Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Hilse hat zu Anfang davon gesprochen – das macht die AfD im Übrigen sehr oft –, dass die Wissenschaft wieder frei werden sollte in Deutschland. Man hat aber bei seinem Redebeitrag genau gemerkt, dass es darum geht, nur die Wissenschaft zu akzeptieren, die man selber auch annehmen möchte. Und das ist das Problem, wenn Autokratinnen und Autokraten in die Regierung gehen würden.
Eine demokratische Republik setzt sich für die Freiheit von Bürgerinnen und Bürgern ein, und zwar jeden Tag.
Herr Krauthausen, Sie waren ja mal Energieberater.
Ich kann nur sagen: Das ist ein Segen für alle Hausbesitzer, die sich dafür interessieren, nachhaltige Energieformen einzusetzen.
Ich möchte auch, verehrte Damen und Herren, zum Argument von Herrn Krauthausen hinsichtlich der Klimakonferenz aufklären: Herr Hilse fliegt auch zur Klimakonferenz, und das nicht zum ersten Mal.
Liebe Frau Badum, ich möchte auch Ihnen etwas sagen. Sie haben Ihre Rede heute leider mit der von gestern verwechselt, in der es um die Automobilindustrie ging. Ich finde es schon sehr fatal, dass Sie die Industrie in Deutschland für das Korallensterben verantwortlich machen. Das ist schon ein starkes Stück.
Das Absterben der Korallenriffe ist keine Ferndiagnose mehr, sondern eine greifbare Gegenwart. Diese Ökosysteme sind laut dem Global Tipping Points Report 2025 irreversibel zerstört bzw. akut bedroht.
Die Korallen verlieren Farbe, Struktur und damit ihr Leben, und mit ihnen das ganze Ökosystem, das ihnen Halt gibt. Diese Zeichen sind kein Zufall, sondern fraglos auch das Ergebnis des menschengemachten Klimawandels.
Korallen mögen klein erscheinen, doch sie sind die Regenwälder der Meere. Sie bilden komplexe Strukturen, in denen Tausende von Arten Schutz finden, in denen Nahrung wächst und Biodiversität gedeiht. Sie sind Lebensraum für 25 Prozent aller Meeresarten, nehmen aber nur weniger als 1 Prozent der ozeanischen Fläche ein. Ihre Aufgabe geht weit über Schönheit hinaus. Sie sind Lebensräume, schützen Küsten vor Wellen und Erosion und tragen entscheidend zur Kohlenstoffspeicherung in der maritimen Umwelt bei.
Meine Damen und Herren, jährlich nehmen unsere Meere etwa 20 bis 30 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen auf. Wir müssen unsere Meere und unsere Ozeane schützen; das ist doch klar. In Deutschland arbeiten wir mit Hochdruck daran. Das Umweltministerium leistet Großes zum Meeresschutz: Der Schutz der Hochsee wird gestärkt, der Plastikvermüllung unserer Meere wird der Kampf angesagt, wir stellen uns gegen den Tiefseebergbau und unterstützen dementsprechend das internationale Engagement. Unser Bundesminister Carsten Schneider setzt sich kraftvoll dafür ein, Meeresschutz in höchster Priorität zu halten. Ich erinnere nur an die UN Ocean Conference in Nizza. Sein Engagement zeigte, wie ernst wir die Erhaltung unserer Meere nehmen, sowohl in nationaler Politik als auch in internationaler Verantwortung. Vielen Dank in diesem Sinne an Carsten und auch an Carsten Träger auf der Regierungsbank.
Wir sind in der UN-Ozeandekade und arbeiten daran, die Ziele für Meeresschutz, nachhaltige Nutzung und Klimagerechtigkeit voranzutreiben. Doch Klimaschutz bleibt hier die entscheidende Größe. Ohne ambitionierte Emissionsreduktionen, ohne Investitionen in grüne Technologien und nachhaltige Infrastruktur wird kein Schild den Kipppunkt dauerhaft aufhalten können. Auch hier gehen wir voran, investieren, beschleunigen mit Augenmaß, mit sozialem Ausgleich, mit dem Werben um Akzeptanz, aber mit klaren Ausrichtungen. Wir müssen nach vorne schauen. In der Vergangenheit finden wir keine Antworten für unsere Zukunft. Diese wollen wir, bezogen auf die Korallen, meine Damen und Herren, auf jeden Fall bunt und nicht bleich gestalten.
Unsere Augen ruhen auf den Weiten der tropischen Ozeane und genauso auf der stillen Schönheit der Antarktis und der Arktis. Wir müssen ihr Schicksal in unsere Hände nehmen. Ihr Schutz zählt jetzt; das wissen wir. Darum handeln wir. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass mit dem Antrag zur Aktuellen Stunde von den Grünen das Sterben der Korallen ernst genommen und wertgeschätzt worden wäre.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Für die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat nun das Wort die Abgeordnete Dr. Julia Verlinden.