Ich warte noch einen kleinen Moment.
Danke schön. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir sprechen heute angesichts des großen Jubiläums der UN-Resolution zum Thema „Umsetzung der Frauenrechte“. Ich möchte ein bisschen Feuer aus dieser Debatte nehmen, liebe Frau Brugger, und Ihnen konstruktiv und sachlich auf Ihre Argumente antworten. Wir, die CDU/CSU-Fraktion, freuen uns, dass wir heute die Gelegenheit nutzen können, unsere Leitlinien für die Außenpolitik in diesem Zuge noch einmal vorstellen zu dürfen.
Selbstverständlich stehen wir uneingeschränkt hinter den Zielen der UN-Resolution, auch nach 25 Jahren.
Minister Wadephul und sein Ministerium haben den vierten Nationalen Aktionsplan hierzu bereits in Abstimmung und werden diesen bald hier vorstellen, um die Ziele der UN-Resolution weiterzuverfolgen und möglichst umzusetzen.
Aber zu Ihrem Antrag, meine Damen und Herren. Darin geht es zwar um die UN-Resolution, aber Sie gehen in Ihren Forderungen nicht auf die Forderungen der Resolution ein, sondern vermehrt auf Forderungen zur feministischen Außenpolitik. Das ist einfach nicht die Linie der CDU/CSU, und ich sage Ihnen auch, warum.
Ich stehe nicht in Verdacht, den Grünen fernzustehen. Ich war Landtagsabgeordnete in Rheinland-Pfalz, hatte sehr gute und freundschaftliche Beziehungen zu den Grünen und habe dort 14 Jahre lang Gleichstellungspolitik gemacht. Als Annalena Baerbock ins Amt gekommen ist, habe ich sie als Außenministerin, als erste Frau in diesem Amt begrüßt und ihr viel Glück in dieser Zeit gewünscht. Aber nach fast vier Jahren in diesem Amt müssen wir sehen: Die Vertreter feministischer Außenpolitik und auch alle Organisationen, die in Deutschland damit in Verbindung standen, haben es nicht geschafft, mit diesen Prinzipien im Ausland zu überzeugen. Organisationen wie CFFP, die die Ministerin unterstützt haben,
und die Ministerin selbst haben gemerkt: Man stößt mit dieser Vorgehensweise an Grenzen, weil Machthaber autokratische Strukturen verfolgen und nicht an den Verhandlungstisch wollen und nur reden wollen.
Deshalb sind wir als CDU/CSU zu einer interessengeleiteten Außenpolitik zurückgekehrt, meine Damen und Herren,
die sich auf die Realität stützt und nicht auf eine schöne Utopie, die wir vielleicht alle gerne hätten, die es aber leider einfach nicht gibt. Mit dieser interessengeleiteten Außenpolitik steht für uns ein Dreiklang im Mittelpunkt, nämlich der Dreiklang aus Freiheit, Sicherheit sowie Chancengleichheit und Teilhabe.
Diesen setzen wir jetzt auch konsequent um.
Wir unterstützen im Rahmen der Freiheitsdebatte viele mutige Menschen auf der Welt, Frauen wie Männer, die zum Beispiel in der Ukraine und an anderen Orten gerade für die Freiheit und die Demokratie nicht zuletzt für ganz Europa kämpfen.
Zum Thema Sicherheit. Wir stützen mit Einsätzen im Rahmen verschiedener Mandate auf EU- und auch auf NATO-Ebene die Sicherheit in der Welt. Und ja, da haben wir in der Vergangenheit vielleicht auch Fehler gemacht, über die es nachzudenken gilt, wie zum Beispiel in Afghanistan, Frau Brugger. Das gebe ich zu; diesen Punkt sprechen Sie zu Recht an. Da müssen wir zukünftig sehen, wie wir das besser machen können. Aber insgesamt ist es der richtige Weg, mit Friedensmissionen zum Frieden auf der Welt beizutragen und damit auch zur Teilhabe von Frauen.
Zum dritten Punkt, Teilhabe und Chancengleichheit. Über Teilhabe und Chancengleichheit in Ländern, in denen wir zum Beispiel über die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik mit Soft Power wirken, stellen wir sicher, dass die Gesellschaften dort gestärkt werden, die Demokratien gestärkt werden, Oppositionelle – Frauen wie Männer – in diesen Ländern unterstützt werden. So kommen wir zu mehr Teilhabe auch von Mädchen und Frauen in diesen Ländern.
Von diesem Konzept sind wir als CDU/CSU überzeugt. Sie fragten eben: Welches Konzept haben wir? Wir haben dieses Konzept, weil wir denken, dass wir über diesen Ansatz der Diplomatie bessere Ergebnisse erzielen können als nur mit feministischer Außenpolitik.
Deshalb werden wir in diesem Sinne konsequent für die in der UN-Resolution definierten Ziele eintreten – mit klarem Kompass, mit mehr als nur Schlagworten, nämlich mit gezielten Aktionen für Freiheit, Sicherheit und Teilhabe von Frauen und Mädchen in der Welt.