Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Aufhebung des Kooperationsverbotes ist so eine Art politischer Untoter, ein Zombie, der alle paar Jahre aufersteht und dann unseren parlamentarischen Diskurs erneut bereichert. Der Vorredner, Herr Körner, hat im Wesentlichen richtig ausgeführt: Die Kulturhoheit liegt bei den Ländern. Das ist unsere politische DNA in der Bundesrepublik, und das ist gut so; denn es handelt sich um einen Reflex auf das zentralistische Bildungssystem im Nationalsozialismus. Und da sind wir uns wohl alle einig: Das möchte niemand wiederhaben.
Ich hoffe, es betrifft nicht euch auf der Tribüne, aber Deutschland wird leider nicht schlauer. Heute kamen die neuesten Zahlen des IQB-Bildungstrends hereingeschneit: Ein Viertel der Schüler in Klasse 9, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, schaffen die Mindeststandards nicht mehr. Ich übersetze mal, was das bedeutet. Auf Deutsch: Es sind funktionale Analphabeten.
Und jetzt packen Sie die Gießkanne aus mit den Bundesmitteln, die Sie nicht haben, und dann möchten Sie sozusagen die Bildungsrepublik Deutschland geistig bewässern. Aber ich muss Sie enttäuschen: Bildung ist keine Blackbox, wo man einfach oben Geld reinsteckt, und unten kommen dann Wissen und Kompetenzen raus. Das funktioniert nicht.
Wenn Sie es nicht glauben, gehen Sie einfach mal an eine Realschule in Duisburg oder Dortmund, und dann sehen Sie: Die Probleme liegen ganz woanders. Sie haben dort Schüler, die sehr früh mitbekommen, dass Leistung überhaupt nicht zählt. Man muss gar keine Leistung bringen und kann trotzdem vorrücken. Fehlverhalten wird kaum geahndet. Und dann werden die Lehrkräfte vielleicht auch schon mal an die neuen Smartboards gedrückt, und dann müssen die digitalen Displays schnell ersetzt werden. Schlimmer ist es vielleicht noch am Berufskolleg in Essen. Da wurden sogar die Messer gezückt, und eine Kollegin wurde lebensgefährlich verletzt. Da hilft dann eben auch die Aufhebung des Kooperationsverbotes nicht mehr.
Was es braucht, sind starke Lehrer, klare Regeln und – jetzt müssen Sie ganz stark sein – Disziplin.
Denn ohne Disziplin werden Sie weder unregelmäßige Verben in Französisch lernen noch Sachtextanalyse noch Differenzialrechnung.
Zur Wahrheit gehört auch: Vielfalt ist auch nicht immer eine Chance. Wenn Sie Schulklassen haben mit 60, 70, 80 oder 90 Prozent Migranten,
dann erreichen Sie, Herr Stegner, die Bildungsziele nicht mehr. Aber in einem Punkt haben Sie recht: Ihr Antrag wird tatsächlich möglicherweise – wenn er Wirklichkeit würde, was ja wahrscheinlich nicht der Fall ist – regionale Disparitäten einebnen. Was heißt das? Wahrscheinlich nicht die Wiederauferstehung von Athene, sondern Gelsenkirchen für alle in ganz Deutschland. – Nein danke, das kann weg.
Vielen Dank.
Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Martin Rabanus von der SPD.