Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Zum Schluss noch mal das Beste: die Kultur.
Menschen nehmen über kulturelle Angebote ihre Lebenswelt bewusster wahr und reflektieren so die Veränderungen. Das wird in einer Zeit des rasanten Wandels wichtiger; denn viele Menschen suchen Orientierung. Umso erfreulicher ist, dass der Förderhaushalt des BKM einen deutlichen Aufwuchs erfahren hat.
Mein Heimatland Sachsen ist reich an Kulturstätten. Gerade jetzt, wo Chemnitz die Europäische Kulturhauptstadt ist, und kurz vor dem 35. Jahrestag der deutschen Einheit spürt man das besonders. Diese Ereignisse wecken den Stolz auf die eigene Lebensleistung oder Tradition. Und sie zeigen zugleich, wie vielfältig und reich an kulturellen Einflüssen unser Land inzwischen ist. Das ist gut und eine Kraft, die Zusammenhalt und Zuversicht stärkt.
Ich will an zwei Haushaltstiteln beispielhaft auf den Kulturetat eingehen, die Licht, aber auch Schatten zeigen.
Zum Licht. Absolut erfreulich ist die Entwicklung der Filmförderung. Es kam schon zur Sprache: Sie hat einen Aufwuchs von 122 Millionen Euro erfahren. Diese Fastverdoppelung der Mittel ist ein deutliches Bekenntnis zum deutschen Film und zu mehr Produktionen vor Ort.
Dass man damit auch heute schon erfolgreich sein kann, zeigt aktuell der Film „Das Kanu des Manitu“, der inzwischen sage und schreibe 4 Millionen Gäste in die Kinos zog. Glückwunsch dazu!
– Frau Gräßle, ein besonderer Fan hiervon.
Ich will aber auch sagen: Anderen, kleineren Produktionen und selbst einem Film wie „In die Sonne schauen“ mit Prämierungen in Cannes gelingt das nicht in diesem Maße. Immerhin: Knapp 250 000 Menschen haben den Film inzwischen gesehen. „In die Sonne schauen“ erzählt in ungewohnter Weise, wie sich die Gesellschaft und hier besonders die Situation von Frauen auf dem Land über Generationen verändert haben. Er leistet so einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Reflexion.
Das zeigt aber auch: Neue Formate und Filme, die herausfordern und nicht nur unterhalten, haben es deutlich schwerer. Daher sage ich ganz ausdrücklich: Das System der deutschen Filmförderung ist immens wichtig. Kassenschlager und kleine Arthouseproduktionen finden darin ihren Platz.
Einen zweiten Fördertitel des BKM-Haushaltes, den der Gedenkstätten von überregionaler Bedeutung, möchte ich ansprechen. Bundesbildungsministerin Karin Prien hat kurz nach Amtsantritt gefordert, ein Gedenkstättenbesuch sollte zu jedem Lehrplan und zu jeder Schule gehören, und das unterstützen wir ausdrücklich.
Beschaut man dazu den Haushalt im Detail, muss man aber sagen: Noch tragen die vorliegenden Haushalte dafür unzureichend Vorsorge. Schon heute können die großen Gedenkstätten die Nachfrage nach Zeitzeugengesprächen oder Führungen nicht decken. Die Personalkostenansätze gleichen aktuell die Inflation eben nicht aus, und die baulichen Gegebenheiten sind häufig unbefriedigend. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir einen wahrnehmbaren Impuls setzen wollen, dass „Nie wieder!“ auch wirklich „Nie wieder!“ heißt, dann sollten wir unserer Ambition hier mehr Aktivität folgen lassen.
Meine Damen und Herren, unser kulturelles Erbe ist reich; davon zeugen Sammlungen wie die der Deutschen Nationalbibliothek und unsere großen Galerien und Museen. Aber Tradition ist bekanntlich eben nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weiterreichen der Flamme. Deshalb wünsche ich mir, dass die Haushälter auch für den Kulturetat des BKM Feuer und Flamme sind.
Vielen Dank.