Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Frau Staatsministerin! Ich darf mich dem Sport- und Ehrenamtsetat im Einzelplan 04 widmen. Sportereignisse wie jetzt die Leichtathletik-WM begeistern Menschen rund um den Globus. Doch bei all der Begeisterung dürfen wir nicht die Augen vor dunklen Seiten im Sport verschließen – auch in der Leichtathletik.
Machtmissbrauch von Trainern ist hier in Deutschland eine bittere Realität und trifft vor allem junge Nachwuchssportlerinnen. Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung spricht von bestehenden „massiven Schutzlücken“ für Athletinnen gegenüber Trainern, die mit dem klaren Ziel der sexuellen Ausbeutung agieren. Täter müssen nach wie vor, auch weil es systematische Lücken gibt, viel zu selten Konsequenzen befürchten.
Es war deswegen ein richtiger Schritt, das Zentrum „Safe Sport“ ins Leben zu rufen.
Das wird durch die neue Regierung auch bestätigt. Im neuen Entwurf sind 2,8 Millionen Euro für das Zentrum veranschlagt. Doch für uns kann das Zentrum nur ein erster Schritt sein. Denn die Recherchen von „Frontal“ zeigen, dass bei Fehlverhalten die nötigen Durchgriffsrechte zur Sanktionierung fehlen.
Wir erwarten deswegen auch – von Ihnen, Frau Schenderlein, und von uns als Haushaltsgesetzgeber –, dass Verantwortliche für Spitzensportförderung die Empfehlung der Missbrauchsbeauftragten aufgreifen, bei hartnäckiger Verweigerungshaltung von Verantwortlichen oder Verbänden die Mittel zur Sportförderung mit Auflagen zu versehen oder vollständig einzubehalten.
Denn leider – und das zeigt die Geschichte sehr gut – kommt die Selbstverwaltung des Sports bei unangenehmen Themen regelmäßig an ihre Grenzen – so auch bei der Aufklärung von Doping. Ein Beispiel: Dass der Bund Deutscher Radfahrer noch vor zwei, drei Jahren einfach behaupten konnte, er besäße kein Archiv und könne sich deswegen an keinerlei Aufklärung von Dopingfällen in der Vergangenheit beteiligen, liest sich wie Hohn, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich daraus auch keine Veränderungen im Verhalten der Bundesregierung oder der Sportförderung ergeben haben.
Für mich persönlich führen wir insofern beim Sportetat oft die falsche Debatte. Es geht oft um Medaillen, darum, welchen Rang wir in einem Medaillenspiegel haben und wie viel an Spitzensportförderungsmitteln uns eine Goldmedaille gekostet hat. Aber wir können uns über eine Goldmedaille doch erst richtig freuen, wenn wir wissen, dass sie nicht auf dem Rücken von jungen Sportlerinnen und Sportlern gewonnen wurde, die physischen oder psychischen Missbrauch erfahren haben.
Abschließend noch ein Wort zum Ehrenamt. Jetzt ist der Vizekanzler nicht da, aber er hat bei der Einbringung gestern den schönen Satz gesagt, dass es „in Deutschland keinen Spaß mehr macht, […] einen Verein zu führen“. Da muss ich widersprechen.
Denn die Erfahrung als SPD-Vorsitzender kann man doch nicht verallgemeinern und auf die Millionen Ehrenamtlichen, die im Land aktiv sind, übertragen.
Dass es Entlastungen braucht, haben wir in diesem Parlament schon in der letzten Legislatur erkannt. Was wir begonnen haben, das wird jetzt weitergeführt. Das ist sehr gut.
Ehrenamt macht Spaß und stiftet Sinn. Die dezentrale Selbstorganisation von Millionen Menschen ist die eigentliche Stärke unserer Gesellschaft.
Gerade deswegen ist unser Appell an die Union und an Sie, Frau Schenderlein: Machen Sie es sich nicht zu leicht mit einem Zwangsdienst! Was ich alles lese: ein Jahr für Deutschland, ein Jahr für Bayern. Sie wollen die Leute zentral verpflichten, sich für die Gesellschaft zu engagieren.
Setzen Sie doch auf Ehrenamt, auf Spaß, auf Begeisterung, auf Dezentralität!
Motivieren Sie die Leute, etwas Sinnvolles für diese Gesellschaft zu tun! Dafür muss sie etwas gerechter werden. Dafür muss klar sein, welchen Mehrwert es hat, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Dann bringen wir auch genügend Freiwillige ins Ehrenamt – für einen Einsatz für unsere Gesellschaft.
Für die Fraktion Die Linke darf ich Christian Görke das Wort erteilen.