und Wasserstraßen ohne Finanzierung aus dem Sondervermögen und auch dem Einzelplan 14. Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Neben Aufmerksamkeit und Finanzierung fehlt es uns in der Hafenpolitik an der notwendigen Weitsicht. Ein Kernpunkt der Hafenstrategie war, unsere Häfen zu Knotenpunkten der Energiewende zu machen. Um damit verbundene Bedarfe und nötige nationale Ausbauziele zu ermitteln, haben das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium gemeinsam eine Studie zu Energiehäfen in Auftrag gegeben. Herr Minister, Herr Ploß, wann wird diese Studie endlich vorgelegt? Wir verlieren viel Zeit. Die Menschen verlangen von uns, dass wir unsere Verkehrsinfrastruktur langfristig und verlässlich entwickeln. Dazu brauchen wir klare Konzepte und natürlich auch die nötige Finanzierung. Bei unseren Häfen fehlt es bisher an einem Konzept und am Geld des Bundes.

Leider hakt es auch bei anderen Verkehrsträgern. Der Schiene fehlen beispielsweise bis 2039 etwa 59 Milliarden Euro. Wir haben den Menschen am Anfang des Jahres mit dem Sondervermögen einen Infrastruktur-Reset versprochen. Ich finde, genau das muss mit 400 Milliarden Euro passieren, damit Problemprojekte wie die Marschbahn, lieber Truels Reichardt, endlich angegangen werden können. Wir können niemandem auf der Straße in Westerland oder in Berlin erklären, warum es in diesen Zeiten noch Streichlisten geben soll. Das hat man auch gestern an den Reaktionen auf Ihre Strategie gesehen, Herr Minister. Die Leute wollen Klarheit, wann ihre Bahn endlich besser wird. Sie sind ungeduldig und haben die Erwartung an den Bund.

Natürlich gibt es nicht den einen Hebel, der alles sofort verändern kann. Aber mich und viele da draußen würde interessieren, welche konkreten Meilensteine von der DB zwischen jetzt und 2029 erreicht werden können. Für mich sollten diese Meilensteine verlässlich, aber nicht ambitionslos sein.

Vielen Dank.

Beifallbei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie des Abg. Alexis L. Giersch [AfD]

Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Florian Oßner das Wort erteilen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Florian Oßner
Foto: CSU Landesgruppe/ Florian Oßner/ Lucas Weigl
16 Vermerkeca. 1.047 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister Patrick Schnieder! Unser gesamter Wohlstand basiert auf einer starken und wettbewerbsfähigen Wirtschaft, und dafür ist die Grundlage eine leistungsfähige und moderne Infrastruktur. Ohne moderne und funktionierende Infrastruktur gibt es kein Wachstum, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine verlässliche Versorgung mit Gütern. Gewaltig sind deshalb die Herausforderungen in den nächsten Jahren. Mit diesem Haushalt 2026 packen wir exakt diese gewaltigen Aufgaben an.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der Plafond des Einzelplans 12 schmilzt zwar um weitere 10 Milliarden Euro auf 28 Milliarden Euro. Dies wird jedoch aus dem Infrastruktursondervermögen, aber auch aus weiteren Titeln mehr als überkompensiert. Zudem verstetigen wir mit dem Regierungsentwurf 2026 insgesamt die Rekordinvestitionen des Verkehrsetats. Für alle Verkehrsträger werden wir bis 2029 über 166 Milliarden Euro investieren, also sage und schreibe rund 60 Prozent mehr, als das noch bei der Vorgängerregierung der Fall war.

Weil wir euch ein Sondervermögen gegeben haben! Ohne uns wäre hier gar nichts!

Das ist die Kernbotschaft dieser Debatte; das ist die Kernbotschaft für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

Mit 107 Milliarden Euro bis 2029 für die Schiene – ich möchte es vor allem in Richtung der Grünen adressieren –

ist die Bahn mit Abstand der Hauptprofiteur. Knapp zwei Drittel der gesamten Mittel gehen in die Schiene: Das ist rekordverdächtig!

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Für die Straße sind es mit 52 Milliarden Euro etwa ein Drittel und für die Wasserwege – das, was noch verbleibt – 8 Milliarden Euro, knapp 5 Prozent.

Allerdings haben wir in den kommenden Jahren einen erheblichen Mehrbedarf an zusätzlichen Mitteln für Sanierungen sowie Aus- und Neubauten. Dies liegt zum einen an den gewaltigen Baupreissteigerungen, zum anderen aber auch an Bauwerken – so ehrlich muss man sein –, welche über 50 Jahre alt sind und jetzt eben saniert werden müssen, weil sie abgeschrieben sind.

Sanierung vor Neubau!

Das sind typische Bauzyklen und nicht, wie Kritiker häufig behaupten, nur Versäumnisse aus der Vergangenheit. Dennoch: Das gehört nun beseitigt, und wir packen das an.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

Die investiven Mehrbedarfe belaufen sich bis 2029 auf knapp 20 Milliarden Euro:

Das wird immer mehr!

für die Wasserstraße und Schiene je knapp 2,5 Milliarden Euro und für die Straße knapp 15 Milliarden Euro. Der Schuh drückt hier vor allem bei der Straße, beim Aus- und Neubau sowie bei der Sanierung von Bundesstraßen jenseits der Brückenmodernisierung.

Es muss sich künftig auch im Haushalt widerspiegeln, dass 70 Prozent der Verkehrsleistung im Güterbereich und 85 Prozent der Verkehrsleistung im Personenverkehr durch die Straße abgefangen werden. Die Straße ist daher mit weniger als einem Drittel der gesamten Finanzmittel strukturell offensichtlich unterfinanziert. Hierzu sind im Haushalt 2026 Verbesserungen notwendig. Da braucht es pragmatische Lösungen, gerade auch für unsere ländlichen Räume.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Uwe Schmidt [SPD]

„Gerade auch für Bayern“ wollten Sie sagen!

Im Verhältnis gesehen können wir mit relativ wenig Mitteln in den Bereichen Luftfahrt und Wasserwege viel bewirken. Durch kluge Investitionen können wir in beiden Bereichen einen deutlichen Mehrwert schaffen. So erzeugen wir zusätzlich mehr Wirtschaftswachstum und Wertschöpfung. Mobilität und Logistik sind von zentraler Bedeutung. Kein Verkehrsträger kann so viel mehr Güter aufnehmen wie die Wasserwege. Bei der Luftfahrt ist es ähnlich. Ich bin dankbar, dass wir die Absenkung der Luftverkehrsabgabe auf das Niveau von 2023 so im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Damit kann ein wichtiger Schritt nach vorne gegangen werden. Dieser muss jetzt aber auch umgesetzt werden.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir brauchen einen planbaren und mittelfristigen Finanzhochlauf. Eine langfristige und verlässliche Bereitstellung von Investitionsmitteln ermöglicht zudem der Bauwirtschaft den Aufbau hinreichender Kapazitäten und damit auch eine Preisstabilisierung beim Bau. Denn niemand von uns – es gibt nichts Schädlicheres – kann es sich wünschen, dass die höheren Mittel, die wir im Verkehrsbereich setzen, am Ende ausschließlich in höhere Preise gehen.

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deshalb brauchen wir auch den mittelfristigen Aufbau von Baukapazitäten.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Nur das führt zu einer nachhaltigen Stärkung der Infrastruktur und zu mehr Wachstumspotenzial in Deutschland.

Zudem muss beispielsweise die Autobahn GmbH kreditfähig werden, und der Finanzierungskreislauf Straße muss wieder geschlossen werden. Die gegenseitige Deckungsfähigkeit der Verkehrsträger ist aus meiner Sicht einer der zwingendsten Punkte, die gewährleistet werden müssen. Der Haushalt wird damit ohne zusätzliche Mittel insgesamt effizienter und praxisorientierter aufgestellt.

Wir wollen doch alle hier im Haus, dass in Zukunft so schnell wie möglich neben Sanierungen auch Neu- und Ausbauten ermöglicht werden. Keiner in unserem Land kann verstehen, dass wir baureife Projekte nach jahrelanger quälender Planung und teilweise Streitigkeiten vor Gericht am Ende nicht starten können.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Doch! Wenn davor noch Sanierungsprojekte offen sind!

Lassen Sie mich noch kurz auf den gestrigen Tag und die neue Bahnstrategie eingehen. Die Bahn steht dauerhaft in der Kritik, sei es durch Unpünktlichkeit, Zugausfälle oder sei es durch die Preispolitik dieses schwerfälligen Konzerns. Bundesminister Patrick Schnieder hat mit der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene den inhaltlichen, strukturellen und personellen Neuanfang vorgestellt mit insgesamt fünf Zielen des Bundes und drei Säulen, die die Reform umfasst. Dieser erste Aufschlag ist wirklich gelungen. Herzliches Dankeschön, lieber Patrick Schnieder!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Verkehrsträger Straße, Schiene, Wasserstraße sowie die Luftfahrt sind für die Weiterentwicklung und das Wachstum des Wirtschaftsstandorts Deutschland von zentraler Bedeutung. Wir bringen Deutschland nur dann gemeinsam voran, wenn wir in der Koalition fest zusammenhalten. Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung für Deutschland. Das ist der Auftrag, das ist der Weg, das ist unser Ziel!

Herzliches „Vergelts Gott!“ fürs Zuhören.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Als letzter Redner in dieser Debatte hat nun das Wort für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Stefan Henze.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stefan Henze
Foto: Stefan Henze
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Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Bürger! Es ist eigentlich unfassbar! Trotz Versprechen und Schulden: Es soll allen Ernstes einen Baustopp für unsere Autobahnen und Bundesstraßen geben. Denn im Haushalt klafft eine Finanzlücke von sage und schreibe mindestens 15 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2029.

Sie glauben aber auch alles, was in der „Bild“ steht!

Das Bundesverkehrsministerium gibt zu, dass selbst lange geplante Bauarbeiten nicht stattfinden werden. Das betrifft die A20 in Schleswig-Holstein, die A1 in Niedersachsen oder auch die A39. Diese Projekte verrotten jetzt auf dem Papier.

Die Kommunen und Länder sind alarmiert. Sie fordern zu Recht Klarheit und eine auskömmliche Finanzierung.

Was sagen also Ihre Kollegen aus den Ländern? Niedersachsens Verkehrsminister Tonne drängt darauf, schleunigst für Planungssicherheit zu sorgen. Hessens Ministerpräsident Rhein warnt vor einem Verkehrskollaps und fordert eine Investitionsinitiative. Baden-Württembergs Minister Hermann findet es unvermittelbar, plötzlich auf die Bremse zu treten – wir übrigens auch!

Beifallbei der AfD

Sogar Bayerns Söder betont die Bedeutung von Strecken wie Augsburg–Ulm für den ganzen Süden.

Markus Söder steht ja jetzt nicht im Verdacht, nicht die Interessen des Südens zu vertreten!

Die Kommunen leiden unter den Folgen: Höhere Kosten durch Verzögerungen, wirtschaftliche Einbußen und ein Verkehrsinfarkt, der den Alltag der Menschen zerstören wird. Und der CDU-Verkehrsminister zuckt nur mit den Achseln und sagt wörtlich: „Das stimmt leider – für neue Straßenprojekte fehlt das Geld.“ Selbst der vielgepriesene 500-Milliarden-Euro-Schuldentopf, dieses angebliche Sondervermögen, hilft nichts. Genau wie es die AfD von Anfang an prophezeit hat: Der Schuldenregen wird zu einem Verschiebebahnhof pur.

Beifallbei der AfD

Im Ergebnis wird sich trotz der horrenden Schulden der Zustand der Infrastruktur in den nächsten vier Jahren nicht allzu sehr verbessern. Und Minister Schnieder? Er gibt zu: „Ja, das ist schwer zu vermitteln.“ Schwer zu vermitteln, meine Damen und Herren? Nein, das ist ein Eingeständnis des Totalversagens.

Beifallbei der AfD

Aber, Herr Minister Schnieder, wie wir heute aus der Zeitung erfahren, dürfen Sie ja auch den Finanzminister, Herrn Klingbeil, keinesfalls kritisieren; denn der reagiert darauf äußerst sensibel. Das verlangt Kanzler Merz von der gesamten CDU/CSU-Fraktion. Wie tief will diese CDU eigentlich noch sinken, meine Damen und Herren?

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Stephan Brandner [AfD]

Diese Misere ist hausgemacht von einer Regierung, die Milliarden für ideologische Spielereien verpulvert: für den Klimawahn, für die unkontrollierte Massenmigration, für die EU-Diktate, die uns ausbluten lassen werden. Diese Regierung priorisiert wirklich alles – nur nicht die Interessen der deutschen Bürger.

Beifallbei der AfD

Wo bleibt die Verantwortung für unsere Infrastruktur, die das Rückgrat unserer Wirtschaft ist?

Ich sage: Schluss damit! Wir fordern eine radikale Umschichtung. Investieren wir in unsere Straßen und Brücken – nicht in den links-grünen Unfug, den Sie jetzt fortsetzen!

Ist das die Bahn, oder was meinen Sie?

Nur so verhindern wir den Kollaps in Deutschland und sichern hier unsere Arbeitsplätze.

Zum Abschluss. Die Bürger haben genug von der Inkompetenz dieser in sich zerstrittenen Regierung.

Vielen Dank.

Porträt von Verena Hubertz
Foto: Verena Hubertz/ Markus Hurek
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zwei Haushaltswochen direkt hintereinander: Das ist doch ein bisschen wie ein guter Film, der direkt eine Fortsetzung bekommt. Und ich verspreche Ihnen: Der zweite Teil wird noch besser als der erste.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

7,6 Milliarden Euro, so groß ist der Einzelplan des Bauministeriums im Regierungsentwurf 2026. Hinzu kommen noch Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds und aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Die Botschaft ist klar: Unser Etat, unser Haushalt wächst – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Und das ist auch richtig so. Denn wenn ich auf die sehr große Aufgabe blicke, die vor uns liegt, dann stelle ich fest: Wir brauchen diese Mittel, um zu investieren.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das Bauministerium bleibt eines der zentralen Investitionsressorts der Bundesregierung, ein Motor für wirtschaftlichen Aufschwung. Wir verwandeln Geld in Wohnungen, Gebäude in Zukunft und bringen unser Land voran.

Beifallder Abg. Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]

Herzlichen Glückwunsch!

Wir schaffen damit auch neue Perspektiven für alle, die sich den Traum vom eigenen Zuhause erfüllen wollen. Denn für mich gilt – und es muss doch für viele gelten –: Das Aufstiegsversprechen darf kein ferner Traum für wenige bleiben. Und Wohneigentum – das eigene Zuhause, die eigenen vier Wände – ist ein Teil davon.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Deswegen, liebe Kolleginnen und Kollegen, müssen wir auch alles in die Waagschale werfen – unsere Ideen, unsere Instrumente und unsere Mittel –, damit Wohnen bezahlbar und Eigentum für alle erreichbar ist.

Dabei unterstützen wir als Ministerium gerade auch die junge Generation: 250 Millionen Euro für die Wohneigentumsförderung für Familien, damit man den entscheidenden Schritt gehen kann; 350 Millionen Euro an Fördermitteln für das Programm „Jung kauft Alt“. Damit erhalten junge Menschen die Chance, bestehende Häuser zu erwerben und in die Bausubstanz zu investieren.

Ich komme aus einem ländlichen Kreis in der Region Trier. Da gibt es viele Dörfer, wie überall im ganzen Land. Wir haben Dorfkerne, wo Häuser stehen, die auf Käuferinnen und Käufer warten. Wir ermöglichen es jungen Familien, in diese Häuser zu investieren, sie zu sanieren. Das ist wichtig für das Zusammenleben und für die Gesellschaft im Dorf, weil man sich dort im Ehrenamt, in den Vereinen engagieren kann. Und Wohnraum heißt natürlich auch nicht immer gleich Neubaugebiet. Da setzt „Jung kauft Alt“ an.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Das alles und noch viele weitere Programme in diesem Haushalt sorgen dafür, dass Bauvorhaben nicht an hohen Zinsen und gestiegenen Baukosten scheitern. Und es sorgt auch ein bisschen dafür, dass jüngere Menschen ihren Platz finden – ein Stück Generationenversprechen.

Mit unserem Investitionshaushalt und dem Sondervermögen geben wir dem Land neuen Schwung und beleben auch ein wenig die Bauwirtschaft. Wir sind auch Investitionsressort, weil wir die Kommunen tatkräftig unterstützen, unter anderem mit dem Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“. Damit wollen wir unsere Städte fitmachen für die Zukunft und ihnen helfen, ganze Quartiere klimafreundlich zu gestalten. 75 Millionen Euro sind als Förderung vorgesehen; 75 Millionen, die nicht nur in Beton und Dämmung fließen, sondern in neue Lebensqualität. Was meine ich damit? Freiflächen, die wir entwickeln können; Netze, die modernisiert werden; Quartiere, die ganz neu gedacht und belebt werden.

Bei 75 Millionen gibt es leider nicht ganz so viele Quartiere, die davon neu entwickelt werden!

Aber eines ist mir ganz wichtig: Geld allein reicht nicht. Deswegen geben wir die Fördermittel nicht mit der Gießkanne aus. Wir setzen parallel auf Schnelligkeit, und wir gehen neue Wege. Darum werden die gesetzlichen Spielregeln entschlossen weiterentwickelt. Mit dem ersten Schritt, der BauGB-Novelle, meinem Bauturbo, beschleunigen wir Verfahren, damit die Projekte schneller vom Papier auf die Baustelle zum Bagger kommen und die ersten Wände entstehen. Mit der anstehenden zweiten, noch umfassenderen Novelle erweitern wir den Instrumentenkasten: mehr Möglichkeiten, mehr Digitalisierung, mehr Tempo.

So entsteht eine klare Linie für mein Ministerium, für mein Ressort: Milliardenausgaben, die wir brauchen, und Bürokratieentlastung müssen ineinandergreifen, damit wir hier nicht nur kurzfristig etwas schaffen, sondern auch langfristig die Grundlage für dauerhaft leistungsfähige Strukturen legen. Denn nur so gelingt es uns, dass wir schneller, dass wir günstiger, bezahlbarer und auch nachhaltiger bauen.

Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Ich freue mich auf die Beratungen im parlamentarischen Verfahren. Wir knüpfen nahtlos an den Haushalt 2025 an. Ich möchte mich noch mal explizit bei den Berichterstattern bedanken. Das war wirklich eine sehr gute, zielführende Zusammenarbeit. Wir sind gar nicht aus der Übung; wir können direkt weitermachen. Lassen Sie uns das auch tun – für einen starken Haushalt 2026, aber vor allen Dingen für die richtigen Impulse für die Zukunft mit den richtigen Weichenstellungen für unser Land.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für die AfD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Thomas Ladzinski.

Beifallbei der AfD
Porträt von Thomas Ladzinski
Foto: Thomas Ladzinski
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Zuschauer! Die falsche Prioritätensetzung des Bundeshaushalts 2025 setzt sich auch in diesem Haushaltsentwurf fort. Denn auch im 2026er-Haushalt sieht diese Bundesregierung nicht die Notwendigkeit, das Förderprogramm für den altersgerechten Umbau von Wohnraum zu finanzieren, obwohl das Geld dafür da wäre.

Aber auch an anderer Stelle wird diese falsche Prioritätensetzung deutlich. Denn während dieser Haushaltsentwurf vor Programmen und Projekten zur Wärmewende, zur Energiewende und zum Klimaschutz nur so strotzt, machen Förderprogramme zur Schaffung von selbstgenutztem Wohnraum nur einen Bruchteil der eingesetzten Mittel aus.

Lediglich 80 Millionen Euro der eben von Frau Hubertz angepriesenen Gelder investiert die Bundesregierung selbst in das Programm „Jung kauft Alt“ und in die Wohneigentumsförderung für junge Familien, der Rest kommt von der KfW – und das, obwohl hier dringend mehr Handlungsbedarf nötig wäre.

Der Anteil von selbstgenutztem Wohneigentum stagniert seit mittlerweile sieben Jahren bei rund 47 Prozent. Deutschland ist damit das Land mit dem geringsten Anteil an selbstgenutztem Wohneigentum in ganz Europa. Leipzig ist dabei das europaweite Schlusslicht der Städte mit einem Anteil von gerade mal 11 Prozent; kurz danach folgen Berlin und Dresden.

Zurufdes Abg. Ruppert Stüwe [SPD]

Und obwohl mittlerweile auch der Bundesregierung bekannt sein sollte, dass selbstgenutztes Wohneigentum ein wirksames Mittel gegen Altersarmut ist, wird hier zu wenig unternommen.

Beifallbei der AfD

Als Alternative für Deutschland sagen wir ganz klar: Die Erhöhung des Anteils an selbstgenutztem Wohneigentum muss ein wohnungspolitischer Schwerpunkt dieses Haushalts werden. Deutschland muss ein Land der Eigentümer werden!

Beifallbei der AfD

Wir wollen eine Gesellschaft, in der jeder, der will, die Möglichkeit bekommen soll, in seinen eigenen vier Wänden zu leben. Es braucht eine Wohnungspolitik, die es allen Einkommensschichten ermöglicht – allen, die Tag für Tag aufstehen und mit ihrer Arbeit einen Beitrag für unser Land leisten –, zu selbstgenutztem Wohneigentum zu gelangen.

Für niedrige Einkommen braucht es da Förderkonzepte zur Unterstützung von Mietkaufmodellen. Denn gerade Menschen im Niedriglohnbereich, die jahrzehntelang in derselben Wohnung wohnen, sollten die Möglichkeit bekommen, mit der monatlichen Mietzahlung immer mehr Anteile an der angestammten Wohnung zu erlangen, um diese dann nach einiger Zeit in ihr Eigentum übernehmen zu können.

Beifallbei Abgeordneten der AfD

Für kleinere und mittlere Einkommen muss das Förderprogramm für das Genossenschaftswohnen noch mal finanziell verstärkt werden, so wie es die Alternative für Deutschland im Haushaltsausschuss bereits im letzten Haushaltsentwurf vorgeschlagen hat.

Für junge Familien reicht es nicht aus, wie derzeit, zinsgünstige Kredite nur dann zu vergeben, wenn die Wohnung einen bestimmten energetischen Standard erfüllt. Die Deckelung der Kreditbeträge auf 100 000 oder 150 000 Euro für Wohnungen, welche keine QNG-Zertifizierung haben, geht an der Lebenswirklichkeit junger Familien in Ballungsgebieten vorbei. Familien müssen die Möglichkeit bekommen, uneingeschränkte staatliche Unterstützung bei der Schaffung von selbstgenutztem Wohneigentum zu erfahren, egal ob KfW 40, 50, 70 oder gar kein Standard, und auch dann, wenn sie keine sechsstellige Summe an Eigenkapital mitbringen. Familien müssen besser unterstützt werden!

Beifallbei der AfD

Stattdessen werden auch in diesem Haushaltsentwurf Förderprogramme wie KNN oder KFN mit einem Umfang von fast 2 Milliarden Euro an frischem Steuergeld aufgelegt, die hauptsächlich an energetischen Parametern festgemacht werden. Durch diese Förderprogramme entstehen dann Wohnungen, die ohne diese Förderung so niemand bauen würde, weil sie sich aufgrund der Baukosten niemand leisten könnte. Durch diese Förderprogramme können dann immerhin einige wenige Besserverdiener diese steuergeldsubventionierten Wohnungen beziehen. Die Lebensumstände und die tatsächlichen Bedarfe der meisten Menschen in Deutschland werden bei dieser Förderpolitik allerdings vollkommen außer Acht gelassen.

Dass Bauen grundsätzlich günstiger gemacht werden muss, sollte inzwischen auch bei dieser Bundesregierung angekommen sein. Baukosten senkt man aber nun mal nicht durch immer höhere energetische Anforderungen an die Gebäudehülle. Baukosten senkt man, indem Vorschriften wie der Heizungszwang und das Gebäudeenergiegesetz rückgängig gemacht werden.

Keine Heizungen in Wohnungen?

Baukosten senkt man, indem Brandschutz-, Umwelt- und Naturschutzauflagen auf das notwendige Mindestmaß zurückgestutzt und Planungs- und Bauverfahren erheblich vereinfacht werden. Der sogenannte Bauturbo kann da nur als zaghafter Anfang verstanden werden. Das reicht aber bei Weitem noch nicht.

Beifallbei der AfD

Von den 252 000 neu gebauten Wohnungen im Jahr 2024 wurden 53 000 indirekt oder direkt über KfW-Mittel finanziert sowie weitere 62 000 Wohnungen über Programme aus dem sozialen Wohnungsbau. Fast jede zweite neu gebaute Wohnung im letzten Jahr ist also durch staatliche Zuwendungen entstanden. Andernfalls wäre der Neubau nicht wirtschaftlich darstellbar gewesen. Trotzdem fehlen jährlich über 100 000 Wohnungen, vor allem zur Eigentumsbildung.

Das Fazit der restriktiven Wohnungs- und Baupolitik der letzten Jahre, zumeist unter Regierungsbeteiligung von CDU/CSU und SPD, ist verheerend: Deutschland hat die höchsten Baukosten in Europa. Deutschland hat mit die höchsten Mietnebenkosten in Europa. Deutschland hat die höchsten Energiekosten in Europa, und Deutschland hat die niedrigste Wohneigentumsquote in Europa.

Diese Fakten führen zwangsläufig zu Stagnation in der Bauwirtschaft und zu sozialen Problemen in unserer Gesellschaft. Kinder- und Altersarmut sind die direkte Folge. Diese Wohnungs- und Baupolitik trägt eine Mitverantwortung für die immer stärkere Belastung unserer Sozialsysteme. Und genau deshalb sollte die Bundesregierung hier ins Handeln kommen; macht sie aber nicht. Die Angst vor einer vermeintlichen Klimakatastrophe in ferner Zukunft scheint bei dieser Bundesregierung größer zu sein als das Bewusstsein für die gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart.

Beifallbei der AfD

Mit dieser lähmenden Angst wird es für diese Regierung schwer werden, die Lebensverhältnisse der Menschen in Deutschland zu verbessern. Aber Sie können sich sicher sein: Mit unseren Änderungsanträgen zu diesem Haushaltsentwurf werden wir Ihnen einen Weg aufzeigen, welche Wohnungs- und Baupolitik Deutschland wirklich braucht. Folgen Sie uns einfach!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Axel Knoerig.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Axel Knoerig
Foto: Axel Knoerig/ Sigi Schritt
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute in erster Lesung den Bauhaushalt 2026. Mit diesem Haushalt setzen wir erneut ein klares Zeichen. Wir haben den Etat bereits in diesem Jahr aufgestockt, in 2026 legen wir sogar noch eine Schippe drauf. Dazu kommen 11 Milliarden Euro aus dem neuen Sondervermögen. Das macht deutlich: Wir machen Bauen wieder zur Priorität.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ein Schwerpunkt bleibt der soziale Wohnungsbau. Nächstes Jahr stehen dafür 4 Milliarden Euro bereit. Die Länder geben genauso viel dazu, und damit investieren wir satte 8 Milliarden Euro in den Bau von bezahlbarem Wohnraum. Ein Viertel davon fließt in Wohnheime für Studenten und Azubis. Und ich erinnere mich noch gut daran, wie schwer es als Student war, ein Zimmer oder gar eine Wohnung zu finden. Das Angebot war knapp, und ohne Elternbürgschaft und drei Monatsmieten Kaution ging gar nichts.

Zurufder Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Heute sieht die Lage in Teilen noch schlechter aus. Daher sind diese Mittel eine gute Investition in günstigen Wohnraum für junge Leute und ihre Zukunft.

Beifalldes Abg. Ruppert Stüwe [SPD]

Auch an die Kommunen ist gedacht im neuen Haushalt. Für die Städtebauförderung steht 1 Milliarde Euro bereit, so viel wie nie zuvor.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bis 2029 wollen wir diesen Betrag weiter auf 1,6 Milliarden Euro steigern. All das zeigt: Diese Koalition aus Union und SPD meint es ernst. Wir wollen Deutschland beim Bauen voranbringen!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Es gibt jedoch auch Punkte, bei denen wir nachbessern müssen.

Erstens müssen wir bei der Eigentumsförderung für Familien nachlegen. Bisher sind noch zu wenige Mittel vorgesehen. Außerdem sollten wir steuerliche Entlastungen prüfen, so wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen ist.

Zweitens müssen wir die Breitenförderung nächstes Jahr zünden. Wir haben sie während der Haushaltsverhandlungen für dieses Jahr erfolgreich auf den Weg gebracht; denn in Deutschland gibt es 700 000 genehmigte Wohnungen, deren Bau auf sich warten lässt. Als nächster Schritt muss also die Breitenförderung deutlich aufgestockt werden. Dann werden aus genehmigten Wohnungen auch gebaute Wohnungen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Hendrik Bollmann [SPD]

Drittens. Im Koalitionsvertrag haben wir versprochen, den barrierefreien Umbau zu fördern. Wir sollten dieses Versprechen nun einlösen. Denn Deutschland wird älter, und immer mehr Menschen wollen im Alter selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Auch Menschen mit Behinderung profitieren von einer solchen Förderung.

Ja, aber im Haushalt findet sich das nicht!

Deshalb brauchen wir spätestens nächstes Jahr ein eigenes Förderprogramm für den barrierefreien Umbau.

Warum auf nächstes Jahr warten? Man kann es auch dieses Jahr noch machen!

Aber wir müssen auch sehen: Mehr Geld allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass die Mittel auch bei den Menschen ankommen. Bei vielen Programmen werden die Fördermittel gar nicht ausgeschöpft.

Das liegt zum einen an den Baukosten. Die Materialien sind teuer, die Zinsen sind höher, und die Löhne sind gestiegen, was gut für die Beschäftigten ist,

Die Reallöhne sind aber nicht gestiegen!

aber die Kosten insgesamt weiter nach oben treibt. Deshalb bringen wir den Gebäudetyp E wie „einfach“ auf den Weg. Damit soll Bauen wieder günstiger werden.

Zum anderen ist festzustellen: Die aktuellen Förderbedingungen sind für viele Bauwillige kaum attraktiv. Ich wünsche mir deshalb, dass wir den Zugang zur Förderung erleichtern, die Kreditrahmen erhöhen und auch wieder mit Zuschüssen arbeiten. Das mag teuer klingen; aber fehlender Wohnraum kommt uns als Gesellschaft noch viel teurer zu stehen. Denn fehlender Wohnraum lässt die Preise für alle steigen, und dem Staat entstehen höhere Ausgaben beim Wohngeld.

Des Weiteren müssen die Förderbedingungen auch praktikabel sein. Dazu möchte ich ein Beispiel aus der Stadt Diepholz in meinem Wahlkreis anführen. Dort gibt es ein Erdgasnetz. Dieses wollen die Stadtwerke in Zukunft mit Biogas von heimischen Bauernhöfen weiterbetreiben. Der Knackpunkt: In der Heizungsförderung ist Biomasse erlaubt, bei der Neubauförderung aber ausgeschlossen. Wenn also eine Familie in Diepholz ein Haus mit Biogasheizung bauen möchte, dann kann sie keine Bauförderung erhalten. Das ist doch, meine ich, ein berechtigtes Problem und muss hier entsprechend mitbehandelt werden. Außerdem steht im Koalitionsvertrag, dass alle Potenziale der erneuerbaren Energien zu nutzen sind. Und Biomasse ist dabei eine echte Chance, was die Wärmewende betrifft.

Also, wir müssen die Förderprogramme neu denken, damit Familien, aber auch Vermieter wieder – ich formuliere es mal so lax – Bock aufs Bauen bekommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Bauhaushalt 2026 geht dabei in die richtige Richtung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber wir können ihn noch besser machen: durch mehr Förderung für junge Familien, durch mehr Förderung für Omas Treppenlift, durch mehr Mut zu Biomasse und durch eine Förderung, die wirklich ankommt. Denn am Ende zählt nicht nur die Zahl auf dem Papier, sondern vor allem jede neue Wohnung, die entsteht.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun die Abgeordnete Lisa Paus das Wort.

Porträt von Lisa Paus
Foto: Lisa Paus/ Chaperon
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Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! Frau Hubertz, ja, an Geld mangelt es in Ihrem Etat nicht: 7,6 Milliarden Euro plus Mittel aus dem Sondervermögen plus Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds. Aber trotz dieses Mehr im Etat sagen die Prognosen für 2026, es werden nicht mehr Wohnungen gebaut werden, sondern sogar Zehntausende Wohnungen weniger.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufdes Abg. Dr. Jan-Marco Luczak [CDU/CSU]

„Wohnst du noch, oder lebst du schon?“, diese Frage aus vergangenen Zeiten – wir erinnern uns alle – klingt heute wie Luxus aus vergangenen Zeiten; denn seit 2014 sind die Nettokaltmieten um 64 Prozent gestiegen. Das heißt, jede fünfte Familie kann sich heute keinen Urlaub mehr leisten, junge Menschen finden kein eigenes Zuhause, weil sie die Miete zahlen müssen und für anderes kein Platz ist. 800 Bewerbungen in wenigen Stunden auf eine Wohnungsannonce, Algorithmen suchen nach passenden Kandidaten: „Spätestens in diesem Moment ist die alleinerziehende Mutter draußen.“ Das ist nicht von mir, sondern von Vonovia-Chef Rolf Buch, der einfach mal gelassen die Wahrheit ausspricht.

Ihre Antwort darauf, Frau Ministerin, war bei Amtsantritt: Bauen, bauen, bauen; die Bagger müssen rollen. Die Bagger rollen auch, aber die Bagger bauen keine bezahlbaren Wohnungen. Jedes Jahr verschwinden Tausende Sozialwohnungen. Und deshalb sind es nicht wir, sondern ein breites Bündnis aus der Bau- und Immobilienbranche, die Alarm schlagen. Ihre Mittel für den sozialen Wohnungsbau haben Sie jetzt zwar noch mal aufgestockt, aber sie reichen nach wie vor bei Weitem nicht aus, meine Damen und Herren.

Außerdem fehlt Ihnen auch die nachhaltige Strategie. Sie wissen es: Die richtige Antwort wäre die Wohngemeinnützigkeit.

Wir haben das gemeinsam in der Ampel auf den Weg gebracht. Wir Grünen haben das seit zehn Jahren gefordert, wir haben die gesetzliche Grundlage geschaffen. Ja, man kann es durch eine gute steuerliche Förderung machen, dass Unternehmen eine Steuererleichterung bekommen, wenn sie sich dauerhaft verpflichten, niedrige Mieten anzubieten. Wenn eben endlich gilt: öffentlich gefördert, dann für immer dauerhaft bezahlbar.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]

Das steht auch in Ihrem Koalitionsvertrag, aber es steht nichts in diesem Haushalt, davon findet sich nichts. Das ist nicht nur schlecht für jetzt, sondern es ist tatsächlich ein großes Problem für unsere Zukunft.

Wir arbeiten gerade einmal vier Monate!

Frau Hubertz, schauen wir mal weiter: Wo ist denn bei Ihrem „Bauen, bauen, bauen“ eigentlich der positive Klimaeffekt? Wir suchen vergeblich. Ja, es gibt Programme – es wurde darauf hingewiesen –, aber Sie können selber nicht einmal beziffern, was das an CO2-Einsparung bringt. Und obendrauf diskutiert diese Bundesregierung gerade parallel, das Heizungsgesetz abzuschaffen und dann natürlich auch die Förderung für den Heizungsaustausch systematisch zusammenzustreichen.

Hört! Hört!

Das ist nicht nur schlecht für den Klimaschutz, sondern, wie wir alle wissen, das ist auch massiv schlecht für den Geldbeutel. Und deswegen: Bitte denken Sie noch mal darüber nach! Machen Sie eine Kehrtwende, meine Damen und Herren!

Symptomatisch dafür war, dass Sie wieder einsteigen in die Förderung des Energiestandards 55. Das waren nicht Sie, Frau Ministerin, das war Ihre Koalition.

– Das ist „sehr gut“? Das ist irre! Das ist wirklich irre; weil es ein Teufelskreis ist. Ich frage gerade Sie, Herr Luczak: Haben Sie wirklich 2021 vergessen? Haben Sie wirklich vergessen, wie der Run auf die Mitnahmeeffekte war? Der Fördertopf war mit einem Wimpernschlag leer. 11 Milliarden Euro wurden einfach mal so in ein paar Tagen ausgekehrt. Das ist völlig irre. Das bringt uns nicht weiter, bringt keine bezahlbaren Wohnungen, hat keinen Effekt für den Klimaschutz. Deswegen: Bitte denken Sie darüber nach! Hören Sie auf mit diesem Irrsinn!

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Die Ampel hatte diese Förderung zu Recht zusammengestrichen bzw. abgeschafft und einen neuen Standard etabliert, der dann gefördert wird: der EH40.

Das haben Sie gemeinsam aufgegeben, die EH40!

Und wir können es nachlesen in der entsprechenden Broschüre der Ministerin: Dieser Standard hat sich sehr gut etabliert, ist sehr gut angenommen, braucht mehr Geld. Machen Sie genau das, damit wir eben endlich Klimaschutz und bezahlbares Wohnen miteinander verbinden.

Sie haben darauf verzichtet, dass der gesetzliche Standard EH40 wird!

Aber, Frau Ministerin, selbst wenn Sie beim Bauen alle Prioritäten richtig hätten, wenn Sie also eine neue Wohngemeinnützigkeit einführen würden und 20 Prozent Investitionszuschüsse zahlen für gemeinnützige Wohnungen, wenn Sie endlich die Förderung für Genossenschaften deutlich anheben würden, wenn Sie statt nur den Neubau insbesondere auch den Umbau finanzieren und stärker unterstützen würden – Umbau von Gewerbe- in Wohnräume, von Büros, von Läden in Wohnungen oder auch den Ausbau von Dachgeschossen –, wenn Sie das altersgerechte Wohnen nicht streichen, sondern endlich wieder aufstocken würden und den 2 Millionen Menschen, die dringend Unterstützung brauchen, auch die Unterstützung geben würden – ja, all das wäre richtig, aber all das wäre nichts ohne zusätzlichen effektiven Mieterschutz. Denn für Investoren ist die beste Investition die in eine schon abgeschriebene Immobilie, die nur noch Rendite abwirft, sprich: Mieteinnahmen bringt. Wir sehen das Problem in Berlin, wenn man eben nur auf Bauen, Bauen, Bauen setzt. Wir haben hier seit einigen Jahren eine schwarz-rote Regierung.

Zweieinhalb Jahren!

In genau diesen zweieinhalb Jahren, Herr Luczak, sind die Angebotsmieten noch mal deutlich gestiegen, inzwischen auf über 42 Prozent. Das ist absurd.

Was Sie dieser Stadt mit dem Mietendeckel angetan haben!

Ihre Kollegin Frau Hubig verspricht nun Konsequenzen gegen Mietwucher. Aber die Kommission hierzu tagt und tagt und tagt und soll erst 2027 Ergebnisse bringen. Die Menschen brauchen jetzt Unterstützung und nicht erst in zwei Jahren. Deswegen beschleunigen Sie bitte, und legen Sie einen entsprechenden Gesetzentwurf vor.

Frau Hubertz, Sie wissen es selbst: Blindes Bauen, Bauen, Bauen, das reicht nicht. Deswegen: Stoppen Sie den Wucher, und, wenn nötig, auch mit einem regionalen Mietenstopp.

Herzlichen Dank.

Für die Fraktion Die Linke spricht nun die Abgeordnete Katalin Gennburg.

Beifallbei der Linken
Porträt von Katalin Gennburg
Foto: Die Linke, LV Berlin / Andreas Domma
10 Vermerkeca. 853 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Frau Ministerin, Sie sagen hier wirklich, dieser Haushaltsentwurf sei ein guter Film, und der zweite Teil werde noch besser als der erste sein. Ich habe, wenn Sie nicht von der Mietenkrise reden, nicht von den aus der Sozialbindung fallenden Sozialwohnungen, nicht von der Obdachlosigkeit, ehrlich gesagt das Gefühl: Wir sitzen im komplett falschen Film. Was läuft eigentlich falsch bei Ihnen?

Beifallbei der Linken

Ich habe eher das Gefühl, dass es so ein bisschen wie beim Autorennen ist: Herr Luczak und Frau Hubertz rennen, um über die Ziellinie zu kommen, und man weiß noch nicht genau, wer sich durchsetzen wird, aber Herr Luczak hat auf jeden Fall die Nase vorn. Ich finde das bedrohlich.

Beifallder Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Letzte Woche fand der Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Rostock statt. Frau Hubertz, es gab dort eine ganz klare Absage an Ihren Bauturbo.

Mit wem reden Sie denn? Keine Selbstgespräche!

Die Fachwelt trifft sich auf diesem Kongress, und dort wurde ganz klar gesagt: Wir brauchen mehr Beteiligung, mehr Baugebote, mehr Aktivierung von Flächen. Ja, Sozialdemokraten, nicht alles hier verpennen, einfach mal machen!

Beifallbei der Linken

Ich finde, die Kollegen bei der SPD sehen sehr wach aus!

Wir brauchen ganz klar eine Bauwende statt diese Betonpolitik von Ihnen. Wir brauchen den Wettbewerb der besten Ideen statt den Wettbewerb der Baulöwen oder Investoren; das ist doch klar. Was erleben wir stattdessen hier? Für die Förderung der Bauwende gibt es in diesem Haushalt erneut die Krumen, die Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich werden zurückgedreht, und es gibt in der Ausfinanzierung der Bestandssanierung gegenüber dem Neubau ein krasses Missverhältnis. Obwohl die Fachwelt ganz klar sagt: Wir müssen vor allem umbauen, um den massenhaften Leerstand in den Griff zu bekommen. Aber Sie liefern nicht. Wir müssten Flächen aktivieren, wir müssten den Bauüberhang wegbauen, aber all das findet nicht statt. Das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“, die einzige wirkliche Umbauförderung, bekommt im kommenden Jahr mickrige 360 Millionen Euro, während die Förderprogramme allein für den klimafreundlichen Neubau 1,75 Milliarden Euro erhalten. Das ist zu wenig für den Umbau, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Die Investitionen in den Bestand sind der wirklich ökologische Beitrag in Zeiten der Klimakrise. Diese Betonkoalition sagt dazu Nein.

Schaut man sich die Priorisierung des Programms und den Umgang mit den Mitteln an, dann muss man ganz klar sagen, dass man an der Glaubwürdigkeit mindestens der SPD als langjähriger Chefin des Hauses deutlich zweifeln kann; denn das „Gewerbe zu Wohnen“-Programm war im Bundeshaushalt 2024 bereits im Klima- und Transformationsfonds enthalten. Es kam aber nie zum Förderaufruf, und die Mittel wurden nicht ausgegeben. Warum, meine Damen und Herren? Wie wollen Sie das ändern?

Ganz klare Ansage zum Bereich Stadtentwicklung – das wissen Sie selber –: Ja, es ist zu begrüßen, dass die Städtebauförderung um 210 Millionen Euro auf 1 Milliarde Euro und perspektivisch bis 2029 auf 1,58 Milliarden Euro erhöht wird. Wir, Die Linke, haben bisher eine Erhöhung auf 2 Milliarden Euro gefordert. Links wirkt, meine Damen und Herren.

Beifallbei der Linken

Apropos „Links wirkt“: Ich will die Zeit nutzen, Ihnen jetzt noch mal zu sagen, wie eigentlich Bauen mit links funktioniert, meine Damen und Herren. Die Krise der Bauwirtschaft ist allgegenwärtig; das wurde hier auch gesagt. Die Ministerin hat heute noch mal klargestellt: Dieses Bundesministerium möchte Motor für wirtschaftliche Entwicklung sein, und Geld soll in Wohnungen und Gebäude fließen; das soll eine Wertanlage der Zukunft sein. – Ich sage Ihnen mal, wie wir uns das vorstellen. Die Bauwirtschaft ist in einer tiefen Krise. Wir werden sehen, dass die private Bauwirtschaft eben nicht die Wohnungskrise löst. Sie löst nicht die Mietenkrise.

Sondern? Wer denn dann?

Seit Jahrzehnten versagt sie genau bei dieser Frage. Ich will Ihnen mal sagen: Gerade in Deutschland ist der Gemeindewohnungsbau bzw. der öffentliche Wohnungsbau doch genau deshalb entstanden, weil man schon vor Jahrzehnten erkannt hat, dass der private Markt es eben nicht regelt, sondern immer nur nach eigenen Profitkriterien funktioniert.

Wo leben Sie denn?

Meine Kollegin und Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek hat letzte Woche schon mal erklärt, wie man mit eigenen, kommunalen Bauvorhaben die Wirtschaft wirklich ankurbeln könnte: indem man nämlich zum Beispiel kommunale Wohnungsbauprogramme auflegt, meine Damen und Herren, womit man kommunal die Mieten regulieren kann, worin man auch selber festschreiben kann, wie zum Beispiel Bürgerbeteiligung organisiert wird und wie mit ökologischen Baustoffen gebaut wird und wobei man zusammen mit der Forschung, mit den Architektinnen und Architekten, den Planerinnen und Planern gemeinsam überlegen kann, wie zukünftig gewohnt und gelebt und gebaut werden soll. Das könnte alles auch vom Bund gefördert werden. Die Büros sind jetzt in einer tiefen Krise. Es könnte gelingen, die Planer/-innen tatsächlich in die kommunale Bauwirtschaft umzulenken, sie aufzufangen, hier wirklich den Motor anzuschmeißen und Mieten dauerhaft und gemeinwohlorientiert zu sichern, meine Damen und Herren. Dafür treten wir ein.

Beifallbei der Linken

Für die SPD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Ruppert Stüwe.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Ruppert Stüwe
Foto: Photothek
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir treiben den Wohnungsbau voran. Mit dem Bundeshaushalt 2026 stellen wir die Weichen für eine zukunftsfähige und soziale Wohnungspolitik. Der Haushalt für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist damit einer der zentralen Investitionshaushalte des Bundes. Der Regierungsentwurf dieses Jahres sieht rund 7,6 Milliarden Euro im Kernhaushalt vor. Der Schwerpunkt ist dabei ganz klar der soziale Wohnungsbau. Hier investieren wir 4 Milliarden Euro, mehr als je zuvor.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Ich finde es richtig, dass wir den Schwerpunkt auf den sozialen Wohnungsbau legen. Wenn jemand sich hier in der zweiten Hälfte seiner Rede über die Baukrise beschwert, nachdem er am Anfang gesagt hat, es sei doch gar nicht wichtig, ob gebaut wird, dann frage ich: Was wollen Sie eigentlich? Wollen Sie bauen, oder wollen Sie nicht bauen? Wollen Sie bezahlbaren Wohnraum, oder wollen Sie keinen? Wollen Sie einfach sagen, dass diejenigen, die privat investieren, böse sind und dass wir für die anderen auch nichts tun? Da muss man schon klar sein und sagen: Ja, wir wollen, dass in den sozialen Wohnungsbau investiert wird. – Das habe ich von Ihnen leider überhaupt nicht gehört, Frau Gennburg.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

650 Euro zahlen Berliner Studierende im Durchschnitt an Miete. Bundesweit liegen die Mieten für Studierende bereits bei über 500 Euro. Wer mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnt, muss sich eine Wohnung leisten können, ohne in Not zu geraten. Das ist wichtig. Deshalb verdoppeln wir in diesem Haushalt die Mittel für das Programm „Junges Wohnen“. Es geht eben nicht nur darum, dass junge Menschen ein Dach über dem Kopf haben, sondern auch darum, dass sie sich zu Beginn ihres Studiums oder ihrer Ausbildung ein Zuhause in einer fremden Stadt leisten können.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Wir können es uns nicht leisten, hier zu zögern. Besonders wichtig ist mir, dass Förderprogramme nicht nur existieren, sondern auch tatsächlich zum Neubau führen. Wir müssen sicherstellen, dass die Mittel zielgerichtet und unbürokratisch an die richtigen Stellen fließen. Wir werden in den anstehenden Beratungen noch ein bisschen darauf schauen müssen, dass das funktioniert. Aber die ersten Maßnahmen zeigen Wirkung. Manchmal ist ja ein bisschen Haushaltstechnik dabei. Aber wenn wir uns angucken, wie die Ausgabenreste sich entwickelt haben, dann können wir sagen: Erstmals seit der Gründung des Bauministeriums sind die Ausgabenreste gesenkt worden. Das stimmt mich für die weiteren Entwicklungen positiv.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Mir ist aber auch wichtig, dass wir die Mittel nicht nur für schnelles Bauen zur Verfügung stellen, sondern auch für bezahlbares Wohnen. Da kann ich der Kollegin Wittmann nur folgen: Das kann auch im Eigentum erfolgen. Auch dafür setzt der Haushalt richtige Schwerpunkte. Aber zum Beispiel in Berlin lebt über eine halbe Million Menschen in genossenschaftlichen Wohnungen. Ich finde, diese Form des Wohnens bietet nicht nur langfristige Stabilität, sondern auch bezahlbare Mieten und eine starke Mitbestimmung. Hier sollten wir noch gucken, wie wir gezielter fördern können. Das ist wirklich ein Schritt hin zu mehr sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit im Wohnungsbau.

Es ist richtig: Wir müssen nicht nur bauen, sondern auch den Markt regulieren, so leid es mir tut. Da haben wir mit der Verlängerung der Mietpreisbremse immerhin etwas hingekriegt. Das hätten wir in der letzten Regierung besser machen wollen, aber es hat nicht geklappt. Deswegen schaue ich jetzt lieber nach vorne als zurück. Wir befinden uns mit den beiden sozialdemokratischen Ministerinnen auf dem richtigen Weg bei der Regulierung.

Beifallbei der SPD

Wer gut wohnen will, der braucht auch ein lebenswertes Umfeld. Wir wollen kein Land, das aus Ghettos und Gated Communitys besteht.

Haben Sie mit Ihrer Politik aber verursacht!

Im Gegenteil: Moderne Städte sind lebendig, attraktiv und auch inklusiv. Das ist kein Selbstzweck; es stärkt den sozialen Zusammenhalt, und deswegen ist es so wichtig. Wir haben große Zustimmung dafür bekommen, dass die Städtebauförderung auf 1 Milliarde Euro erhöht wird. Diesen Erhöhungspfad werden wir in den nächsten Haushalten fortsetzen.

Wir wollen die Innovationen mit diesem Haushalt konsequent fördern. Aber es muss auch klar sein: Wir müssen gucken, dass neues Wissen auch zur Anwendung kommt. Es wird bei den Haushaltsberatungen, die uns jetzt bevorstehen, ein Maßstab sein, dass das, was wir an Innovation und Forschung fördern, auch tatsächlich zur Anwendung kommt.

Kommen Sie bitte zum Ende Ihrer Rede, Herr Kollege.

Rednerwechsel

Ich finde, der Regierungsentwurf für 2026 ist eine gute Basis dafür, dass wir Deutschland sicher und gerecht voranbringen. Ich freue mich auf die Beratungen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Marc Bernhard.

Beifallbei der AfD
Porträt von Marc Bernhard
Foto: Marc Bernhard
16 Vermerkeca. 646 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Deutschland steckt in der größten Wohnungskrise seit 70 Jahren. Familien suchen verzweifelt Wohnungen, Rentner zittern vor der Nebenkostenabrechnung, junge Paare geben auf, bevor sie überhaupt einen Bauplan zeichnen. Willkommen im Land der Wohnungsnot made by Bundesregierung!

Beifallbei der AfD

Über 800 000 Wohnungen sind geplant, genehmigt, werden aber nicht gebaut. Warum? Weil sie unbezahlbar wären. In den letzten drei Jahren sind die Baukosten um über 40 Prozent explodiert – 40 Prozent! –, nicht weil die Handwerker plötzlich goldene Helme tragen, sondern weil die Regierung immer neue Vorschriften, Steuern und Abgaben erfindet.

Frau Hubertz, Sie sind wahrscheinlich die einzige Ministerin, die ständig vom Bauen spricht, während am Ende trotzdem kein einziges Haus steht. Auf dem Papier wächst Deutschland schneller als Dubai, aber in der Realität bleiben die Baustellen leer. In den Großstädten betragen die Baukosten schon für ganz normale Wohnungen zwischenzeitlich 6 500 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet Kaltmieten von 30 Euro pro Quadratmeter und mehr. Wer das noch bezahlen kann, der sitzt entweder in der Bundesregierung oder leitet eine Ihrer sogenannten Nichtregierungsorganisationen.

Beifallbei der AfD

Und dann der nächste Preistreiber: die Nebenkosten als zweite Miete. Deutschland hat mit die höchsten Energiepreise der Welt. Nur Bermuda ist teurer; aber da gibt es wenigstens Palmen und Sonne gratis dazu. Und was gibt es bei uns? Bei uns gibt es Ihre CO2-Steuer. Schon heute zahlt eine vierköpfige Familie 2 000 Euro im Jahr – nur CO2-Steuer –, 2027 dann 9 000 Euro für heiße Luft, und die liefert die Regierung ja eh schon im Überfluss.

Beifallbei der AfD

Und dann: die unkontrollierte Massenzuwanderung, jedes Jahr eine halbe Million Menschen mehr.

Jetzt geht die Schallplatte wieder an!

Jedes Jahr muss eine Stadt wie Duisburg komplett neu gebaut werden, mit Wohnungen, Schulen, Kitas, Krankenhäusern.

Zurufdes Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wer glaubt: „Wir schaffen das“, glaubt auch, dass Frau Hubertz morgen persönlich den Rohbau hochziehen wird.

Beifallbei der AfD

Schön geschrien haben Sie!

Statt Wohnungen gibt es bunte Broschüren, statt Baukräne neue Fördertöpfe.

Zurufder Abg. Carmen Wegge [SPD]

Milliarden fließen. Das Ergebnis: Prestigeprojekte, die sich kein Normalverdiener leisten kann.

Bla, bla, bla!

Sie nennen das „Förderprogramm“. In Wahrheit ist es ein Mitnahmeprogramm für Luxuswohnungen. Aber für normale Menschen, für die arbeitende Bevölkerung und für Rentner, wird die Wohnungsnot immer schlimmer. Für die neue soziale Frage unseres Landes haben Sie keine, überhaupt keine Lösungsvorschläge.

Zurufder Abg. Caren Lay [Die Linke]

Frau Hubertz, auch Ihr sogenannter Bauturbo ändert daran gar nichts. Er ist nichts anderes als ein Papiertiger mit Seifenblasenantrieb – laut angekündigt, hübsch verpackt, aber am Ende zerplatzt, bevor auch nur ein einziger Stein auf den anderen gesetzt wird.

Beifallbei der AfD

Schluss mit Rumdoktern an Symptomen! Eine AfD-Regierung wird Bauen endlich wieder bezahlbar machen,

indem wir Ihren Klima- und Dämmwahn beenden, die Nebenkosten massiv senken, indem wir die CO2-Steuer, den Heizungshammer und die Grundsteuer komplett abschaffen,

Beifallbei der AfD

und den Wohnungsmarkt entspannen, indem wir die illegale Migration stoppen.

Schwachsinn!

Deutschland braucht keine Bauturbos oder sonstige Luftschlösser; Deutschland braucht Wohnungen, die sich jeder leisten kann.

Zurufdes Abg. Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Es ist fünf nach zwölf. Handeln Sie endlich! Und ich sage Ihnen eins: Wenn Sie es nicht machen, wird eine AfD-Regierung nach der nächsten Wahl die Wohnungsnot beenden.

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Michael Kießling.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Michael Kießling
Foto: DBT/ Stella von Saldern
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sie haben gesehen: Ich musste hier erst mal mit dem hochfahrenden Rednerpult das Niveau heben.

Liebe AfD, Sie müssen Ihre Schallplatte mal neu bespielen. Wenn Sie sich die Migrationszahlen anschauen, dann sehen Sie, dass wir hier einen Rückgang von 60 Prozent haben.

Das ist doch billiger Quatsch! Beim Familiennachzug! Es geht um die Gesamtsumme! Das ist wirklich Quatsch!

Die Zahlen, die Sie aufrufen, müssen Sie überarbeiten.

Sie müssen auch nicht nur die Luft zum Schwingen bringen; Sie müssen auch Lösungen fürs Bauen bieten. Zu den Maßnahmen, die Sie am Schluss angeboten haben: Die Grundsteuer ist eine Ländersteuer. Mit einer Senkung müssten die Länder beauftragt werden. Bei denen braucht man dann eine Mehrheit.

Das werden wir dann sehen!

Das können Sie als Bundesregierung nicht alleine tun. Von daher: Bieten Sie Lösungen an, und schreien Sie nicht nur!

Die Bundesregierung hat zusammen mit der Koalition einen Haushalt auf den Weg gebracht, der Bauen wieder ermöglicht. Dafür möchte ich mich ganz herzlich beim Koalitionspartner bedanken. Wir sind da auf einem guten Weg. Wir müssen beides tun: Wir müssen neu bauen, und wir müssen sanieren. Das spiegelt sich auch in diesem Haushalt wider. Ich freue mich auf die Beratungen, in denen wir das eine oder andere vielleicht noch ein bisschen glattziehen können, um noch ein paar Verbesserungen in das parlamentarische Verfahren einzubringen. Aber unterm Strich sind wir dort auf einem guten Weg. Mit 7,6 Milliarden Euro haben wir mehr Mittel als in der Zeit der Vorgängerregierung. Das ist Ausdruck von Verlässlichkeit und Zukunftssicherheit.

Aber werden mehr Wohnungen gebaut? Das ist doch das Entscheidende! Es geht doch nicht ums Geld! Es geht um die Wohnungen, die gebaut werden! Die werden offensichtlich nicht mehr gebaut!

Wir straffen auch die Förderprogramme. Die bisherigen Programme wie „Klimafreundlicher Neubau“, „Wohneigentum für Familien“, „Gewerbe zu Wohnen“ und „Jung kauft Alt“ werden in das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität überführt. Und das ist gut so, weil wir dann Planungssicherheit für die nächsten Jahre haben. Dadurch sind die jährlichen Programmmittel von über 2 Milliarden Euro abgesichert.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Das bringt Verlässlichkeit im Bereich des Bauens. Jetzt liegt es an uns, das auf den Weg zu bringen.

Wir sehen: Die Mittel für das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ bleiben mit 1,1 Milliarden Euro stabil. Für das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ – da geht es um das Thema der Umnutzung leerstehender Gebäude – sind 360 Millionen Euro vorgesehen, für das Programm „Jung kauft Alt“ 350 Millionen Euro, für das Programm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ 650 Millionen Euro. Man muss allerdings sehen, dass bei diesen Förderprogrammen relativ hohe Maßstäbe gesetzt werden. Wir arbeiten daran, die Förderbedingungen umzugestalten.

Mit der Wiedereinführung der KfW-EH55-Förderung wollen wir – das ist genau das, was Sie sagen, Frau Lisa Paus – die Bauüberhänge abbauen. Sie haben uns vorhin kritisiert und gefragt, warum da heute nicht gebaut wird. Der Punkt ist: Das liegt an der Politik von gestern, an der grünen Politik, die sich in der Ampelregierung im Bereich des Bauens durchgesetzt hat.

Da wird leider nicht gebaut; das müssen wir vom Kopf auf die Füße stellen. Unterm Strich sind wir da auf einem guten Weg.

Wenn wir auf das Thema „Städtebauförderung und Kommunen“ schauen – wir sind ja nicht nur für Bauen und Wohnen zuständig –, dann erkennen wir, dass sich auch da einiges bewegt. Eine tragende Säule im Haushalt 2026 ist die Städtebauförderung mit knapp 1 Milliarde Euro. Das ist der erste Schritt hin zu der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verdoppelung der Mittel für die Städtebauförderung. Meine Damen und Herren, die Städtebauförderung kommt direkt bei den Menschen vor Ort an. Ich sage es immer wieder gerne: Städtebauförderung ist nicht nur für Städte. Auch kleine Kommunen und Gemeinden profitieren sehr stark davon, wenn der Ortskern, der Stadtteil, die Quartiere wiederbelebt und lebenswert gestaltet werden.

Ein Punkt, der uns neben dem schnellen Bauen mit dem Bauturbo und der bald kommenden Baugesetzbuchnovelle wichtig ist, sind die Standards; auch das haben wir angesprochen. Da müssen wir auf ein normales Niveau zurückkehren, damit es wieder einfacher ist, zu bauen. Da ist es auch wichtig, dass die Standards technologieoffen und materialoffen gestaltet werden.

Unterm Strich – wenn wir alles zusammennehmen – ergreifen wir jetzt mit der Gesetzgebung, die wir vorhaben, und dem Haushalt, den wir planen, die Initiative und stellen die Weichen dafür, dass wieder gebaut und saniert wird. Das geht auch unter Berücksichtigung des Klimaschutzes. Das Problem liegt hier nicht im Neubau – Sie haben ja die Wiedereinführung der KfW-EH55-Förderung beanstandet –, sondern primär im Altbau. Wir müssen uns auch mit dem Thema beschäftigen, wie wir Altbauflächen wieder aktivieren können. Auch da gibt es Förderprogramme und Unterstützungen im Bereich der Städtebauförderung, um das zu ermöglichen.

Zurufder Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ein wichtiger Punkt ist: Allein mit sozialem Wohnungsbau werden wir es nicht schaffen. Wir haben dafür sehr hohe Summen zur Verfügung gestellt, was richtig ist; aber wir brauchen auch privates Kapital, das wieder in den Wohnungsbau investiert wird, damit Wohnraum dort entsteht, wo er benötigt wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Von daher: Wir stehen am Anfang der Haushaltsberatungen 2026. Ich freue mich darauf, weil es ein guter Haushalt für unsere Baubranche, für die Menschen vor Ort, für das Bauen und Wohnen und für unsere Kommunen wird.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Zu ihrer ersten Rede hat nun das Wort die Abgeordnete Mayra Vriesema für Bündnis 90/Die Grünen.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken
Porträt von Mayra Vriesema
Foto: Sven Brauers
8 Vermerkeca. 525 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wohnen ist ein Menschenrecht. Doch in unseren Städten und Gemeinden erleben wir täglich, wie dieses Recht zur Frage des Einkommens, des Geschlechts und der Herkunft gemacht wird. Und ich finde, das ist ein Skandal.

Besonders betroffen sind junge Menschen, Alleinerziehende und Rentner/-innen mit kleinen Renten – und das sind mehrheitlich Frauen. Sie alle finden keine bezahlbaren Wohnungen. Statt fairem Zugang entscheidet der Geldbeutel der Eltern oder des Partners darüber, wie sicher mein Dach über dem Kopf ist.

Die Realität ist: Alleinerziehende Mütter, Familien und Menschen mit Migrationshintergrund, sie alle erleben systematische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Junge Menschen werden erst aus ihren WGs gedrängt und dann an den Stadtrand verdrängt. Gerade jetzt zum Semesterstart finden Studies keine bezahlbare Wohnung. Wie denn auch, wenn die BAföG-Wohnkostenpauschale unter den Mietpreisen in unseren Unistädten liegt?

Wohnungen dürfen keine Ware bleiben, mit den Hedgefonds ihre Renditen machen. Wer keine sichere Wohnung findet, verliert Schutzräume und damit Teilhabe am öffentlichen Leben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Wohnungspolitik heißt für uns Grüne deshalb: Erstens. Wir brauchen einen Mietenstopp in angespannten Wohnungslagen. Zweitens. Wir brauchen den Ausbau von sozialem und kommunalem Wohnungsbau. Drittens. Es braucht mehr genossenschaftliches und solidarisches Wohnen, damit wir Armut bekämpfen, Räume zum Schutz vor Gewalt schaffen und faire Mieten gestalten.

Unterschied zur Linkspartei: eigentlich null!

Darüber hinaus müssen wir die Kommunen stärken, damit sie endlich nicht mehr ihre Grundstücke nur an den Meistbietenden verkaufen müssen, sondern endlich selber Grundstücke entwickeln können und dann Wohnungen selber bauen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihr eingebrachter Haushaltsentwurf geht an dieser Realität vorbei. Die Realität ist nämlich, dass die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland mit knapp 1 Million auf einem historischen Tiefstand liegt. Mit den eingeplanten knapp 4 Milliarden Euro lassen sich niemals die 100 000 neuen Wohnungen im bezahlbaren Sektor bauen, die wir dringend brauchen würden. Die Förderung genossenschaftlichen Wohnraums liegt bei läppischen 15 Millionen Euro bis 2036. Versprochene Zuschüsse wie für die neue Wohngemeinnützigkeit? Fehlanzeige. Stattdessen werden Milliarden in Wohneigentum gepumpt,

„Milliarden in Wohneigentum“? 250 Millionen!

Die kann den Haushaltsplan nicht lesen! Das ist das Problem!

während der Umbau und die Sanierung von Bestandsgebäuden viel zu gering ausgestattet sind. Das kann doch nicht sein!

Die Menschen in diesem Land verdienen eine Wohnungspolitik, die Wohnungen nicht zum Luxusgut macht.

Es braucht endlich mutige Reformen in diesem Land und nicht einen sogenannten Bauturbo, der nur dazu führt, dass Genehmigungen beschleunigt werden, aber keine nachhaltigen Lösungen schafft. Wie wäre es denn mit einem Umbauturbo?

Die Wohnungsfrage in Deutschland muss anders beantwortet werden. Dass Wohnen ein Menschenrecht ist, sollte sich auch in Ihrem Haushaltsentwurf widerspiegeln, und daran werden wir Sie messen.

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dirk Vöpel [SPD]

Für die Fraktion Die Linke hat nun das Wort die Abgeordnete Caren Lay.

Beifallbei der Linken
Porträt von Caren Lay
Foto: Caren Lay/ Frank Grätz
13 Vermerkeca. 675 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Hier wurde behauptet, ein Schwerpunkt würde auf den sozialen Wohnungsbau gelegt; ja von Rekordsummen ist hier die Rede. Schön wäre es! Aber Ihr Haushalt spricht doch eine andere Sprache: Aufrüstung und Bundeswehr sind dieser Regierung 21-mal so viel wert wie der soziale Wohnungsbau

Unsere Freiheit und unsere Sicherheit, das ist uns so viel wert!

und die Subventionierung des Dienstwagenprivilegs – unsozial und klimaschädlich –, immerhin noch 4-mal so viel wie sozialer Wohnungsbau. Das ist die Wahrheit. Das sind die falschen Prioritäten.

Beifallbei der Linken

Als jemand, der hier wirklich seit vielen Jahren für den sozialen Wohnungsbau kämpft, lange auch allein auf weiter Flur, kann ich nur sagen: Ich begrüße natürlich jede Erhöhung; aber mit einem Mittelaufwuchs von gerade mal 500 Millionen Euro im Jahr wird man doch die Wohnungskrise nicht lösen.

Beifallbei der Linken

Wenn Sie in diesem Tempo weitermachen, dann benötigen wir noch 30 Jahre, bis die 1 Million zusätzlichen Sozialwohnungen gebaut sind, die so dringend gebraucht werden.

Für welche Leute brauchen Sie denn die 1 Million? Wo kommt denn die Nachfrage her? Wir haben da eine Lösung!

Also, ein großer Durchbruch ist das doch wirklich nicht.

Beifallbei der Linken

Und da ist noch nicht mit eingerechnet, dass jedes einzelne Jahr mehr Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, als neue gebaut werden. Keiner Regierung ist es bisher gelungen, diesen Teufelskreis zu stoppen. Das ist doch wirklich absurd! Dafür brauchen wir wirklich einen Systemwechsel: einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung – das muss endlich gelten.

Beifallbei der Linken

Diese dauerhafte Bindung erreichen wir ja bekanntermaßen nur mit einer neuen Wohnungsgemeinnützigkeit.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

So ist es!

Die Stadt Wien macht uns doch vor, wie es geht: Dort verfolgen 60 Prozent des Wohnungsmarktes das Prinzip des Gemeinwohls und nicht das Prinzip des Profits. Da erhalten städtische Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften, also die wirklich guten Akteure auf dem Wohnungsmarkt, steuerliche Vorteile.

In Deutschland ist es umgekehrt: Hier werden Städte und Genossenschaften von den Finanzämtern zur Kasse gebeten, und Vonovia und Co bekommen großzügige Steuergeschenke. Ja, wie absurd ist das denn, meine Damen und Herren?

Beifallbei der Linken

Genau diese Baukrise ist die Chance, die gemeinnützigen Bauträger zu stärken und eben nicht Glücksritter und Spekulation.

Aber anstatt genau jetzt in eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit zu investieren, tun Sie das eben nicht. Ein Alibigesetz der Ampelregierung dümpelt ohne Anspruch und Ehrgeiz vor sich hin; aber vor allen Dingen gibt es dafür keinen einzigen Euro. Dabei verspricht doch der Koalitionsvertrag Investitionen in die Gemeinnützigkeit, und genau das ist es, was wir brauchen.

Beifallbei der Linken

Das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ fordert 20 Milliarden Euro jährlich für sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau – genau das fordern auch wir als Linke –, und nicht innerhalb von vier Jahren, wie es diese Regierung tut.

Das Geld dafür wäre übrigens da: Alleine die ungerechten Ausnahmen beim Erbschaftsrecht, die nur für Superreiche gelten, haben uns 88 Milliarden Euro gekostet. Damit hätte man eine halbe Million Sozialwohnungen bauen können. So ist es!

Beifallbei der Linken

Wenn irgendetwas bei diesem Haushalt auf Rekordniveau ist, dann sind es die Ausgaben für das Wohngeld: 2,3 Milliarden Euro. Und ja, das wird gebraucht; ich gönne jedem, der darauf angewiesen ist, dieses Geld. Aber es ist eben auch nicht nachhaltig; denn nicht selten landet genau dieses Geld auf den Konten der großen Konzerne. Sobald das Wohngeld erhöht wird, erhöhen sie die Mieten. Also, häufig werden damit illegale und überteuerte Mieten subventioniert. Das muss endlich aufhören!

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Deswegen brauchen wir einen bundesweiten Mietendeckel und eine echte Verfolgung von Mietwucher. Auch das würde staatliche Ausgaben reduzieren, und wir hätten mehr Geld für ein Investitionsprogramm im sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Sehr gut! Sehr richtig!

Als Nächstes hat das Wort für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Hendrik Bollmann.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Hendrik Bollmann
Foto: DBT / Stella von Saldern
13 Vermerkeca. 733 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor anderthalb Wochen waren die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen; die Stichwahlen stehen bevor. Eines hat sich aber jetzt schon gezeigt: Das Horrorszenario einer prognostizierten blauen Welle hat uns nicht erreicht. Im Gegenteil: Im 5 Millionen Einwohner zählenden Ruhrgebiet hat die SPD klar gewonnen, und das, weil die SPD im Ruhrgebiet eine Strategie, eine klare Vision für diese Region vorantreibt:

Zurufdes Abg. Sebastian Münzenmaier [AfD]

Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden – Arbeitsplätze, Zukunft und Lebensqualität zusammen in einem Ballungsraum.

Eine solche klare Strategie verfolgen wir mit der Bundesregierung und Verena Hubertz als Ministerin für das Bauen, Wohnen und Leben in unserem Land.

Tja, da muss der Etat aber noch grüner werden! Das kann ich da nur sagen!

Drei Zahnräder greifen dabei ineinander:

Erstens: bezahlbares Wohnen für alle. Das Dach über dem Kopf sieht in Deutschland sehr unterschiedlich aus. Wir unterstützen deswegen vor allem diejenigen, die jeden Tag hart arbeiten. Mit der sozialen Wohnraumförderung schaffen wir günstigen Mietwohnraum für zahlreiche Familien. 4 Milliarden Euro stehen dafür 2026 zur Verfügung.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Über Programme wie „Jung kauft Alt“ ermöglichen wir jungen Paaren mit mittleren Einkommen die eigenen vier Wände und verbinden das auch mit Klimaschutz.

Zweitens: bezahlbares Wohnen für alle schnell ermöglichen. Wir müssen zügig zu Erfolg in der Wohnungsbaupolitik kommen. Da ist Geld sicherlich eine notwendige Grundlage. Um dieses Geld jedoch direkt Stein werden zu lassen, haben wir als erstes Gesetz den Bauturbo auf den Weg gebracht.

Nachdem ich gerade einige Ausführungen gehört habe, frage ich mich, in welcher Sachverständigenanhörung ich eigentlich vorletzte Woche gewesen bin.

Ja, das frage ich mich auch!

Haben doch alle gesagt, dass das im Prinzip nix bringt!

Es war ein eindeutiges Bild – ob es die kommunalen Spitzenverbände oder zahlreiche Sachverständige waren –:

Das stimmt überhaupt nicht!

Das Gesetz geht eindeutig in die richtige Richtung,

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

damit die Familien weder auf bezahlbare Mietwohnungen noch auf das Eigenheim unendlich warten müssen.

Haben alle gesagt, dass es dafür genau nix bringt! Genau dafür bringt’s nix!

Bauturbo und Haushalt 2026 gehören strategisch zwingend zusammen.

Drittens: bezahlbares Wohnen für alle in einem guten Umfeld. Auch die beste Wohnung braucht ein gutes Umfeld. Deswegen stellen wir 2026 1 Milliarde Euro für die Städtebauförderung zur Verfügung. Damit können Kommunen Marktplätze klimagerecht gestalten, alte Schulen in moderne Nachbarschaftszentren verwandeln oder neue Spiel- und Sportflächen schaffen.

Mit „Gewerbe zu Wohnen“, mit 360 Millionen Euro im Haushalt 2026 verankert, bekommen die Kommunen Rückendeckung bei ihren Visionen zur Transformation der Innenstädte. Das bedeutet lebendige Innenstädte statt leere Schaufenster, Begegnung statt Rückzug.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gibt eben nicht die eine Wohnlage in Deutschland; das begreifen einige, die hier immer nur von Extremen reden, nicht. Die Vielfalt der Wohnlandschaft ist doch offensichtlich; die Herausforderungen des Wohnens und Lebens in Deutschland sind eben komplex. Es gibt nicht eine Lösung wie Deckelung oder freier Markt, der allein alles regelt. Dafür braucht es eine klare Strategie, die die Kommunen bei der Transformation von Wohnen und Leben unterstützt. Die bieten dieser Haushalt und das Sondervermögen.

Zweifelsohne gibt es Herausforderungen, die auf uns warten. Eine Lösung für die Altschulden zahlreicher überschuldeter Kommunen ist zwingend, damit die Kommunen die Transformation weiter positiv und eigenmächtig gestalten können. Wir müssen die Handlungsfähigkeit der Kommunen im Umgang mit Schrottimmobilien deutlich stärken. Sie sind für viele Menschen, nicht nur im Ruhrgebiet, der Lackmustest für die Handlungsfähigkeit unseres Staates.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Mit diesem Haushalt zeigen wir jedoch: Demokratie kann liefern. Darum sage ich allen, die vielleicht zweifeln, ob Politik noch wirkt:

Zurufder Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Schaut in eure Städte! Schaut in eure Gemeinden! – Da, wo wir anpacken, Visionen haben, wo etwas passiert,

Zurufeder Abg. Carolin Bachmann [AfD] und Marc Bernhard [AfD]

aus grauen Fassaden werden dort lebendige Quartiere, aus Sorgen wird Zuversicht und aus einer abgeschriebenen Montanregion wird die grünste Industrieregion der Welt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Glück auf!

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Für die AfD-Fraktion hat das Wort der Abgeordnete Sebastian Münzenmaier.

Beifallbei der AfD
Porträt von Sebastian Münzenmaier
Foto: Sebastian Münzenmaier
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wer den Kollegen der SPD in den vergangenen Tagen über den Weg gelaufen ist, der hat viele lange Gesichter gesehen.

Wo waren Sie denn gewesen?

Der Schmerz über die historische Klatsche im Ruhrgebiet bei den Kommunalwahlen in NRW sitzt tief, und das zu Recht.

Gelsenkirchen, Dortmund, Bochum, Essen –

… haben wir gewonnen!

es geht seit Jahren nur noch bergab. Ganze Stadtteile verkommen, es herrschen katastrophale Zustände.

Darüber freuen Sie sich, oder?

Beispiel Duisburg-Marxloh. Dort haben sich Roma-Clans aus Osteuropa eingerichtet. Bis zu 20 Personen von ihnen hausen jeweils in einer Wohnung; alles wird vermüllt.

Und Duisburg ist ja mittlerweile kein Einzelfall.

Drastische Fortschritte erzielt! Überall Fortschritte!

Wann waren Sie denn mal in Duisburg gewesen? Sagen Sie mal, wann waren Sie in Duisburg?

In Göttingen steht laut „Bild“ Deutschlands schlimmster Plattenbau. Da vertreiben sich knapp 800 Bewohner aus 30 Nationen die Zeit unter anderem mit Rattenangeln – kein Witz.

Zurufeder Abg. Jürgen Coße [SPD] und Esra Limbacher [SPD]

Zack, Angelrute aus dem ersten Stock raus.

Wann waren Sie denn mal in Duisburg gewesen? Oder haben Sie das nur gelesen?

Dank der Essensreste, die man aus dem Fenster wirft, beißt auch relativ schnell was an. Manche Exemplare sind mittlerweile schon so groß wie Katzen.

Zurufvon der SPD: Persönlich gesehen, oder was?

Briefträger und Postboten trauen sich gar nicht mehr in die Gegend, und die offenen Feuer, über denen sich der Hammel dreht, sind der einzige Lichtblick dieses barbarischen Ortes, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Unfassbar!

Oder schauen wir mal aufs sogenannte Horrorhaus in Berlin-Köpenick.

Waren Sie da auch schon mal gewesen?

Es reicht jetzt mal!

Im Juni musste die Polizei anrücken, weil Todesschreie durch das Haus hallten. Eine Roma-Familie war gerade dabei, im Badezimmer drei gestohlene Schafe zu schlachten.

Zurufdes Abg. Esra Limbacher [SPD]
Zurufvom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Rassistisch!

Ein Schaf konnte zum Glück gerade noch gerettet werden. An dieser Stelle mein Dank an die tierliebe Berliner Polizei.

Beifallbei der AfD

Drei aktuelle Beispiele aus drei deutschen Großstädten. Und was sagt die Bundesregierung dazu? Ich zitiere unsere Ministerin Hubertz: „Gutes Wohnen braucht auch ein lebenswertes Wohnumfeld […].“ Da haben Sie ja ausnahmsweise mal was Richtiges gesagt. Darüber freue ich mich. Aber seit wann sorgen denn Rattenangler und Schafeschächter für ein lebenswertes Wohnumfeld, meine Damen und Herren?

Zurufevon der Linken

Das ist unfassbar, Frau Präsidentin!

Es ist Ihre Migrationspolitik aller Altparteien, die schuld daran ist, dass immer mehr Straßenzüge und Viertel zu Gebieten werden, in denen man eben nicht mehr gerne lebt.

Zurufvon der SPD: Sie sind echt eine Schande für dieses Haus!
Zurufder Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Eine vernünftige Bundesregierung würde diese Probleme endlich an der Wurzel packen. Aber diese Bundesregierung geht einen anderen Weg. Sie versucht, die unhaltbaren Zustände in unseren Städten mit Steuergeld zuzukleistern

Sie sind ein Teil des Problems!

und legt dann schön- und wohlklingende Programme wie zum Beispiel „Sozialer Zusammenhalt“ auf. 200 Millionen Euro stehen Ministerin Hubertz dafür im Haushalt zur Verfügung; künftig sind es sogar 250 Millionen Euro.

Ich habe Ihnen ein Beispiel aus der Dortmunder Nordstadt mitgebracht.

Schönes Viertel, muss man dazu sagen!

Herr Kollege, wie oft waren Sie schon mal in Dortmund?

Da gibt es sogenannte Problemimmobilien, in denen die Bewohnerschaft – Zitat – „unterschiedliche Vorstellungen […] vom Zusammenleben“ hat. Zitat Ende.

Lachenbei der AfD

Also wird aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ Geld bereitgestellt, um belastendes Nutzungsverhalten zu beseitigen.

Lachenbei der AfD

Auf gut Deutsch, Klartext, bedeutet das: Offene Stromkabel, Dreck und Müll werden für sage und schreibe 2 Millionen Euro weggeräumt.

Zurufvon der Linken

Das kostet einen Haufen Steuergeld, und nach ein paar Monaten sieht es wieder genau so aus wie vorher, weil keiner von Ihnen sich an die Ursache herantraut, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD

Andere Länder – das muss man so deutlich sagen – sind da wesentlich klüger. In Dänemark beispielsweise greift man hart durch,

Gehen Sie doch nach Dänemark! Das ist so ein Witz!

reißt entsprechende Horrorhäuser einfach ab und sorgt dafür, dass diejenigen, die für solche Zustände verantwortlich sind, in die jeweilige Heimat zurückkehren.

Geht es eigentlich auch ums Bauen gelegentlich, oder ist Ihnen das vollkommen egal?

Gerade Ihnen, der Sie hier so dicke Backen machen, empfehle ich: Fahren Sie gemeinsam mit Ministerin Hubertz zu Ihrer Schwesterpartei, den dänischen Sozialdemokraten! Da können Sie mal Nachhilfe nehmen in puncto Migrationspolitik und Wohnungsbaupolitik. Da können Sie noch viel, viel lernen.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Ruppert Stüwe [SPD]

Und genau diese dänische Konsequenz, die Ihre Schwesterpartei dort an den Tag legt, wollen unsere eigenen Leute hier in Deutschland auch. Die haben nämlich die Schnauze voll von Verfall und Niedergang deutscher Städte.

Zurufvon der SPD: Die haben auch die Schnauze voll von solchen Reden!

Die haben keine Lust mehr auf Rattenangeln und Schafeschächten. Meine Damen und Herren, gehen Sie raus aus Ihrem grün-linken Elfenbeinturm! Hören Sie den Leuten da draußen mal zu!

Sie waren noch in keiner Stadt, die Sie hier erwähnt haben!

Ich zitiere deswegen Yanik Saban, Sohn türkischer Gastarbeiter aus Duisburg. Er hat es gegenüber „Spiegel TV“ so formuliert: Wir wollen nicht hier in Bulgarien oder Rumänien leben. Wir sind hier immer noch in Deutschland. Und das soll auch so bleiben.

Schön abgelesen haben Sie das! Bravo!

Meine Damen und Herren, wie Yanik Saban geht es immer mehr Menschen hier im Land. Sie wollen, dass Deutschland deutsch bleibt.

Wir wollen, dass die AfD verboten wird!

Und wir als AfD-Fraktion werden alles dafür tun, unseren Bürgern ihre Heimat und ihre Stadtviertel wieder zurückzugeben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Verurteilter Straftäter, und dann hier so sprechen!

Herr Münzenmaier, ich kündige hiermit an, dass ich mir Ihre Rede auch noch mal anschaue

Zurufvon der AfD: Sehr gut!

und Ihre Dinge im Kontext sehe, weil es natürlich nicht sein kann, dass hier ganze Bevölkerungsgruppen verunglimpft werden.

Habe ich auch nicht!

Das werde ich mir im Nachhinein noch mal angucken.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Und als Nächstes hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion der Abgeordnete Lars Rohwer.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Lars Rohwer
Foto: Lars Rohwer/ BLEND3/Frank Grätz
11 Vermerkeca. 847 WörterReaktionswert: hoch
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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ein kurzes Wort zu meinem Vorredner.

Na, jetzt aber!

Herr Münzenmaier, Sie in der AfD müssen wirklich mal darüber reden, dass man Reden zum Thema halten muss.

Oh! Von oben herab!

Das war kein inhaltlicher Tiefgang, sondern nur oberflächliches Segeln.

Meine Damen und Herren, nur etwa jeder Dritte ist mit dem Zustand der Demokratie zufrieden. ARD, ZDF und Deutschlandradio haben dies in einer repräsentativen Studie veröffentlicht. Demzufolge sind gar 76 Prozent der befragten Personen besorgt über den Zusammenhalt im Land. Diese Zahlen sind deutlich und weisen auf eine dringende Aufgabe der Politik hin. Wir müssen leisten, was wir ankündigen, insbesondere bei den Grundbedürfnissen der Bürger.

Dann fangen Sie doch mal an!

Doch wo ist der Zusammenhang mit der heutigen Debatte? Kaum etwas ist existenzieller als das Vorhandensein und die Bezahlbarkeit von eigenem Wohnraum oder Mietwohnungen. Parteiübergreifend ist mittlerweile klar: Wohnen ist die aktuelle soziale Frage. Immobilienpreise, Baulandknappheit, steigende Mietpreise und der zunehmende Anteil der Wohnkosten am Haushalt belasten viele Menschen.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ schrieb am Wochenende: „Immer weniger Deutsche glauben an den sozialen Aufstieg“ – der Titel des Artikels: „Vergeblicher Traum vom Eigenheim“. Unsere Antwort hier im Deutschen Bundestag darauf muss lauten: Wir geben den Menschen wieder Mut und machen den Traum von den eigenen vier Wänden wieder möglich. Indem wir den Eigenheimerwerb erleichtern, stärken wir das Leistungsversprechen und den Rückhalt und zugleich das Fundament unserer liberalen Demokratie.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Genau das habe ich auch in der Rede unserer Bundesbauministerin heute hier an diesem Rednerpult gehört.

Nachdem wir in der vergangenen Woche die Hausaufgaben der geschiedenen Ampel erledigt und den Haushalt 2025 beschlossen haben, richten wir jetzt den Blick konsequent nach vorne. Wir kommen in den existenziellen Lebensbereichen zu Verbesserungen, welche die geschiedene Vorgängerregierung versäumt hat – heute und jetzt, beim Wohnen.

Der vorliegende Regierungsentwurf untermauert dies eindrucksvoll. Wir als Union setzen auf Akzente bei der Eigenheimbildung. Wer sein Haus bauen oder kaufen will, dem wollen wir unter die Arme greifen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung ist die Förderung altersgerechten Umbaus etwas, das sich im Haushalt vielleicht noch widerspiegeln sollte.

Bereits genehmigte, aber noch nicht gebaute Wohnungen fördern wir. Das war bereits Thema hier in dieser Debatte. Die im Haushalt 2025 bereitgestellten 59 Millionen Euro für das KfW-Förderprogramm EH55 sind aus meiner Sicht nur der Anfang. Im 2026er-Haushalt brauchen wir noch mehr Licht und Entschlossenheit für das Baugewerbe in unserem Land.

Schneller können wir nicht zu neuem Wohnraum kommen.

Sie sind ja richtig überzeugt von dem, was Sie da vorlesen! Mensch!

Für das kommende Jahr brauchen wir hier ein Ausrufezeichen.

Die Wohneigentumsförderung für Familien hat die Arbeitskoalition im Haushalt 2025 im Parlament leicht steigern können. Auch das werden wir für den 2026er-Haushalt sicher noch mal diskutieren.

Unsere Bundesbauministerin ist ja als Start-up-Gründerin bekannt. Die Smart Regions in unserem Land sind quasi die Start-ups der Verwaltungsdigitalisierung. Das 260 Millionen Euro schwere Bundesprogramm „Smart Cities“ hat deutlich gemacht, warum dies Teil der Daseinsvorsorge sein muss. Die Smart Country Convention hier in Berlin wird sich damit beschäftigen.

Es muss uns gelingen, die bereits entwickelten smarten Lösungen für einen Stufenplan auf einem interaktiven Marktplatz fortzuführen. Dann bleibt dieses Geld, das wir bereits ausgegeben haben, sinnvoll genutzt und in die Fläche geführt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Einzelplans 25 ist das Bauforschungszentrum für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen – auch so ein Start-up für das Baugewerbe in unserem Land. Bereits in der vergangenen Legislatur fasste der Haushaltsausschuss einen Beschluss; auch im Regierungsentwurf sind Mittel vorgesehen.

Die zu klärenden Fragen sind überwunden. Der Gründung des Bauforschungszentrums dürfte nun nichts mehr im Weg stehen. Lasst uns dies also sorgfältig, aber in erster Linie schnell vorantreiben!

Die Reduktion der Baukosten und klimafreundliches Bauen, das sind die zwei Herausforderungen, die vor uns liegen. Hier müssen wir mit der Bauforschung im Land vorangehen.

Mit diesen Haushaltsberatungen legt die Arbeitskoalition ein Konjunkturprogramm gegen Politikverdrossenheit vor. Mit dem Bauturbo, der raschen Gründung des Bauforschungszentrums und dem Haushalt für das kommende Jahr sorgen wir dafür: Deutschland baut wieder. Und wir bauen das Vertrauen in die Politik wieder auf – Stein für Stein, Haus um Haus.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir müssen und werden in der Arbeitskoalition zu guten Ergebnissen kommen. Dabei setzen wir nicht auf ideologischen Zwang, sondern unterstützen die Bürger bei den grundlegenden Bedürfnissen wie dem Eigenheimerwerb. Wir nehmen die Bürger mit und bringen das Land wieder nach vorne.

Vielen Dank und Glück auf!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun das Wort die Abgeordnete Hanna Steinmüller.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hanna Steinmüller
Foto: Hanna Steinmüller/ Julia Bornkessel
7 Vermerkeca. 565 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Es werden ja viele Reden gehalten, Grußwörter, Wahlprogramme geschrieben. Aber zur Wahrheit gehört: Reden ist Silber, und Haushaltstitel sind Gold. Deswegen drückt der Haushalt die wirkliche Prioritätensetzung aus. Hier wird immer viel angemahnt, was man tun sollte; aber ob Dinge wirklich wahr werden, entscheidet sich daran, ob es einen entsprechenden Haushaltstitel gibt.

Dieses Land hat viele Herausforderungen, und aus meiner Sicht geht dieser Haushalt an vielen dieser Herausforderungen vorbei. Ich habe Ihnen dazu drei konkrete Beispiele mitgebracht:

Zum einen die Barrierefreiheit. Deutschland ist ein alterndes Land. Wir wollen, dass die Menschen, solange sie können und solange sie möchten, in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Deswegen ist der Umbau im Bestand ein wahnsinnig wichtiges Thema.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Caren Lay [Die Linke]

Herr Knoerig, Sie haben gerade angesprochen, dass es gut wäre, wenn es ab 2027 dafür ein entsprechendes Programm gäbe. Es gab aber schon eins: „Altersgerecht Umbauen“, und das hat diese Regierung jetzt eingestampft. Das heißt, Menschen, die sich darauf verlassen haben, dass sie einen Zuschuss bekommen, um ihre Badewanne umzubauen, um einen Treppenlift einzubauen oder vieles andere,

können diese Förderung jetzt nicht mehr in Anspruch nehmen.

Das ist im Haushalt der Ampel schon nicht mehr vorgesehen gewesen, Frau Kollegin!

Von daher wäre es viel sinnvoller, das bestehende Programm weiterzuführen, anstatt auf die Zukunft zu verweisen und die Menschen im Regen stehen zu lassen.

Das zweite Beispiel – es ist heute schon ein paar Mal gefallen – sind Studierende und Azubis. Ruppert Stüwe hat gerade gesagt, dass die Mittel für „Junges Wohnen“ verdoppelt werden sollen. Unsere Kleine Anfrage hat gerade ergeben: Das soll aber erst frühestens 2027 passieren.

Sie schreiben in Ihrem Koalitionsvertrag auch von einer „WG-Garantie“. Auch davon ist nichts zu sehen. Es ist zwar total sinnvoll, dass es das Programm „Junges Wohnen“ gibt, aber das ist von einer „WG-Garantie“ noch weit entfernt. Und wir wissen alle: Die Preise für WG-Zimmer explodieren. Im Durchschnitt kostet ein WG-Zimmer ab dem kommenden Semester 500 Euro. Im BAföG sind nur 380 Euro dafür vorgesehen. Auch da ist die Frage: Wie soll das überhaupt funktionieren?

Der dritte Schwerpunkt ist dauerhaft bezahlbares Wohnen. Lisa Paus ist darauf ja schon eingegangen. Wir brauchen einen Investitionszuschuss bei der neuen Wohngemeinnützigkeit. Auch das ist im Koalitionsvertrag vorgesehen. Auch dafür gibt es leider kein Geld. Auch dieses Versprechen wurde leider nicht gehalten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, so ein Bundeshaushalt ist keine reine Zahlenkolonne, sondern er drückt am Ende aus, was umgesetzt wird und was nicht. Deswegen wünsche ich mir sehr, dass aus diesen vielen Reden auch wirklich Haushaltstitel werden. Deswegen drücke ich Ihnen die Daumen für die anstehenden Haushaltsberatungen und hoffe, dass Sie diese großen Herausforderungen noch angehen. Denn egal ob junge Menschen, ob ältere Menschen, ob Menschen, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen: Sie alle zählen auf Sie. Deswegen: Gehen Sie da noch mal ran in den Haushaltsberatungen!

Vielen Dank.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die SPD-Fraktion hat das Wort die Abgeordnete Angelika Glöckner.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Angelika Glöckner
Foto: Deutscher Bundestag / Stella von Saldern
6 Vermerkeca. 414 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich ein Kind vor, das morgens mit seiner Schultasche loszieht. Es freut sich auf den Schwimmunterricht, aber das örtliche Schwimmbad hat geschlossen. Stattdessen fährt es mit dem Bus über Land eine Stunde hin und wieder zurück. Am Ende bleiben vielleicht 20 Minuten im Wasser, und so lernt ein Kind nicht schwimmen. Genau solche Geschichten hören wir an vielen Ecken und Enden überall im Land: Schwimmbäder, die einst voller Leben waren, stehen leer, Turnhallen sind marode, und gleichzeitig – das wurde öfter betont – suchen Menschen nach bezahlbarem Wohnraum.

Werte Kolleginnen und Kollegen, wir lassen das aber nicht einfach so geschehen. Denn – das hat der Haushalt, den Frau Ministerin Hubertz heute vorgestellt hat, klar gezeigt – wir werden den unterschiedlichen und vielfältigen Herausforderungen mit diesem Haushalt gerecht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir sanieren Schwimmbäder, damit Kinder schwimmen lernen, nicht nur aus Büchern, sondern wirklich im Wasser.

Da bin ich gespannt!

Wir schaffen Raum für Bewegung; denn Turnhallen sind Sportstätten, aber auch Treffpunkte und wichtige Orte der Begegnung, Kraftzentren für unsere Gesellschaft. Und wir stärken den sozialen Wohnungsbau. Wir wollen Wohnen bezahlbar, barrierefrei und lebenswert machen. Denn junge Familien, Menschen mit Behinderung und Seniorinnen und Senioren sollen und müssen selbstbestimmt wohnen können.

Wir fördern Genossenschaften und gemeinnütziges Wohnen als Garant für bezahlbaren Wohnraum. Wir unterstützen Familien beim Eigenheim. Und wir helfen Gemeinden und Städten, ihre Ortskerne wieder lebendig zu gestalten und lebendig zu halten. Ob in Pirmasens oder Zweibrücken, Städten meines Wahlkreises, oder in meiner Heimatgemeinde Lemberg, überall gilt: Wo die Ortsmitte lebt, da schlägt das Herz der Gemeinde. Dieser Haushalt wird diesem Umstand gerecht.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Das, meine Damen und Herren, sind keine leeren Worte, und es sind ganz sicher keine ideologischen Worthülsen, wie wir sie eben wieder von ganz rechts gehört haben. Das sind konkrete Maßnahmen, die den Alltag der Menschen konkret verbessern.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Darum geht es in diesem Haushalt: Aus Haushaltszahlen machen wir Wohnungen, in denen Menschen ein Zuhause finden, Sportstätten, in denen Kinder ihre Talente entdecken, Begegnungsorte, an denen Gemeinschaft und Zusammenhalt wächst. Ich danke für den vorgelegten Haushalt und freue mich auf die weiteren Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Als Nächstes hat das Wort für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Volker Scheurell.

Beifallbei der AfD
Porträt von Volker Scheurell
Foto: Volker Scheurell/ Christin Jänicke
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Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Vonseiten der AfD ist Ihr Haushaltsplan genauso zum Scheitern verurteilt wie die vorherigen der Bundesregierung. Man kann mit viel Geld viel machen, aber es muss zielgerichtet sein, um eine nachhaltige Wirkung zu erschaffen. Das sehe ich bei Ihrem Bauturbo im Haushalt nicht.

Ein Haus beginnt mit dem Fundament, doch das Fundament der Bauwirtschaft sind wir, die Handwerker und Zünfte. Doch wie sieht es im Handwerk aus? Lassen Sie es sich berichten von einem, der über 40 Jahre als Tischler und Dachdecker in diesem Land schon gearbeitet hat – von mir.

Von der Wende bis jetzt sind immer mehr bürokratische Auflagen, Genehmigungsverfahren, steigende Gebühren und Steuerabgaben eingeführt worden. Das trägt zur Erhöhung der Baukosten bei. Und jetzt Ihr Lieblingsthema: Fachkräftemangel, wo nur ein Viertel der Wahrheit berichtet wird. Wir von der Kreishandwerkerschaft und der Zunft gehen gezielt auf Ausbildungsmessen und in die Schulen. Und siehe da: Wir bekommen aus unserer Region genug Auszubildende. Ja, wenn da nur die Rahmenbedingungen von Land und Bund stimmen würden. Unsere aktuellen Probleme: kein funktionierender ÖPNV.

Durch Stilllegung und kompletten Rückbau von Bahnstrecken ist der ländliche Raum mehr und mehr von den Metropolen abgeschnitten. Unter diesen Bedingungen sollen nun unsere Auszubildenden ihre Ausbildung absolvieren. Wir von der AfD haben in den ostdeutschen Ländern Anträge für eine Kostenübernahme des Führerscheins von Auszubildenden in Höhe von 1 000 Euro eingebracht; doch die Altparteien haben es abgelehnt.

Ja, nun könnten die Auszubildenden in Lehrlingswohnheimen untergebracht werden, wenn da nicht 9 000 Internatsplätze fehlen würden; und das Problem besteht seit Jahrzehnten.

Diese Umstände führen dazu, dass Ausbildungen nicht beginnen oder abgebrochen werden. Solche Zustände verhindern Berufsabschlüsse. Das ist nur die Tatsache aus meinem Wahlkreis in Sachsen-Anhalt. In anderen Bundesländern wird es auch nicht viel besser aussehen.

Doch dem Fachkräftemangel möchten Sie komplett anders entgegentreten: durch Zuwanderung und Abwerbung von jungen Menschen aus anderen Ländern. Da sind natürlich Internatsplätze vorhanden und Rundumbetreuung. Das führt zu einer Schlechterstellung unserer eigenen Auszubildenden.

Wo bleibt die Erfüllung des Versprechens bei Ihrer Vereidigung? – Zum Wohle des deutschen Volkes! Das auf Schulden basierte Kartenhaus ohne Fundament wird zusammenkrachen, und wir stehen in einem noch größeren Scherbenhaufen als je zuvor. Die Regierung hat viele offene Baustellen, und das, was noch funktioniert, ist akut einsturzgefährdet. Und wer soll Deutschland wieder aufbauen?

Migranten!

Natürlich wir.

Einen lieben Gruß der Zunft zu Fuß!

Beifallbei der AfD

Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun der Abgeordnete Klaus Mack das Wort.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Klaus Mack
Foto: Klaus Mack/ Steffen Kugler
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir sprechen heute im Rahmen des Bundeshaushalts 2026 über Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und damit über das Fundament unseres Landes, unsere Kommunen. Mit dem Bundeshaushalt 2026 setzen wir den bereits eingeschlagenen Kurs fort. In strukturell wichtigen Bereichen steigen die kommunalrelevanten Haushaltspositionen. Der Bund wird wieder ein Partner, auf den sich Landkreise, Städte und Gemeinden verlassen können, und das ist keine Eintagsfliege, das ist ein Trend, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Nicht weniger als über 99 Milliarden Euro stehen bereit mit direktem oder indirektem kommunalem Bezug, und damit kommt unsere Politik vor Ort an. Das ist Geld, das wirkt, Geld, das ankommt, Geld, das Vertrauen schafft. Das ist keine Formel, das ist Verantwortung, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben zahlreiche Sonder- und Förderprogramme. Aber Kommunen brauchen keine Mikromanagementvorgaben. Darum ist es richtig, dass wir zum Beispiel bei der Sportmilliarde einen neuen Weg gehen: Mittel als Festbeträge, eigenverantwortlich vor Ort eingesetzt. So stärken wir die Investitionskraft, so stärken wir die kommunale Selbstverwaltung; denn Rathäuser brauchen keine Belehrungen aus Berlin, sie brauchen Spielräume, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Deshalb werden wir Förderprogramme straffen und freiwerdende Investitionsmittel direkt an die Kommunen geben. Wir wissen, im Haushalt 2026 ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Das ist nachvollziehbar, denn die Förderstruktur ist auch komplex; aber ich sage ganz klar: Für 2027 müssen wir liefern. Daran arbeiten wir, damit Mittel eben nicht in Antragsordnern, sondern auf den Baustellen wirken, meine Damen und Herren.

Doch Einnahmen alleine reichen eben nicht. Die Ausgaben der Kommunen steigen schneller: im Sozialbereich, im Personalbereich, bei den Pflichtaufgaben, die Jahr für Jahr wachsen, aber nicht auskömmlich finanziert sind. Mir sagte letzte Woche ein Oberbürgermeister aus Baden-Württemberg: Toll, dass wir vermutlich 3 Millionen Euro aus dem Infrastrukturpaket des Bundes bekommen; aber durch gestiegene Krankenhauskosten und höhere Sozialkosten steigt eben auch die Kreisumlage um 6 Millionen Euro und belastet damit den kommunalen Haushalt.

So sieht es aus!

Darum sage ich: Wir müssen strukturell ran: Aufgaben überprüfen, Standards hinterfragen und vor allem Bürokratie abbauen.

Der Zukunftspakt von Bund, Ländern und Kommunen ist deshalb entscheidend.

Zurufdes Abg. Pascal Meiser [Die Linke]

Wir müssen den Mut haben, zu fragen: Welche Aufgaben gehören wirklich in die Kommune? Welche Aufgaben können zentral effizienter erledigt werden? Welche Standards sind noch zeitgemäß? Und wie können wir durch Digitalisierung effizienter werden?

Wir wollen die Ausgabendynamik im Sozialbereich durchbrechen. Grundlage dafür ist die Reform des Sozialstaates. Gesundheit, Pflege, Rente, Bürgergeld, aber auch Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe: Wir brauchen wieder mehr Handlungsspielräume und weniger Zettelwirtschaft. Sonst erstickt die kommunale Selbstverwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bundeskanzler Friedrich Merz hat es ja letzte Woche hier an dieser Stelle deutlich gemacht: Wir werden diese Reformen jetzt angehen und verhindern, dass die Sozialausgaben noch den letzten kommunalen Haushalt sprengen.

Nun habe ich auch die Vorredner der Opposition aufmerksam verfolgt: Die AfD will die Grundsteuer abschaffen – das wäre ja völlig abstrus –,

Zurufevon der AfD

Die Linke will am liebsten alles sozialisieren, und die Grünen haben vorletzte Woche den Antrag „Vor Ort gut leben“ eingebracht. Darin zeigt sich auch die wahre Haltung für die Menschen vor Ort; denn bei Ihnen beschränkt sich das gute Leben auf Klimaschutz, Fahrradwege, ÖPNV. Das alles sind Beispiele für eine Politik mit der Berliner Brille: Vorgaben von oben, aber kaum Vertrauen in die Kommunen selbst.

Zurufvon der AfD

Doch unser Land entscheidet sich nicht anhand von Ideologiepapieren, sondern es entscheidet sich in den Rathäusern, in den Bauämtern und Gemeinderäten. Darum sage ich: Wir stärken mit diesem Haushalt die Kommunen – finanziell, strukturell, dauerhaft.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Man sagt ja: Wer den Hafen nicht kennt, für den weht kein Wind günstig. – Wir als Koalition kennen aber unseren Hafen: Das sind starke Kommunen. Und zu diesem Hafen gehört natürlich auch eine starke wirtschaftliche Entwicklung; denn nur wenn die Wirtschaft wächst, wachsen auch die Einnahmen.

Da tut ihr ja alles, dass das nicht funktioniert!

Nur dann haben die Kommunen die Mittel, die sie brauchen. Und wir können hier im Bundestag noch so tolle Dinge beschließen, aber wenn vor Ort das Schwimmbad schließt, wenn Grünanlagen vermüllen, wenn Plätze unsicher wirken,

Richtig! Das Ergebnis eurer Politik ist das!

dann verlieren die Menschen das Vertrauen in unseren Staat. Deshalb brauchen wir Handlungsspielräume vor Ort, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, wir investieren mit diesem Haushalt dort, wo es zählt: mehr Mittel für Katastrophenschutz und Rettungsdienste, mehr Geld für die Grundsicherung im Alter. Wir stärken den sozialen Wohnungsbau, und wir investieren wieder mehr in Kinder und Familien. Wir investieren 25 Milliarden Euro in klimafreundliche Infrastruktur. So werden unsere Städte und Gemeinden fit werden für die Zukunft.

Zurufevon der AfD

Dieser Haushalt, meine Damen und Herren, ist ein klares Bekenntnis: Der Staat steht zu seiner Verantwortung, und er tut es gemeinsam mit den Landkreisen, den Städten und Gemeinden. Das ist die Botschaft dieses Bundeshaushalts 2026: Wir stärken die Demokratie, wir stärken das Vertrauen in unseren Staat. Starke Kommunen werden ein starkes Deutschland. So bringen wir Deutschland voran.

Haben Sie herzlichen Dank!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Otto Strauß.

Beifallbei der AfD
Porträt von Otto Strauß
Foto: Otto Strauß
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Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Stadtentwicklung zeigt: Diese Bundesregierung hat keinen Plan, keine Linie und keine Strategie, stattdessen einen Flickenteppich kleiner Programme: „Jung kauft Alt“, „Gewerbe zu Wohnen“, „Klimafreundlicher Neubau“. Viel Papier, wenig Wirkung. Wir sagen: Schluss mit diesem Förderdschungel! Unsere Kommunen brauchen keine ständig wechselnden Fördertöpfe, sie brauchen Planungssicherheit,

Beifallbei der AfD

verlässliche Regeln, weniger Vorschriften, schnellere Genehmigungen, steuerliche Entlastungen für Investoren.

Stadtentwicklung muss sich an den Menschen orientieren, nicht an utopischen Klimazielen. Neue Baustandards, immer höhere Auflagen: So macht man Bauen unbezahlbar. Die Lösung ist klar: Entbürokratisierung, Schluss mit überzogenen Bauvorschriften.

Beifallbei der AfD

Und dann das Thema Migration: Sie ignorieren den größten Treiber der Wohnungsnot. Jedes Jahr 100 000 zusätzliche Menschen benötigen eben auch jedes Jahr zusätzlich 100 000 Wohnungen. Wie schwer ist das eigentlich zu verstehen?

Wer ehrlich über Stadtentwicklung spricht, muss Migration endlich beenden, bis wir unseren Wohnungsmarkt geregelt haben und dieser Bedarf und diese Not und diese Anspannung nicht mehr vorhanden sind.

Beifallbei der AfD
Zurufder Abg. Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Alles andere ist doch Augenwischerei.

Sie schauen nur auf Metropolen und Ballungsräume. Aber was ist mit den Kleinstädten, mit dem ländlichen Raum? Dort herrscht Abwanderung, Arbeitslosigkeit, schwache Infrastruktur. Wer glaubt, diese Regionen seien automatisch stabil, der irrt. Gleichwertige Lebensverhältnisse brauchen endlich mehr Mittel für diese Regionen, nicht nur für Großstädte.

Auch die Mietpreisbremse ist gescheitert. Kein Handwerker macht eine Sache zweimal, wenn sie beim ersten Mal schon nicht funktioniert hat. Und Sie machen es jetzt zum dritten Mal.

Beifallbei der AfD

Schon in der DDR ist das Deckeln der Miete gescheitert. Die Eigentümer konnten ihre Häuser, die total runtergekommen waren, nicht mehr erhalten und schenkten sie sogar dem Staat. Das ist linke Politik, das ist Sozialismus, und das funktioniert eben nicht.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der Linken: Sie kennen es ja gar nicht!

Berlin zeigt es auch heute ganz deutlich: Familien, Geringverdiener, Alleinerziehende bleiben außen vor. Entscheidend sind Einkommen und Bonität.

Das ist Kapitalismus und nicht Sozialismus! Nichts verstanden!

Das ist keine soziale Gerechtigkeit, das ist soziale Ausgrenzung.

Und die Kommunen? Sie werden übergangen, oft zu spät oder gar nicht eingebunden. Dabei wissen die Städte und Gemeinden am besten, was sie brauchen: Der Bund soll den Rahmen setzen, aber nicht in jedes Detail hineinregieren. Wir brauchen keine Fünfjahrespläne wie in der DDR.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der Linken: Doch!

Die Realität ist: Unsere Kommunen ächzen unter Ihrer Politik. Sie bluten finanziell und organisatorisch durch Ihre Migrationspolitik aus.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich ende bewusst wie schon letzte Woche: Wohnen ist ein Grundrecht. Wer dieses Land zukunftsfest machen will, muss dafür sorgen, dass Menschen bezahlbar wohnen können – in Köln, in Dortmund und auch in meiner Heimat im Sauerland. Die Probleme sind bekannt. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Es ist höchste Zeit, dass Sie endlich handeln. Wir als AfD hätten das schon lange getan.

Beifallbei der AfD
Lachenbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Als letzte Rednerin in dieser Debatte hat nun das Wort für die CDU/CSU-Fraktion die Abgeordnete Mechthilde Wittmann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Mechthilde Wittmann
Foto: Mechthilde Wittmann/ Ralf Lienert
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Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Nachdem wir letzte Woche sehr erfolgreich den Haushalt 2025 abgeschlossen haben, starten wir unmittelbar in das Jahr 2026. Wir haben es heute schon ansatzweise gehört: Im Gegensatz zu dem davorliegenden Haushalt im Baubereich, nämlich 2024, dem letzten Ampelhaushalt, können wir diesen sogar um fast 1 Milliarde Euro steigern. Ich glaube, das ist ein Aufschlag, der Deutschland voranbringen wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine lieben Kolleginnen von den Linken, ich habe es mir letzte Woche aus reiner Kollegialität gespart.

Dann mal los!

Weiterer Zurufvon der Linken: Oi!

Aber nach Ihrem theatralischen Schauspiel, das Sie heute abgezogen haben, darf ich Ihnen eines sagen: Der Hauptberichterstatter von den Linken für den Bauhaushalt ist Kollege Sascha Wagner.

Zurufvon der Linken: Na und?

Im mehrere Stunden andauernden Berichterstattergespräch – sehr geehrte Frau Bauministerin, mein Dank geht an Ihr Haus für die Langmut, für die Ausführlichkeit, die Intensität und das Nichtmüdewerden, bohrende Fragen zu beantworten – hat Ihr Hauptberichterstatter kein einziges inhaltliches Wort geäußert, kein einziges!

Ich würde an Ihrer Stelle erst mal da anfangen, wo man für Ihre Sache arbeiten kann, anstatt hier ein Theater abzuziehen, das nicht hinterlegt ist von irgendwelchen tatsächlichen Einbringungen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Was für ein Schwachsinn!

– Das ist kein Schwachsinn, das war halt einfach so. Sie waren ja nicht dabei, aber wir – Herr Kollege Stüwe, Frau Kollegin Paus – waren dabei. Und deswegen: Lassen Sie es in Zukunft. Kommen Sie lieber dazu, dass sich Ihr Herr Kollege auch einbringt, wenn er glaubt, dass etwas nicht in seinem Sinne läuft.

Zurufvon der Linken

Wir haben im letzten parlamentarischen Verfahren einiges gemeinsam auf den Weg bringen können. Ja, wir haben EH55 noch einmal förderfähig gemacht. Warum haben wir das gemacht? EH55, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist bei den Baukosten halt 15 Prozent billiger. Wir haben einen Bauüberhang von 24 000 geplanten Vorhaben, die sofort starten können, wenn die Menschen wieder Luft haben, um mit dem Bauen zu beginnen. Genau das wollen wir erreichen. Jetzt muss es losgehen. Jetzt müssen die Menschen spüren, dass wir etwas tun. Jetzt brauchen die Baufirmen Arbeit. Jetzt muss angepackt werden. Mit EH55 konnten wir das verwirklichen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Und deswegen wollen und werden wir das auch für den kommenden Haushalt angehen, dass wir die entsprechende Förderfähigkeit für den Abbau dieses Bauüberhangs darstellen.

Wir haben für uns – es muss ja auch mal was richtig Feines geben – die Sportmilliarde zur Verwaltung in den Haushalt geholt. Jawohl, da werden wir in unseren Wahlkreisen schauen, in denen viele von uns direkt gewählt sind, in denen die Menschen ihnen mehrheitlich das Vertrauen ausgesprochen haben, dass sie da ankommt, wo die Menschen sich treffen, dort, wo sie miteinander Sport betreiben, wo sie eine Schwimmhalle brauchen, wo sie auf einem Hockeyplatz miteinander spielen, einen Fußballbolzplatz mit einem Tor versehen können usw. usf. Das ist gut untergebrachtes Geld: direkt in den Kommunen, direkt bei den Menschen. Und da freue ich mich sehr, dass wir beide, lieber Herr Stüwe – ich glaube, er nimmt Sie auch mit, Frau Paus, wenn Sie brav sind –,

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU

ein Auge darauf haben können, dass es auch richtig angelegt wird, damit die wirklich da ankommt, wo sie hinsoll.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ja, uns ist ganz, ganz wichtig, dass wir das Wohnungseigentum für Familien stärken. In jungen Jahren können Familien investieren. In jungen Jahren sind sie kreditwürdig. Aber in jungen Jahren müssen wir Ihnen auch ein Stück weit helfen, damit das noch nicht so hohe Einkommen von uns ergänzt wird.

Wohnungseigentumsförderung, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist mehr als ein Einfamilienhaus. Das ist manchmal nur die kleine Wohnung. Aber es ist Alterssicherung in frühen Jahren. Es ist ein bisschen Zwangssparen, wenn man das angehen kann, aber es ist etwas, was man für sich selbst hat, etwas, was man weitergibt an die Familie, an die Kinder. Es ist Vermögensaufbau, es ist Kapitalbildung. Es ist – leider je nach Betrachtungsweise in unserem Land – tatsächlich Wertsteigerung, wenn sie das anlegen können. Und es ist Inflationsschutz. Es gibt Sicherheit und Freiheit. Es ist das, was wir haben wollen. Mit diesem kleinteiligen Wohnen stärken wir sowohl den ländlichen Raum, aber auch die Kommunen, da ja in den Ortskernen gewohnt werden soll, damit sie lebendig bleiben. Und deswegen, lassen Sie uns da noch mal einen weiteren Aufschlag im weiteren Verfahren machen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ja – es wurde richtigerweise angesprochen –, die Frage des Förderns hängt ganz oft am komplizierten System. Und deswegen haben wir uns schon im letzten Haushalt geeinigt: Wir werden dieses Fördersystem, hauptsächlich über die KfW abgewickelt, auf zwei Stränge reduzieren – das eine ist der Neubau, das andere ist die Sanierung im Altbau – und versuchen, diese so zu vereinfachen, dass diese Förderprogramme auch angenommen und abgerufen werden können; denn dafür legen wir sie ja auf. Deswegen möchten wir, dass sie auch in Anspruch genommen werden.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Es wurde schon angesprochen, wir haben wieder mehr Mittel für den Städtebau zur Verfügung. Wir sind bei 1 Milliarde Euro gelandet. Städtebau ist mehr als Stadt. Es war – das lassen Sie mich einfügen – 2010 Peter Ramsauer, der eingeführt und durchgesetzt hat, dass es auch den ganz kleinen Kommunen zur Verfügung steht, dass auch die kleinen Gemeinden davon profitieren können, weil sie etwas tun müssen, aber oft die Mittel nicht zur Verfügung haben, weil schon weniges viel abruft, was eine Gemeinde zu sehr bindet. Und deswegen, glaube ich, tun wir gut daran, weil es über das ganze Land geht, wenn wir Städtebau, kleine und große Kommunen fördern.

Und schließlich und endlich: Ja, wir machen einen großen Aufschlag im sozialen Wohnungsbau. Jetzt wissen Sie seit letzter Woche, dass ich immer gerne sage: Aber wir wollen, dass die Menschen dann aus dem sozialen Wohnungsbau rauswachsen, dass sie sich damit ein Stück weit selber auf die Füße stellen können.

Zurufvon der Linken

Aber dennoch ist es uns ganz, ganz wichtig, dass diese Menschen dieses Recht auf Wohnen, diesen berechtigten Wunsch auf Existenzsicherung im sozialen Wohnungsbau zunächst erreichen können. Wir machen hier einen großen Aufschlag. Das ist insbesondere in den Kommunen, in den Metropolen ein großes Problem. Aber genau deswegen tun wir dieses auch; da haben Sie uns an Ihrer Seite. Damit wir hier weiter vorankommen, wollen wir niedrigschwellig – ich weiß, das mögen Sie gerne – den Genossenschaftsbau ein Stück weit wieder mit anpacken,

und dann landen Sie hoffentlich bei uns. Dann haben wir die Familien und die Menschen da, wo wir sie haben wollen: dass sie nämlich eigenständig in der Lage sind, sich selbstständig zu entwickeln.

Zurufvon der Linken: Mietendeckel!

Und dazu gehört natürlich auch das Programm „Junges Wohnen“. Wir wollen, dass unsere Menschen gute Bildung, gute Ausbildung haben. Die beginnt schon damit, dass sie sich keine Sorgen darüber machen müssen, wo und wie sie dieses Wohnen überhaupt finanzieren können. Deswegen wollen wir, dass sie Ruhe haben beim Jobben, wenn es um den Wohnraum geht. Der Urlaub muss dann schon „erjobbt“ werden. Aber dafür, dass sie gut wohnen können, wenn sie in der Ausbildung stecken, haben wir dieses Programm verstärkt. Und das ist eine gute Verstärkung.

Last, but not least: Jawohl, wir denken an das altersgerechte Umbauen. Da setzen wir uns noch mal dran. Das muss noch einmal angeschaut werden. Das brauchen wir für unsere Senioren, die wir natürlich nicht vergessen.

Ich freue mich auf die Beratungen mit Ihnen.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD
Porträt von Nina Warken
Foto: Nina Warken/ Tobias Koch
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Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren heute den Gesundheitsetat des Haushalts 2026. Dabei geht es um viel. Denn Gesundheit ist uns nicht nur viel wert, wir lassen uns diese Gesundheit auch etwas kosten. Das Statistische Bundesamt hat vor wenigen Wochen die Zahlen für das vorletzte Jahr veröffentlicht. Demnach liegen die Gesundheitsausgaben bei rund 6 000 Euro pro Kopf. Sie haben sich damit in 20 Jahren mehr als verdoppelt. Aber: Wir haben auch nicht mehr die gleiche Versorgung wie vor 20 Jahren. Der medizinische Fortschritt ist seither immens. Therapiemöglichkeiten etwa in der Krebsmedizin sind heute in vielen Bereichen erfolgversprechender. Das ist gesundheitlicher Fortschritt, und es ist richtig, dass die Menschen in unserem Land daran teilhaben.

Beifallbei der CDU/CSU

Auch die Löhne der Beschäftigten, etwa in der Pflege, sind in den letzten 20 Jahren überdurchschnittlich gestiegen. Und auch das ist eine richtige Entwicklung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Wenn wir die wachsenden Gesundheitsausgaben ins Verhältnis setzen zum allgemeinen durchschnittlichen Bruttoverdienst, stellen wir fest: Dieser ist im gleichen Zeitraum nur um rund 60 Prozent gestiegen, im Gegensatz zu über 100 Prozent Steigerung bei den Gesundheitsausgaben. Das spüren die Bürgerinnen und Bürger, und damit kommen wir zur Kehrseite der Medaille. Schon fast zur Routine geworden ist der Brief zum Jahreswechsel, wenn die Krankenversicherung eine Beitragserhöhung ankündigt. Das belastet nicht nur die privaten Haushalte zusätzlich, sondern auch die Arbeitgeber. Wir haben uns daher vorgenommen, liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Spirale endlich zu durchbrechen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Unsere verlässliche Gesundheitsversorgung in Deutschland ist ein Standortvorteil. Aber wir müssen aufpassen, dass die steigenden Lohnnebenkosten nicht zum Standortnachteil werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Lina Seitzl [SPD]

Die Arbeitsstunde in Deutschland wird auch durch die Lohnnebenkosten immer teurer, und das kann so nicht weitergehen. Es muss uns ebenso zu denken geben, dass unsere Gesundheitsausgaben höher sind als in jedem anderen Land der Europäischen Union, ohne damit bessere Ergebnisse bei der Gesundheit der Bevölkerung zu erreichen. Das heißt für uns: Einnahmen und Ausgaben müssen wieder in ein besseres Verhältnis zueinander gebracht werden. Das System benötigt eine neue Balance.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Dagmar Schmidt [Wetzlar] [SPD]

Daran, liebe Kolleginnen und Kollegen, arbeiten wir seit einigen Monaten: erstens, indem wir Kommissionen für Kranken- und Pflegeversicherung berufen haben, um die Systeme auf den Prüfstand zu stellen und Vorschläge zügig und ohne Denkverbote zu erarbeiten, zweitens, indem wir wichtige und notwendige strukturelle Reformen anpacken. Für beides, für die finanzielle Ausstattung von GKV und SPV und ebenso für die Strukturreformen brauchen wir die Zusammenarbeit in der Regierung und die Unterstützung des Parlaments, liebe Kolleginnen und Kollegen.

In der Bundesregierung sind wir dazu in gutem Austausch. Wir werden anhand des Bedarfs – die Zahlen liegen im Herbst vor – Lösungen finden. Gleichzeitig ist es mir sehr wichtig, dass wir auch mit dem Parlament in einem engen Austausch sind; denn die vor uns liegenden Aufgaben können wir nur gemeinsam bewältigen.

Beifallder Abg. Emmi Zeulner [CDU/CSU]

Aber was ist zu tun? Ein wichtiger Ansatz, für den wir gemeinsam praktikable Lösungen finden wollen, ist die bessere Patientensteuerung. Die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte in Deutschland ist hoch, ohne dass wir dadurch gesünder wären oder länger lebten als Menschen in benachbarten Ländern. Auf der anderen Seite schildern immer mehr Patientinnen und Patienten, dass sie lange auf einen Facharzttermin warten müssen. Unser Auftrag ist es, die Struktur so zu verändern, dass die Menschen weniger und dafür zielgerichteter Arztpraxen aufsuchen.

Wir dürfen aus meiner Sicht aber nicht den Eindruck erwecken, als wären die Menschen, die einen Arzt konsultieren wollen, das Problem. Unsere Strukturen machen es eben nicht immer leicht, sofort an die richtige Stelle im System zu gelangen. Hinzu kommt, dass der Informationsfluss zwischen den einzelnen Behandlern oft zäh ist. Wenn die eine Hand nicht weiß, was eine andere vielleicht schon getan hat, dann werden Extrarunden gedreht, für die uns Ressourcen fehlen – personell und finanziell.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass die Patientinnen und Patienten ab dem 1. Oktober einen Anspruch darauf haben, ihre elektronische Patientenakte befüllen zu lassen. Ich möchte alle bitten, davon regen Gebrauch zu machen. Nutzen Sie die ePA! Wir sollten sie jetzt schnell zu unserem persönlichen Gesundheitshelfer werden lassen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Indem wir sie mit Informationen ausstatten, vermeiden wir unnötige Doppeluntersuchungen, die Zeit und Geld kosten. Und wenn Informationen, zum Beispiel über eingenommene Medikamente, schnell abrufbar sind, dient das unmittelbar der Patientensicherheit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben konkrete Vorhaben, mit denen wir den Patienten helfen, in die passende Versorgungsebene zu gelangen. Ich nenne vier Beispiele.

Erstens wird die umstrukturierte Krankenhauslandschaft einen Beitrag zur Patientensteuerung leisten. Dafür werden wir die begonnene Krankenhausreform umsetzen und zugleich praxistauglicher machen. Wir brauchen mehr Spezialisierung bei besserer Qualität. Aber neben besserer Aufgabenteilung braucht es auch eine flächendeckende medizinische Grund- und Notfallversorgung. Gerade Ältere, die auf dem Land wohnen und nicht mehr so mobil sind, haben Sorge, dass die Anfahrtswege zu lang werden.

Wenn in der Öffentlichkeit diskutiert wird, ob das örtliche Krankenhaus Bestand hat, dann löst das verständlicherweise Ängste aus. Das können wir, glaube ich, alle gut nachvollziehen. Deswegen geht es auch darum, Patientinnen und Patienten in diesem Veränderungsprozess mitzunehmen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Denn es ist eine Tatsache, dass auch weite Wege, etwa zu einer spezialisierten Klinik für eine komplexe Operation, am Ende der Patientensicherheit dienen. Dabei machen wir gleichzeitig klar: Basisversorgung wird weiterhin auf kurzem Wege erreichbar sein.

Deshalb werden wir, zweitens, den Notfall- und Rettungsdienst neu aufstellen und digital vernetzen. Auch hier geht es darum, besser zu steuern: Wer benötigt Soforthilfe? Wer hat ein weniger akutes Problem und ist vielleicht besser beim Facharzt aufgehoben?

Schließlich planen wir, drittens, die Einführung eines Primärversorgungssystems. Wir wollen damit die heute schon bedeutende Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte als erste Anlaufstelle und zentrale Ansprechpartner für die gesundheitlichen Probleme der Patientinnen und Patienten weiter stärken. Darin sehen wir viel Potenzial, etwa schnellere fachärztliche Versorgung durch kürzere Wartezeiten oder das Vermeiden unkoordinierter Facharztbesuche und letztlich wirkungsloser Doppeluntersuchungen. Wir werden mit den Praktikern mögliche Vorschläge sorgfältig durchdenken. Wir möchten auf keinen Fall unnötigen Flaschenhals schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns da eine echte Verbesserung gelingt.

Eine bedeutende Rolle werden, viertens, auch die Apotheken spielen. Deshalb haben wir vor wenigen Tagen den Fahrplan für die Apothekenreform vorgelegt.

Zurufder Abg. Katalin Gennburg [Die Linke]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Abschluss möchte ich noch auf ein Thema zu sprechen kommen, das im Haushalt 2026 neu ist. Wir haben uns im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass wir der Frauengesundheit verstärkte Aufmerksamkeit widmen wollen.

Aber die Männer vergessen wir mal nicht!

Das tun wir, und wir werden dafür auch neue Förderrichtlinien veröffentlichen. Frauengesundheit ist kein Nischenthema, sondern geht die ganze Gesellschaft an.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich auf die weiteren Beratungen im parlamentarischen Verfahren und bitte auch um Ihre Unterstützung, um für die Versorgung der Menschen das Bestmögliche zu erreichen.

Herzlichen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Für die AfD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Martin Sichert.

Beifallbei der AfD
Porträt von Martin Sichert
Foto: Büro MdB Sichert / Büro MdB Sichert
24 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.557 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wer Auto fährt, wie Merz Politik macht, nämlich ständig rechts blinken und dann links abbiegen, dem würde man den Führerschein entziehen und ihn zum Idiotentest schicken. Merz sagte im Wahlkampf einen typisch rechten Satz, nämlich: „Der Staat hat […] kein Einnahmeproblem, sondern ein […] Ausgabenproblem.“ Direkt nach der Wahl hat Merz die Ausgaben in einer Geschwindigkeit hochgeschraubt wie kein Kanzler vor ihm. Erst rechts geblinkt und dann scharf links abgebogen.

Doch obwohl die neue Koalition die größte Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik beschlossen hat, bekommt sie den Hals nicht voll. Die CDU will jetzt die Zuzahlungen bei Ärzten erhöhen. Dabei können sich viele Bürger gute Gesundheit finanziell eh nicht mehr leisten, weil die Zuzahlungen jetzt schon zu hoch sind.

Dann haben Sie den Vorschlag nicht verstanden!

Besonders viel Zuzahlung soll künftig leisten, wer als Bürger direkt zum Facharzt geht. 200 Euro soll das künftig kosten, wie der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion kürzlich gefordert hat – 200 Euro!

Zurufdes Abg. Albert Stegemann [CDU/CSU]

Damit wird der Besuch beim Facharzt zum Luxusgut, das sich nur noch wenige leisten können.

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Noch im Koalitionsvertrag hieß es, dass Prävention gestärkt werden soll. Eine extra Zuzahlung für den direkten Gang zum Facharzt ist genau das Gegenteil davon. Denn wer regelmäßig zum Frauenarzt zur Brustkrebsvorsorge, zum Urologen zur Prostatauntersuchung oder zum Hautarzt zur Hautkrebsvorsorge geht, soll dann künftig durch eine Zuzahlung bestraft werden. Statt Prävention gibt es nun Sanktionen für Bürger, die zur Vorsorge gehen. Die Hersteller von Krebsmedikamenten freut diese Politik sicherlich. Für die Gesundheit der Menschen ist es eine Katastrophe.

Beifallbei der AfD

Nichts verstanden! Nichts!

Ohnehin will das Gesundheitsministerium mittelfristig alle zwingen, erst zum Hausarzt zu gehen, bevor sie zum Facharzt dürfen. Es dauert dann also künftig noch länger, bis den Menschen vom Facharzt geholfen wird. Die vor wichtigen Eingriffen elementare Zweitmeinung ist dann künftig auch Geschichte; denn man bekommt ja nur einen Termin bei einem Facharzt. Statt freier Arztwahl künftig sozialistische Mangelverwaltung im Gesundheitswesen.

Realitätsverweigerung!

Und genau das ist der Unterschied zwischen rechter und linker Politik. Linke Politiker nehmen den Leistungsfähigen einer Gesellschaft ständig mehr Geld aus der Tasche, während rechte Politiker die Bürger entlasten.

Beifallbei der AfD

Linke bestrafen Leistung, und Rechte belohnen Leistung. Das ist der ganz einfache Unterschied zwischen rechts und links und der Grund, warum nationale genau wie internationale Sozialisten Linksextreme sind. Rechte wollen eine gerechte Entlastung, während CDU und CSU die Menschen linken, indem sie ihnen vor der Wahl versprechen, dass es Wohlstand gibt – und sie danach verarmen.

Wir von der AfD wollen die Bürger entlasten: Solidaritätszuschlag, Rundfunkgebühren, Erbschaftsteuer, CO2-Steuer, Grundsteuer wollen wir abschaffen und die Einkommensteuer senken sowie den Grundfreibetrag erhöhen. Wir wissen auch, welche Ausgaben wir einsparen, um das zu finanzieren, nämlich: Schluss mit Kriegstreiberei, Entwicklungshilfe und Einwanderung in unser Sozialsystem!

Beifallbei der AfD

Wir betreiben solide Politik. Bei uns bekommen die Bürger nach der Wahl, was sie vorher gewählt haben – ganz im Gegensatz zu den anderen Parteien von der CDU bis nach ganz links, die sich nur immer neue Wege ausdenken, wie sie die Bürger belasten können.

Ihr Bürgermeister hat zum Beispiel die Kindergartenbeiträge nicht gesenkt!

Der CDU-Staatssekretär im Gesundheitsministerium zum Beispiel will die Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse – –

Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Unionsfraktion.

Rednerwechsel

Gerne.

Rednerwechsel

Vielen Dank, Herr Kollege Sichert, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben von rechten Politikern gesprochen; das ist ja generalisierend. Ihr Kollege Hannes Loth, Bürgermeister von Raguhn-Jeßnitz, Mitglied der AfD,

Was hat das mit dem Gesundheitsetat zu tun?

hat innerhalb von sechs Monaten nach Amtsantritt sowohl die Kitabeiträge als auch die Gewerbesteuer erhöht.

Beifallder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Jetzt möchte ich mal fragen, ob für diesen Kollegen Ihre Generalisierung nicht gilt und ob es da eine Ausnahme gibt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Rednerwechsel

Wissen Sie, Herr Kollege: Die Frage bei einem Bürgermeister ist immer, welchen Spielraum Sie ihm seitens der Bundespolitik lassen.

Lachenbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aber das weiß er ja vorher! Das wusste er ja vorher!

Welchen Spielraum lassen Sie denn den Bürgermeistern und den Kommunen?

Nee! Jetzt sind Sie mal ertappt! Wo die Bürger so blöd sind, Sie zu wählen, werden sie von Ihnen verarscht am Ende!

Wie sieht es beispielsweise im Bereich der Pflege aus, wo wir viele Kommunen haben, die einen hohen Beitrag zahlen müssen? Damit bringen Sie die Bürgermeister und die Kommunen landauf, landab in entsprechende finanzielle Nöte. Diese finanziellen Nöte müssten nicht sein, wenn Sie auf Bundesebene endlich eine vernünftige Politik machen würden. Und da sollten Sie sich mal bitte an die eigene Nase fassen.

Beifallbei der AfD

Ganz, ganz, ganz schwach!

Ihr CDU-Staatssekretär im Gesundheitsministerium will die Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse deutlich reduzieren.

Gut, dass der nichts zu sagen hat!

Er nennt das „Basistarif“. Ich nenne das „noch schlechtere Medizin für 70 Millionen Menschen“. Schämen Sie sich! Für solch eine Politik sind Sie nicht in den Bundestag gewählt worden.

Beifallbei der AfD

Herr Kollege, es gibt erneut den Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Rednerwechsel

Von wo?

Aus der Unionsfraktion.

Rednerwechsel

Ja, gerne.

Rednerwechsel

Sehr geehrter Kollege Sichert, da Sie mich eben persönlich angesprochen haben – ich sitze gerade bei den Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion – und behauptet haben, ich hätte den Vorschlag eines Basistarifs gemacht, der dazu führen würde, dass die gesundheitliche Versorgung quasi für alle verschlechtert und abgesenkt würde, möchte ich Sie nur mal darauf hinweisen, dass ich keinen Basistarif gefordert habe. Das hat mehr oder weniger eine Zeitung aus einem Interview mit meiner Heimatzeitung gemacht, in dem ich lediglich gesagt habe, dass wir im Rahmen der Strukturreformen für die gesetzliche Krankenversicherung – und wir sind uns hier im Haus ja alle einig, dass wir Strukturreformen brauchen – darüber nachdenken können – wir haben seitens des Bundesgesundheitsministeriums eine Reformkommission ins Leben gerufen –

und nachdenken müssen, ob es im System möglicherweise sinnvoller ist, dass Krankenkassen ihren Versicherten individuellere Tarife anbieten können. Das heißt aber nicht, dass sie nivelliert werden sollen.

Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass ich das in der Form nie gesagt habe, und würde Sie bitten, da bei der Wahrheit zu bleiben, Herr Kollege Sichert.

Beifallbei der CDU/CSU
Rednerwechsel

Herr Kollege, danke für die Anmerkung. – Ich habe vorletzte Woche in der Ministerbefragung Ihre Gesundheitsministerin zu genau dem Thema, dem Basistarif, befragt. Sie hat in ihrer Antwort dreimal bestätigt, dass seitens des Bundesgesundheitsministeriums über Leistungssenkungen nachgedacht wird. Das ist die Realität. Wenn Sie als Staatssekretär jetzt was anderes kommunizieren als Ihre Gesundheitsministerin, dann läuft in diesem Land grundsätzlich was schief. Und ich muss, ehrlich gesagt, sagen: Mir tut die Gesundheitsministerin auch leid. Denn offensichtlich hat man in der Union noch eine Frau und jemanden aus Baden-Württemberg gesucht, und dann hat man Nina Warken in das Ministerium reingesetzt.

Jetzt hören Sie mal auf!

Das ist ja eine Unverschämtheit!

Das Problem ist, dass sich jetzt jeder aus der Union berufen fühlt, plötzlich irgendwelche Vorschläge zu machen. Der eine sagt: „Wir wollen 200 Euro Zuzahlung“, der Nächste will einen Basistarif haben, auch Herr Streeck brachte letzte Woche wieder das Thema Zuzahlungen in die Diskussion. Jeder aus der Union bringt hier was rein.

Stimmt doch nicht! Sie pauschalisieren!

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Sie sollten sich künftig vielleicht mal überlegen, ob Sie das intern mit den Kollegen absprechen und dann auf einen gemeinsamen Weg gehen, bevor Sie irgendwelche Sachen in die Öffentlichkeit bringen. Denn so, wie es momentan läuft, ist es eine absolute Kakofonie. Und es ist eine Katastrophe für die Bürger im Land, wie Sie mit der Gesundheitspolitik hier umgehen.

Beifallbei der AfD

Aber es ist toll für die AfD, Herr Sichert! Das müssen Sie zugeben!

Eine weitere Katastrophe sind die neuen Vorhaltepauschalen für Hausärzte. Die müssen jetzt nämlich eine Mindestanzahl an Impfungen im Quartal vorweisen, sonst werden sie bestraft. Die Pharmaindustrie jubelt darüber, die Gesundheit der Menschen geht den Bach runter.

Der Staat hat kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabeproblem, sagte Friedrich Merz. Doch seine Regierung versucht alles, um den Bürgern mehr Geld aus der Tasche zu ziehen und die Leistungen zu reduzieren. Hauptsache, die Lobbyisten profitieren. Friedrich Merz ist ein politischer Geisterfahrer, der das Land und die Gesundheit der Menschen mit Hochgeschwindigkeit an die Wand fährt. Es ist in der Politik wie im Straßenverkehr: Wer die Gesundheit der Menschen erhalten will, –

Sie müssen jetzt langsam zum Schluss kommen, bitte.

Rednerwechsel

– der muss den Geisterfahrer stoppen.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Gott sei Dank ist die Rede vorbei!

Porträt von Svenja Stadler
Foto: Svenja Stadler/ Susie Knoll
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf den Tribünen! In diesem Haushalt 2026 werden im Bereich Gesundheit erneut die Lagen und Herausforderungen im Mittelpunkt stehen, die uns schon seit Längerem beschäftigen, nicht erst seit letzter Woche: Das ist die finanzielle Herausforderung bei der SPV und GKV, das ist die demografische Entwicklung, die uns ja auch nicht überrascht. Wir müssen zügig Maßnahmen auf den Weg bringen. Der Entwurf der Ministerin, der uns jetzt vorliegt, ist eine gute Grundlage, um darauf basierend weiter aufbauen zu können.

Es ist gut und wichtig, dass wir Krankheiten in unserem Gesundheitssystem gut behandeln können und dass die Menschen gut versorgt werden. Ich würde mir aber wünschen, dass wir den Fokus ein wenig verändern, und zwar dahin gehend, dass wir dafür sorgen, dass mehr die Gesundheitsvorsorge, also die Prävention, im Vordergrund steht, dass wir Krankheiten vermeiden, damit wir gar nicht erst in schwierige Situationen kommen. Denn Prävention entlastet auf jeden Fall unser Gesundheitssystem.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wir brauchen mehr Früherkennung, mehr Prävention, die im Alltag bei den Menschen ankommt. Da unterstützen uns vor allen Dingen die Digitalisierung und auch die innovative Forschung, die wir in Deutschland haben. Dass diese im Alltag ankommen sollen, ist immer leicht gesagt. Aber wissen Sie: Es gibt so viele Menschen, die so unterschiedlich sind; die haben einfach auch unterschiedliche Problemlagen. Ich finde, es sollte selbstverständlich sein, dass Prävention und gesundheitsbewusstes Verhalten – ich nenne nur einmal Bewegung, Sport oder Ernährung – keine Frage des Einkommens sind.

Leider ist das aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Zwischen dem Einkommen und der Häufigkeit der Krankheiten besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Das ist auch durch eine Vielzahl an Studien belegt. Es gibt eben auch einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der Lebenserwartung. Immer mehr Kinder sind wegen Bewegungsmangel und falscher Ernährung übergewichtig oder adipös. Schlechte Gewohnheiten aus der Kindheit halten übrigens meist ein Leben lang an.

Wie bei den AfDlern!

Das kann auch Leben verkürzen. Das ist nicht gut, aber es ist so.

Wir wissen aber auch, dass wir durch gesundheitsbewusstes Verhalten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Lungenerkrankungen und auch Depressionen minimieren könnten. Auch Folgekosten und die dadurch entstehenden Belastungen des Gesundheitssystems könnten wir reduzieren, einfach nur durch wirksame Präventionsmaßnahmen. Nur durch Prävention! Wir sollten bei der Verfolgung des Ziels, chronische Krankheiten und deren kostenintensive Behandlungen zu vermeiden, mutiger sein, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Circa 10 000 Menschen im Jahr nehmen sich in Deutschland das Leben. Ich finde, das ist ein Armutszeugnis. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass wir für die Aufklärung und auch Forschungsförderung im Rahmen der Nationalen Suizidpräventionsstrategie Mittel im Regierungsentwurf eingestellt haben. Im Förderschwerpunkt „Suizidprävention stärken“ werden wir Projekte zur Stärkung der Datenlage in Deutschland fördern. Dazu zählen unter anderem die Entwicklung eines Registers zur Analyse assistierter Suizide, außerdem die systematische Erhebung von Suizidversuchen und ein bundesweites Versorgungs-Mapping. Darüber hinaus gibt es Maßnahmen zur Suizidprävention bei älteren Menschen – das ist so wichtig – und zur Erprobung eines E-Learning-Programms. Zudem werden wir im kommenden Jahr das Suizidpräventionsgesetz umsetzen.

10 000 Suizide pro Jahr in Deutschland. Jedes sechste Kind in Deutschland ist laut RKI übergewichtig oder adipös. Wir sehen steigende Zahlen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie Depressionen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen dringend Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung wirksamer und effizienter organisieren und gestalten. Wir müssen die Gesundheit des Menschen in den Mittelpunkt unserer Politik stellen. Was braucht ein Mensch, damit er so lange wie möglich gesund bleibt? Das kann doch nicht so schwer sein.

Wenn uns das gelingt, liebe Kolleginnen und Kollegen, gewinnt der Einzelne, und es profitieren auch die öffentlichen Kassen. Das sollte gerade für uns und vor allen Dingen für uns Haushälter ein Ansporn sein, noch mehr für Prävention zu tun.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Und ich sage Ihnen eins: Gesundheitspolitik ist Sozialpolitik. Deshalb freue ich mich jetzt auf die Beratungen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Der nächste Redner in der Debatte ist Dr. Janosch Dahmen für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
5 Vermerkeca. 473 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Dieser Haushalt, der uns hier heute vorgelegt wird, ist ein Haushalt des Verschiebens und Vertagens, kein Haushalt des mutigen Anpackens. Alle hier im Haus wissen, wie es um die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung bestellt ist, wie dramatisch die Finanzlöcher sind, wie hoch die Beiträge ansteigen müssen, wie viele Mittel abfließen – allein 14 Milliarden Euro für Krankenhäuser in diesem Jahr – ohne eine strukturelle Verbesserung. 8 Prozent Steigerung, steigende Pharmaausgaben, ohne dass die Regulatorik in diesem Bereich in den Griff zu bekommen ist. Wir können alle damit rechnen, dass der Schätzerkreis im Oktober dieses Jahres den Menschen wieder neue Beitragssteigerungen in diesem Land zumuten wird.

Das macht Gesundheit, das macht Arbeit in diesem Land zunehmend unbezahlbar. Das ist ein großes Wirtschaftshemmnis. Diese Koalition ist eine Koalition der Mutlosigkeit, wenn es darum geht, Strukturreformen, die fertig sind und dringend auf den Weg gebracht werden müssen, weiterzuverfolgen.

Zurufdes Abg. Albert Stegemann [CDU/CSU]

Stattdessen: Kommissionen, Vertagen und Reden, wo jetzt Handeln erforderlich wäre.

Eine Notfall- und Rettungsdienstreform, die Woche für Woche hier neu angekündigt wird, liegt fertig im BMG und könnte umgesetzt werden. Ein Primärarztmodell – seit dem Koalitionsvertrag angekündigt –: auch verschoben in die Kommissionen. Die Krankenhausstrukturreform, die auf den Weg gebracht war, wird nun verwässert. Und wieder und wieder werden den Menschen zusätzliche Kosten zugemutet.

Kein System der Welt hält Ausgabensteigerungen von 8 bis 10 Prozent pro Jahr aus. Das wissen Sie von der Union selbst. Sie wissen, wie Arbeit, wie Wirtschaft in diesem Land belastet werden. Es ist jetzt nicht mehr die Zeit des Redens. Es ist die Zeit der Reformen. Wir brauchen jetzt eine mutige Umsetzung von Reformen im Gesundheitswesen, die längst fertig sind und in der Schublade liegen.

Zurufdes Abg. Albert Stegemann [CDU/CSU]

Die Kollegin Stadler hat das Thema Prävention zu Recht angesprochen. Auch ein Suizidpräventionsgesetz liegt fertig im Gesundheitsministerium. Auch Gesetze, die die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenzerkrankungen deutlich verbessern werden, liegen fertig im Gesundheitsministerium. Hören Sie auf, seriell nacheinander zu arbeiten, sondern arbeiten Sie dort Dinge ab, wo sie fertig sind, und setzen Sie sie in die Tat um!

Ich will Ihnen sagen: Die Menschen in diesem Land haben kein Verständnis dafür, dass wir uns dort, wo es kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit gibt, als politisch Verantwortliche weiter mit Mutlosigkeit in die Büsche schlagen. Es ist jetzt die Zeit, zu handeln. Bringen Sie jetzt diese Maßnahmen hier auf den Tisch! Machen Sie keine Haushaltskosmetik und Tricksereien beim Haushalt, sondern setzen Sie Dinge in die Tat um!

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für die Fraktion Die Linke Tamara Mazzi.

Beifallbei der Linken
Porträt von Tamara Mazzi
Foto: Linke Kiel/ Studioart Photography Kiel
5 VermerkeZwischenfrageca. 756 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Als ich noch in der Schule unterrichtet habe, hatte ich eine Kollegin. Sie kam fast immer auf den letzten Drücker zum Unterricht und verschwand nach dem Klingeln oft sofort wieder. Oft war sie müde, oft war sie erschöpft, nicht weil sie faul war oder ihr Beruf ihr keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil sie zu Hause noch eine zweite, größere Aufgabe hatte: die Pflege ihrer Mutter. Sie kochte für sie, sie wusch sie, sie verabreichte ihr die Medikamente, sie kümmerte sich um alles – Tag für Tag, Wochenende für Wochenende. Freizeit gab es für sie nicht. Mit dieser Aufgabe war sie allein. Und mit dieser Aufgabe wurde sie alleingelassen.

Wenn ich mir den Einzelplan für das Gesundheitswesen anschaue, muss ich oft an diese Kollegin denken; denn hier offenbart sich erneut die Schieflage unseres Systems. Es fehlen grundlegende Investitionen dort, wo Menschen täglich um Würde und Lebensqualität kämpfen: in der Pflege. Es hilft nichts, die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren zu lesen, da die Situation auch damals schon katastrophal war. Was wir hier erleben, ist ein systematisches Versagen. Mehr als 5 Millionen Menschen sind pflegebedürftig, Tendenz steigend. Gleichzeitig verlassen täglich Hunderte von Fachkräften frustriert und ausgebrannt ihren Beruf.

Das stimmt doch gar nicht!

Diese Entwicklung ist kein Schicksal, sie ist das direkte Resultat Ihrer politischen Entscheidungen, die Profite über Menschen stellt.

Beifallbei Abgeordneten der Linken

Ihr Haushalt setzt diese verfehlte Logik fort. Anstatt endlich den Mut für grundlegende Reformen aufzubringen, werden wieder einmal Symptome kuriert.

Frau Kollegin, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung aus der Unionsfraktion.

Rednerwechsel

Nein. Später gerne, aber nicht jetzt. – Pflege wird weiterhin als Kostenfaktor behandelt, nicht als gesellschaftlicher Grundpfeiler. Auch 2026 soll die Pflegeversicherung durch ein Darlehen von 1,5 Milliarden Euro stabilisiert werden. Stabilisieren – das klingt, als würde man etwas Kaputtes mit Gaffa-Tape notdürftig zusammenkleben. Warum nicht endlich richtig reparieren, statt immer nur provisorisch zu flicken? Die Finanzierungslücke wird dadurch aufgeschoben, und strukturelle Probleme werden weiterhin ignoriert. Diese Regierung scheut davor zurück, nachhaltige Lösungen zu bieten und sich endlich mit den Reichen anzulegen.

Hier mal ein paar Ideen, die für die Mehrheit der Menschen wirklich etwas ändern würden, statt diese Misere weiter auf die lange Bank zu schieben: Wir brauchen eine echte Pflegegarantie. Das heißt: volle Finanzierung ohne Eigenanteile, die die Menschen in die Armut treiben.

Beifallbei der Linken

Das bedeutet: Beschäftigte, die von ihrer Arbeit gut leben können, ohne im Burn-out zu landen. Und wir brauchen eine solidarische Pflegeversicherung, in die alle mit allen Einkommen einzahlen. Es kann nicht sein, dass Besserverdiener geschont werden, während Menschen, die hart arbeiten, durch Pflegekosten verarmen.

Besonders skandalös ist auch die anhaltende Benachteiligung pflegender Angehöriger. Überwiegend sind es Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit aufgeben oder reduzieren, um Familienmitglieder zu betreuen. Diese unbezahlte Arbeit hält das System am Laufen, wird von der Politik aber komplett ignoriert. Wo bleibt die Lohnersatzleistung für Pflegende, unabhängig vom Pflegegrad? Wo bleiben die Rentenansprüche, die nicht nur symbolisch sind?

Die Bundesregierung redet von Entbürokratisierung, aber schafft immer wieder neue Hürden; sie verspricht Verbesserungen, will aber gleichzeitig Leistungen kürzen. Dieses Vorgehen ist zynisch gegenüber allen Betroffenen. Wir sagen: Es muss endlich Schluss sein mit der Profitorientierung im Pflegesektor. Internationale Konzerne bereichern sich an der Not der Menschen, während Qualität und Arbeitsbedingungen leiden. Pflege gehört in kommunale und gemeinnützige Trägerschaft.

Jeder und jede von uns kann morgen auf Unterstützung angewiesen sein, ob durch Unfall, Krankheit oder Alter. Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen, und es wird auch fast alle von uns treffen. Deshalb ist eine menschenwürdige Pflege kein Wunschtraum, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Doch dieser Haushaltsplan wird die Ungerechtigkeit nur verschlimmern. Er setzt die Politik der kleinen Schritte fort, während die Probleme täglich größer werden. Das ist verantwortungslos gegenüber Millionen Pflegebedürftigen, ihren Familien und den Beschäftigten, die längst am Limit sind.

Wir wissen: Es geht anders. Andere europäische Länder machen es vor, wie solidarische Pflegesysteme funktionieren. Auch Deutschland könnte das leisten; das Geld ist da. Was fehlt, ist nicht das Geld, sondern der politische Wille, Solidarität über Profite zu stellen.

Ich denke noch heute oft an meine Kollegin, an ihre Müdigkeit und ihre Last, die sie alleine getragen hat. Ich wünsche mir, dass wir dafür sorgen, dass niemand mehr mit dieser Aufgabe alleingelassen wird.

Beifallbei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Der nächste Redner in der Debatte ist für die Unionsfraktion Albert Stegemann.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Albert Stegemann
Foto: Albert Stegemann/ Jens Jeske
11 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.155 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Sehr geehrte Frau Bundesministerin Nina Warken, herzlichen Dank für die Einbringung des Bundeshaushaltes! Wenn wir uns die Zahlen mal anschauen, stellen wir fest: Wir reden hier im Bundeshaushalt über 20,1 Milliarden Euro. Davon landen 16,8 Milliarden Euro direkt in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das sind 84 Prozent – 84 Prozent, über die wir überhaupt nicht mehr diskutieren, wo wir überhaupt keine Prioritäten mehr setzen können. Das zeigt die dramatische Lage der gesetzlichen Krankenversicherung.

Wir haben hier – das ist gerade schon richtigerweise angeklungen – eine gewaltige Kostenentwicklung. Im Jahr 2024 sind die Kosten im Gesundheits- und Pflegebereich von 501 Milliarden Euro auf 541 Milliarden Euro hochgegangen – plus 40 Milliarden Euro in einem Jahr; das sind 8 Prozent. Dieses Jahr werden wir irgendwo zwischen 9 und 10 Prozent landen. Also: Wir haben an der Stelle wirklich eine Kostenexplosion. Wir haben an der Stelle auch überhaupt kein Erkenntnisproblem; die Wissenschaft ist hier glasklar.

Wenn wir uns die Rechnung mal anschauen, dann stellen wir fest: Es ist nicht nur die Kostenentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern das paart sich mit der demografischen Entwicklung und momentan auch mit einer stagnierenden wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Wenn man die Dinge zusammenrechnet, dann ist es so: Wenn wir nichts unternehmen, dann werden in den kommenden zehn Jahren die Lohnnebenkosten von 42 Prozent auf etwa 52 Prozent hochgehen. Das ist die Situation. Deswegen mache ich mir an dieser Stelle wirklich große Sorgen um die Leistungsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Ich könnte jetzt lange reden über das, was es braucht, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wieder nach vorne zu bringen. Ich will mich aber auf das beschränken, was es auf gar keinen Fall braucht, nämlich steigende Arbeitskosten. Deswegen müssen wir hier dringend zu Reformen kommen.

Beifallbei der CDU/CSU
Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Deswegen ist es auch richtig, dass Nina Warken die „FinanzKommission Gesundheit“ ins Leben gerufen hat. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht vorgreifen. Aber ich finde es schon richtig, dass wir Vorschläge machen und auch auf dem politischen Parkett diskutieren, was passieren muss, wenn wir wirklich zu Kostensenkungen kommen wollen.

Ja, so ein bisschen die Menschen verunsichern!

Herr Kollege.

Ich will es noch mal sagen: Von 42 Prozent auf 52 Prozent, das sind 10 Prozentpunkte.

Herr Kollege.

Aber wenn das nicht passieren soll, müssen wir in der Kostenstruktur 20 Prozent einsparen, um hier zu einer Stabilität zu kommen. Denn wer dem Finanzminister heute Vormittag zugehört hat, dem ist klar geworden: Im Bundeshaushalt sind keine Spielräume für uns. Deswegen können wir nur an der Kostenschraube drehen.

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich will an dieser Stelle nur noch mal einen Punkt machen. Auch das Primärarztsystem – –

Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion.

Gern.

Rednerwechsel

Herr Kollege, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben gerade gesagt, dass die „FinanzKommission Gesundheit“ von der Bundesgesundheitsministerin Warken eingerichtet worden ist und man ihr auf keinen Fall vorgreifen sollte. In der „Bild“-Zeitung konnte man lesen, dass Sie selber einen Vorschlag gemacht haben. Sie fordern eine Zuzahlung von 200 Euro, wenn die Menschen direkt zum Facharzt gehen. Ihre eigene Bundesgesundheitsministerin aus der gleichen Fraktion sagt dazu: „Es gibt viele Möglichkeiten, Praxisbesuche so zu steuern, dass die Patienten weiterhin gut versorgt werden, ohne sie unnötig finanziell zu belasten.“ Das heißt, sie widerspricht Ihnen an der Stelle.

Da Sie hier irgendwelche eigenen Vorschläge unterbreiten: Haben Sie keinen Respekt vor Ihrer eigenen Gesundheitsministerin, die diese Finanzkommission einberufen hat?

Selbstverständlich habe ich Respekt vor meiner Gesundheitsministerin, gar keine Frage. Wenn Sie zugehört hätten, hätten Sie es gemerkt: Ich habe doch gerade beschrieben, dass wir auf die Antworten der Kommission warten, aber dass es natürlich auch richtig ist, im politischen Meinungsbildungsprozess, auch hier im Parlament, das eine oder andere anzusprechen.

Ich wollte gerade zum Primärarztsystem kommen. Jetzt fragen Sie mich: Was wollen wir denn mit einem solchen Primärarztsystem? – Wenn ich überhaupt keine Steuerungsmöglichkeit habe und wenn ich den Patienten weiterhin sanktionslos ermögliche, Facharztpraxen aufzusuchen, dann ist das kein Primärarztsystem.

Da redet jemand vom Fach!

Deswegen brauche ich in irgendeiner Form eine Patientensteuerung. Ansonsten wäre es ja nur eine Empfehlung. Ich finde, es macht Sinn, darüber nachzudenken. Aber wir sind nun mal hier in einem demokratischen Meinungsbildungsprozess. Sie können mir widersprechen; das ist ja gut.

Sie widersprechen Ihrer Gesundheitsministerin!

Ich freue mich darüber, dass wir viele Kollegen haben, die sich Gedanken machen und das auch publizieren.

Eine Steilvorlage für die AfD nach der anderen sind diese tollen Vorschläge!

Und ich finde nicht, dass es im Widerspruch zu den Aussagen der Ministerin steht, sondern dass es zusammenpasst.

Ich will noch einmal für das Primärarztsystem werben. Ich weiß gar nicht, ob Ihnen in der AfD-Fraktion überhaupt klar ist, was in diesem Land los ist.

Zurufvon der AfD: Oh doch!

Wir haben hier 10 Arztkontakte pro Jahr. Gucken wir mal ins europäische Ausland: Die Franzosen kommen mit 5,5 Arztbesuchen pro Jahr klar. Es liegt doch auf der Hand, dass wir hier ein Steuerungsproblem haben. Deswegen ist es gut, dass dieses Primärarztsystem im Koalitionsvertrag vereinbart ist, und wir wollen es jetzt an der Stelle auch umsetzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich komme noch mal auf die Steigerung von 42 auf 52 Prozent zurück. Wenn wir im Gesundheitssystem 20 Prozent einsparen wollen, dann ist jedem, der im Sektor unterwegs ist, klar, dass das Primärarztsystem alleine nicht reichen wird. Ich will auch gerne an die Rede des Finanzministers von heute Morgen anknüpfen. Ich fand es sehr zutreffend, dass er gesagt hat, dass wir uns auf schwierige Jahre einstellen müssen.

Ich will mich an dieser Stelle auch noch mal bei der SPD-Fraktion bedanken und klar sagen: –

Herr Kollege, Sie müssten zum Schluss kommen.

– Es hat in der Vergangenheit viele Sozialdemokraten geben, die große Reformen angestoßen haben: Agenda 2010 unter Gerhard Schröder, die Rente mit 67 unter Franz Müntefering, eine großartige Steuerreform unter Peer Steinbrück. Das waren alles teilweise schwierige Situationen für die SPD.

Herr Kollege, Sie müssten jetzt zum Schluss kommen.

Zurufevon der SPD und der Linken

Ich freue mich aber, dass wir jetzt in einem Geist unterwegs sind, dass wir dieses Land reformieren wollen. Wir kriegen das gemeinsam hin. Ich freue mich jetzt auf eine gute Debatte. So bringen wir Deutschland voran.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich hätte ihm auch noch länger zugehört!

Der nächste Redner in der Debatte ist für die AfD-Fraktion Dr. Michael Espendiller.

Beifallbei der AfD
Porträt von Michael Espendiller
Foto: Dr. Michael Espendiller
7 Vermerkeca. 776 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Zuschauer im Saal und an den Bildschirmen! Bundesgesundheitsministerin Warken soll im Jahr 2026 einen Gesamtetat in Höhe von 20,1 Milliarden Euro zur Verfügung haben. Das sind knapp 790 Millionen Euro mehr als im aktuellen Haushaltsjahr.

Und auf den ersten Blick sollte man meinen, dass das doch ausreichen müsste. Doch die allgemeinen Kosten für die Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung galoppieren uns finanziell davon. Und so muss man für den Bereich des Bundesgesundheitsministeriums sagen, dass auch zukünftig noch weitere Etatsteigerungen zu erwarten sind, solange auch in diesem Bereich die von unserer Fraktion angemahnten Strukturreformen nicht angestoßen werden.

Beifallbei der AfD

Was genau heißt das? Grundsätzlich gehört Deutschland zu den Ländern, in denen eigentlich genug Geld im Gesundheitssystem vorhanden ist. Doch es versickert an sehr vielen Stellen und kommt nicht bei den Patienten an. Für viel Geld gibt es also wenig und immer weniger Leistung. Das liegt daran, dass unser Gesundheitssystem über Gebühr verworren und komplex ist, was am Ende zu einem Mangel an Effizienz führt.

Der Bundesregierung fällt nun die Aufgabe zu, hier in Zeiten einer wirtschaftlichen Rezession eine Reform durchzuführen. Das ist so in etwa der ungünstigste Zeitpunkt, den man sich hätte aussuchen können. Aber nachdem die regierenden Parteien diese vorhersehbare Entwicklung der letzten Jahre ignoriert haben, kommt man jetzt nun wirklich nicht mehr drum herum.

Beifallbei der AfD

Und doch haben wir den Eindruck, dass auch diese Bundesregierung vor dieser großen Aufgabe kapituliert.

Wir haben im Haushalt 2025 schon gesehen, dass von der Aufweichung der Schuldenbremse insgesamt ausgiebig Gebrauch gemacht wurde und relevante Staatsausgaben nunmehr dauerhaft aus Schulden finanziert werden. Für das BMG ist besonders das sogenannte Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität relevant – alles neue Schulden. Hieraus sollen insgesamt bis zu 33,9 Milliarden Euro durch das BMG verausgabt werden. Auf der Agenda stehen dort Digitalisierungsbemühungen und vor allem Zahlungen an den Krankenhaustransformationsfonds. Der Bund springt damit einmal mehr in eine Zuständigkeit, die laut Verfassung eigentlich bei den Ländern liegt, und wir sehen darin einen schleichenden Verfassungsbruch.

Beifallbei der AfD

Denn der Bund übernimmt hier, kofinanziert durch die – abwesenden – Länder, originäre Länderaufgaben.

Mehrere Sachverständige haben schon jetzt berechtigte Zweifel an der vom Gesetz geforderten Zusätzlichkeit Ihrer geplanten Investitionen im Sondervermögen Infrastruktur. Und nun kommt noch dazu, dass die Länder sich weitere „Flexibilisierungen“ bei der Mittelverwendung herausgehandelt haben. Das heißt, dass nun auch die grundgesetzlich festgeschriebene Zweckbindung der Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur angegriffen wird. So ist zu erwarten, dass die neuen Schulden, die eigentlich für eine Verbesserung der Krankenhaussituation aufgenommen werden, unterm Strich wieder nur zu einer allgemeinen Budgethilfe für die Länder werden, die ihrerseits mit ihrem Geld nicht auskommen und offensichtlich auch nicht auskommen wollen.

Beifallbei der AfD

Als AfD-Bundestagsfraktion bekennen wir uns zu einem starken Föderalismus. Aber es kann nicht sein, dass die Länder regelmäßig Zuständigkeiten für sich reklamieren, dann aber ihrer Verantwortung einfach nicht nachkommen. Die Vernachlässigung der Krankenhausinfrastruktur ist ein klares Versäumnis der Länder, so wie auch die Bildungsmisere zu großen Teilen auf das Konto der Länder geht. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass gerade die Landesparlamente und Landesregierungen bei immer mehr Bürgern in der Kritik stehen. Denn auch hier gilt: Es ist eigentlich genug Geld im System; aber es kommt einfach nicht bei den Menschen an.

Und genau das befürchten wir nun auch bei den Ausgaben aus dem Sondervermögen Infrastruktur. Die Bundesregierung hat sich hier jedenfalls schon wieder über Schulden einen schlanken Fuß gemacht, und wir sehen momentan noch kein ernsthaftes Bemühen, die notwendigen Reformen endlich anzupacken.

Beifallbei der AfD

Immerhin: Ihre FinanzKommission Gesundheit tagt mittlerweile. Aber bis die mal zu Ergebnissen kommt, müssen wir weiterhin mit sehr viel Steuergeld die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen.

Dass der Bund nur einen kleinen Teil der Kosten für die sogenannten versicherungsfremden Leistungen, die aktuell noch von den Beitragszahlern bezahlt werden, übernimmt, kritisieren übrigens auch wir. Allerdings muss man aus der Haushaltsperspektive sagen, dass bei der derzeitigen konjunkturellen Lage eine vollständige Finanzierung dieser Leistungen aus Steuergeldern nicht darstellbar ist, auch wenn es richtig wäre. Denn wenn der Bund hier mit einem Schlag mehr Steuermittel aufwenden müsste, würde das entweder zur Aufnahme von noch mehr Schulden oder zwangsläufig zu höheren Steuern führen. Deshalb schlägt unsere Fraktion hier eine schrittweise Übernahme der Kosten für die versicherungsfremden Leistungen durch den Bund vor.

Priorität für uns als Fraktion im Einzelplan 15 bleibt, die Beitragssätze für die gesetzliche Krankenversicherung zu stabilisieren, sodass der Faktor Arbeit sich nicht weiter verteuert und die Attraktivität unseres Wirtschaftsstandortes nicht weiter leidet.

Beifallbei der AfD

Wir werden jedenfalls auch in diesen Haushaltsberatungen wieder kreative Vorschläge einreichen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD
Porträt von Lina Seitzl
Foto: Lina Seitzl/ Denise Claus/Kleinebildkunst
10 Vermerkeca. 887 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren auf den Tribünen und darüber hinaus! Wir debattieren heute über den Haushalt des Bundesgesundheitsministeriums. Das ist immer eine große, lange Tabelle mit ganz vielen Zahlen. Aber dahinter stehen Geschichten, dahinter stehen die Lebensqualität und die Versorgung von Millionen von Menschen in unserem Land.

Es stehen ungefähr etwas mehr als 20 Milliarden Euro zur Verfügung, und – das hatte Kollege Stegemann auch schon gesagt – der größte Teil dieses Etats geht an die gesetzlichen Krankenkassen

Nee, er hat doch „Rentenversicherung“ gesagt!

bzw. an die Kranken- und Pflegeversicherung. Es ist auch gut und richtig, dass wir hier einen Beitrag für die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung leisten; denn der allergrößte Anteil der Ausgaben im Gesundheitswesen wird durch die gesetzlich Versicherten geleistet.

Leider stehen wir hier gerade vor einem Problem; auch das ist schon beschrieben worden. Ja, die gesetzlichen Krankenversicherungen haben im ersten Halbjahr 2025 Überschüsse erzielt; aber die reichen eben nicht aus. Die Ausgaben, zum Beispiel für Krankenhausbehandlungen, Medikamente oder Arztbesuche, steigen, und sie steigen schneller an als die Versichertenbeiträge, also die Einnahmenseite der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Das Jahr 2024 schloss die GKV mit einem Defizit in Höhe von 6,6 Milliarden Euro ab. Die SPV verzeichnete im gleichen Jahr ein Minus in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Als Reaktion darauf mussten die Kassen ihren Zusatzbeitrag Anfang des Jahres auf durchschnittlich 2,9 Prozent steigern.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist ganz eindeutig: Wir müssen die finanzielle Situation bei der GKV und der SPV in den Griff bekommen. Die Darlehen aus dem Bundeshaushalt für 2025 und 2026 verschaffen Luft; aber sie sind keine Lösung. Ich habe hier auch vernommen: Wir sind uns einig, dass wir keine weiteren Belastungen für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler wollen, weil das eben vor allen Dingen diejenigen treffen würde, die den Laden am Laufen halten. Sie tragen heute schon eine hohe Last, und sie dürfen nicht die Leidtragenden politischer Untätigkeit sein.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Das betrifft aber nicht nur die Beiträge in der GKV und der SPV. Das betrifft auch Vorschläge, die gerade in der Öffentlichkeit gemacht werden und die eine zusätzliche finanzielle Beteiligung der Versicherten mit sich bringen würden. Ich möchte hier eines deutlich machen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Nicht die Patientinnen und Patienten sind das Problem in unserem Gesundheitssystem, sondern es sind ineffiziente und zum Teil historisch gewachsene Strukturen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der Abg. Felix Schreiner [CDU/CSU] und Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Ich möchte uns alle darum bitten, davon abzusehen, den Menschen, die heute Rekordbeiträge für die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung zahlen, eine Vollkaskomentalität zu attestieren

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

oder ihnen dauernd noch mehr zusätzliche Kosten aufbürden zu wollen.

Ja, man kann und man muss an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen appellieren. Aber in allererster Linie steht die Politik zusammen mit den vielen verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem in der Pflicht, Lösungen zu finden. Hier lässt sich – das möchte ich auch sagen – attestieren, dass die GKV eben gar kein Einnahmeproblem hat, sondern ein Ausgabenproblem. Auch das wurde schon gesagt.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Wir brauchen nun also kurzfristige Lösungen, die neben den schon angesprochenen Darlehen die Situation in der GKV und der SPV stabilisiert. Frau Bundesministerin Warken, wir freuen uns da auf Ihre Vorschläge. Langfristig braucht es aber Strukturreformen, die die finanzielle Schieflage der gesetzlichen Krankenkasse angehen.

Kurzfristig braucht es die auch schon!

Wir haben Ideen für ein paar Hebel:

Erstens. Wir brauchen mehr Effizienz im Krankenhausbereich. Das heißt nicht: weniger Versorgung. Das heißt: bessere Versorgung dort, wo sie gebraucht wird, effizientere Strukturen, klare Priorisierung der Fälle und weniger Behandlungsfehler.

Zweitens. Wir müssen die Patientinnen und Patienten viel besser durch unser Gesundheitssystem lotsen. Es muss jedem ein verbindlicher Ansprechpartner, eine verbindliche Ansprechpartnerin zur Seite gestellt werden, der oder die die Behandlung koordiniert und bei Bedarf Fachärzte einbezieht, sodass die Menschen die Hilfe, die sie benötigen, auch schnell bekommen. Das sorgt für mehr Orientierung und bietet niedrigschwellige Hilfe für alle, die sie brauchen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Und drittens – das haben Sie schon angekündigt, Frau Warken; das freut mich sehr –: Die Reform der Notfallversorgung muss schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen eine Entlastung der Notfallambulanzen. Wir brauchen eine bessere Verzahnung zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich. Und wir brauchen eine bessere Steuerung im Rettungswesen. Auch das trägt zu einer besseren strukturellen Situation im Gesundheitswesen bei.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Meine Damen und Herren, Gesundheit darf kein Spielball der Tagespolitik sein, und wir dürfen die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger nicht für Wahlkämpfe oder politische Slogans missbrauchen. Lassen Sie uns gemeinsam nach guten Lösungen suchen. Jetzt ist die Zeit, unser Gesundheitssystem zukunftsfest zu machen – solidarisch, nachhaltig und gerecht.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Simone Fischer.

Porträt von Simone Fischer
Foto: Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN/ Stefan Kaminski
9 Vermerkeca. 485 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Pflegeversicherung steckt in einer tiefen Krise. Die Kassen sind überlastet, die Zahlungsunfähigkeit droht. Millionen Menschen zahlen Beiträge, pflegen oder werden gepflegt. Sie brauchen Stabilität und gute Bedingungen. Und was machen Ministerin Warken und auch Ministerin Prien? Sie kündigen an, aber sie liefern nicht.

Beifallbei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN
Zurufvon der AfD

Keine Rückerstattung der Coronamehrkosten, kein Lohnersatz für pflegende Angehörige. Pflege absichern? Fehlanzeige!

Zurufder Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Meine Damen und Herren, der Bundesrechnungshof rechnet 2026 mit einem Defizit in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Und was legt die Bundesregierung vor? Ein Darlehen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Das ist kein Rettungsanker, das ist ein Pflaster auf eine offene Wunde. Es deckt nicht einmal kurzfristig die Lücken.

Das tut es wohl!

Zurufdes Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Und wie soll es zurückgezahlt werden? Ein Darlehen heute bedeutet höhere Beiträge morgen. Schon 2026 könnte der Beitragssatz auf über 4 Prozent steigen, 2029 auf fast 5 Prozent. Das trifft Beitragszahler/-innen in einer Zeit, in der das Portemonnaie ohnehin stark belastet ist. Die Finanzierungslücke darf nicht auf die Beitragszahler/-innen abgewälzt werden. Sie gehört in den Bundeshaushalt, dorthin, wo die Verantwortung liegt.

Genau! Gesundheit ist kein Schattenhaushalt!

Es gibt Lösungen. Erstens: Steuermittel für die Pflegeversicherung und die Erstattung der Coronamehrkosten in Höhe von knapp 6 Milliarden Euro. Damit ließe sich mehr als die Lücke in 2026 füllen. Zweitens: ein Kostenausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung. Die Risiken sind heute völlig ungerecht verteilt.

Pflege ist systemrelevant, auch im Haushalt. Es braucht bedarfsgerechte Weichenstellungen statt leerer Ankündigungen. Wer von Entlastung spricht, muss sie auch im Haushalt abbilden.

Doch statt eigene Konzepte vorzulegen, bringt Ministerin Warken Gesetze auf den Weg, die von der Ampel längst vorbereitet waren. Statt Verantwortung zu übernehmen, vertröstet sie auf eine Kommission – viel zu spät für die Haushaltsberatungen.

Alles verbessert worden!

Frau Ministerin Warken, das Thema Pflege ist der Maßstab, an dem sich die Glaubwürdigkeit Ihrer Politik messen lässt. Sie riskieren die Versorgungssicherheit in der Pflege. Ihre Politik bedeutet jährliche Mehrbelastungen in Höhe von mehreren Hundert Euro, vor allem für jene, die nicht zu den einkommensstarken 10 Prozent gehören. Sie lassen die breite Mitte zahlen, während Sie Verantwortung verschieben. Das ist weder zuverlässig noch fair.

Meine Damen und Herren, das Thema Pflege darf nicht weiter aufgeschoben werden. Wir brauchen jetzt den Mut, die Pflegeversicherung auf eine stabile Grundlage zu stellen – gerecht, nachhaltig und klug.

Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Stella Merendino für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Stella Merendino
Foto: Stella Merendino/ Nico Busse
8 VermerkeZwischenfrageca. 705 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Unfall, Schlaganfall, Herzinfarkt – so was erwartet man nicht. Der häufigste Satz, den ich in der Notaufnahme höre, ist: Ich habe nicht erwartet, dass ich heute hier landen werde. – Für diese Menschen sollte unser Gesundheitssystem da sein.

Doch was macht diese Regierung? Im Gesundheitsausschuss werden durch CDU/CSU und SPD Einsparungen in Höhe von 3 Milliarden bis 5 Milliarden Euro in der Notfallversorgung prognostiziert. 3 Milliarden bis 5 Milliarden Euro! Wie soll das gehen, wenn die Notfallversorgung schon jetzt zusammenbricht? Patientinnen warten stundenlang – hungrig, durstig, mit Schmerzen –, Untersuchungen finden mitten auf dem Flur statt, intime Gespräche ohne Privatsphäre und ohne Würde. Gesundheitspersonal ist längst überlastet oder schon aus dem Beruf raus. Und das alles, weil das System seit Jahren kaputtgespart wird und langsam verrottet.

Ministerin Warken sagt öffentlich, dass mit der Krankenhausreform weitere Klinikschließungen kommen. Milliarden Euro aus dem sogenannten Transformationsfonds fließen also nicht in den Erhalt von bedarfsnotwendigen Strukturen, sondern in Schließungen. Transformation bedeutet hier also nichts anderes als Versorgungsabbau, vor allem in ländlichen Regionen. Und das Perfide daran: Die Bundesregierung gibt selbst zu, dass sie keinerlei Ahnung hat, wie sich Klinikschließungen auf den Rettungsdienst auswirken – keine Zahlen, keine Analysen und auch keine Strategie. Aber Kliniken dichtmachen, das können Sie.

Ich sage Ihnen, was das bedeutet: Wenn das Krankenhaus vor Ort schließt, verschwindet auch die Notfallversorgung. Dann bekommt die Schlaganfallpatientin in der Kleinstadt keine schnelle Hilfe mehr, weil der nächste Rettungswagen gerade schon unterwegs ist und die nächste Klinik 45 Minuten entfernt liegt. Das ist die Realität. Es kommt also tatsächlich auf Leben oder Tod an. Und dann setzt sich die Ministerin hin und behauptet ernsthaft, längere Anfahrtswege seien vertretbar. Nein, das ist nicht vertretbar, das ist lebensgefährlich!

Beifallbei der Linken

Während Patientinnen leiden, fließen Milliarden Euro Soforthilfen nach dem Gießkannenprinzip auch an private Konzerne, die längst riesige Gewinne machen, zum Beispiel an Helios. Das Unternehmen fährt jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Gewinnen ein und soll jetzt auch noch Zuschüsse einstreichen können. Das sind öffentliche Gelder, die in private Taschen wandern. Liebe Bundesregierung, Sie haben erkannt, dass das System Geld benötigt; das ist schön. Aber das, was hier passiert, ist Sabotage.

Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Das System muss sich grundlegend ändern. Die Fallpauschalen müssen weg. Denn was bedeuten sie heute? In der Notaufnahme gibt es für jede Patientin im Schnitt gerade mal 34 Euro – egal ob es sich um die Verabreichung einer Kopfschmerztablette handelt oder um eine komplette Behandlung mit CT, Labor, Ultraschall und stundenlanger Betreuung. 34 Euro für alles!

Frau Kollegin, es gibt den Wunsch aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, eine Zwischenfrage zu stellen.

Später gerne. – Dass das nicht reicht, weiß jeder hier im Saal.

Genauso absurd ist auch die Zweiklassenmedizin. Gesetzlich Versicherte warten oft monatelang, während die Privatversicherten sofort einen Termin bekommen. Wer mehr Geld hat, bekommt schneller Hilfe, und wer weniger hat, wartet oder stirbt vorher. Das ist kein Gesundheitssystem, das ist Klassenmedizin.

Beifallbei der Linken

Um das mal ganz klar zu formulieren: Wir brauchen eine solidarische Versicherung, in die alle einzahlen, auch die Abgeordneten hier im Saal. Ich habe keinen Bock, länger zuzuschauen, wie dieses System an die Wand gefahren wird, weil hier mehr Lobbyistinnen in Abgeordnetensesseln sitzen als tatsächliche Expertinnen. Das Geld für eine funktionierende Gesundheitsversorgung ist da, wenn die Reichsten endlich so viel Steuern zahlen würden wie die Pflegerin, die nachts Schichten schiebt.

Gesundheit ist keine Ware, Gesundheit ist ein Menschenrecht. Schade nur, dass die Info noch nicht zum Gesundheitsministerium durchgedrungen ist.

Beifallbei der Linken

Liebe Abgeordneten, wir als Linksfraktion suchen immer noch Verbündete –

Frau Kollegin, Sie müssen zum Schluss kommen.

– ja – für einen Untersuchungsausschuss.

Stellen Sie einen Antrag! Wir stimmen zu! Sie müssen nur mit uns reden! Einfach einen Antrag stellen, Frau Kollegin!

Liebe SPD, bitte sorgen Sie dafür, dass dieser Skandal ein Ende hat.

Beifallbei der Linken

Frau Kollegin, ich finde Ihre Verwendung des Begriffes „Lobbyisten“, die hier im Saal sitzen, im Zusammenhang mit Abgeordneten unangemessen.

Beifallbei der CDU/CSU

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Dr. Hans Theiss.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Hans Theiss
Foto: Prof Dr. Hans Theiss/ Wilfried Wulff
8 VermerkeZwischenfrageca. 489 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das deutsche Gesundheitssystem steht finanziell massiv unter Druck. Unser oberstes Ziel muss es natürlich sein, eine gute, effiziente und wirksame medizinische Versorgung zu gewährleisten. Genauso wichtig ist es aber, eine weitere Explosion der Kassenbeiträge zu verhindern. Das kann nur gelingen, wenn sich alle, wirklich alle Seiten bewegen und wir entsprechenden politischen Mut beweisen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Kleingeistigkeit von Partikularinteressen muss überwunden werden, und es muss einen echten Mentalitätswechsel in unserem Gesundheitssystem geben.

Die ärztliche Versorgung muss erheblich effektiver werden. Deshalb werden wir eine optimierte Patientensteuerung über ein Primärarztsystem, idealerweise mit digitaler Ersteinschätzung, einführen und eine Reform der Notfallversorgung vornehmen.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir wollen die Zahl der unnötigen Arztkontakte reduzieren, indem die Patienten schnell und sicher die Versorgung bekommen, die sie wirklich brauchen. Aber auch die Kostenträger müssen Effizienzreserven heben. Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist zu hoch, und die Verbandsstrukturen sind zu aufgebläht. Die Pharmaindustrie muss ebenfalls ihren Beitrag leisten, indem bei der Zulassung neuer Medikamente noch stärker auf den echten Zusatznutzen und die Transparenz der Herstellungskosten geachtet wird.

Um die Krankenkassen weiter zu entlasten, muss die medizinische Versorgung von Bürgergeldempfängern vom Bund übernommen werden und darf nicht dauerhaft den Beitragszahlern aufgebürdet werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir mehr Eigenverantwortung der Patienten brauchen. Solidarität darf keine Einbahnstraße sein. Nicht jeder Arztbesuch muss wirklich sein, nicht jede Untersuchung ist angezeigt, und nicht jede Behandlung ist medizinisch notwendig. Wenn wir am Ende erfolgreich sein wollen, dann muss jeder seinen Beitrag leisten: die Ärzte, die Kassen, die Industrie, die Patienten und auch der Staat, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Die Stabilisierung des Gesundheitswesens ist eine politische Herkulesaufgabe, bei der AfD und Linkspartei wie so oft ein falsches Spiel spielen. Das extremistische Doppelpassspiel zwischen den beiden vergiftet auch diese Debatte.

Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Letzte Woche sprach die AfD von einer Koalition der Schuldigen, von Coronamaßnahmenterror und Die Linke von einer Militarisierung der Medizin. Mit dieser Diktion bedienen Sie nur Ressentiments, Verschwörungstheorien und Angstmacherei und bieten wie immer keine ehrliche Lösung des Problems.

Beifallbei der CDU/CSU

Herr Kollege, es gibt den Wunsch, eine Zwischenfrage zu stellen.

Rednerwechsel

Nein danke, jetzt nicht. – AfD und Linkspartei sind auch in der Gesundheitspolitik wie ein politisches Multiorganversagen. Mit ihnen kann man einfach keinen Staat machen.

Beifallbei der CDU/CSU

Die Rettung unseres Gesundheitssystems ist eine der wichtigsten innenpolitischen Aufgaben unserer Zeit. Sie ist zu wichtig für politische Spielchen, für Schuldzuweisungen, für Finger-Pointing und für Hetze.

Danke.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Aber genau das haben Sie gemacht!

Der nächste Redner in dieser Debatte: für die AfD-Fraktion Thomas Dietz.

Beifallbei der AfD
Porträt von Thomas Dietz
Foto: Thomas Dietz / Social Media Team der AfD Bundestagfraktion
9 Vermerkeca. 592 WörterReaktionswert: lebhaft
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Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn wir heute über diesen Bundeshaushalt sprechen, dann müssen wir eines klar sagen: Das ist kein Haushalt, das ist eine Schuldenorgie.

Beifallbei der AfD

Die Bundesregierung rechnet 2026 insgesamt mit 520 Milliarden Euro an Ausgaben. Um diese zu bewältigen, benötigen wir eine Neuverschuldung im Kernhaushalt in Höhe von 90 Milliarden Euro mit einer zusätzlichen Kreditaufnahme in Höhe von 84,4 Milliarden Euro aus Sonderschulden, die fälschlicherweise als Sondervermögen bezeichnet werden. Das führt zu einer Gesamtverschuldung in Höhe von 174 Milliarden Euro für 2026. Das sind über 33 Prozent der Gesamtausgaben. Das ist eine fiskalische Bankrotterklärung.

Beifallbei der AfD

Man stelle sich einmal vor, wir als AfD würden hier im Hohen Haus Schulden generell als Vermögen bezeichnen, Sie würden hier alle zu Recht unter den Tischen liegen vor Lachen. Wenn Sie das aber machen, dann ist es wieder ganz normal. So irre ist die Welt. 84 Milliarden Euro Schulden aus sogenannten Sondervermögen, das ist in Wahrheit ein gigantischer Schattenhaushalt.

Beifallbei der AfD

Wenn ich meinen Kindern heute sagen würde: „Ihr erbt mal von mir ein großes Sondervermögen; das müsste ihr aber in den nächsten Jahrzehnten alles an die Bank zurückzahlen, mit Zinsen“, dann könnten meine Kinder mich zu Recht als unzurechnungsfähig bezeichnen. Ich sage Ihnen: Diese Regierung ist in diesem Fall unzurechnungsfähig.

Professor Dr. Dirk Meyer von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg kalkuliert allein für die geplante 1-Billion-Euro-Schuldenorgie 587 Milliarden Euro für Zinszahlungen bis 2036. Die Zinslast der Altschulden kommt noch dazu. Und was ist der Effekt dieser Orgie? Die Bundesregierung rechnet nur mit 1 Prozent Wirtschaftswachstum. 33,5 Prozent Schuldenquote für 1 Prozent Wirtschaftswachstum, das ist kein Zukunftsprojekt, das ist der Ausverkauf des Landes.

Beifallbei der AfD

Der Bundeshaushalt 2026 sieht für den Bereich Gesundheit Ausgaben in Höhe von rund 20 Milliarden Euro vor, 789 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr. Der größte Teil der Ausgaben entfällt, wie bislang, auf die Zuwendungen des Bundes an den Gesundheitsfonds, nämlich 14,5 Milliarden Euro. Diese Summe ist seit 2017 festgeschrieben. Sie dient dazu, versicherungsfremde Leistungen abzudecken.

20 Milliarden Euro, das bedeutet: Der gesamte Einzelplan Gesundheit für 84 Millionen Einwohner in Deutschland ist ungefähr genauso hoch wie die EEG-Subventionen für die Einspeisevergütung aus Steuermitteln für eine milliardenschwere Wind- und Solarlobby. Diese Minderheit verdient sich dumm und dämlich, während 70 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland Verluste schreiben.

Beifallbei der AfD

Allein mit diesen 20 Milliarden Euro an jährlichen EEG-Subventionen könnten wir das gesamte aufgelaufene Defizit der Krankenhäuser von heute fast 15 Milliarden Euro in einem Zug bezahlen. Aber das ist leider politisch nicht gewollt. Die Union kuscht lieber vor den Klimalobbyisten.

Beifallbei der AfD

Wir von der AfD sagen: So geht es nicht weiter. Wir haben einen eigenen Haushalt vorgelegt mit fast 1 000 Änderungsvorschlägen. Die AfD beantragt unter anderem eine Erhöhung des Bundeszuschusses an die gesetzliche Krankenversicherung um 4 Milliarden Euro. Damit sollen versicherungsfremde Leistungen vermehrt aus Steuermitteln finanziert werden, etwa die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern. Ziel ist es, Beitragssteigerungen zu verhindern und die Lohnnebenkosten zu stabilisieren.

Beifallbei der AfD

Wir zeigen: Es geht, wenn man es will, man muss nur den politischen Mut haben. Ohne solide Finanzen gibt es keine soziale Sicherheit, keine Rente, keine Bildung, keine innere Stärke. Es ist höchste Zeit für einen Kurswechsel.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die SPD-Fraktion Serdar Yüksel.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Serdar Yüksel
Foto: Landtag NRW
6 Vermerkeca. 718 WörterReaktionswert: niedrig
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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich möchte den Blick und die Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema im Bereich Gesundheit lenken, nämlich auf die globale Gesundheit. Was globale Gesundheit mit unserer eigenen Gesundheit zu tun hat und mit der Herausforderung, die wir hier zu bewältigen haben, werde ich bis zum Ende meiner Rede deutlich herausarbeiten.

Man kann sagen, dass die globale Gesundheit in keinem guten Zustand ist. Die Pandemie, die wir in den letzten Jahren in Deutschland hatten, hat ja gezeigt, wie wichtig die globale Zusammenarbeit ist. Aber durch den Ausstieg der US-Amerikaner aus der WHO

Beifalldes Abg. Tobias Ebenberger [AfD]

fehlen der WHO für die globale Gesundheit 1,3 Milliarden Dollar. Und durch das Aus von USAID fehlen dem Global Fund, der sich seit 2002 sehr erfolgreich im Bereich der globalen Prävention und der Behandlung von Krankheiten in rund 100 Ländern dieser Welt engagiert, Mittel in Milliardenhöhe. Diese Länder sind darauf angewiesen, dass die reichen Länder des Nordens Geld zur Verfügung stellen, damit sie insbesondere bei Malaria, bei HIV/Aids, aber auch bei Tuberkulose Medikamente kostenlos zur Verfügung stellen können. Durch den Ausstieg der US-Amerikaner fehlen 2 Milliarden Dollar im Global Fund und 1,3 Milliarden Dollar bei der WHO. Experten der Ärzte ohne Grenzen sagen, es ist eine riesengroße Katastrophe. Diese Entscheidung kostet 670 000 Menschen das Leben. – Und Sie haben da gerade geklatscht. Es ist menschenverachtend, dass Sie das richtig finden.

Beifallbei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Kolleginnen und Kollegen, Krankheitserreger machen an den Grenzen nicht halt. Die Welt ist ein globales Dorf. Wir machen überall in der Welt Urlaub, sind in der Welt unterwegs – und kommen auch mit Erkrankungen aus aller Welt wieder zurück. Das heißt, es ist in unserem eigenen Interesse, die globale Gesundheit in den Blick zu nehmen, dass die Nordhalbkugel auch die Verantwortung für die Südhalbkugel wahrnimmt. Wir machen eine Menge. Bis 2030 stellen wir 850 Millionen Euro zur Verfügung. Wir können nicht das kompensieren, was die US-Amerikaner der globalen Gesundheit zur Verfügung stellen und was nun fehlt. Aber ich will damit sagen: Es ist unsere Verantwortung, auch im Geleit mit den europäischen Partnern zu versuchen, so viel Mittel wie möglich im Global Fund oder auch bei der gemeinsamen Impfstrategie der GAVI aufrechtzuerhalten, damit wir unserer Verantwortung auch nachkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jedes Jahr verlieren ungefähr 1,2 Millionen Menschen das Leben durch eine Malariainfektion oder wegen HIV/Aids. Was meinen Sie, was in den nächsten Jahren passiert, wenn die, die darauf angewiesen sind, die kostenlosen Medikamente zu bekommen, diese nicht mehr bekommen? Die Ansteckungsraten werden wieder zunehmen, mehr Menschen werden sterben. Ich habe mich mit Leuten unterhalten, die in dem Bereich unterwegs sind, und ich hatte letzte Woche ein Treffen mit Ärzte ohne Grenzen. Die haben mir gesagt, dass die Medikamentenabgabe in vielen Ländern inzwischen eingestellt worden ist. Was das für Resistenzentwicklungen insbesondere bei Tuberkulose mit sich bringt, die dann auch irgendwann bei uns landen, und was das mit dem Leben dieser Menschen macht, das zeigt die besondere Verantwortung, die wir haben.

Trotz aller Probleme, die hier gerade beschrieben worden sind, reden wir ehrlicherweise mit Blick auf die globalen Gesundheitsherausforderungen doch am Ende von Luxusproblemen. Wir haben nach wie vor – das will ich wiederholen – eines der besten Gesundheitssysteme der Welt.

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Peter Aumer [CDU/CSU]

Wir können gemeinsam stolz darauf sein, ohne zu negieren, was die Herausforderungen bei uns sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen – Frau Präsidentin, ich schenke heute eine Minute –, die globale Gesundheit muss in den Fokus der Öffentlichkeit, muss in den Fokus der deutschen Gesundheitspolitik der EZ und auch in den Bereich der europäischen Strategien rücken. Andernfalls werden diese Krankheiten bei uns irgendwann zu einem riesengroßen Problem werden. Lassen wir da in der globalen Verantwortung bitte nicht nach! Diese 100 Länder zählen auf uns, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Vielen herzlichen Dank. Damit machen Sie zwei längere Überziehungen wieder wett. – Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für Bündnis 90/Die Grünen Dr. Paula Piechotta.

Porträt von Paula Piechotta
Foto: Paula Piechotta/ Philip Knoll
9 Vermerkeca. 1.187 WörterReaktionswert: hoch
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Vielen herzlichen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürger/-innen im Saal und außerhalb! Die Ministerin ist seit wenigen Monaten im Amt, und sie hat ein Kunststück fertiggebracht, das, glaube ich, wenige auf dem Schirm hatten: Die Ersten in diesem Land wünschen sich Karl Lauterbach zurück.

Tatsächlich hört man auch aus der Koalition die Ersten, die sagen: Es gab all die Punkte, die wir immer kritisiert haben; aber er war halt vom Fach.

Ich habe der Ministerin zugehört. Ich entschuldige mich dafür, dass ich ein bisschen zu spät kam, aber ich habe extra noch mal nachgefragt. Es gibt ja einen Grund, warum man in zehn Minuten Redezeit nicht wirklich über den Haushaltsentwurf für das Gesundheitsministerium redet: Dieser Haushaltsentwurf hat nichts, was man in zehn Minuten gutreden könnte. Bei der Prävention wird gekürzt, bei der internationalen Zusammenarbeit wird unterm Strich gekürzt. Der Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung ist nicht so hoch, dass, wie versprochen, die Beiträge zum 01.01. nicht steigen müssen; und es gibt viele andere Punkte mehr. Ganz unabhängig davon ist der Entwurf auch nicht ehrlich, weil die ganzen Urteile zum Bereich Masken natürlich noch massiv reinhauen werden. Ich verstehe, dass man dann nur über Reformen redet, die man noch nicht gemacht hat, sondern nur verspricht zu machen. Und wir wissen ja, was wir von Versprechen dieser Koalition zu halten haben.

Ich habe aber aufmerksam zugehört – ich finde es ganz gut, dass ich so spät in der Debatte rede –, und ich muss sagen: Der Streit, der in der Koalition vor der Sommerpause da war, ist heute in den Reden zu diesem Haushaltsentwurf noch deutlicher geworden. Insbesondere wird da der Konflikt ausgetragen: Wie sieht die Reform der Krankenkasse eigentlich am Ende aus? Wir haben in den letzten Wochen in der „Bild“-Zeitung gelesen – es wird ja alles herangezogen, was man dazu ins Feld führen kann –: „Kampf um unsere Kassen-Beiträge“, SPD gegen Union. Wer setzt sich am Ende durch? – Und wir sehen, dass die Debatte insbesondere von der Union künstlich enggeführt wird.

Sie verbringen viel zu viel Zeit auf Social Media! Twitter-Bubble ist das!

Da wird nämlich gesagt: entweder Leistungskürzungen oder aber 4 plus 2 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuerzuschüssen, die dieser Finanzminister Klingbeil freigeben muss. Der sagt – und ich finde an der Stelle, sehr zu Recht –, wenn er diese Milliarden jetzt noch freigeben würde – ganz abgesehen davon, dass die nicht wirklich vorhanden sind –, dann würde der Druck auf die Union sinken, echte Reformen bei der Krankenkasse zu machen.

Meine Damen und Herren, die echten Reformen bei der Krankenkasse müssen jetzt kommen, weil es nicht nachhaltig ist, immer nur Milliarden zuzuschießen und das Defizit nächstes Jahr laut Rechnungshof noch um 6 bis 8 Milliarden Euro größer ist.

Spätestens 2027 – das wissen Sie ganz genau – ist im Haushalt endgültig nicht mehr genug Spielraum, um dieses Loch zu füllen. Sie müssen ehrliche Reformen machen; denn in Wirklichkeit ist es ja nicht so, wie Sie sagen. Es geht nicht um die Frage „Leistungskürzung oder Steuerzuschuss?“. Es ist – das hat die Kollegin Seitzl von der SPD ja richtigerweise gesagt – auch ein dritter Weg möglich, und der dritte Weg bedeutet echte Reformen, die die Defizite und die Leistungsineffizienzen in diesem Krankenkassensystem und Gesundheitswesen beheben. Auch der Kollege Theiss war da deutlich ehrlicher als viele andere Kollegen im Kabinett.

Sie bringen ja jetzt sehr viele verschiedene Vorschläge in die öffentliche Debatte ein. Jeden Tag dürfen 50 Unionsabgeordnete ihren ganz höchstpersönlichen Vorschlag für Leistungskürzungen der Krankenkasse in der Presse ausbreiten.

So schlimm wie die Grünen sind wir noch nicht!

Das wirkt wenig koordiniert, wenn ich das von hier aus sagen darf. Aber ich glaube, in der Debatte hier ist rausgekommen, dass das am Ende vor allen Dingen dazu führt, dass die Menschen im Land verunsichert werden, weil die jetzt nicht wissen: Hat dieser Typ von der Union, der sagt, ich müsse 200 Euro Strafe zahlen, wenn ich zum falschen Arzt gehe, oder der andere, der plötzlich eine Dreiklassenmedizin will, eigentlich etwas in der Union zu sagen? Die einzigen Menschen, denen Sie damit helfen, sind die von der AfD. Sie haben gesehen, wie dankbar die das hier aufgreifen.

Sie versuchen, in der Koalition taktische Auseinandersetzungen zu führen, indem Sie die SPD unter Druck setzen, indem Sie Vorschläge in den öffentlichen Raum stellen, die die Menschen verunsichern, in der Hoffnung, dass die Menschen irgendwann so verunsichert sind, dass sie sagen: Danke, dass ich mehr Kassenbeitrag bezahlen darf. – Das ist wahrscheinlich Ihre Hoffnung; aber am Ende helfen Sie wieder nur der AfD. Und Sie wissen, dass Sie am Ende wieder nur der AfD helfen.

Simone Borchardt [CDU/CSU]: Da muss sie selber lachen!
Felix Schreiner [CDU/CSU]: Da müssen Sie selber lachen!

– Auch Sie wissen das, lieber Felix Schreiner.

Ich glaube, wir müssen uns gemeinsam bewusst werden: Die Krankenkassen in Deutschland gibt es seit 1883, seit über 140 Jahren. Seit über 140 Jahren werden Menschen in diesem Land von der Versicherung abgesichert, wenn sie krank werden. Wir sollten nicht die Generation im Deutschen Bundestag sein, mit der das schiefgeht. Wir sollten nicht die Generation im Deutschen Bundestag sein, die tatsächlich die GKV an die Grenze des Zusammenbruchs bringt.

Der Druck ist jetzt ausreichend groß, dass echte Reformen, liebe Union, kommen müssen.

Die kommen jetzt!

Und da müssen wir über die steigenden Ausgabenblöcke reden. Das Problem ist nicht der deutsche Arbeitnehmer. Das Problem ist nicht der Patient in der Notaufnahme von Frau Merendino. Das Problem ist, dass wir galoppierende Ausgabensteigerungen im Bereich Krankenhaus und im Bereich Medikamente haben. Wenn Sie ehrlich sind, wissen Sie: Sie müssen an die Krankenhauskosten ran. Frau Warken hat gerade erst wieder eine Reform verwässert, die genau das angegangen ist. Die Ministerin ist nach wenigen Monaten nicht Teil der Lösung, sondern schon Teil des Problems. Auch das ist eine wahre Leistung. Und Sie müssen an die Medikamentenkosten ran. Das ist ehrlich, und das wäre gerecht für die Menschen in diesem Land.

Jetzt noch was Konstruktives! Jetzt noch ein paar Ideen!

Jetzt noch ein paar gute Ideen!

Jetzt haben wir aber ein Bundesgesundheitsministerium, von dem wir wissen: Es kommuniziert mit dem Parlament nicht ehrlich. Wir haben erst in diesen Tagen wieder gelernt, dass in den Coronajahren Antikörper beschafft wurden, über die uns immer gesagt wurde, dass die 400 Millionen Euro gekostet haben, während sie in Wirklichkeit am Ende 600 Millionen Euro gekostet haben. Ein Ministerium, das das Parlament bei Geldsummen nicht einmal in diesen Größenordnungen korrekt informiert, ist ein Ministerium, das die Gewaltenteilung zwischen Parlament und Kabinett nicht ernst nimmt und ein Problem für die Gewaltenteilung in der Demokratie ist, meine Damen und Herren. Aber auch da setze ich auf die schlauen Kollegen in der Regierungskoalition.

Vielen Dank.

Der nächste Redner in der Debatte: für die Unionsfraktion Dr. Thomas Pauls.

Beifallbei der CDU/CSU
Porträt von Thomas Pauls
Foto: DBT / Inga Haar
5 Vermerkeca. 553 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Merendino, Sie haben gerade gesagt, das Gesundheitssystem sei kaputtgespart worden. Ich sehe das Problem ein bisschen anders. Ich würde sagen: Unsere Gesundheit ist uns lieb und teuer. Kein anderes Land in Europa investiert pro Kopf so viel in seine Gesundheit.

Mit dem Haushalt 2026 werden wir sogar noch mehr investieren. Das könnte tatsächlich die positive Nachricht von mir sein, und ich könnte die Rede schließen; aber, ja, es ist nicht das Ende der Geschichte. Wenn wir die Leistungserbringer fragen: unzufrieden; die würden gerne mehr Zeit mit dem Patienten und weniger Zeit mit der Bürokratie verbringen. Wenn wir die Patienten und die Angehörigen fragen: unzufrieden; die klagen über gestiegene Beiträge und lange Wartezeiten. Und während wir im EU-Vergleich, wie gerade geschildert, am meisten und weiterhin steigend mehr investieren, ist unsere Lebenserwartung unter dem EU-Durchschnitt und wächst auch langsamer als in den meisten anderen EU-Ländern. Offensichtlich müssen wir eigentlich mehr Gesundheit für unser Geld bekommen, und das wollen wir jetzt ändern.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir haben gerade wieder gehört, wir bräuchten einfach mehr Geld; im Zweifel soll es ja irgendwie von den Reichen kommen. Meine Damen und Herren, wenn im Alltag ein Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt, dann nehme ich mir nicht die Geldbörse vom Nachbarn, zahle noch was drauf, hoffe, dass es irgendwie besser wird, und sage: Cool, ich habe das Problem gelöst.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Nein, das Problem ist komplexer, und eine Facette davon ist: Unser Gesundheitssystem ist noch immer zu analog. Darum bin ich Frau Ministerin Warken und ihrem Haus sehr dankbar dafür, dass sie Impulse zur Digitalisierung gesetzt hat.

Das E-Rezept wird, wenn es auch zu Beginn Druck gab, nun breit genutzt. Fast 1 Milliarde E-Rezepte wurden bereits ausgestellt, und wir werden den Funktionsumfang erweitern.

Wir sorgen mit dem Sofortprogramm für Cybersicherheit für eine sichere und resilientere IT in den Krankenhäusern und in den Praxen.

Mit der ePA haben wir endlich eine Grundlage für eine digital begleitete Versorgung. Wir können damit gezielter behandeln, gezielter verschreiben und Doppelbehandlungen vermeiden. Auch hier werden wir den Funktionsumfang erweitern. Die ePA wird übrigens nicht nur in der Versorgung, sondern auch in der Forschung neue Möglichkeiten eröffnen. Darum stellen wir in den kommenden zehn Jahren 500 Millionen Euro für eine Gesundheitsdateninfrastruktur zur Verfügung.

Da wir schon bei der Forschung sind: Wir sind in Deutschland stark in der Forschung, auch in der Entwicklung von KI, insbesondere im Gesundheitswesen; aber in der Anwendung bremsen wir uns leider oft selbst durch unsere eigene Bürokratie aus. Darum fördern wir KI-Reallabore im Gesundheitssektor mit 150 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren.

Meine Damen und Herren, Sie sehen: Mit diesem Haushalt machen wir unser Gesundheitssystem digitaler, damit wir wieder mehr Gesundheit für unser Geld bekommen. Damit bringen wir Deutschland wieder voran.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Julian Schmidt für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Julian Schmidt
Foto: Julian Schmidt/Vadim Derksen
8 Vermerkeca. 530 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn in Ihrer Heimat ein Krankenhaus vor der Schließung steht, dann werden dieser Haushalt und diese Regierung daran definitiv nichts ändern.

Beifallbei der AfD

Frau Piechotta, ich kann Ihnen da nur zustimmen: Die Krankenhausfinanzierung in Deutschland läuft in die völlig falsche Richtung.

Habe ich nicht gesagt!

Erstens. Die Länder kommen ihrer Investitionsverantwortung seit vielen Jahren nicht nach. Trotzdem wollen Sie von der Koalition die Länder nun zusätzlich entlasten. Das kann finanziell niemals nachhaltig sein, meine Damen und Herren.

Zweitens. Der Krankenhaustransformationsfonds sollte ursprünglich zur einen Hälfte von den Ländern und zur anderen Hälfte aus den Beiträgen der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Damit hätten die Beitragszahler wieder die Kosten für Aufgaben getragen, die eigentlich gesamtgesellschaftliche Aufgaben sind und von denen auch Privatversicherte profitieren. Dass der GKV-Anteil jetzt aus Steuermitteln übernommen wird, ist grundsätzlich richtig. Aber es sind die Länder, die in der Verantwortung sind, und eben nicht der Bund.

Beifallbei der AfD

Warum, meine Damen und Herren, lassen Sie eigentlich immer noch die Beitragszahler der GKV die Beiträge der Bürgergeldempfänger bezahlen, obwohl auch dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist? Warum soll denn der Industriearbeiter oder die Bäckereifachverkäuferin für die Bürgergeldempfänger bezahlen, nicht aber der privatversicherte Beamte, der Lehrer oder der von Ihnen so viel zitierte reiche Unternehmer? Wo ist denn da Ihr Gerechtigkeitssinn, liebe SPD?

Beifallbei der AfD

Drittens. Beim Zuschuss zu den sogenannten Sofort-Transformationskosten – 4 Milliarden Euro – herrscht ein reines Gießkannenprinzip. Es gibt keine klare Definition, keine Zweckbindung, keine Nachweispflicht. So retten wir kein einziges Krankenhaus in unserem Land. Gerade die kleineren ländlichen Häuser, die es am nötigsten hätten, werden davon nicht profitieren.

Beifallbei der AfD

Das Ganze verstößt klar gegen die Regeln des Sondervermögens und ist verfassungsrechtlich mehr als fragwürdig.

Ein Beispiel aus meinem Wahlkreis, aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf: Das DRK-Krankenhaus Biedenkopf musste vor einiger Zeit in die Insolvenz gehen – ein Krankenhaus, das unverzichtbar für die Versorgung vor Ort, für die Versorgung bei uns im ländlichen Raum ist. Wir als Landkreis haben den Bund, haben das Land Hessen um Hilfe gebeten – ohne Erfolg. Beide schieben die Verantwortung dem Landkreis zu. Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als am kommenden Freitag den Beschluss zu fassen, das Krankenhaus zu kommunalisieren. Das bedeutet für uns jährlich rund 5 Millionen Euro Verlustübernahme – für einen Landkreis, der ohnehin finanziell schon ziemlich am Limit ist und dessen Haushalt hoch defizitär ist. Die Folgen sind ganz klar: kein finanzieller Spielraum mehr, weniger Investitionen vor Ort, höhere Kreisumlagen für Städte und Gemeinden. Am Ende müssen die Bürger die Zeche zahlen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, wir brauchen keine Sondervermögen, wir brauchen keine einmaligen Zuschüsse mit der Gießkanne. Wir brauchen echte Reformen, die die strukturellen Probleme lösen. Die Kommunen brauchen wieder Luft zum Atmen. Kommen Sie endlich zur Vernunft! Lassen Sie die Kommunen, lassen Sie den ländlichen Raum nicht am langen Arm verhungern!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Der nächste Redner in der Debatte ist Dr. Hendrik Streeck für die CDU/CSU-Fraktion. Es ist seine erste Rede hier.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Hendrik Streeck
Foto: Hendrik Streeck/ David Peters
7 Vermerkeca. 471 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie Sie wissen, bin ich Arzt. Einige von Ihnen sind es auch. Aber was uns alle hier im Saal eint – auch mit den Menschen da draußen –: Wir sind alle Patientinnen und Patienten. Und die allermeisten von uns hier haben doch das Ziel, eine bestmögliche Gesundheitsversorgung nicht nur für wenige Privilegierte, sondern für alle zu ermöglichen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Damit der Arzt aber in Zukunft für alle erreichbar bleibt, damit ambulante und stationäre Versorgung aber weiterhin auf höchstem Niveau bleibt, damit innovative Behandlungsmethoden auch bei denen ankommen, die sie wirklich brauchen, brauchen wir dringend Reformen, deutliche Reformen – Reformen, die verhindern, dass die Beiträge am Ende weiter steigen.

Meine Damen und Herren, Frau Ministerin Warken hat bereits eine Reihe von wichtigen Reformen angestoßen: Entbürokratisierung der Pflege, Anpassung der Krankenhausreform, Einführung eines Primärarztsystems. Und sie hat dazu aufgefordert, in der Debatte auf Denkverbote zu verzichten. Ja, das finde ich mutig, aber auch richtig; denn ein Weiter-so – das wissen wir alle – geht einfach nicht mehr.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir alle sind in der Pflicht, Antworten zu geben statt auszuweichen, reflexhaft alle neuen Ideen abzulehnen oder nur künstlich Empörung zu spielen.

Bei den anstehenden Reformen sind mir drei Punkte ganz besonders wichtig:

Erstens. Prävention, Vorsorge und ein gesunder Lebensstil sind der stärkste Entlastungshebel für unser Gesundheitssystem.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Jawohl! Sehr gut!

Jeder heute investierte Euro spart in der Zukunft ein Vielfaches ein.

Zweitens. Wir brauchen einen klaren Fokus auf Effizienz. Und dazu gehört auch, unnütze Behandlungen zu vermeiden und Fehlanreize abzubauen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wenn 30 Prozent der teuren Behandlungen in der Notaufnahme vermeidbar sind, muss an solchen Punkten einfach gegengesteuert werden.

Drittens. Unser Gesundheitssystem ist eine Solidargemeinschaft. Es lebt von der Solidarität aller gegenüber dem Einzelnen, der gerade Hilfe braucht, aber auch davon, dass der Einzelne solidarisch mit den Ressourcen der anderen umgeht. Eine sozialverträgliche Selbstbeteiligung, die wir im Übrigen bei einigen Themen bereits haben, heißt daher nicht „Praxisgebühr 2.0“. Es geht vielmehr um Steuerung, Planung und Abbau von Fehlanreizen, um dafür zu sorgen, dass die Beitragssätze eben nicht weiter steigen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Unser Gesundheitswesen kostet, es ist aber auch kostbar. Prävention, Effizienz und die Bereitschaft zur Solidarität sind Schritte, es zu erhalten und zu stärken. Lassen Sie uns daher diese Debatte bitte gemeinsam, lösungsorientiert und vor allem sachlich führen!

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Der nächste Redner in der Debatte ist Tobias Ebenberger für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Tobias Ebenberger
Foto: Tobias Ebenberger
16 Vermerkeca. 732 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Lassen Sie uns mal gemeinsam auf den Tag genau fünf Jahre in der Zeit zurückgehen, zum 23. September 2020. Was geschah seinerzeit an dem sonnigen Herbsttag?

Das ist mir total egal!

Heiterkeitbei der Linken und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

– Das ist Ihnen egal. Das ist ja schön. Ich glaube Ihnen das sogar an der Stelle. – Der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn beispielsweise, heute Fraktionsvorsitzender, zog nach 100 Tagen Corona-Warn-App das erste Mal Bilanz. Christian Drosten behauptete, die Pandemie ginge erst so richtig los. Und Karl Lauterbach sah Deutschland schon am Scheideweg und forderte drastische Maßnahmen. Meine Damen und Herren, die sollten wir auch bekommen, und zwar auf Jahre hinaus – Jahre, in denen Sie Grundrechte willkürlich in den Giftschrank sperrten,

Menschen zu Versuchskaninchen der Pharmaindustrie erklärten, Familien zersplitterten und Millionen Bürger ausgrenzten und sogar entmenschlichten, dass es mir noch heute eiskalt den Rücken runterläuft.

Beifallbei der AfD

Herr Kollege, ich muss an dieser Stelle eingreifen. Mäßigen Sie sich in der Rede! Ich lasse mir auch das Protokoll für diese Stellen vorlegen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Gut. Vielen lieben Dank.

Herr Kollege, dafür erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf.

Beifalldes Abg. Felix Schreiner [CDU/CSU]

Gut. – Und an die anderen Oppositionskollegen hier, die aktuell mit einem Untersuchungsausschuss zur Maskenaffäre um Jens Spahn kokettieren, kann ich an dieser Stelle sagen: Er muss für ganz andere Sachen geradestehen. Der Mann und auch viele andere hier im Saal gehören vor einen Corona-Untersuchungsausschuss.

Beifallbei der AfD

Doch davor haben auch Sie Angst; denn Sie alle haben fleißig mitgemacht.

Auch im Gesundheitshaushalt 2026 halten sich beharrlich Rückstände von Corona. Noch nach fünf Jahren bewilligen Sie 5,4 Millionen Euro an Zuschüssen – Zitat – „zur Bekämpfung des Ausbruchs des neuen Coronavirus“ –; okay. Die Kindergesundheit fördern Sie übrigens mit nur halb so viel. 59 Millionen Euro gibt es für die Abwicklung bestehender Impfstoffverträge. 21 Millionen Euro mehr gönnt das Entwicklungsministerium Bill Gates’ dubioser Impfallianz GAVI – ein rein freiwilliger Beitrag, natürlich. Den Kampf gegen unsere Freiheit und Souveränität fördert diese Bundesregierung aber mit weitaus mehr: 336 Millionen Euro für die Finanzierung der Pandemiebereitschaftsverträge, 122 Millionen Euro für internationales Gesundheitswesen, darunter der deutsche Mitgliedsbeitrag an die WHO, eine Fassadenorganisation für Pharmakonzerne, IT-Giganten und die Finanzwirtschaft,

Wenn Sie an multiresistenter Tuberkulose erkranken, werden Sie diese Worte bereuen!

deren Generaldirektor mithilfe der neuen Internationalen Gesundheitsvorschriften Pandemien quasi auf Verdacht ausrufen kann,

Internationale Gesundheitsvorschriften durch die – Zitat – „die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit, der Freiheit der Person, des Brief- und Postgeheimnisses und der Freizügigkeit eingeschränkt werden“.

Da fragen sich selbst Ihre Fraktionskollegen, was Sie gerade so Blödes von sich geben!

Na, sage mal!

Wen ich gerade zitiert habe? Sie, Frau Ministerin Warken; denn das schreibt die Bundesregierung in ihrem vor rund zwei Wochen an den Bundestag zugeleiteten Gesetzentwurf,

Da sind sogar Ihre eigenen Kollegen schockiert bei der Rede!

der Deutschland völkerrechtlich an die WHO-Vorschriften binden soll. Das ist aber kein Völkerrecht; das ist größtes Völkerunrecht, und wir als AfD-Fraktion werden einen Teufel tun, dem zuzustimmen. Wir werden uns dem immer vehement entgegenstellen.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, exakt heute vor fünf Jahren protokollierte der Covid-19-Krisenstab des RKI, dass Lothar Wieler vom WHO-Generaldirektor in höchsten Tönen gelobt worden sei. Ich möchte lesen, dass der WHO-Chef wegen Deutschland vor Wut schäumt, weil wir verstanden haben, dass Gesundheit nie wieder als Waffe missbraucht werden darf,

Beifallbei der AfD

weil wir verstanden haben, dass unser Geld hier in Deutschland ausgegeben werden muss, und weil wir verstanden haben, dass dieser Laden endlich verlassen werden muss.

Wer schreit, hat unrecht!

Herzlichen Dank.

Beifallbei der AfD

Den Schluss in dieser Debatte macht für die Unionsfraktion Peter Aumer.

Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
18 VermerkeZwischenfrageca. 1.213 WörterReaktionswert: sehr hoch
Reaktionswert: sehr hoch

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist ja schön, wenn die AfD die Geschichte mal wieder auf ihre eigene Art und Weise darstellt.

Nee, ist nicht schön!

Ich hatte während der Rede Zeit, mal zu googeln. In einer Bundestagsrede vom 4. März 2020 sagte Alice Weidel:

Das war 4. März! Der Kollege redete von September! Da gab es schon viel aktuellere Daten!

Die Bundesregierung hat wertvolle Zeit verstreichen lassen, um die Gefahr des Virus zu verharmlosen.

Stellen Sie sich Ihrer Verantwortung, und suchen Sie sich in der Geschichte nicht einfach heraus, was Sie wollen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir als CDU/CSU und SPD haben hier erneut Verantwortung bewiesen und stellen einen Haushaltsentwurf vor, der auf zentrale Fragen der Gesundheitspolitik Antworten gibt. Und, Frau Piechotta, wir müssten nicht so einen Druck aufbauen, wenn Ihr Wirtschaftsminister eine bessere Bilanz hinterlassen hätte.

– Ich glaube, in der Politik ist es wichtig, alles in der Gesamtheit zu sehen. Und, Herr Dr. Dahmen, bei Ihnen ist genauso schwierig, dass Sie sich in der Rede nur auf einen kleinen Bereich fokussieren. – Das Große und Ganze ist ganz wesentlich, und das gehen wir mit diesem Haushalt an, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir leiten Konsolidierungsmaßnahmen ein.

Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage von Frau Piechotta.

Rednerwechsel

Frau Piechotta hat so lange geredet und wir hören uns so oft, dass es, glaube ich, keinen Sinn macht, jetzt noch mal zu diskutieren.

Beifallbei der CDU/CSU

Wir stellen die Weichen für anstehende Reformen. Herr Dr. Dahmen, Sie haben vorhin gesagt, dies sei ein Haushalt, der nicht mutig sei, der nicht anpacke.

Ja! Genau so ist es! Ein Verschiebehaushalt!

Wer hat denn in den letzten Jahren Verantwortung in der Gesundheitspolitik getragen, Herr Dahmen? Ihre Reden sind sicherlich nicht Spiegelbild einer anpackenden Gesundheitspolitik gewesen.

Sich jetzt hierhinzustellen und Reformen einzufordern, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist ein kleines bisschen billig.

Abg. Dr. Janosch Dahmen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

Herr Kollege, jetzt gibt es noch einen Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Rednerwechsel

Auch der Kollege hat vorhin schon geredet. Ich glaube, es ist gut, es dabei zu belassen.

Der Etat des Bundesgesundheitsministeriums für 2026 umfasst circa 20,1 Milliarden Euro – das ist viel Geld, ja –, aber er setzt klare Signale. Ich habe es schon gesagt: Wir sorgen für Stabilität, für zukunftsfeste Pflege und modernisieren unser Gesundheitssystem.

Einige Punkte möchte ich kurz aufgreifen:

Erstens. Wir stabilisieren die Krankenversicherung. Es ist angesprochen worden, dass der Druck groß ist: Demografie, medizinischer Fortschritt, neue Therapien, die Kosten laufen aus dem Ruder. Der Haushalt muss natürlich Antworten geben, wie wir verhindern, dass die Beiträge sich so weiterentwickeln. Wir wollen mit den 4 plus 2,3 Milliarden Euro, die im Moment in der Debatte sind – 2,3 Milliarden Euro als Darlehen; bei den 4 Milliarden Euro muss die Finanzierung noch geklärt werden –, verhindern, dass die Beiträge für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Betriebe steigen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der Herr Kollege Sichert hat in seiner Rede vorhin Vorschläge vermissen lassen.

Beifallbei der CDU/CSU

So ist es nämlich!

Wenn man sich immer nur hinstellt und auf andere draufhaut, statt Vorschläge zu machen, zeigt das mal wieder, wie Politik eben auch funktionieren kann.

Haben Sie ihm nicht zugehört? Da gab es diverse Vorschläge von uns!

– Von der Fraktion, sicher; aber das sollte ein Redner ja aus Überzeugung vortragen.

Hat er ja! Letzte Woche!

Habe ich ja!

Das hat er nicht gemacht; ich habe sie nicht gehört. Wir lassen uns dieses Land nicht schlechtreden, Herr Sichert, wie Sie das bei all Ihren Reden tun.

Wir sind froh, dass das der Wähler entscheidet!

Wir lassen uns die Gesundheitspolitik nicht schlechtreden, und wir lassen uns unsere Ministerin nicht schlechtreden, meine sehr geehrten Damen und Herren,

weil wir versuchen, die Aufgaben ganzheitlich zu lösen. Dazu gehört, erstens, die gesetzliche Krankenversicherung und, zweitens, natürlich auch die Pflegeversicherung, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Zweitens. Auch in der Pflegeversicherung gilt, dass wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen; das ist von verschiedener Seite angesprochen worden. Aber das Leben ist kein Wunschtraum, Frau Kollegin Mazzi. Wir müssen schauen, dass wir die Dinge, die wir heute diskutieren, auch verantwortungsvoll in die Zukunft tragen. Das ist etwas, das jeder in seiner politischen Tätigkeit tun sollte. Ja, darauf müssen wir Antworten geben. Aber auch bei Ihnen von den Linken ist es so, dass man Wirtschaft und unser Land als Ganzes denken sollte, und das lassen Sie leider in allen Debatten vermissen.

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Drittens, meine sehr geehrten Damen und Herren: Digitalisierung und Vorsorge. Für das 21. Jahrhundert braucht es moderne Strukturen. Wir bringen Digitalisierung voran – elektronische Patientenakte, E-Rezept – und sorgen für weniger Papierkram. Das spart Zeit und sorgt für Sicherheit. Auch für die Pflegekräfte ist es, denke ich, ganz wichtig, dass sie weniger dokumentieren müssen. Bei jedem Besuch in Altenheimen oder in Krankenhäusern geben die Pflegekräfte mir mit, dass sie nur noch dokumentieren; die Menschen in unserem Land fordern hier Verantwortung ein. Das ist, glaube ich, schon ein Punkt, wo wir mit der Reform im Land beginnen müssen. Auch für das Sofortprogramm Cybersicherheit gibt es mehr Geld, 190 Millionen Euro – ein starkes Signal.

Es ist der Herbst der Reformen. Wir wollen nicht sparen, sondern verändern, Reformen in unserem Land voranbringen, und das verlangt Mut. Ich bin gespannt, ob die Opposition diesen Mut mitträgt und nicht nur kritisiert.

Wir alle stehen in der Verantwortung für dieses Land,

Beifallbei Abgeordneten der CDU/CSU

Auf jeden Fall!

und dazu gehören eine stabile Krankenversicherung und eine stabile Pflegeversicherung. Lassen Sie uns das bitte gemeinsam diskutieren, damit der Haushalt finanzierbar bleibt! Dieses Versprechen geben wir Ihnen.

Sie machen 170 Milliarden Schulden!

Wir hoffen, dass wir in den nächsten Monaten der Haushaltsdebatte einen guten Weg gehen können.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Jetzt lasse ich noch eine Kurzintervention zu. Die Fraktion der Grünen hat sich geeinigt auf Dr. Dahmen.

Gab’s da Streit?

Heiterkeitbei Abgeordneten der AfD

– Nee, aber es war die Frage, wer es macht.

Porträt von Janosch Dahmen
Foto: Bündnis 90/ Die Grünen, Stefan Kaminski
3 VermerkeZwischenfrageca. 180 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Da ich direkt angesprochen wurde und wir auf dem Weg zum Herbst der mutigen Reformen schon so viel Mutlosigkeit erlebt haben, dass Zwischenfragen gar nicht mehr möglich waren,

wollte ich am Ende dieser denkwürdigen Debatte noch mal die Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, dass Sie einen gefährlichen Jo-Jo-Effekt bei den Beitragserhöhungen in Gang gesetzt haben, indem Sie statt der versprochenen Zuschüsse jetzt nur Darlehen vorgesehen haben, und dass Sie in der ganzen Debatte haben vermissen lassen, was denn für die beiden größten Ausgabenblöcke – der Bereich der Ausgaben für die Krankenhäuser, wo wir eine Steigerung von 10 Prozent allein im ersten Halbjahr haben, und der Bereich der Pharmakosten, wo wir eine Steigerung der Ausgaben um 6 Prozent haben – die konkreten Reformvorschläge sind, die jetzt kommen.

Ich meine damit nicht eine Krankenhausreform, die einfach nur verschiebt und Qualitätsstandards senkt, aber nichts auf der Ausgabenseite verändert, sondern – im Gegenteil – die Ausgabenmisere noch verschleiert.

Porträt von Peter Aumer
Foto: Peter Aumer/ Berli Berlinski
5 Vermerkeca. 329 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Dr. Dahmen, ich antworte darauf sehr gern. – Ich glaube, ich habe Ihr Problem vorhin schon beschrieben. Ich bin Haushälter, ich bin nicht an erster Stelle Gesundheitspolitiker.

Ich habe eingefordert, dass Sie auf den ganzen Haushalt blicken. Unsere Aufgabe ist vor allem, die Beitragssätze zu stabilisieren und dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt, damit das passiert, was Frau Dr. Piechotta meint: damit wir das notwendige Geld haben. Aus dieser Perspektive habe ich vorher meine Antwort gegeben. Ich habe mir fast gedacht, dass das kommt.

Wir müssen in der Gesundheitspolitik natürlich Reformen auf den Weg bringen. Der Druck ist groß. Es gibt Ihre Vorschläge. – Ja, da können Sie jetzt auf die Uhr schauen; aber man soll es auch nicht überhasten. Das ist vielleicht aus Oppositionssicht ein bisschen lustiger. Aber mit Regierungsverantwortung ist es eine große Aufgabe,

Ja, das kann man sagen!

diese Dinge verantwortungsvoll auf den Weg zu bringen.

Es geht um Millionen Menschen, die auf Pflegeplätze warten, die auf eine sichere Versorgung warten. Darauf sollten wir gemeinsam schauen. Helfen Sie mit: Sie sind eingeladen, wie auch alle anderen in diesem Haus, gute Vorschläge einzubringen.

Zurufder Abg. Dr. Anja Reinalter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Am Ende ist es unsere Aufgabe, den Haushalt so durch die Zeit zu bringen, dass wir das notwendige Geld haben, um diese Reformen durchzuführen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Fürs Protokoll: Der Ordnungsruf ging an Herrn Steffen Janich wegen der Kommentierung der Sitzungsleitung.

Damit schließe ich jetzt diese Aussprache. Weitere Mord- – Wortmeldungen – –

„Mordmeldungen“!

– „Mordmeldungen“ nicht; weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Mordmeldungen im Übrigen auch nicht – so weit kommt es noch.

Porträt von Alois Rainer
Foto: Alois Rainer/ DBT Inga Haar
12 Vermerkeca. 1.078 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit diesem Haushalt wird die Bundesregierung ihre Politikschwerpunkte mit konkreten finanziellen Mitteln unterlegen.

Aber bevor ich darauf eingehe, wie wir investieren und neue Perspektiven schaffen wollen, möchte ich einen Punkt ansprechen, der genauso wichtig ist. Wir leben in geopolitisch schwierigen Zeiten und stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Die Sparzwänge sind real. Deshalb ist es wichtig, dass wir Freiräume schaffen und unternehmerisches Handeln erleichtern. Was den Betrieben wirklich hilft, ist weniger Staat und nicht mehr. Sparen bedeutet nämlich nicht nur das Schließen von Finanzierungslücken. Wir müssen auch dafür sorgen, dass den Betrieben weniger Kosten und Belastungen entstehen.

Beifallbei der CDU/CSU

Mit Verlässlichkeit, Planbarkeit und intelligentem Bürokratieabbau können wir mehr erreichen als mit aufwendigen Förderprogrammen, die am Ende wenige Impulse setzen.

Ich bin mit meinen sogenannten „Heimat-Gesprächen“ viel unterwegs und höre aus der Praxis immer wieder eine klare Botschaft: Ausufernde und mitunter kontraproduktive Vorschriften rauben uns jede Flexibilität und auch Motivation. Die Bitte lautet dann sehr oft: Gebt uns einen verlässlichen und verständlichen Rahmen; aber lasst uns vor Ort auch mal machen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Bürokratieabbau, meine Damen und Herren, ist eine Daueraufgabe. Es bedeutet das Bohren dicker Bretter. Aber die bisherigen Erfolge zeigen, dass hier etwas verändert werden kann – ich hatte schon viel darüber gesprochen –: Stoffstrombilanzverordnung abgeschafft, Vereinfachungen bei Meldepflichten im Weinbau und vieles andere mehr. Aber wir setzen uns auch frühzeitig – und das ist sehr wichtig – für den Abbau von Bürokratie, vor allem aus Brüssel, ein. Was die EU vorschreibt, setzen wir in Deutschland grundsätzlich nur noch eins zu eins um.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass heute die Europäische Kommission angekündigt hat, die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte, EUDR, um ein Jahr zu verschieben.

Zurufvon der AfD: Die muss abgeschafft werden!

Wir müssen versuchen – und es auch tun –, hier ein bürokratiearmes Konstrukt zu erschaffen. Vor allem aber brauchen wir für Deutschland die Null-Risiko-Kategorie, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Esther Dilcher [SPD]

Danke für den Einsatz, Herr Minister!

Der Haushalt 2026 hat für mich drei klare Botschaften.

Erstens. Verlässliche Ernährungs- und Versorgungssicherheit in unserem Land gibt es nur mit einer starken, vielfältigen und zukunftsfähigen Land- und Ernährungswirtschaft.

Zweitens. Wir können stolz auf unsere Betriebe sein, weil sie für höchste Qualität und Standards stehen. Deshalb unterstützen wir die Branche mit größter Empathie.

Drittens. Wenn es Hilfe und Unterstützung im Krisenfall braucht, stehen wir bereit und übernehmen auch Verantwortung.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Starten möchte ich mit dem letzten Punkt. Die Situation unserer Winzerinnen und Winzer, unserer Kellereien ist dramatisch. Wir werden deshalb eine Informationsoffensive für den deutschen Weinbau unterstützen. Und wir werden auch auf europäischer Ebene daran arbeiten, Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen; denn Weinbau ist auch ein Stück Kulturgut bei uns in Deutschland, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Des Weiteren zu Punkt 2, der Stärkung des Exports unserer ausgezeichneten Produkte: Mit einer neuen Agrarexportstrategie werden wir alle relevanten Akteure eng mit einbinden. Wir wollen Maßnahmen aufsetzen, die es möglich machen, Marktchancen in kaufkräftigen Märkten besser zu nutzen. Deshalb werden im Haushalt 2026 die Mittel für das Auslandsmesseprogramm, die Verstärkung der Außenhandelsbeziehungen und das bilaterale Kooperationsprogramm erhöht, meine Damen und Herren.

Angesichts geopolitischer Spannungen und fragiler Lieferketten geht es mir als Bundesminister für Ernährung darum, dass in Deutschland wieder mehr über die Bedeutung der Versorgungs- und Ernährungssicherheit diskutiert wird.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wir dürfen bei der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln nichts dem Zufall überlassen. Wir brauchen selbstverständlich Eigenverantwortung – darauf weist mein Haus schon seit vielen Jahren hin –, und wir brauchen private Vorsorge. Aber genauso rate ich dazu, in den Haushaltsberatungen die Mittel für die staatliche Vorsorge zu erhöhen. Gemeinsam mit den Fraktionen werde ich mich einsetzen für ein modernes Update für unsere Notfallvorsorge, die schon seit den 60er-Jahren besteht und die auch funktioniert. Aber wir brauchen ein modernes Update, eventuell mit Konserven, um auch in Ernstfällen gerüstet zu sein. Es muss nicht unbedingt der Verteidigungsfall sein; es können auch andere Notfälle sein. Erst vor kurzer Zeit hatten wir einen längeren Stromausfall in Berlin; auch so was kann durchaus passieren. Für diese Fälle müssen wir gerüstet sein, meine Damen und Herren.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Trotz der erforderlichen Einsparungen wird in diesem Haushalt der notwendige Wandel hin zu einer Landwirtschaft, die den Bäuerinnen und Bauern verlässliche Perspektiven gibt, fortgesetzt. Für die GAK bleiben Mittel in Höhe von 907 Millionen Euro bereitgestellt. Sie ist das zentrale Förderinstrument der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes in unserem Land. Deshalb kommen weitere 110 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, die zum überwiegenden Teil für GAK-Waldmaßnahmen eingesetzt werden, dazu.

Auch die Gelder für die landwirtschaftliche Sozialpolitik bleiben stabil – ein wichtiges Standbein, ein wichtiger Teil unseres Haushalts. 60 Prozent werden für diese unglaublich wichtige Aufgabe zur Verfügung gestellt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Meine Damen und Herren, Landwirtschaft sichert unsere Zukunft. Aber Landwirtschaft braucht auch Zukunft, und die wollen wir miteinander positiv gestalten. Daher brauchen wir eine europäische Agrarpolitik. Wir brauchen in Europa einen angemessenen Finanzrahmen, er muss bürokratiearm und effizient ausgestaltet sein. Der Entwurf der Europäischen Kommission zur zukünftigen GAP wird diesem Anspruch meines Erachtens nicht gerecht. Zudem sorgen die Vorschläge für Ungewissheit bei der künftigen Förderung der ländlichen Entwicklung. Deshalb setze ich mich auf nationaler und europäischer Ebene mit Nachdruck für Verbesserungen ein. Die ländliche Entwicklung muss weiterhin ein zentraler Bestandteil der GAP bleiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, unsere Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft ist es wert, dass wir uns mit aller Kraft für sie einsetzen. Sie ernähren uns tagtäglich mit besten Produkten. Sie decken tagtäglich unsere Tische. Lassen Sie uns das alle zusammen nicht vergessen. Ich freue mich auf die gemeinsamen Beratungen und bin guter Dinge, dass die Fraktionen der SPD und CDU/CSU mit der Unterstützung, so hoffe ich, der Opposition auch Gutes erreichen werden.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Der nächste Redner in dieser Debatte ist Stephan Protschka für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Zurufvon der AfD: Guter Mann!
Porträt von Stephan Protschka
Foto: DBT/Haar
7 Vermerkeca. 740 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Gott zum Gruße! Wenn wir heute über den Agrarhaushalt 2026 sprechen, reden wir nicht nur über Zahlen und Daten und Tabellen. Wir reden über unsere Bauern, über unsere Heimat, über die Menschen, die jeden Tag früh aufstehen und hart arbeiten, damit Deutschland sicher, verlässlich und bezahlbar mit Lebensmitteln versorgt wird und damit das so bleibt.

Doch das Vertrauen der Menschen in die Politik ist leider aufgebraucht. Vertrauen ist mittlerweile ein sehr knappes Gut. Es hat Vertrauen gekostet, dass die CDU/CSU in der Vergangenheit die Düngeverordnung ohne Rücksicht auf die Praxis verschärft hat. Es hat Vertrauen gekostet, dass die Stoffstrombilanzverordnung eingeführt wurde,

Die gibt es schon gar nicht mehr!

Die ist schon abgeschafft!

ein Bürokratiemonster, das mehr Papier als Ertrag produziert hat. Es hat Vertrauen gekostet, dass Pflanzenschutz Schritt für Schritt eingeschränkt wurde, während gleichzeitig Lebensmittel aus Ländern mit deutlich niedrigeren Standards in unseren Regalen landen. Es hat Vertrauen gekostet, dass unsere Weidetierhalter mit dem Wolf alleingelassen werden. Und es kostet Vertrauen, meine Damen und Herren, dass Brüssel und Berlin mit immer neuen Auflagen die Landwirtschaft strangulieren, statt sie zu stärken.

Meine Damen und Herren, die CDU trägt die Hauptverantwortung für all das und noch viel mehr. Und sie trägt auch die Verantwortung dafür, dass Vertrauen weiter verspielt wird. Herr Minister Rainer, Sie haben zwar viele richtige Maßnahmen angekündigt, doch was davon kommt wirklich an? Sie wollen den Agrardiesel ab 2026 wieder einführen. Gut. Aber leider nicht rückwirkend, sodass viele Landwirte weiterhin auf den Kosten sitzen bleiben. Sie planen, die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zu verbessern. Gut. Doch leider trauen Sie sich dabei nicht, den ideologischen Einfluss des Umweltbundesamtes zu begrenzen.

Sie haben Bürokratieabbau angekündigt. Gut. Doch bislang bleibt es leider rein kosmetisch, ohne spürbare Deregulierung oder Abbau des Verwaltungsapparats. Und beim angekündigten Wolfsmanagement gibt es zwar Fortschritte, aber leider nur auf dem Papier. Die reguläre Bejagung wird weiterhin nicht erlaubt, sodass unsere Weidetierhalter nach wie vor unter Druck stehen. Unterm Strich: viele Ankündigungen und doch nur Symbolpolitik.

Beifallbei der AfD

Der Agrarhaushalt 2026 spiegelt das wider und ist ebenso mutlos. Es werden wieder nach altem Muster Milliarden an klimaideologische Maßnahmen, links-grüne Forschungsprojekte oder NGOs verteilt, die mit der Realität auf den Höfen nur wenig zu tun haben. Die Bauern werden mit steigenden Kosten und wachsender Bürokratie völlig alleingelassen. Hier zeigt sich die Doppelmoral der Union: Im Wahlkreis wird den Bauern Unterstützung zugesagt, und im Bundestag bleibt der Haushalt leider mutlos.

Beifallbei der AfD

Sehr geehrte Damen und Herren, die Lage ist aber viel zu ernst für solche Spielchen. Die Betriebsaufgaben nehmen zu, und die Abhängigkeit vom Weltmarkt wächst immer weiter. Das betrifft nicht nur die Bauern, das betrifft jeden Bürger: steigende Preise, weniger regionale Produkte, wachsende Unsicherheit.

Und während der Agrarhaushalt hier in Deutschland mutlos bleibt, drohen den Bauern bereits weitere Belastungen aus Brüssel. Die EU plant derzeit massive Kürzungen bei den Agrarmitteln, die gerade die Betriebe betreffen werden, die ohnehin schon unter hohen Kosten und Bürokratie leiden.

Herr Minister, Deutschland darf nicht tatenlos zusehen, wie unsere Höfe von Brüssel aus geschwächt werden. Anstelle Ihres mutlosen Haushaltsentwurfs brauchen wir einen Haushalt, der die bäuerlichen Familienbetriebe stärkt und nicht die Behörden, der Wertschöpfung in der Heimat hält, statt Abhängigkeiten vom Ausland zu vergrößern, der die Lebensmittelerzeugung stärkt, statt die Landwirtschaft zu schwächen, und der die Weidetierhalter wirklich schützt, statt sie mit Worthülsen abzuspeisen.

Wir als AfD sagen: Wir vertrauen unseren Bauern mehr, als wir der Brüsseler Bürokratie vertrauen. Die deutsche Landwirtschaft braucht weniger Vorschriften, dafür mehr unternehmerische Freiheit. Sie braucht faire Wettbewerbsbedingungen statt immer mehr Sonderlasten. Sie braucht Respekt für die Verantwortung, die unsere Bauern jeden Tag tragen.

Wir strecken Ihnen die Hand aus. Wenn die CDU/CSU im Haushalt mutige Entlastungen

Meinen Sie die 1 000-Euro-Anträge?

statt Symbolpolitik will, dann finden Sie in uns einen starken Partner. Aber dazu gehört Rückgrat, meine Kollegen von der Union. Dazu gehört, im Parlament genauso zu handeln, wie Sie es den Landwirten im Wahlkreis versprechen.

Meine Damen und Herren, es ist Zeit, das Vertrauen wiederherzustellen: für unsere Bauern, für unsere Heimat und für unser Deutschland.

Danke schön für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Die nächste Rednerin in der Debatte ist für die SPD-Fraktion Esther Dilcher.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Esther Dilcher
Foto: Phototek Media Lab
9 Vermerkeca. 804 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Bundeshaushalt 2026 und dem Einzelplan 10 – Ernährung und Landwirtschaft – setzen wir ein Signal für eine nachhaltige, gerechte und zukunftsorientierte Politik. Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, aber auch die Fischerei betreffen uns alle. Sie entscheiden über die Qualität unserer Lebensmittel, über die Zukunft unserer ländlichen Räume, über den Schutz von Klima und Umwelt und nicht zuletzt über die Lebens- und Arbeitsbedingungen Hunderttausender Menschen in unserem Land. Mit diesem Haushalt für das BMLEH bringen wir Deutschland sicher und gerecht voran. Im Etat sind insgesamt 6,99 Milliarden Euro vorgesehen. Und die SPD macht klar: Wir wollen eine Land- und Forstwirtschaft sowie eine Fischerei, die wirtschaftlich bestehen kann und die auch soziale Verantwortung trägt und die unsere natürlichen Ressourcen bewahrt.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Wir stärken die Landwirtschaft in der notwendigen Transformation. Unsere Landwirtinnen und Landwirte stehen vor enormen Herausforderungen: Klimakrise, Preisdruck, gesellschaftliche Erwartungen.

Ich hätte wetten können, dass vor mir jemand von den Kollegen von der AfD redet und sich hier als großer Retter der Landwirtschaft aufführt.

Einer muss es ja machen!

Heute Morgen haben Sie noch ganz viele Einsparvorschläge gemacht und ins Schaufenster gestellt. Und jetzt müssen sich die Landwirtinnen und Landwirte auch noch anhören, dass es keine Klimakrise gibt. Die AfD gaukelt vor, ein großer Unterstützer der Landwirte zu sein. Vielleicht sollten Sie die Sorgen der Landwirte auch mal wirklich ernst nehmen. Extremwetterereignisse, Hitzewellen

Der wahnsinnige Hitzesommer dieses Jahr! War ja nicht mehr auszuhalten!

und Starkregenereignisse gefährden ihre Ernten, die Erträge sind niedriger. Verlängerte Vegetationsperioden können das Risiko von Früh- und Spätfrösten erhöhen. Die Trockenheit nimmt zu und reduziert den Wassergehalt in den Böden. Fragen Sie doch mal die Landwirte, ob das alles nur schlechte Wetterbedingungen sind oder ob sie auch der Meinung sind, dass hier der Klimawandel sichtbar wird.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörer! Glauben Sie wirklich, dass eine Partei, die die Ursachen für die bestehenden Herausforderungen in der Landwirtschaft nicht sieht, den betroffenen Landwirten tatsächlich helfen will? Ich glaube kaum.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Besser als die Sozen!

Damit Landwirte diese Aufgaben schultern können, stellen wir zusätzliche Mittel bereit für den Umbau hin zu mehr Tierwohl, zu klimaschonenden Produktionsweisen und zur besseren Ressourcennutzung. Obwohl der Bundesminister das Programm zum Stallumbau einstellen möchte, wurde der Fördertopf für 2026 erst noch einmal auf 278 Millionen Euro aufgestockt. Das sind noch mal 78 Millionen Euro mehr als 2025, die letzte Woche beschlossen wurden. Und wir gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres noch ein erhöhter Bedarf abgerufen wird.

Wir unterstützen weiter eine zukunftsfähige, umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft und ökologischen Landbau. Zu diesem Titel wurden die Programme „Ackerbaustrategie“, „Ökologischer Landbau“, „Proteine der Zukunft mit Chancenprogramm Höfe“ zusammengelegt, also für Landwirte, die zum Beispiel von Tierhaltung auf Eiweißproduktion – Bohnen, Linsen usw. – umsteigen wollen. Dafür wurden noch einmal 54 Millionen Euro eingestellt.

Allerdings muss man auch so ehrlich sein und zugeben, dass im Haushalt 2025 für die einzelnen Programme insgesamt noch ein höherer Betrag zur Verfügung stand und voraussichtlich bis Ende des Jahres noch 55 Millionen Euro abfließen. Hier sehe ich in den Beratungen doch noch ein bisschen Nachbesserungsbedarf. Damit kann nämlich Landwirtschaft einen großen Beitrag zum Klimaschutz, zum Schutz der Ressourcen, zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Instandhaltung natürlicher Ökosysteme leisten.

Wir investieren in ländliche Räume. Mit den Programmen zur Dorfentwicklung, zur Digitalisierung und für mehr Daseinsvorsorge stellen wir sicher, dass Menschen auf dem Land nicht abgehängt werden. Wir fördern regionale Wertschöpfung, wir stärken Handwerk, Ehrenamt und Infrastruktur. Gleichwertige Lebensverhältnisse sind ein Kernanliegen unserer sozialdemokratischen Politik.

Beifallbei der SPD und des Abg. Artur Auernhammer [CDU/CSU]

Auch hier ist wieder beachtlich, was die AfD beantragt, nämlich eine komplette Streichung der Förderung für die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Diese Stiftung bekommt von uns weiterhin 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um auch kleine Projekte vor Ort zu fördern, die dort eine große Wirkung haben, zum Beispiel: Ausstattung von Jugendräumen, Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen, rechtliche und steuerrechtliche Beratung. Gucken Sie mal auf die Internetseite der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Das lohnt sich für Vereine.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]
Zurufvon der AfD: Förderung der Antifa!

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Regierungsentwurf lässt noch einige Möglichkeiten zur Gestaltung. Ich freue mich daher auf die Beratungen.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Leon Eckert für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Leon Eckert
Foto: Leon Eckert / Stefan Kaminski
6 Vermerkeca. 593 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Herr Bundesminister Rainer, schauen wir uns Ihren Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 gemeinsam an – das haben wir ja am Freitag schon in sehr konstruktiver Atmosphäre getan –, und wir sehen: Der Einspardruck zeigt sich im Landwirtschaftsetat bereits jetzt.

Und wo finden diese ersten Einsparungen statt? Was sehen wir? Reduzierung von Tierversuchen: Der Titel läuft aus, wird nicht weitergeführt. Reduzierung von Pestiziden: Titel gestrichen. Die Titel „Bundesprogramm Ökologischer Landbau“, „Proteine der Zukunft …“ und „Ackerbaustrategie“ werden zusammengewurschtelt und reduziert. Aus dem Titel „Nachwachsende Rohstoffe“ wurden 10 Millionen Euro rausgenommen. „Regionale Wertschöpfung“: 1 Million Euro weniger. Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen: um 4 Millionen Euro gekürzt. Vorhin wurde noch von internationaler Verantwortung und den Krisen in der Welt gesprochen; das zeigt etwas anderes. Vollmundig angekündigt wurde eine starke Erhöhung bei der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ – Hochwasserschutz und ländliche Räume –, stattdessen wird auf der Stelle getreten. 1,5 Milliarden Euro wurden gar von Ihnen für den Stallumbau angekündigt, aber selbst mit der Lupe finden wir außer dieser Ankündigung nichts.

Ein bisschen Geduld!

Was zeigt uns das?

Erstens. Reduziert und gekürzt wird an der Zukunft, an den Programmen, die existieren, weil wir doch eine Welt ohne Tierversuche, eine Welt ohne Ackergifte, eine Welt ohne Fossile erreichen wollen. Für uns Grüne sind diese Kürzungen der falsche Schwerpunkt.

Gerade in der Landwirtschaft müssen wir doch in Generationen denken und nicht in Jahresscheiben. Das zeigt dieser Haushalt nicht.

Zweitens zeigt der Haushalt, dass das Thema Landwirtschaft in der Koalition gegenüber anderen Themen verloren hat. Dass Sie das nicht wollen, Herr Minister, das sehen wir. Aber das bedeutet dann, dass die Koalition aus Söder, Klingbeil und Merz Sie, Herr Rainer, und damit die deutsche Landwirtschaft am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Dieser mangelnde Rückhalt, der muss Sie eiskalt erwischt haben; denn niemand kündigt 1,5 Milliarden Euro an, wenn er nicht der festen Überzeugung ist, die auch liefern zu können.

Für Sie ist das peinlich; für die Betriebe, die Planungssicherheit beim Stallumbau brauchen, ist es verheerend.

Und in einem weiteren zentralen Punkt stiften der Haushalt und Ihr Agieren mindestens Verwirrung, nämlich bei Ihrem Ziel, die Regionalität in der Ernährung zu stärken. Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; denn im Haushaltsentwurf sind mit Aufwüchsen versehen eine Reihe von Titel für Ihre sogenannte Exportstrategie. Regionalität in der Landwirtschaft zu stärken, das bedeutet für uns: lokale Strukturen, kleine Höfe, Wochenmärkte, Landwirtschaft im Ortsbild. Doch zu befürchten ist, dass die Exportstrategie das Gegenteil bewirkt und am Gegenteil arbeitet: verschärfter Wettbewerb, Höfesterben, Verdrängung, noch mehr Marktmacht für die Großen und den Lebensmitteleinzelhandel. Unser Vorschlag: Nutzen Sie doch die Gelder für Ihre sogenannte Exportstrategie für eine Stärkung von regionalen Strukturen, zur Unterstützung von lokalen lebendigen Orten. Die Sorge von vielen Landwirtinnen und Landwirten und mir ist doch, dass am Ende die Exportstrategie den großen Betrieben der Agrarindustrie hilft und die kleinen auf der Strecke bleiben.

Machen Sie also Politik für alle statt für Einzelinteressen starker Lobbygruppen. Dafür hätten Sie auch unsere Unterstützung.

Ich freue mich auf die Beratungen in unserer Berichterstattergruppe, die bisher ja immer sehr konstruktiv verlaufen sind.

Vielen Dank.

Vielen Dank. – Ich erteile das Wort für die nächste Rede Sascha Wagner für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Sascha Wagner
Foto: DBT / Inga Haar
7 Vermerkeca. 409 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! „Verantwortung für Deutschland“ hat die Regierung ihren Koalitionsvertrag genannt. Aber statt wirklich Verantwortung zu übernehmen, wird auch dieser Haushaltsentwurf den riesigen Herausforderungen nicht gerecht.

Erster Punkt: die GAK-Mittel, also Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Der Bundesanteil wird auch im nächsten Jahr exakt 907 Millionen Euro betragen, genau wie in diesem Jahr. Das klingt erst mal nach Stabilität; aber Stabilität bedeutet hier Stillstand. Und Stillstand ist fatal!

Ich habe es Ihnen schon letzte Woche gesagt, aber ich wiederhole es für Sie auch gern noch einmal: Die ländlichen Räume stehen unter enormem Druck. Die Infrastruktur ist marode, es fehlen Ärzte und Pflegeeinrichtungen, ganze Regionen sind ohne regelmäßigen ÖPNV abgehängt, und die digitalen Netze sind unzureichend. Ja, die GAK könnte ein starkes Instrument sein, um diese Defizite anzugehen. Doch dafür braucht es deutlich mehr Mittel und gezielte Investitionen:

Beifallbei der Linken

Investitionen in regionale Wertschöpfungsketten, in klimafreundliche Landwirtschaft und in Hochwasser- und Küstenschutz.

Machen wir ja!

Doch genau das geschieht nicht. Stattdessen wird der Status quo einfach verwaltet.

Zweiter Punkt: Heimat. Wo spiegelt sich denn nun genau die Heimat im Heimatetat wider, Herr Minister?

Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die CDU/CSU gewandt: Wo ist die Heimat?

Die GAK-Mittel werden einfach unkreativ fortgeschrieben. Darüber hinaus sieht man aber wenig Heimatpolitik. Die Probleme sind doch bekannt, sollte man zumindest meinen. Doch im Haushalt finden sich nach wie vor nur Modellprojekte, Wettbewerbe und Förderprogramme mit komplizierten Antragsverfahren. Aber strukturelle Lösungen? Fehlanzeige!

Dritter Punkt: Forschung, Nachhaltigkeit, Innovation. Hier streichen Sie mal eben über 40 Millionen Euro zusammen. Übersetzt bedeutet das: Ausgerechnet dort, wo die Landwirtschaft der Zukunft gestaltet werden müsste, kürzen Sie – beim Ökolandbau, bei der Digitalisierung, beim Bodenschutz und bei der Klimaanpassung.

Das ist doch völliger Unsinn!

Das ist keine Zukunftspolitik, das ist Rückschritt, Herr Vogt.

Beifallbei der Linken

Da müssen Sie mal genau in den Titel reingucken! Dann sehen Sie, dass es da steht!

Meine Damen und Herren, mit diesem Haushalt wird weder die Landwirtschaft krisenfest gemacht noch der ländliche Raum gestärkt, und schon gar nicht übernehmen Sie damit Ihre sogenannte „Verantwortung für Deutschland“.

Vielen Dank.

Beifallbei der Linken

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Benedikt Büdenbender für die Fraktion CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU und der Abg. Esther Dilcher [SPD]
Porträt von Benedikt Büdenbender
Foto: Benedikt Büdenbender/ Tobias Koch
15 Vermerkeca. 1.212 WörterReaktionswert: hoch
Reaktionswert: hoch

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister Rainer! Sehr geehrte Damen und Herren! Stellen Sie sich einmal vor, ein junger Landwirt verfolgt diese heutige Debatte. Was sind die Erwartungen, die dieser Landwirt an uns alle hat? Dass wir uns in kleinkarierten Streitigkeiten verlieren, in ideologischen Flügelkämpfen? Ich glaube, nicht.

Landwirte, ob jung oder alt, erwarten von uns etwas anderes: vernünftige, verlässliche und sachorientierte Politik. Sie erwarten, dass wir für gute Rahmenbedingungen sorgen, und sie erwarten, dass ihre Arbeit für unser aller Gemeinwohl eine angemessene Wertschätzung erfährt.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb ist es gut, dass der Kurswechsel in der Landwirtschaft eingeläutet ist. Er zeigt sich in den ersten Maßnahmen unserer Koalition und spiegelt sich im beschlossenen Bundeshaushalt 2025 wider. Pragmatismus, Realismus, Zusammenarbeit – das sind die neuen Leitlinien der Landwirtschaftspolitik bei uns.

Beifallbei der CDU/CSU sowie der Abg. Jens Behrens [SPD]

Dafür steht Bundesminister Alois Rainer ganz persönlich, und das spüren auch die Landwirte draußen im Land. In meinen Gesprächen in diesem Sommer in meiner Heimat Siegen-Wittgenstein habe ich es immer wieder gehört: endlich ein ausgewiesener Fachmann an der Spitze des Ministeriums.

Dieser Pragmatismus und dieser Realismus sind aber nicht nur Worte. Das lässt sich auch anhand der bisherigen Arbeit klar belegen.

Die vollständige Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung war eines der zentralen Versprechen, welches wir jetzt einlösen.

Wurde seit zwei Jahren nicht geliefert!

Gerne nenne ich Ihnen dazu auch mal ein paar Fakten, die dann auch den Unterschied zur Vorgängerregierung klarmachen. Derzeit werden landwirtschaftliche Betriebe nur noch mit 6,44 Cent pro Liter steuerlich entlastet. Ab 1. Januar 2026 sollte die Entlastung komplett entfallen. Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was das bedeutet hätte! Wir führen die Rückvergütung nun wieder vollständig ein. Wir halten nicht nur die 6,44 Cent, sondern wir gehen zurück auf 21,48 Cent pro Liter und sorgen damit für echte Entlastungen,

Beifallbei der CDU/CSU

die sich insgesamt in diesem Bereich auf 400 Millionen Euro beziffern. Versprochen, gehalten!

Das ist Politik für unsere Landwirte, und das ist ein klares Bekenntnis für die vielen Betriebe und auch die fleißigen Menschen, die diese Entlastung brauchen. Wir stehen an ihrer Seite, und sie können darauf zählen, dass nach Jahren der Unsicherheit und der Überregulierung nun wieder Verlässlichkeit und Wertschätzung aus der Bundespolitik kommen.

Eine weitere wichtige Maßnahme, die schon nach kurzer Zeit umgesetzt wurde und auch heute schon erwähnt wurde, ist der Wegfall der Stoffstrombilanzverordnung, ein Bürokratiekonstrukt, das in dem Maße keinen Mehrwert gebracht hat und dessen Wegfall nicht nur Zeit erspart, sondern nebenbei auch für eine Entlastung in Millionenhöhe sorgt. Alle reden vom Bürokratieabbau, wir setzen ihn um.

Beifallbei der CDU/CSU

Im nächsten Schritt werden wir nun das Düngegesetz anpassen. Auch hier werden wir darauf achten, dass die Praxistauglichkeit im Vordergrund steht und die Landwirte nicht mit neuen Problemen und unnötigen Dokumentationspflichten konfrontiert werden. Mit dem Koalitionspartner stehen wir hier in einem konstruktiven Austausch, und ich bin mir sicher, dass wir den richtigen Weg, den wir eingeschlagen haben, auch gemeinsam fortführen werden.

Beifallder Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]

Auch bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften gehen wir nun voran. Wir werden die 70-Tage-Regelung auf eine 90-Tage-Regelung ausweiten. Das ist konkrete Hilfe für Obst-, Gemüse- und Weinanbau. Es spart Geld in den Betrieben, wird aber auch den Anforderungen, die in diesem Arbeitsumfeld herrschen, gerecht.

Beifallbei der CDU/CSU

Es zeigt sich also deutlich, dass wir nicht nur Kleinigkeiten justieren, sondern dass wir eine wirkliche Wende eingeleitet haben.

Nachdem der Bundeshaushalt für das Jahr 2025 beschlossen wurde, geht es jetzt darum, die Politikwende abzubilden und den Weg für das Jahr 2026 und darüber hinaus zu verstetigen. Ich bin guter Dinge, dass das mit dem Entwurf, den wir jetzt beraten werden, auch gelingen wird.

Ich möchte aber eines ganz deutlich machen: Nur Geld zur Verfügung zu stellen, greift zu kurz. Wir werden den begonnenen Abbau der Bürokratie konsequent und entschlossen fortsetzen, Verwaltungskosten reduzieren, Projektträgerkosten senken, effizienter werden. Es gilt, Verfahren zu vereinfachen und Schnittstellen zu schaffen. Digitale Daten zum Beispiel müssen praktikabel nutzbar gemacht werden.

Landwirtinnen und Landwirte leisten viel. Es ist unsere Aufgabe als Politik, ihnen die Arbeit dort, wo es möglich ist, leichter zu machen. Zum Beispiel auch beim Thema Stallumbau. Wir werden für 2026 Mittel bereitstellen und damit all denen, die sich schon auf den Weg gemacht haben, ihren Stall umzubauen, dies im noch bestehenden Programm ermöglichen. Für alle anderen wird es aber ein neues, praktikableres Verfahren geben, damit die Mittel in Zukunft zielgerichteter dort ankommen, wo sie hinsollen: in moderne und zukunftsfeste Ställe in Deutschland.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Für mich persönlich ist das Thema Wald eine Herzensangelegenheit. Mein Wahlkreis Siegen-Wittgenstein ist der waldreichste Kreis in Deutschland. Der Wald bietet Rückzugsmöglichkeiten für Mensch und Tier. Er ist für viele Menschen in meiner Region und in weiten Teilen unseres Landes aber auch eine wichtige Wirtschaftsgrundlage. Deshalb bin ich froh, dass wir auch in unserem Geschäftsbereich in diesem Jahr Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro in die Hand nehmen werden. Wir werden dort, wo es nötig ist, aufforsten und die Wälder resilienter gegen Extremwetterereignisse machen. Und dabei werden wir auch die Jungbestandspflege noch mehr in den Blick nehmen und den bereits begonnenen Waldumbau weiter vorantreiben.

Beifallbei der CDU/CSU

Das unterstützt die privaten und die kommunalen Waldbesitzer.

In diesem Zusammenhang sind auch die Nachrichten zur Entwaldungsverordnung, die uns heute aus Brüssel erreicht haben, ein gutes Zeichen.

Beifallbei der CDU/CSU

Ich bedanke mich ausdrücklich bei unserem Minister Alois Rainer für seinen erfolgreichen Einsatz, um diese Entscheidung möglich zu machen. Wir haben den ländlichen Raum im Blick.

Beifallbei der CDU/CSU

Apropos ländlicher Raum. Ich möchte ein paar Worte zum Ehrenamt sagen; denn gerade da, wo vielleicht kein Restaurant mehr ist, keine Kneipe mehr als Treffpunkt verfügbar ist, ist ehrenamtliches Engagement umso wichtiger. Es ist das Rückgrat unserer Gemeinschaft und hält den ländlichen Raum lebendig. Mit den Maßnahmen, die wir auf den Weg bringen und auch gebracht haben, erkennen wir diese wichtige Leistung ausdrücklich an und motivieren Menschen, sich in ihrer Heimat zu engagieren.

Uns als Union ist das Thema Heimat natürlich besonders wichtig; denn Heimat ist mehr als nur ein Begriff; sie ist ein Lebensgefühl, und sie stiftet Identität. In dem Zusammenhang bin ich froh, dass Minister Rainer, der ja auch Heimatminister ist, das genauso sieht. Mit seinen Heimatgesprächen ist er vor Ort. Er hört zu, und er diskutiert mit den Menschen. Wir sind nah an den Menschen, und dafür möchte ich Ihnen noch mal ausdrücklich danken.

Beifallbei der CDU/CSU

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind mit dem 2025er-Haushalt und dem nun vorliegenden Entwurf für das Jahr 2026 wieder zurück auf einem Weg der Vernunft und der Verlässlichkeit. Darauf können unsere Landwirte und die Menschen im ländlichen Raum bauen.

Ich freue mich auf die anstehenden Beratungen mit dem klaren Ziel, diesen Kurs gemeinsam fortzuführen.

Danke schön.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Julian Schmidt für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Julian Schmidt
Foto: Julian Schmidt/Vadim Derksen
8 Vermerkeca. 912 WörterReaktionswert: lebhaft
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Meine Damen und Herren! Die Verantwortung für mehr Tierwohl in der Landwirtschaft liegt heutzutage aus unserer Sicht allein beim Markt und bei den Verbrauchern. Deswegen ist die Entscheidung der Bundesregierung, das nicht ausgereifte Bundesprogramm „Umbau der Tierhaltung“ vorzeitig zu beenden, absolut richtig. Natürlich können wir darüber streiten, ob das Ende angesichts langer Planungs- und Genehmigungsverfahren vielleicht zu kurzfristig kommt. Aber eines ist doch klar: Gegen den Markt zu produzieren, hat noch nie funktioniert und ist am Ende des Tages immer nur dem Steuerzahler teuer zu stehen gekommen.

Beifallbei der AfD

Wir haben jahrelang gehört, dass die Gesellschaft mehr Tierwohl möchte. Doch die Realität im Supermarkt spricht leider eine andere Sprache. Der überwiegende Teil des Fleisches wird weiterhin aus den Haltungsformen 1 und 2 gekauft; Produkte aus höheren Stufen – 3 und 4 – bleiben oft Ladenhüter.

Wenn die Nachfrage nach mehr Tierwohl wirklich so groß wäre, dann hätte der Lebensmitteleinzelhandel längst für lukrative Abnahmeverträge gesorgt. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Handel bleibt vorsichtig. Die Verbraucher greifen weiter zum günstigen Fleisch – die einen, weil sie sich das teurere Fleisch angesichts der Steuer- und Abgabenlast in unserem Land nicht leisten können, die anderen, weil sie es sich nicht leisten wollen. Das ist leider die traurige Realität, meine Damen und Herren.

Ihnen ist das Tierwohl egal!

Und damit sind wir beim Kernproblem: Landwirte können nicht ins Blaue hinein investieren. Wer heute seine Ställe auf Tierwohlstandards umbauen möchte, muss zuvor eine glasklare Vermarktung sicherstellen – mit festen Zuschlägen, mit langfristigen Lieferverträgen, mit einer gesicherten Vollkostendeckung. Ohne diese Zusagen ist jeder Umbau ein unkalkulierbares finanzielles Risiko für den Landwirt.

Beifallbei der AfD

Ich habe erst kürzlich einen Schweinemäster besucht, der einen Stall der Haltungsstufe 4 gebaut hat. Auf meine Frage nach der Rentabilität der Haltungsform hat er mir klar zu verstehen gegeben, dass es ihm mit aktuellen Marktpreisen und auch mit Direktvermarktungsverträgen mit dem Lebensmitteleinzelhandel unmöglich wäre, rentabel zu wirtschaften. Er hat sich aber über die Jahre eine Direktvermarktung mit eigener Metzgerei aufgebaut. Angefangen mit Haltungsform 1 hat er seine Kunden mit ins Boot genommen. Er hat ihnen gesagt: Ich baue einen Tierwohlstall, wo ihr die Tiere jeden Tag, bei jedem Einkauf besichtigen könnt; dafür brauche ich aber einen höheren Preis. Seine Kunden haben gesagt: Ja, das machen wir, das wollen wir.

Meine Damen und Herren, nur so kann es funktionieren. Nicht staatliche Zwänge, nicht Verbote sorgen für mehr Tierwohl, sondern allein der Markt und die Wünsche der Verbraucher.

Beifallbei der AfD

Jetzt soll die Stallbauförderung in die GAK überführt werden. Von konkreten Summen haben wir auch im Berichterstattergespräch noch nichts gehört. Aber eines ist ganz klar: Wer soll angesichts dieses desaströsen Bundeshaushalts, angesichts leerer Landeskassen und angesichts einer EU, die selbst um jeden Euro ringt, ernsthaft glauben, dass wir so Milliarden Euro stemmen können, die für einen vollständigen Umbau der Tierhaltung nötig wären? Die Wahrheit ist – und das wissen Sie auch alle –: Das wird so nicht passieren. Das hat der Minister ja mehr oder weniger auch schon durchblicken lassen.

Deshalb ist für uns ganz klar: Mit dem Ende des Programms zur Förderung des Umbaus der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist auch das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz in der Form absolut obsolet. Denn was nützt ein aufwendiges Kennzeichnungssystem, wenn es keine breite Basis von Betrieben gibt, die höhere Stufen überhaupt wirtschaftlich tragen kann? Wir schaffen Erwartungen, die weder der Markt noch die Politik erfüllen kann. Das ist nichts anderes als Augenwischerei gegenüber Verbrauchern und Landwirten.

Was wir nicht vergessen dürfen: Die Haltungsformen 1 und 2, die in Deutschland der Standard sind, liegen bereits heute auf einem international sehr hohen Niveau. Im europäischen Vergleich – und erst recht weltweit – sind unsere Standards vorbildlich. Wer also behauptet, wir würden auf Kosten des Tierwohls produzieren, der verkennt schlicht und ergreifend die Realität.

Wenn es woanders schlechter ist, heißt das ja nicht, dass es bei uns gut ist!

Ein Wort zu den Sauenhaltern. Anders als die Schweinemäster können die sich dem Umbau nicht entziehen. Wir haben gesetzlich festgelegte Fristen, die sie zum Umbau von Deckzentren und Abferkelställen verpflichten – durchaus auch zu Recht. Wenn wir aber hier keine verlässlichen, langfristigen Fördermöglichkeiten schaffen, dann wird die Sauenhaltung in Deutschland wegbrechen – mit gravierenden Folgen für die gesamte Schweineproduktion.

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, es ist an der Zeit, sich ehrlich zu machen. Solange die Nachfrage der Verbraucher nicht vorhanden ist, wird sich der Markt auch nicht bewegen. Solange der Staat keine verlässlichen Mittel bereitstellt, wird es keinen flächendeckenden Umbau der Tierhaltung geben. Und solange beides fehlt, braucht es auch kein – ohnehin schlecht gemachtes – Tierhaltungskennzeichnungsgesetz.

Die Bundesregierung muss den Landwirten Planungssicherheit geben – klare, langfristige Förderung dort, wo der Gesetzgeber zwingende Umbauten verlangt. Ansonsten braucht es beim Tierwohl die Ehrlichkeit, zu sagen: Wir setzen auf den Markt, wir setzen auf die Verbraucher. Nur so schaffen wir Klarheit für die Landwirte, für die Verbraucher und letztlich auch für die Tiere.

Wir freuen uns auf die weiteren Beratungen. Herr Minister, wir haben zur Kenntnis genommen, dass sich der eine oder andere Änderungsvorschlag von uns für den Haushalt 2025 in diesem Haushalt wiederfindet – wenn auch in abgeschwächter Form. Wir werden auch in diesen Haushaltsberatungen wieder konstruktive Vorschläge im Sinne der Landwirte, der Verbraucher und der Tiere machen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist für die SPD-Fraktion Dr. Franziska Kersten.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Franziska Kersten
Foto: SPD Sachsen-Anhalt
10 Vermerkeca. 653 WörterReaktionswert: lebhaft
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Werter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Beim Blick auf den aktuellen Haushalt möchte ich zuerst grundsätzlich werden. In der Welt ist eine Menge in Bewegung; überall gibt es Herausforderungen, und ständig scheinen neue hinzuzukommen. Angst muss uns das aber nicht machen. Wir sind als Koalition angetreten, Lösungen zu finden für die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Wir wollen, dass sich unsere Wirtschaft und damit auch unsere Landwirtschaft gut entwickelt. Wir schaffen Planungssicherheit und die Voraussetzungen für Investitionen. Das brauchen wir, damit gut bezahlte Arbeitsplätze in der Landwirtschaft erhalten bleiben und die nächste Generation gerne in die Betriebe einsteigt. Wir werden auch die Sicherung unserer Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln aus heimischer Produktion sicherstellen.

Außerdem müssen wir die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten: sauberes Wasser, klare Luft, gesunde Böden und Biodiversität. Einerseits sind diese Lebensgrundlagen auch immer die wichtigsten Produktionsmittel der Landwirtschaft, und jeder gut wirtschaftende Betrieb wird daher schon im Eigeninteresse von sich aus für deren Sicherung sorgen. Andererseits liegt das auch im Interesse der gesamten Gesellschaft. Dies wird nicht nur von den Umweltverbänden zu Recht immer wieder erwähnt.

Nach demselben Prinzip müssen wir in der Politik nachhaltig denken und unseren nachfolgenden Generationen geordnete Staatsfinanzen hinterlassen. Ich bin wirklich dankbar, dass sich unser Parteivorsitzender Lars Klingbeil nicht gescheut hat, als Bundesfinanzminister diese schwierige und manchmal auch undankbare Aufgabe anzunehmen.

Wir haben ihn aber nicht gezwungen, Finanzminister zu werden! Wir hätten’s auch gemacht!

Er wird diesen Haushalt durch diese stürmische Zeit steuern, weil er einen sozialdemokratischen Kompass hat.

Nicht nur! Aber er wirdְ’s machen!

Da bin ich mir ganz sicher.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Verantwortungsvoll ist auch der Haushaltsentwurf im Ressort Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Im nächsten Jahr wächst der Haushalt um 103 Millionen Euro auf fast 7 Milliarden Euro an.

Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, die Ausgaben für die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ auf konstant hohem Niveau von 907 Millionen Euro zu halten. Das ist nach der landwirtschaftlichen Sozialversicherung der zweitgrößte Einzeletat im Agrarhaushalt und das wichtigste Förderinstrument für unsere ländlichen Räume.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Ich werde mich mit den Genossinnen und Genossen hier und im Europaparlament nach Kräften dafür einsetzen, dass der ländliche Raum im nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU nicht geopfert wird.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Absolut richtig!

Außerdem erhält auch das Bundeslandwirtschaftsministerium 18 Millionen Euro aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“.

Zurufvon der AfD: Das sind Schulden!

Das sind Gelder, die gezielt für Digitalisierung eingesetzt werden sollen.

Ich habe heute kurz auf der Digital Farming Conference mitdiskutiert. Dort konnte ich mich von der Innovationskraft unserer Landtechnikbranche mit eigenen Augen überzeugen – vom Start-up bis zu international tätigen Großunternehmen. Wir wollen zum Vorreiter für digitale Lösungen für Feld und Stall werden.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU

Dafür brauchen wir ausreichend verfügbare Daten in vernetzten Datenbanken und Schnittstellen. Die Tiergesundheitsdatenbank habe ich in der letzten Legislatur mit auf den Weg gebracht. Jetzt wird sie praxisreif gemacht. Dieses Erfolgsmodell wollen wir mit dem Agrardatenraum 2.0 auf den gesamten Agrarsektor ausdehnen. Nachhaltigkeit, Effizienz, Tiergesundheit und Tierwohl: All das können wir mit Digitalisierung und KI befördern.

Meine Damen und Herren, die Herausforderungen unserer Zeit werden nicht kleiner: Klimawandel, volatile Märkte, höhere Ansprüche an unsere Landwirtinnen und Landwirte. Ich bin überzeugt: Wir können diese Herausforderungen angehen, wenn wir sie vernetzt und gemeinsam denken.

In den Koalitionsverhandlungen haben wir einen Sonderrahmenplan „Naturschutz und Klimaanpassung“ und die Prüfung einer neuen Gemeinschaftsaufgabe beschlossen. Setzen wir dies gemeinsam um – für uns und für kommende Generationen!

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU

Vielen Dank. – Karl Bär von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist der nächste Redner.

Porträt von Karl Bär
Foto: Karl Bär/ Elias Keilhauer
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Haushalt für das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat für 2026 ist der größte, den es je gab, und trotzdem setzen Sie überall, wo Zukunft ist, den Rotstift an.

Die Regierung streicht das Programm zur Förderung von Holz als Baustoff. Den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung geben Sie ebenso auf

Was? Wer sagt denn das?

wie das Programm zur Reduzierung von Pestizideinsätzen. Sie kürzen bei der ländlichen Entwicklung, bei der ökologischen Fischerei, bei der Digitalisierung, bei der Ernährungsbildung, und es gibt im Haushalt 2026 kein eigenes Programm mehr für den ökologischen Landbau und auch nicht für pflanzliches Eiweiß. Sie verspielen die Zukunft, weil Sie von der Zukunft keinen Plan haben.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken

Na! Ein bisschen weniger große Geschütze auffahren!

Besonders planlos läuft der Umbau der Tierhaltung. Während an allen möglichen Programmen gekürzt wird, gibt es 78 Millionen Euro zusätzlich für Schweineställe – in einem Programm, das dann 2027 komplett eingestellt werden soll. Was soll denn das? Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln! Herr Rainer, hat Ihnen Ihr Vorgänger im Ministerbüro noch ein paar Pflanzen hinterlassen?

Heiterkeitdes Abg. Julian Schmidt [AfD]

Das mag jetzt zwar legal sein; aber bitte rauchen Sie die nicht, gerade nicht beim Aufstellen des Bundeshaushalts.

Ich will einmal anhand eines Beispiels versuchen zu erklären, warum es so ein Problem ist, bei all diesen Programmen zu kürzen. Im Landkreis Miesbach fördert das Bundesprogramm Ökologischer Landbau einen Wertschöpfungskettenmanager für Biorindfleisch. Die männlichen Kälber, die in unserer Region in Biomilchviehhöfen geboren werden, werden viel zu oft noch irgendwohin gekarrt und dann konventionell gemästet. Und da sucht jetzt ein Nebenerwerbslandwirt auf einer halben geförderten Stelle einen Markt für die. Er hat einen Deal mit einem ökologischen Gut der Stadt München gemacht, damit Fleisch von den Kälbern aus unserer Region in München in die Gastronomie kommt. So entsteht regionale Wertschöpfung, und so entsteht regionale Identität, auch „Heimat“ genannt.

Von solchen Programmen gibt es jetzt weniger, weil der Landwirtschaftsminister von der CSU, Alois Rainer, beim größten Haushalt, den wir in dem Bereich je hatten, gerade beim Ökolandbau und bei der Regionalentwicklung kürzt.

Unglaublich!

– Unglaublich, genau!

Lachendes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Diese Politik führt uns auch absichtlich in einen Teufelskreis. Auf der einen Seite öffnen wir die Märkte immer weiter. Sie weigern sich ja sogar, dafür zu sorgen, dass die importierte Ware die gleichen Standards bei Pestizidrückständen und beim Tierschutz wie die einheimische Ware einhalten muss.

Ukrainisches Getreide zum Beispiel!

Und das Abkommen mit Mercosur brennt den Bäuerinnen und Bauern wirklich unter den Nägeln. Herr Minister Rainer, stellen Sie sich an dieser Stelle auf die Seite der Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland!

Da steht er schon!

Auf der anderen Seite machen wir mit diesem Haushalt Projekte kaputt, die für die regionale Wertschöpfung wichtig sind. Wir könnten mit mehr Holz aus heimischen Wäldern in unseren Städten bauen. Wir könnten auch die Nachfrage nach Bioprodukten in den Supermärkten, die wieder steigt, aus der deutschen Landwirtschaft decken. Wir könnten auch die zunehmende Nachfrage von Veganerinnen und Veganern nach pflanzlichen Proteinen auf dem Teller mit richtigen Wertschöpfungsketten hier vor Ort abdecken. Aber überall da wird gekürzt. Und wenn dann der internationale Konkurrenzdruck richtig hoch ist, dann dient die Wettbewerbsfähigkeit als Argument gegen den Umweltschutz.

Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft wird aber doch nicht durch einen Sieg im Kampf um möglichst billige Preise mit Südamerika, den USA oder der Ukraine geprägt.

Wer holt denn das ganze ukrainische Getreide hierein?

Wir müssen doch den Wettbewerb und den Konkurrenzdruck abbauen und die Regionalität, die Zusammenarbeit, die Widerstandskraft und die Stabilität steigern.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Marcel Bauer [Die Linke]

Liebe Haushälterinnen und Haushälter, nehmen Sie im Haushaltsausschuss die Zukunft von der Streichliste!

Und im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die AfD verboten werden muss.

Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Ina Latendorf für die Fraktion Die Linke.

Beifallbei der Linken
Porträt von Ina Latendorf
Foto: Ina Latendorf/ Olaf Köstritz
10 Vermerkeca. 518 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! In einer solidarischen Gesellschaft wäre der Stellenwert des Landwirtschaftsetats deutlich höher. Statt „Sondervermögen Bundeswehr“ und fortschreitender Aufrüstung gäbe es eine Aufstockung für die Gestaltung der Agrarpolitik. Dass die Regierung sich selbst lobt – wir haben es hier gehört –, sind wir ja schon gewohnt. Aber wir haben hier nicht die Aufgabe, der Regierungstruppe ihren Staatshaushalt zu organisieren. Wir als Linke haben die Aufgabe und die Pflicht, kritische Fragen zu stellen und die Prioritäten zum Wohle der Gesellschaft umzukehren.

Für den immer dringender werdenden sozialökologischen Umbau ist eine echte Agrarwende erforderlich. Diese bleibt – wie könnte es bei Schwarz-Rot anders sein – auch 2026 aus. Die erbärmliche Müdigkeit einer rein verwalteten Agrarpolitik schreibt sich im Einzelplan 10 fort. Wer Ambitionen erwartet hat, wird bitter enttäuscht.

Beifallbei der Linken

Nur noch kaum mehr ins Gewicht fallende 0,52 Prozent des Gesamthaushaltes sind für aktive politische Gestaltung der Landwirtschaft, Forst, Fischerei und den gesundheitlichen Verbraucherschutz aus Bundesmitteln vorgesehen. Wir von den Linken sagen: Schluss mit der Wohlfahrt fürs Militär!

Was? Oah! Da werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen!

Wir fordern eine bessere Förderung einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung, eine echte, auskömmliche Förderung des Umbaus der Tierhaltung sowie ein richtiges Engagement für bezahlbare, gesunde Lebensmittel und regionale Wertschöpfung.

Beifallbei der Linken

Und wir wiederholen immer wieder unsere Forderung nach einer gesunden und kostenfreien Schulverpflegung, so wie es auch aus der Wissenschaft und dem Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ immer wieder gefordert wurde.

Beifallbei der Linken

Die Fehlstellen dieses Etats sind immens. Beim Umbau der Tierhaltung sollen 278 Millionen Euro den Vertrauensbruch kaschieren, der mit der Aufkündigung der versprochenen 1,5 Milliarden Euro eingetreten ist.

So weit sind wir doch noch gar nicht!

Und da habe ich von Rechtssicherheit für Tierhalterinnen und Tierhalter, baurechtlichen Bestimmungen usw. noch gar nicht gesprochen.

Das Bundesprogramm BULEplus bewegt sich mit 36 Millionen Euro im kaum noch wahrnehmbaren Bereich. Im Verhältnis zu anderen Ausgaben muss man doch einfach erkennen, dass das zu wenig ist. Dabei müssen regionale Wertschöpfungsketten aus unserer Sicht immer mehr gefördert werden. Alles andere ist fatal für die Zukunft der Landwirtschaft.

Beifallbei der Linken

Denn jeder weiß, dass eine Umstellung nicht von heute auf morgen passiert.

Stattdessen will die Bundesregierung gegen jede Vernunft Agrarexporte fördern. Dabei hatte doch die Union als Opposition immer wieder die Selbstversorgung angemahnt und in den Vordergrund schieben wollen.

Wir haben uns aber auch nicht gegen Exporte ausgesprochen!

Jetzt folgt das alte Lobbylied. Allein für die Messetätigkeit sind im Haushalt 17 Millionen Euro bereitgestellt, Geld, das in anderen Bereichen viel sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Irrsinnig! 17 Millionen!

Auch dieser Haushaltsentwurf der Regierung ist also das Gegenteil von Fortschritt. Sie von der Koalition sollten ihn noch einmal gründlich überarbeiten. Wir werden hierzu unsere Vorschläge einbringen.

Beifallbei der Linken

Aber diesmal bitte mit Gegenfinanzierungsvorschlag!

Vielen Dank. – Artur Auernhammer ist der nächste Redner für die Fraktion der CDU/CSU.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Artur Auernhammer
Foto: Büro Auernhammer / Christian Kaufmann
13 Vermerkeca. 1.123 WörterReaktionswert: hoch
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Verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Letzte Woche den Haushalt 2025 verabschiedet, diese Woche den Haushalt 2026 eingebracht. Unsere Haushälter haben echt was zu arbeiten in diesen Tagen und Wochen. Vielen Dank dafür, besonders an Esther Dilcher und Dr. Oliver Vogt! Ihr seid sehr fleißig unterwegs.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Wenn ich mir so manche Haushaltsrede auch in dieser Debatte anhöre, dann höre ich immer: Noch mehr Geld, noch mehr Geld! – Die AfD hat zum Haushalt 2025 eine Kürzung von, wenn ich richtig informiert bin, 111 Milliarden Euro vorgeschlagen.

Lachendes Abg. Bernd Schattner [AfD]

Wie man dann hier mehr Geld für die Landwirtschaft einfordern kann, ist mir ein Rätsel – und das gleichzeitig von einer Partei, die aus der EU austreten will, die aus dem Euro austreten will, die die Märkte für die Landwirtschaft praktisch kaputtmachen will.

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das ist Geld, das nie bei den Landwirten ankommt!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ja, wir reden hier über sehr viele nationale Schwerpunkte. Aber die eigentlich große Herausforderung – und das sage ich im Nachgang zu dem, was ich eben zur AfD gesagt habe – liegt in der europäischen Agrarpolitik und vor allem darin, dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft weiterhin eine Gemeinsame Agrarpolitik mit einem eigenständigen Agrarbudget haben. Dafür müssen wir alle kämpfen, und das muss in der Federführung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat liegen.

Meine Damen und Herren, wer viel draußen bei den Bauern unterwegs ist – und ich hoffe, Sie sind das alle –, weiß: Es geht denen nicht darum, ob sie jetzt 6,44 Cent pro Liter Agrardieselrückvergütung oder 21 Komma noch was Cent bekommen. Das erste Thema, das mir alle Bauernfamilien auf den Tisch legen, ist das Thema Bürokratie.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Wer hat sie denn 20 Jahre lang aufgebaut?

Wenn wir hier nicht liefern, liebe Freundinnen und Freunde der Koalition, dann ist wirklich Not am Mann. Wir müssen hier liefern. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Bäuerinnen und Bauern wieder gerne arbeiten. Ein Landwirt leistet mehr für die Welternährung, wenn er auf dem Mähdrescher sitzt, als wenn er auf dem Bürostuhl sitzt.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dazu haben wir bereits erste Maßnahmen ergriffen. Es müssen aber noch viele, viele folgen. Der jetzige Entschluss auf europäischer Ebene, die EUDR, diese Verordnung, noch mal zu verschieben, ist gut. Noch besser wäre es, man würde sie in den Papierkorb schieben.

Es muss sich etwas ändern; diese Bürokratie muss abgebaut werden. Das muss auch unser Ansatz sein. Wir sind zwar der Gesetzgeber, aber ein Gesetzgeber muss nicht nur Gesetze beschließen, er muss auch die Kraft haben, Gesetze abzuschaffen. Und das sollten wir in den nächsten Jahren auch entsprechend umsetzen.

Beifallbei der CDU/CSU

Unnötige doppelte Regelungen, praxisferne Regelungen müssen wir uns genau anschauen. Da gibt es viel zu regeln. Ich bin gern dabei, wenn es darum geht, dass wir hier gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium gute Lösungen finden.

Ich nenne ein Beispiel. Weil hier ja immer auch dem Ökolandbau das Wort geredet wird: Aktuell haben wir ein Riesenproblem, gerade in Süddeutschland, gerade in den fränkischen Regionen, durch die strenge Auslegung der Weidepflicht für Biomilchviehbetriebe. In Bayern, so die ersten Zahlen, haben bereits 300 Betriebe wieder zurück von biologisch auf konventionell umgestellt. Kann es unser Wille sein, dass wir die Landwirte mit solch strengen Auslegungen zurück in die konventionelle Landwirtschaft bringen? Nein. Diese Betriebe sind seit Generationen ökologisch geführt und können jetzt die strengen Auflagen nicht mehr erfüllen. Und vor allem stehen ja auch Strukturen dahinter: Molkereien, Schlachtbetriebe. Da müssen wir nachjustieren, meine Damen und Herren.

Zum Thema Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Wir haben uns jetzt mehr Zeit genommen. Aber ich will hier in aller Deutlichkeit sagen: Dieses Mehr an Zeit muss auch zu einer praxisgerechteren Lösung führen. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz muss auch das Thema Herkunft besser in den Fokus nehmen. Und vor allem: Es muss unbürokratisch sein. Wenn ich heute in der Praxis unterwegs bin, erzählt mir ein Milchviehhalter: Am Montag kommt der Kontrolleur, der nach QS kontrolliert. Am Mittwoch kommt der gleiche Kontrolleur wieder und kontrolliert nach QM. Dann kommt die ITW-Kontrolle, dann kommt noch ein Kontrolleur von der Molkerei. – All diese vielen Kontrollen sind doch nicht notwendig. Darüber müssen wir mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz einen Schirm legen, damit das einfacher und praktikabler wird. Wenn uns das nicht gelingt, sollten wir lieber darauf verzichten, anstatt das so schlecht zu machen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben auch eine neue Herausforderung in der Landwirtschaft: die Schilfglasflügelzikade.

Der Insider weiß, was diese Zikade bewirken kann. Sie wird Missernten verursachen, gerade bei Zuckerrüben und Kartoffeln. Deshalb ist es wichtig, dass wir im Bereich „Forschung und Entwicklung“ weitermachen. Dazu gehört auch das Thema „Schwarzbrache im Winter“; das hat nichts mit der Union zu tun.

Heiterkeitbei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

Das bedeutet, dass wir mithilfe von Herbstfurchen diesen Zikaden die Grundlage für ihre Verbreitung entziehen. Das gilt auch – das sage ich in aller Deutlichkeit – für eine regionale Braugerstenproduktion. Hier ist die Herbstfurche besser als eine Frühjahrsfurche. Das ist einfach Praxis, die nun wieder ins Bundeslandwirtschaftsministerium eingezogen ist. Da sind wir, glaube ich, gut unterwegs.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ich will noch das Thema Wolf ansprechen. Hier sind wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung gegangen. Aber ich will gerade im Interesse der Almbauern sagen: Wir brauchen eine Lösung auch für die alpinen Regionen. Lieber Koalitionspartner, gehen Sie diesbezüglich auf Ihren Bundesumweltminister zu! Wir brauchen auch in den alpinen Regionen Lösungen, die uns voranbringen. In den letzten Tagen haben wir auch endlich das Okay für das sogenannte Biomassepaket bekommen, verabschiedet noch in der letzten Regierungszeit. Das war unbedingt notwendig, um eine Planungssicherheit gerade für die erneuerbaren Energien im ländlichen Raum zu schaffen.

Es ist wichtig, dass Bioenergie eine tragende Rolle im ländlichen Raum spielt. Dadurch wird hier Wertschöpfung geschaffen. Das müssen wir weiterhin unterstützen. Wir werden in unserer Koalition gemeinsam zukunftsfähige Lösungen erarbeiten. Das betrifft jede Form von Bioenergie, ob Biogas oder vor allem auch Holz. Hier wurde mit dem Heizungsgesetz sehr viel Vertrauen kaputtgemacht.

Wir wollen zukunftsfähig für den ländlichen Raum arbeiten, für unsere Heimat. Wir bringen Deutschland und die deutsche Landwirtschaft wieder voran.

Vielen Dank.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Stefan Schröder für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Stefan Schröder
Foto: Stefan Schröder/ Martin Volkmar
8 Vermerkeca. 470 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Herr Präsident! Herr Minister! Werte Kollegen! Ich finde es immer schön, wenn die Vorredner von der Union sagen: Wir brauchen Bürokratieabbau. 16 Jahre hattet ihr Zeit, Bürokratie abzubauen. Was habt ihr gemacht? Ihr habt sie aufgebaut. Und jetzt, nach dreieinhalb Jahren „Fortschrittskoalition“, die das Ganze noch mal getoppt hat, sagt ihr: Jetzt müssen wir das aber zurückführen. Das ist wie der Blinde, der von der Farbe spricht, meine sehr geehrten Damen und Herren. Reden Sie nicht darüber! Machen Sie es einfach!

Beifallbei der AfD

Dann werden es Ihnen die Bauern auch danken.

Ich bin ja froh, dass mein Vorredner den Wolf angesprochen hat. Der Canis lupus ist Symbol für das politische Versagen der Altparteien. Seit 25 Jahren breitet er sich ungebremst in Deutschland aus.

Zurufder Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]

Heute sprechen wir von rund 2 000 Tieren; genau weiß es niemand, nicht mal die Bundesregierung. Das war die Antwort auf unsere Kleine Anfrage.

Deutschland hat mittlerweile eine der dichtesten Wolfspopulationen weltweit. Allein im Land Niedersachsen gibt es rund 600 Wölfe. Das ist mehr als in ganz Skandinavien. Der Unterschied? Dort wird gehandelt, hier wird gelabert.

Und das bezahlen wir hier auch nicht im Bundestag, sondern das bezahlen unsere Schäfer, unsere Bauern, unsere Menschen auf dem Land.

Vielleicht noch ein paar konkrete Zahlen dazu. 2023 gab es über 5 700 gerissene Weidetiere – 638 000 Euro Entschädigungszahlungen. Über 21 Millionen Euro wurden für den Herdenschutz ausgegeben. 2024 waren es schon mehr als 23 Millionen Euro. Und die Spirale dreht sich weiter. Das ist kein Schutz der Natur, das ist eine Subvention der Untätigkeit.

Beifallbei der AfD

Jeder Euro mehr in den Herdenschutz ist nichts anderes als ein Beweis für Ihr Scheitern.

Aber was steht im Haushaltsentwurf 2026? Kein einziger eigener Titel für ein echtes Wolfsmanagement. Sie verteilen Almosen, aber Sie liefern keine Lösungen. Die Folgen sind dramatisch: Schäfer verlieren ihre Lebenswerke. Ganze Zuchtlinien – jahrzehntelange Arbeit – gehen in einer Nacht verloren. Und währenddessen sitzen Sie hier in Berlin und reden von Koexistenz.

Für die Landwirte draußen ist das blanker Hohn.

Beifallbei der AfD

Die Menschen draußen fragen längst: Wozu eine Regierung, die Milliarden für Bürokratie verpulvert, aber nicht einmal fähig ist, den Bestand der Wölfe zu regulieren? Wir sind daher zu einer ganz klaren Aussage gekommen: Der Wolf muss ins Jagdrecht und raus aus dem Bundesnaturschutzgesetz. Das ist eine Lösung für unsere Bauern.

Beifallbei der AfD

Herr Kollege.

Rednerwechsel

Das ist eine Lösung für unsere Schäfer.

Sie müssen zum Ende kommen.

Rednerwechsel

Recht vielen Dank.

Herzlichen Dank. – Die nächste Rednerin ist Svenja Stadler für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU
Porträt von Svenja Stadler
Foto: Svenja Stadler/ Susie Knoll
7 Vermerkeca. 563 WörterReaktionswert: lebhaft
Reaktionswert: lebhaft

Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste auf der Tribüne! Wir debattieren in einer schwierigen finanziellen Lage: Jeder Euro ist umkämpft, jedes Ressort steht vor großen Herausforderungen; das gilt auch für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat.

Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland übergewichtig oder adipös sind. Eine Untersuchung vom RKI hat ergeben: Jedes sechste Kind ist betroffen. Das bedeutet eine massive Einschränkung der Lebensqualität sowie steigende Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gelenkprobleme und eben auch Depressionen.

Depressionen!

Damit gehen auch enorme Folgekosten für das Gesundheitssystem einher. Von den Auswirkungen, was die Wirtschaft betrifft, will ich gar nicht erst reden.

Produkte mit viel Zucker und Fett, aber wenig Nährstoffen sind für viele Familien Alltag. Die Folge: Kinder nehmen Kalorien auf, aber nicht die Nährstoffe, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Das Ergebnis: Gewichtszunahme, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, eine schlechte gesundheitliche Ausgangslage fürs Leben. Kinder und Jugendliche sind aber unsere Zukunft. Und Bildung ist unsere einzige Ressource.

Ein Blick in den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher zeigt, warum wir dringend handeln müssen. Immer mehr Lebensmittelkonzerne nutzen soziale Medien und die Gamingwelt, um Junkfood-Werbung direkt an Kinder und Jugendliche zu richten. Ob Roblox, Minecraft oder Fortnite: Wo Kinder spielen, ist Werbung für zuckerhaltige Getränke, fettige Snacks und Süßwaren nicht weit. Das ist ein Angriff auf die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen.

Beifallbei der SPD

Solange Konzerne digitale Spielwelten als Türöffner nutzen dürfen, um schon die Jüngsten an ungesunde Ernährung zu gewöhnen, haben Eltern und Schulen überhaupt keine Chance, gegenzuhalten.

Da fehlt auch ein kostenloses Mittagessen! Das wollten Sie aber nicht!

Wer zahlt den Spaß?

Wir müssen Familien und Verbraucher unterstützen, sich gesund zu ernähren. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die gesunde Ernährung einfacher, bezahlbarer und selbstverständlicher machen.

Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ hat deutlich gemacht, dass die Menschen in unserem Land eine gesunde Ernährung als zentrale Aufgabe der Politik verstehen. Mit seiner klaren Positionierung fordert er uns zum Handeln auf. Die Frage ist: Wie mutig sind Sie, Herr Minister?

Seit 2023 wird das Nationale Ernährungsmonitoring im Haushalt finanziert. Dieses Monitoring erfasst kontinuierlich, was in Deutschland tatsächlich gegessen wird, welche Trends es gibt und wie Werbung, Preise und Lebensumstände die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen. Diese Erkenntnisse nutzen uns, um eine wirksame Ernährungsstrategie umzusetzen. Dafür müssen wir als Politikerinnen und Politiker aber auch bereit sein, unsere eingetretenen Pfade zu verlassen – auch Sie, Herr Minister.

Beifallbei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Es braucht eine verbindliche Ernährungsstrategie und Ernährungsbildung, um Kinder und Jugendliche wirksam vor manipulativer Werbung zu schützen.

Der Haushaltsentwurf 2026 enthält richtige Ansätze. Aber im Bereich Ernährung sehen wir: Die Mittel bleiben weitgehend stabil, obwohl die Herausforderungen wachsen. Wir brauchen mehr Mittel für Ernährungsbildung, für Monitoring, für Prävention. Mit jedem Euro, den wir investieren, investieren wir in eine Zukunft mit gebildeten, fröhlichen und gesunden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN

In diesem Haushalt geht es nicht nur um Landwirtschaft oder Verbraucherfragen. Es geht um Gesundheit, um Bildung und um Gerechtigkeit. Ernährungspolitik ist Gesundheitspolitik, ist Sozialpolitik.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Niklas Wagener für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Porträt von Niklas Wagener
Foto: Stefan Kaminski
11 Vermerkeca. 721 WörterReaktionswert: hoch
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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Ich will es heute Abend mal mit einem Zitat von Seneca versuchen:

„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ Ich möchte fast meinen, wenn Alois Rainer zur Zeit von Seneca gelebt hätte, hätte wahrscheinlich Seneca an ihn gedacht, als er diese Weisheit aufschrieb.

Wir Grüne haben in den letzten Monaten mit Ihnen gemeinsam 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz zusätzlich zur Verfügung gestellt. Wir haben Ihnen die Hand gereicht, um gemeinsam die notwendigen Investitionen in unsere Sicherheit, in unsere Infrastruktur und auch in den Klimaschutz auf den Weg zu bringen.

Ja, richtig!

Ihr habt die Steuerzahler erpresst!

Und, um bei Seneca zu bleiben, wir Grüne waren der Wind in Ihren Segeln

für eine Land- und Forstwirtschaft, die in der Lage ist, nicht nur dem Klimawandel standzuhalten, sondern auch noch zu seiner Abmilderung beizutragen.

Beifallder Abg. Dr. Ophelia Nick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Wenn ich mir diesen Haushalt jetzt aber anschaue, dann frage ich mich: Wo hat Minister Rainer eigentlich gekämpft, um zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen zu bekommen? In Ihrem Koalitionsvertrag haben Sie noch vollmundig angekündigt, dass Sie zusätzliche Mittel für die ländlichen Räume zur Verfügung stellen. Jetzt kürzen Sie bei den entscheidenden Programmen für die ländlichen Räume. Beim Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung wird gekürzt.

Hört! Hört!

Dabei sind es gerade die ländlichen Räume, die von solcher Bedeutung für erfolgreichen Klimaschutz sind, für das Gelingen der Energiewende, für eine moderne Industrie, für ein zukunftsgewandtes Handwerk, für einen gesunden Mittelstand. Deswegen erwarte ich von einem Heimatminister und von dieser Koalition, dass Sie sich in den anstehenden Haushaltsverhandlungen dafür einsetzen, endlich ausreichend Mittel für unsere ländlichen Räume in diesen Haushalt einzustellen.

Herr Rainer, ich kann Ihr Argument nachvollziehen und finde es auch richtig, zu sagen: Wo können wir in diesem ganzen Förderdschungel entbürokratisieren und vereinfachen? Aber einfach die Mittel für den ländlichen Raum zu kürzen und zu sagen: „Das machen wir jetzt alles in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“, und dabei deren Mittel gleichbleibend zu belassen, damit täuschen Sie doch wirklich die Macherinnen und Macher im ländlichen Raum, die auf diese wichtigen Förderprogramme angewiesen sind. Deswegen kann ich Sie nur noch mal dazu aufrufen: Bessern Sie hier nach!

Für die ländlichen Räume ist ebenfalls entscheidend, dass wir unser Holzhandwerk stärken. Herr Büdenbender, ich finde es sehr positiv, dass Sie unsere Waldförderprogramme aus der letzten Wahlperiode fortsetzen. Das klimaangepasste Waldmanagement hat ja federführend Cem Özdemir mit auf den Weg gebracht. Dass Sie jetzt hier ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stellen, das weiß ich sehr zu schätzen.

Allerdings müssen wir natürlich auch die nachgelagerten Bereiche betrachten. Sie haben den Bauturbo angekündigt. Wie soll das funktionieren, wenn Sie auf der anderen Seite die Fördermittel für das Holzhandwerk in diesem Haushaltsentwurf komplett streichen? Das passt für mich einfach nicht zusammen.

Es stehen viele junge Menschen im Wald- und im Holzhandwerk bereit, junge Försterinnen und Förster, Holzhandwerkerinnen und Holzhandwerker, die Lust haben, die Ärmel hochzukrempeln, und Sie streichen den gesamten Titel aus dem Haushaltsentwurf. Dabei könnten Sie mit den neuen Mitteln, die wir für Klimaschutz im Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung gestellt haben, tatsächlich den Bauturbo mit mehr Holzbau starten. Da hätten Sie uns an Ihrer Seite.

Abschließend kann ich noch mal sagen, um auf den Anfang zurückzukommen: Sie haben jetzt in den parlamentarischen Verhandlungen die Möglichkeit, noch mal nachzusteuern, den Kompass vielleicht neu einzustellen, die Segel neu zu setzen. Und vielleicht ist es uns ja dann auch wieder möglich, der Wind in Ihren Segeln zu sein.

Sie müssen zum Ende kommen.

Aber an dieser Stelle können wir nur sagen: Aufgabe verfehlt!

Vielen Dank.

Herzlichen Dank. – Ich erteile Marcel Bauer von der Fraktion Die Linke das Wort für die nächste Rede.

Beifallbei der Linken

Jetzt kommt wieder die Verstaatlichung!

Porträt von Marcel Bauer
Foto: Marcel Bauer/ Fotostudio Studioline Ettlinger Tor
5 Vermerkeca. 477 WörterReaktionswert: niedrig
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Verehrter Herr Präsident! Verehrte Zuhörer/-innen! Ob wir als Maurer arbeiten oder als Pflegekraft, ob wir Rentner/-innen sind oder gerade erwerbslos: Wir alle wollen ein gutes, gesundes und bezahlbares Essen auf den Tisch bekommen, nicht nur heute Abend, sondern auch noch am Ende des Monats und in den kommenden Jahren. Als Linke sagen wir: Diese Sicherheit haben die arbeitenden Familien, die den Wohlstand dieser Gesellschaft schaffen, einfach verdient.

Beifallbei der Linken

Insbesondere die ungebremste Erderhitzung bedroht diese Sicherheit, bedroht uns alle: durch Hitzewellen, durch Dürren, durch Sturzregen und Hochwasserkatastrophen. Der Raubbau an der Natur in der Landwirtschaft trägt dazu bei, und die Folgen der Erderhitzung führen immer öfter zu Ernteausfällen. Das ist schlecht für alle, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren werden. Es ist eine Gefahr für alle, die nicht unanständig reich sind und andere für sich einkaufen schicken können, ganz egal, wie hoch die Preise sind. Und es ist eine existenzielle Bedrohung für die Landwirte und Landwirtinnen.

Unsere Bäuerinnen und Bauern tragen durch ihre harte Arbeit zum Lebensglück der arbeitenden Familien bei. Wir alle sind auf sie angewiesen. Ob es gesundes und bezahlbares Essen gibt, ob wir in Zukunft noch eine lebenswerte Umwelt haben werden, all das hängt eben auch von den Bäuerinnen und Bauern ab.

Aber Friedrich Merz und Lars Klingbeil, CDU/CSU, die SPD und auch Sie, Herr Rainer, haben vergessen, was die Arbeiter/-innen, Erwerbslosen und Rentner/-innen im täglichen Leben brauchen; Sie lassen darüber hinaus auch noch die Bäuerinnen und Bauern im Stich. Das zeigen Sie ganz klar mit diesem Haushalt.

Beifallbei der Linken

Denn nur klägliche 7 Milliarden Euro von 520 Milliarden Euro stellen Sie bereit, um unsere Versorgung mit guten Lebensmitteln sicherzustellen, für eine Produktion, die so angelegt ist, dass hinterher auch noch eine lebenswerte Umwelt für unsere Kinder und Enkelkinder übrig bleibt. Herr Rainer, das kann mit diesen Kleckerbeträgen – 7 Milliarden Euro von 520 Milliarden Euro – nicht funktionieren. Als Linke sagen wir: Es braucht einen echten Rückenwind für eine soziale und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft. ´

Beifallbei der Linken

Wir brauchen mehr Geld. Wir brauchen einen starken Anschub, der die ökologischen und wasserschonenden Anbaumethoden ohne Pflanzen- und Insektengift fördert. Denn die Bauern und Bäuerinnen, die schon heute Rücksicht nehmen auf die Lebensgrundlagen von morgen, müssen dafür entlohnt werden. Eine Pflegekraft muss sich gesunde Äpfel, Kartoffeln und auch mal gutes Fleisch für sich und ihre Kinder leisten können.

Beifallbei der Linken

Stattdessen werden in diesem Haushalt Millionen im Bereich „Nachhaltigkeit, Forschung und Innovation“ gekürzt. Dieser Haushalt ist damit ein direkter Anschlag auf das zukünftige Leben der arbeitenden Familien, auf die Erwerbslosen und Rentner/-innen und auch auf die Bäuerinnen und Bauern in diesem Land.

Die Wut der Menschen auf diese abgehobene Politik wächst. Ich sage Ihnen, Herr Rainer: Wer Wind sät, der wird Sturm ernten.

Beifallbei der Linken
Porträt von Oliver Vogt
Foto: Dr. Oliver Vogt / Peter Hübbe
16 VermerkeZwischenfrageWortwechselca. 1.424 WörterReaktionswert: sehr hoch
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Hochgeschätzter Herr Präsident! Verehrter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dem Ausflug in die linke Propaganda ist es, glaube ich, notwendig, dass wir uns wieder mal den Realitäten des Haushalts zuwenden und auf das Machbare schauen.

Beifallbei der CDU/CSU

Deshalb möchte ich erst mal einsteigen mit einem herzlichen Dank an unseren Bundesminister.

Zurufdes Abg. Marcel Bauer [Die Linke]

Lieber Alois Rainer, ganz, ganz herzlichen Dank dafür, mit welcher Leidenschaft, mit welchem Einsatz du dich für unsere deutsche Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft einsetzt und klare Signale in die Branche sendest. Wir stehen an der Seite der Landwirte, derjenigen, die die Ernährung in unserem Land sichern. Das ist die Botschaft, die von diesem Haushalt und von diesem Tag und von deiner Person ausgeht. Herzlichen Dank für dieses klare Bekenntnis!

Beifallbei der CDU/CSU und der SPD

Oha, ganz tief rein!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, schon Friedrich der Große wusste, dass eine Armee mit dem Magen marschiert. Hierzu ließ er seinerzeit große Getreidesilos in Festungen anlegen, um seine Soldaten auch im Felde versorgen zu können. Was bereits im 18. Jahrhundert galt, ist heute aktueller denn je, nicht nur für unsere Bundeswehr, sondern für unser gesamtes Land: Ernährungssicherheit – das ist heute schon angesprochen worden – ist mehr als Landwirtschaftspolitik. Sie ist der Inbegriff von Resilienz und Unabhängigkeit und am Ende auch der nationalen Sicherheit in Gänze.

Mit dem vorliegenden Haushaltsentwurf, liebe Kolleginnen und Kollegen, adressieren deshalb unser Bundesminister Alois Rainer und sein Ministerium diesen Sachverhalt und legen trotz notwendiger Konsolidierungen – es wird ja immer gerne vergessen, das zu erwähnen – den Fokus klar auf die Stärkung unserer Ernährungssicherheit. Und ich sage ganz deutlich: Das ist auch gut so, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD
Zurufdes Abg. Marcel Bauer [Die Linke]

Auch wenn die Opposition heute wieder mal nicht müde wurde, in der Debatte beispielsweise das Auslaufen des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung zu kritisieren, nehmen wir als Koalition Mittel in Rekordhöhe – die Kollegin Dilcher hat schon darauf hingewiesen – in die Hand, um unsere Schweinebauern beim Umbau hin zu mehr Tierwohl zu unterstützen: für diejenigen mit fertigem Konzept und vorhandener Baugenehmigung noch bis Ende April des nächsten Jahres im bestehenden Programm, alle anderen dann in Zukunft in einer neu aufgelegten Stallumbauförderung.

Hier müssen wir als Koalition – das sei eingestanden –, wie im Koalitionsvertrag übrigens auch vereinbart, noch liefern.

Ich erwarte dabei einen konstruktiven Beitrag aller Beteiligten inklusive des Bundesfinanzministeriums.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Dies sichert dann auch die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland und sorgt dafür, dass wir alle auch künftig ausreichend hochwertiges Kotelett, Gehacktes oder Gyros bei unseren Metzgern oder in unseren Supermarktregalen finden werden. Landwirtschaftliche Produkte ernähren jeden von uns täglich, egal ob wir Fleisch genießen, vegan leben oder primär Bioprodukte essen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die vorgetragene Kritik beispielsweise der grünen Redner heute in der Debatte bezüglich der Zusammenlegung verschiedener Ackerbautitel geht meines Erachtens aber zu weit. Die Prioritätensetzung in unserem Einzelplan und die Sparvorgaben des Gesamthaushaltes erfordern Konsolidierungen in nahezu allen Bereichen, sowohl bei der konventionellen als auch bei der ökologischen Landwirtschaft. Ich empfehle dringend, auch mal einen Blick auf den tatsächlichen Mittelabfluss zu werfen und nicht immer nur auf die in den Haushalt eingestellten Zahlen. Dann wird nämlich einiges deutlich, etwa warum bestimmte Programme hier angepasst werden.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

CDU, CSU und SPD nehmen aber die Hinweise der Branche – und das will ich ganz deutlich sagen – sehr ernst. Wir werden uns im Rahmen der Haushaltsberatungen auch dafür einsetzen, dass es bei Forschungsprogrammen zu keinen Kürzungen kommt; denn nur Innovationen sichern die Zukunft unserer Ernährungssicherheit: Innovationen wie beispielsweise die Neuen Genomischen Techniken, die die Resilienz unserer Anbausysteme weiter steigern. In diesem Bereich ist die Bundesregierung nun gefragt, die aktuellen Reformbemühungen auf europäischer Ebene noch in diesem Jahr nach Kräften zu unterstützen, um unseren Landwirten dieses wichtige Werkzeug an die Hand zu geben.

Die Herausforderungen sind groß – es ist schon vielfach angesprochen worden –: von Klimawandel und Extremwetterereignissen bis hin zur Schilf-glasflügelzikade. Lassen Sie uns also nicht ideologisch in den 80er-Jahren verharren, sondern bringen wir Deutschland bei diesem Thema gemeinsam voran!

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Ernährungssicherheit, liebe Kolleginnen und Kollegen, darf bei uns im Land aber nicht nur in herausfordernden Zeiten auf der politischen Tagesordnung stehen; Bundesminister Alois Rainer hat dieses Thema bereits adressiert. Wir müssen sie systematisch als Teil unserer Sicherheitsarchitektur begreifen. Dazu gehört, dass wir die nationale Notfallreserve strukturell konsequent weiterentwickeln und die von Bundesminister Rainer geforderte Bevorratung von Konserven ergänzen.

Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage

– Ich glaube, da besteht der Wunsch nach einer Zwischenfrage.

Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage oder eine Zwischenbemerkung?

Rednerwechsel

Sehr gerne.

Bitte schön, Kollege Eckert.

Rednerwechsel

Sehr geehrter Herr Präsident! Danke, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Mich würde interessieren: Sind Sie dafür, dass die Notfallvorsorge in die Zivilschutzbereichsausnahme kommt, und werden Sie sich dafür im Haushaltsverfahren 2026 einsetzen?

Bitte schön.

Rednerwechsel

Geschätzter Herr Kollege Eckert, vielen Dank für diese Frage. Wenn Sie noch einen kleinen Moment Geduld gehabt hätten: Das wäre gleich der nächste Punkt meiner Ausführungen gewesen.

Das ist doch super! Dann hast du mehr Redezeit!

Aber umso besser; dann geht das nicht von meiner Redezeit ab.

Also: Selbstverständlich – und das ist an dieser Stelle nicht nur meine Position, sondern die unserer Fraktion; ich habe es ja eben in meinem Redeteil auch schon ausgeführt – gehört die nationale Notfallreserve aus unserer Sicht ganz klar zum gesamten Paket unserer Sicherheitsarchitektur und muss deshalb auch in die Bereichsausnahme aufgenommen werden.

Beifallbei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD

Setzen Sie gerne fort.

Rednerwechsel

Deshalb geht mein Appell in Richtung des Bundesfinanzministeriums an dieser Stelle mit einer klaren Erwartungshaltung einher.

Ich möchte gerne noch einmal das aufgreifen, was der Kollege Eckert gerade in seiner Zwischenfrage thematisiert hat. Die Notfallvorsorge ist aus unserer Sicht Inbegriff des Bevölkerungsschutzes und wird auch im Bündnisfall für die Versorgung durch Deutschland verlegender NATO-Truppen dringend benötigt. Sie gehört damit definitiv in die Bereichsausnahme.

Als Berichterstatter für den schönsten Einzelplan im Bundeshaushalt möchte ich auch in Bezug auf die aktuelle Debatte um die zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU noch eine klare Erwartungshaltung ausdrücken, wie dies auch der von mir sehr hoch geschätzte Kollege Auernhammer bereits getan hat. Wir brauchen weiterhin ein eigenständiges Agrarbudget zur Unterstützung unserer heimischen Landwirtschaft. Die Pläne der EU-Kommission, verschiedene Förderungen wie GAP und Kohäsionsfonds zusammenzulegen und die Verteilung künftig durch die Mitgliedstaaten regeln zu lassen, dürfen in dieser Form auf jeden Fall nicht kommen.

Sollte entgegen aller Bemühungen eine Zusammenlegung im mehrjährigen EU-Haushalt nicht verhindert werden können, muss allerdings auch klar sein, dass das Ressort, das für den größten Teil der Mittel bisher verantwortlich war, auch künftig die Federführung über diesen Etat innerhalb der Bundesregierung erhält, und das ist ohne jeden Zweifel das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unter Führung unseres Bundesministers Alois Rainer.

– Ja, so viel Zeit muss sein. – Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Landwirte auch weiterhin alle Bürgerinnen und Bürger, diejenigen in Uniform genauso wie diejenigen in Zivil, mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Friedrich der Große hatte zweifelsohne recht: Eine Armee marschiert mit dem Magen. Aber auch Volkswirtschaften und Demokratien brauchen Ernährungssicherheit als Grundlage ihres Funktionierens. Deshalb sagen wir klar und deutlich: Dieser Agrarhaushalt ist mehr als ein Etat für Landwirte. Er ist ein Haushalt für die Sicherheit und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Beifallbei der CDU/CSU sowie des Abg. Jens Behrens [SPD]

Deshalb freue ich mich auf die vor uns liegenden Haushaltsberatungen, um den Agrarhaushalt in den kommenden Wochen gemeinsam mit meinen Berichterstatterkollegen im Sinne unserer Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft – und damit für die Zukunft ländlicher Räume insgesamt – zu einem echten Fundament für Ernährungssicherheit und Resilienz weiterzuentwickeln.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Beifallbei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Christian Reck für die AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD
Porträt von Christian Reck
Foto: Christian Reck
6 Vermerkeca. 410 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Bei der Besprechung des Landwirtschaftshaushalts geht es nicht nur um Zahlen auf dem Papier, sondern vor allem um Verantwortung: Wie sichern wir in Deutschland die Zukunft der Landwirtschaft, der Fischerei und der ländlichen Räume?

Die gerade eben angesprochene Gemeinsame Agrarpolitik, kurz: GAP, ist seit Jahrzehnten das zentrale Instrument zur Stabilisierung unserer Landwirtschaft. Die GAP bildet über die EU auch die Grundlage dafür, welche Handlungsräume wir auf nationaler Ebene haben. Unser Anteil aus dem Agrarfonds beträgt derzeit jährlich rund 6,3 Milliarden Euro aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft; dazu kommen rund 1,1 Milliarden Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Dieses Budget soll zukünftig um mehr als 22 Prozent reduziert werden. Und das ist schon jetzt ein Skandal!

Beifallbei der AfD

Konkret ist sogar eine drastische Obergrenzenverschärfung für öffentliche Gelder pro Betrieb im Gespräch. Bereits für mittelgroße Landwirtschaftsbetriebe sollen die Hektarprämien auch noch degressiv sinken, und wir reden hier bei den betroffenen Betrieben möglicherweise schon von solchen mit deutlich unter 100 Hektar. Doch alle Landwirtschaftsbetriebe sind wichtige Säulen in ländlichen Regionen, vor allem die großen Betriebe in meiner Heimat, im Osten Deutschlands.

Beifallbei der AfD

Der Haushaltsentwurf des Landwirtschaftsministeriums für 2026 deutet bereits diese Kürzungen an, die im Vergleich zum Vorjahr 2025 spürbare Einschnitte abseits der Stallförderung bedeuten würden. Kurzum: Die bisherige Einkommensstützung würde geschwächt, bürokratische Auflagen würden zugleich ausgeweitet und verschärft, und das alles, ohne dass die Finanzierung gesichert wäre. Das darf keine Zukunftsperspektive für Deutschlands Bauern ab 2028 werden. Ganz klar!

Beifallbei der AfD

Meine Damen und Herren, eine Politik, die auf Kosten der Landwirtschaft spart, gefährdet Ernährungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und den sozialen Zusammenhalt im ländlichen Raum. Wir als Alternative für Deutschland sagen klar Nein zur Budgetreduzierung, Ja zu Arbeitsplätzen im ländlichen Raum, Nein zu praxisfremden Förderkriterien, Ja zu Planungssicherheit, Nein zu überbordender Bürokratie und Ja zu wettbewerbsfähiger Landwirtschaft.

Beifallbei der AfD

Noch ein paar Worte an die Regierungsfraktionen: Nehmen Sie die eingangs erwähnte Verantwortung wahr, und zwar nicht kriechend in Richtung der von der EU gewünschten Klimavorgaben, sondern stark und aufrecht – für Planungssicherheit, gesicherte finanzielle Unterstützung, erfüllbare Rahmenbedingungen und Ernährungssicherheit. Stellen Sie sich endlich Ihrer Verantwortung, und tun Sie etwas für unsere deutschen Bauern!

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist der fraktionslose Abgeordnete Stefan Seidler.

Beifallbeim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD
Porträt von Stefan Seidler
Foto: Stefan Seidler/Lars Salomonsen
4 Vermerkeca. 395 WörterReaktionswert: niedrig
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Vielen Dank, Herr Präsident. – Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Minister Rainer, ich muss ehrlich gestehen: Ich habe Sie in den letzten Berichterstattergesprächen sehr schätzen gelernt. Vielleicht ist deshalb die Enttäuschung umso größer, dass Sie kein einziges Wort zum Thema „Küstenschutz“ oder „Fischerei“ gesagt haben.

Der Bund fördert über die sogenannte GAK, also über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, Maßnahmen zum Schutz unserer Küsten, da unser Grundgesetz den Küstenschutz als eine gesamtstaatliche Aufgabe anerkennt. Ja, Küstenschutz geht uns alle an. Deshalb ist aus meiner Sicht jeder Euro an Mitteln des Bundes hier gut investiertes Geld. Und ich werbe dafür: Jeder zusätzliche Euro wird im Küstenschutz dringend gebraucht. Denn was mit dem Klimawandel auf unsere Küsten zukommt, ist eine Aufgabe nationaler Tragweite.

Beifallder Abg. Niklas Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Ina Latendorf [Die Linke]

Es ist eine Aufgabe, die nicht wir in Berlin tragen müssen, sondern die tüchtigen Freiwilligen bei uns im Norden, die auch zu Beginn dieser Sturmsaison rausgehen und unsere Deiche sichern. Ich habe das Privileg, viele dieser Menschen, unsere Deichgrafen, persönlich kennenzulernen. Ich möchte ihnen hier zu Beginn der Sturmsaison für ihre wichtige Arbeit danken.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Um es auf Plattdeutsch zu sagen: Passt op jo op door buiten!

Unsere Aufgabe als Haushaltsgesetzgeber ist es, die Menschen vor Ort mit dem Nötigen auszustatten, damit man sich an die Folgen des Klimawandels anpassen kann. Dafür braucht es in den kommenden Jahren mehr Geld. Der zuständige Minister aus meinem Bundesland Schleswig-Holstein spricht mir gegenüber von einem Bedarf von 40 Millionen Euro jährlich nur für die Ostseeküste in Schleswig-Holstein, weil absehbar auch Städte wie Eckernförde, Flensburg und Lübeck geschützt werden müssen. Das ist im Haushalt nicht abgedeckt.

Dazu kommt, dass wir aus meiner Sicht die Förderrichtlinien des Rahmenplans überdenken sollten. An der Westküste etwa müssen die Deich- und Sielverbände heute ganz andere Maßnahmen als früher ergreifen, um mit einem höheren Meeresspiegel, einer starken Sturmflut und gleichzeitigem Starkregen umgehen zu können. Es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass wir die Leute da unterstützen, wo sie es brauchen.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken

Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Jens Behrens für die SPD-Fraktion.

Beifallbei der SPD und der CDU/CSU
Porträt von Jens Behrens
Foto: Jens Behrens / Susie Knoll
7 Vermerkeca. 596 WörterReaktionswert: niedrig
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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Bundesminister Rainer! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei meinen vergangenen Reden standen bereits die Nutztierhaltung und der Tierschutz im Mittelpunkt. Mittlerweile bin ich ganz offiziell Tierschutzbeauftragter meiner Fraktion,

Beifallbei der SPD sowie des Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]

Herzlichen Glückwunsch!

und ich möchte der damit verbundenen Verpflichtung gerne nachkommen, auch mit Blick auf den Haushalt das Tierwohl in den Mittelpunkt zu rücken.

Meine Kollegin Esther Dilcher hat vorige Woche schon zum Ende des Bundesprogramms zum Stallumbau in der Schweinehaltung klar Stellung bezogen, sowohl formal als auch inhaltlich. Dem schließe ich mich an. Nun könnte man einwenden: Über vergossene Milch soll man nicht weinen. – Aber da meine Fraktion im Vorfeld nicht informiert, geschweige denn involviert war, möchte ich heute zumindest nachholen, meine Einschätzung dazu abzugeben.

Die Nachfrage des Bundesprogramms war bisher nur langsam angelaufen. Wie die Antragstellung für das laufende Jahr ausfallen wird, werden wir noch sehen. Ein zögerlicher Start ist jedoch nicht ungewöhnlich, wenn ein Förderprogramm neu aufgelegt wird. Hinzu kommt noch, dass es hier um ein Bauvorhaben geht, das immer etwas mehr Vorlaufzeit benötigt.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Grundsätzliche Entscheidungen, in welche Richtung sich der Betrieb weiterentwickeln soll, werden oft noch mal neu bewertet, wenn so ein Bundesprogramm bekannt wird. Dann wird auch in der Familie beraten, ob sich eine Betriebsübergabe an die nächste Generation oder die Betriebsgründung als Junglandwirt oder Junglandwirtin anbietet. Dafür muss innerfamiliär erst mal viel geregelt werden. Außerdem braucht man das eigentliche Stallkonzept, ein Ingenieurbüro, das das Vorhaben begleitet, die Antragsunterlagen, die Antragstellung, die Finanzierung durch die Bank etc. Und dann kommt erst der Punkt, an dem der Förderantrag eingereicht wird.

Wir als Koalition haben uns vorgenommen, bei einigen dieser Punkte für Vereinfachungen und Beschleunigungen zu sorgen. Und das gehen wir auch an.

Beifallbei der SPD

Aber auch dann wird so eine Planung nicht von heute auf morgen abgeschlossen werden können. Ich schildere das alles so ausführlich, um deutlich zu machen, warum das Bundesprogramm bisher womöglich nicht vollumfänglich in Anspruch genommen wurde. Aber klar ist auch: Es wurde angenommen, und die Nachfrage würde vermutlich noch weiter zunehmen.

Beifallbei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Oliver Vogt [CDU/CSU]

Statt das Programm komplett auslaufen zu lassen, hätte ich dafür plädiert, die im Haushaltsentwurf für 2026 vorgesehenen 278 Millionen Euro entsprechend der mittlerweile gesammelten Erfahrungswerte anzupassen und nur das übrige Geld in die GAK, die heute schon oft angesprochen worden ist, zu überführen.

Ich wünsche allen Landwirtinnen und Landwirten, die sich planerisch bereits auf den Weg gemacht haben, dass sie es bis Ende April 2026 schaffen werden, ihren Förderantrag zu stellen, um die bis zu 60 Prozent Förderung für den tierwohlgerechten Um- und Neubau ihres Schweinestalls nutzen zu können. Die erbrachten Vorleistungen sollen nicht umsonst gewesen sein.

Beifallbei Abgeordneten der SPD

Gleichzeitig spreche ich mich dafür aus, gemeinsam mit unserem Koalitionspartner Möglichkeiten zu erarbeiten, das Bundesprogramm doch noch zu erhalten bzw. zu reaktivieren oder so weiterzuentwickeln, dass die Schweinehalterinnen und Schweinehalter Planungssicherheit haben.

Zur Planungssicherheit wird übrigens auch die Weiterentwicklung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes beitragen. Die Botschaft, die damit verbunden sein wird, soll ein entscheidender Impuls dafür sein, in die Zukunft zu planen – für mehr Tierwohl, für erfolgreiche Landwirtinnen und Landwirte und für gesunde, einheimische Lebensmittel.

Vielen Dank.

Beifallbei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU

Vielen Dank. – Für die letzte Rede in dieser Debatte erteile ich das Wort Dario Seifert von der AfD-Fraktion.

Beifallbei der AfD

Das Beste kommt zum Schluss! Die Letzten werden die Ersten sein!

Porträt von Dario Seifert
Foto: AfD Fraktion im Deutschen Bundestag/ Nikolaus Becker
6 Vermerkeca. 479 WörterReaktionswert: niedrig
Reaktionswert: niedrig

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kollegen! Der Einzelplan 10 heißt heute nicht umsonst „Landwirtschaft, Ernährung und Heimat“; denn es geht um die Menschen, die unser Brot backen, unsere Landschaft pflegen und um die, die bei Wind und Welle unseren Speiseplan überhaupt erst möglich machen. Doch der vorliegende Etat verwaltet vor allem Stillstand: viele Sozialausgaben, wenig Impulse, zu späte und zu kleinteilige Förderungen. So bleiben Mittel liegen, während die Betriebe auf wichtige Investitionen warten. Für uns ist das die pure Verantwortungslosigkeit und zeigt einmal mehr, welchen geringen Stellenwert Landwirte und Fischer in diesem Land leider noch immer haben, meine Damen und Herren.

Beifallbei der AfD
Zurufdes Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]

Reden wir zum Beispiel mal über die Ostseefischerei. Diese wird seit Jahren durch restriktive EU-Fangregelungen an die Kette gelegt. Wer an der Küste lebt, weiß: Ohne planbare Quoten und marktfähige Beifangregeln gehen Traditionsbetriebe verloren. – Deutschland muss endlich die Interessen seiner Küsten stärker vertreten und nationale Förderinstrumente so aufstellen, dass Modernisierung, Präferenzen und Nachwuchsgewinnung Hand in Hand gehen, damit auch unsere Wirtschaft endlich wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken kann.

Beifallbei der AfD

In meinem Wahlkreis hat sich beispielsweise ein Fischer etwas plakativ darüber beklagt, dass er mittlerweile häufiger zur Behörde als auf See fährt. Genau das ist der Punkt: Die Menschen in diesem Land wollen keine Subventionen fürs Nichtstun, sie wollen klare Regeln, die sich an Bestandsbiologie auf der einen und Praxis auf der anderen Seite orientieren.

Beifallbei der AfD

Sie wollen sinnvolle Hilfen, die rechtzeitig ankommen; denn die Menschen in diesem Land verdienen endlich Verlässlichkeit statt weiterer Bevormundung.

Beifallbei der AfD

Letztes Jahr wurde beispielsweise von den insgesamt rund 10,6 Millionen Euro, welche 2024 aus der Fischereikomponente ausgezahlt wurden, mehr als die Hälfte für kurzfristige Krisenbeihilfe verwendet. Ganze 5,5 Millionen Euro! Für nachhaltige Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit und auch für die Modernisierung der Flotten blieb daher kaum etwas übrig.

Wir als AfD stehen immer an der Seite derjenigen, die anpacken: Bauernhöfe, Lebensmittelhandwerk und Küstenfischerei. Wir sagen Ja zur Versorgungssicherheit, zu regionalen Wertschöpfungsketten und zu echtem Bürokratieabbau. Sehr geehrte Kollegen, wir sagen aber genauso Nein zum Flottenabbau, zum politischen Selbstzweck und zu Förderlogiken, die zwar Krise bewältigen, aber Zukunft verhindern. „Heimat“ im Titel des Ministeriums verpflichtet. Wer Heimat ernst meint, schützt auch die Arbeitsplätze an Kaimauern und in den Räuchereien. Das, meine Damen und Herren, wäre anständige Politik – unmissverständlich, bodenständig und heimatverbunden.

Beifallbei der AfD

Dieser Einzelplan ist in der vorliegenden Form für uns nicht zustimmungsfähig. Geben wir Landwirtschaft und Fischerei wieder Verlässlichkeit, damit die Menschen nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch an der Nord- und Ostseeküste und in ganz Deutschland wieder von eigener Arbeit leben können. Das ist unser Auftrag als Alternative für Deutschland. Dafür werden wir auch in Zukunft unbeirrt weiterstreiten.

Vielen Dank.

Beifallbei der AfD