Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vier Stunden Generaldebatte haben wir jetzt hinter uns, und wir haben über die großen tagespolitischen und strukturellen Herausforderungen unseres Landes gesprochen. Zum Abschluss möchte ich den Blick aber noch etwas weiten; denn manchmal frage ich mich, was wohl Menschen in 100 Jahren über uns sagen werden.
Ob sie sehen, dass wir erkannt haben, wie ernst die Lage ist, oder dass wir gezögert haben, obwohl die Wirklichkeit uns längst eingeholt hatte?
Wir leben in einer Zeit, in der der Klimawandel kein Zukunftsthema mehr ist, sondern den Alltag vieler Menschen prägt. Und trotzdem stehen wir an einem Punkt, an dem die Richtung stimmt, aber der Abstand zum Ziel noch viel zu groß ist. Die neue Prognose von 2,8 Grad Erwärmung ist dafür ein Sinnbild.
Sie ist zu hoch, um Entwarnung zu geben, aber sie liegt niedriger als im vergangenen Jahr. Das heißt: Die Welt bewegt sich, und sie bewegt sich, weil Politik wirkt, aber eben nicht schnell genug. Das wurde auch bei der Klimakonferenz in Brasilien deutlich. Ich war dort und habe erlebt, wie eng Fortschritt und Frustration beieinanderliegen. Ein echter Fortschritt ist der Fonds zum Schutz der Regenwälder, ein gemeinsames Projekt von Ländern des Globalen Südens und des Globalen Nordens. Deutschland übernimmt dabei Verantwortung.
Ich möchte ausdrücklich sagen: Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan haben in Belém Haltung gezeigt. Genau so braucht es Deutschland auf der Weltbühne.
Aber Belém hat auch gezeigt, wie viele Staaten zwar wissen, was notwendig ist, aber trotzdem bremsen. Ein verbindlicher Ausstieg aus fossilen Energien wurde von einigen wenigen öl- und gasexportierenden Staaten blockiert. Das ist bitter, und es zeigt, dass wir hier zu Hause schneller und gerechter handeln müssen, wenn wir global glaubwürdig bleiben wollen. Denn Klimapolitik ist kein Projekt für idealisierte Durchschnittsbürger, sie trifft Menschen, die sehr unterschiedlich leben. Wer ein gutes Einkommen hat, wohnt oft in einem modernen Gebäude und kann investieren. Wer wenig hat, lebt in alten Wohnungen mit hohen Heizkosten und hat kaum Spielraum. Mieterinnen und Mieter können nicht selbst entscheiden, wann saniert wird. Menschen auf dem Land brauchen das Auto, weil es oft keine Alternative gibt. So sieht es in Deutschland aus, und genau deshalb braucht es eine Klimapolitik, die sozial gerecht ist.
Im Haushalt 2026 setzen wir dafür wichtige Akzente: sozialgestaffelte Förderung, Unterstützung für Wärmenetze, Mittel für Klimaanpassung. Ja, es ist richtig und wichtig, dass diese Bundesregierung investiert; denn ohne diese Investitionen wären die Lasten für viele Menschen kaum tragbar. Ohne Investitionen würden wir weder gerechter noch schneller.
Was ich auch aus Belém mitgenommen habe, ist ein Gefühl von gemeinsamer Verantwortung. Menschen aus völlig unterschiedlichen Ländern, mit völlig unterschiedlichen Ausgangslagen – und trotzdem arbeiten sie zusammen, weil sie wissen, dass niemand diese Aufgabe allein stemmen kann. Dieses Gefühl brauchen wir auch hier; denn gerechte Klimapolitik schützt Existenzen, schafft gute Arbeit.
Herr Abgeordneter, zum Ende kommen müssen Sie jetzt allein.
Sie sorgt für bezahlbare Energie, und sie hält unser Land zusammen.
Vielen Dank. – Die letzte Rednerin in dieser Aussprache ist Bettina Lugk von den Sozialdemokraten.