Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich vor – das kennt jeder von uns –, es ist Samstag Abend, das Kind glüht vor Fieber und die Fiebersaftflasche ist leer. Oder denken Sie an den älteren Herrn, der unsicher ist, ob sich seine neuen Tabletten mit den alten vertragen. Genau in diesem Moment ist die Apotheke in der Nähe nicht einfach nur ein Geschäft, sondern ein Anker. Sie ist der Ort, an dem Kompetenz auf Empathie trifft.
Die Vor-Ort-Apotheken leisten eine unverzichtbare Arbeit. Sie bieten einen barrierearmen, niedrigschwelligen Zugang zu unserem Gesundheitssystem, wie ihn kaum eine andere Institution schafft. Und sie sind sogar noch mehr als das: Sie sind soziale Begegnungsstätten; das kann ich durchaus auch von der Apotheke in meinem eigenen Ort sagen. Wer dort wartet, kommt ins Gespräch; dort wird zugehört, dort wird mitgefühlt. In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt unter Druck gerät, leisten Apotheken damit eben auch einen Beitrag zur Demokratie.
Deshalb ist für die SPD-Fraktion klar: Wir müssen und wir werden die Apotheken flächendeckend erhalten.
Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf modernisieren wir die Rahmenbedingungen, um genau diese flächendeckende Versorgung zukunftssicher zu machen. Wir reagieren auf den Fachkräftemangel und den wirtschaftlichen Druck und sorgen dafür, dass der alte Herr Hilfe findet, auch wenn sein Apotheker vielleicht gerade im Urlaub ist.
Ein Herzstück der Reform ist die Stärkung der Prävention. Wir wollen, dass Apotheken noch stärker zu Gesundheitslotsen werden. Wir bauen die pharmazeutischen Dienstleistungen aus. Apotheken sollen künftig noch aktiver in die Präventionsberatung eingebunden werden, sei es bei Screenings, bei der Impfberatung, beim Impfen selbst oder beispielsweise bei der Tabakentwöhnung. Wir ermöglichen die Durchführung von einfachen Gesundheitstests, etwa zur Früherkennung von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Apotheken sind schon heute ein entscheidender Baustein, um die Gesundheitskompetenz und auch die Erste-Hilfe-Kompetenz unserer Bürgerinnen und Bürger zu stärken.
Wenn der Apotheker oder die Apothekerin beim Einlösen des Rezepts kurz erklärt, worauf es bei der Einnahme wirklich ankommt, ist das gelebte Sicherheit für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Das kann eben keine Onlineapotheke. Das muss jedem auch bewusst sein.
Wir können viel über Einzelheiten debattieren, über Versandapotheken, Fixum, Rabattverträge oder auch die Kompetenzrangeleien der einzelnen Berufsgruppen. Ich könnte auch noch viel mehr über diesen Entwurf sprechen, über die pharmazeutischen Dienstleistungen, die Zweigapotheken oder auch die Flexibilisierung der Präsenzpflicht. Am Ende geht es aber – das unterstelle ich mal uns allen – doch nur um die sichere gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger. Diesen Anspruch habe ich als Berichterstatterin für meine Fraktion. Diesen Anspruch haben wir, glaube ich, alle.
Frau Abgeordnete.
Ich freue mich auf die Diskussionen im Ausschuss und die Anhörung in der nächsten Woche.
Vielen Dank.
Ich darf Dr. Paula Piechotta von Bündnis 90/Die Grünen das Wort erteilen.