Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zehn Jahre nach Paris merken wir: Das Klima ist nicht nur ein Thema für politische Gipfel, sondern auch für unseren Alltag. Wir sehen es anhand vertrockneter Wälder, des Hochwassers, das Keller flutet, der Ernten, die Landwirtinnen und Landwirten Sorgen machen. Es geht also nicht um abstrakte Szenarien, sondern darum, ob Kinder heute noch unbeschwert draußen spielen können und ob wir morgen noch die gleichen Möglichkeiten haben werden wie unsere Eltern.
Vor zehn Jahren haben die Staaten der Welt versprochen, die Erderwärmung zu begrenzen – nicht weil es gut klingt, sondern weil es um unser gemeinsames Zuhause geht. Und dieses Versprechen gilt.
Als Land, das wirtschaftlich stark ist und technologisch viel kann, haben wir die Verantwortung, zu zeigen: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke passen zusammen, wenn wir Politik nicht nur für Märkte machen, sondern auch für die Menschen.
Und genau hier, liebe Kolleginnen und Kollegen, wird unser gemeinsamer Antrag konkret.
Wir sagen erstens: Versprechen müssen eingelöst werden. Viele Länder im Globalen Süden tragen kaum zur Erderwärmung bei und stehen trotzdem bis zum Hals im Wasser. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Industriestaaten die zugesagten Mittel für Klimaschutz und Anpassung endlich gemeinsam mobilisieren – nicht als Wohltat, sondern als Frage von Verantwortung und Respekt.
Wir sagen zweitens: Der Weg raus aus Kohle, Öl und Gas muss gerecht sein. Das heißt: Wir unterstützen Länder, die ihre Industrie umbauen wollen – mit Technologie, mit Ausbildungsangeboten, mit Partnerschaften, die auf Augenhöhe funktionieren. Kein „Wir wissen es besser“, sondern ein „Wir machen es gemeinsam“.
Wir sagen drittens: Wir schützen das, was uns schützt. Die Regenwälder am Amazonas und im Kongobecken sind nicht nur ferne Landschaften; sie sind Klimaanlage, Wasserspeicher und Heimat für Millionen von Menschen. Wir sagen deshalb ausdrücklich: Der Schutz der Regenwälder geht nur mit denen, die dort leben – mit indigenen Gemeinschaften, nicht gegen sie.
Wir sagen viertens – liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist an diesem Tag aktueller denn je –: Europa muss stark bleiben, wenn wir überzeugen wollen. Ein EU-Klimaziel für 2040 wird nur funktionieren, wenn wir es so gestalten, dass gute Arbeit erhalten bleibt, Wertschöpfung in unseren Regionen entsteht und niemand Angst haben muss, abgehängt zu werden.
Deshalb legen wir Wert darauf, dass Einnahmen aus Klimaschutzmaßnahmen in Entlastung, in Investitionen vor Ort und in Zukunftsarbeitsplätze fließen. Das ist der Kern: Wir verbinden internationale Verantwortung mit sozialer Sicherheit zu Hause. Die Klimakonferenz in Belém wird deshalb nicht nur daran gemessen, welche Zahl am Ende im Papier steht, sondern auch daran, ob wir einander etwas zutrauen. Es ist ein Moment, in dem wir zeigen können: Wir lassen niemanden allein – nicht die Länder im Globalen Süden, nicht die Menschen bei uns zu Hause. Darauf kommt es an.
Vielen Dank.
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Karsten Hilse.