Wer sich selbst nichts zutraut, lässt viele Chancen ungenutzt. Gerade Frauen erleben das immer wieder – nicht weil es ihnen an Fähigkeiten fehlt, nein, ganz und gar nicht, sondern weil sie durch Strukturen, Erwartungen und vor allem auch Rollenbilder immer wieder signalisiert bekommen haben: Das ist nichts für dich. – Ich selbst habe das in meinen 24 Jahren als Berufssoldatin bei der Bundeswehr auch immer wieder miterlebt – als eine der ersten Frauen im Dienst an der Waffe. Als Frau, da musste ich immer den weiteren, den steinigeren, auch den längeren Weg gehen. Wissen Sie was? Ich habe dabei etwas entdeckt, was jede Frau auf diesem Weg entdeckt: meine Stärke und unheimlich viel Ausdauer.
Im Jahr 2000 entschied der Europäische Gerichtshof mit dem Kreil-Urteil, dass Frauen Zugang zu allen militärischen Bereichen haben müssen. Was für ein Meilenstein! Ein enormer Meilenstein. Seitdem übernehmen so viele Soldatinnen Verantwortung, prägen Strukturen und sind unverzichtbare Vorbilder für uns alle.
Doch ein Frauenanteil von 13 Prozent zeigt: Offener Zugang allein reicht nicht aus. Es braucht echte Integration, es braucht faire Aufstiegschancen, aber auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Dienst und gelebte Akzeptanz.
Dabei wird Vereinbarkeit von Familie und Dienst oft als Hemmnis für Einsatzbereitschaft erklärt. Ich bin vom Gegenteil überzeugt! Vereinbarkeit von Familie und Dienst stärkt Truppe, stärkt Gesellschaft. Je besser die Rahmenbedingungen sind, desto mehr Frauen entscheiden sich auch für diesen Weg. Je mehr Frauen wir für die Bundeswehr gewinnen können, desto einsatzbereiter, stärker und auch resilienter werden wir.
Die Bundeswehr ist aber kein Sonderfall, ich nehme sie nur als Beispiel. Sie ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Strukturen, Ausrüstung und Karrierewege sind schlichtweg jahrzehntelang nicht für Frauen ausgelegt gewesen und nach wie vor an vielen Stellen von traditionellen Rollenbildern geprägt. Frauen werden nicht durch ihre Fähigkeiten oder durch ihre Natur begrenzt – gar nicht! –, sondern durch die Bedingungen und Strukturen, unter denen sie sozialisiert wurden. Ich wurde ganz anders erzogen. Mir stand die Welt frei. Meine Eltern haben mir alles zugetraut.
Die Aufgabe von uns Politikern ist es, Gleichberechtigung zu gestalten, besonders in Familien, in Berufen und auch in der Gesellschaft. Wir alle können davon profitieren, wenn die alten Strukturen aufgebrochen werden. Wir schaffen dadurch eine faire, gerechte und, wie ich finde, auch eine deutlich friedlichere Welt. Aber Rechte allein genügen nicht. Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken.
Liebe Frauen da draußen und auch hier drin, hören Sie mir ganz genau zu! Wir leisten jeden Tag Unglaubliches. Wir übernehmen Verantwortung. Wir gestalten Unternehmen. Wir engagieren uns gesellschaftlich.