Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesraumfahrtministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich finde, das war jetzt ein schöner Beitrag, um zu sehen, wie man die hohe Dynamik einer Branche, eines Industriezweiges, einer Schlüsseltechnologie sowie die Wertschöpfung und die Innovationskraft, die von privaten Unternehmen ausgeht, verunglimpfen kann. Da muss ich sagen: Wer das gegeneinander ausspielt, der denkt nicht sozial, der denkt nicht strategisch, der denkt, ehrlich gesagt, zu klein für die Herausforderungen dieses Landes, Frau Kollegin.
Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben: Wir sind in einer schweren wirtschaftlichen Situation – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.
Wohlstand fällt nicht vom Himmel. Er entsteht durch Technologie; er entsteht durch Wertschöpfung; er entsteht durch Wettbewerbsfähigkeit. Und da ist Raumfahrt keine Nebensache, sondern Teil unserer wirtschaftlichen und sozialen Zukunft.
Das ist, ehrlich gesagt, auch Ihr Denkfehler. Sie sagen: Wir müssen uns zwischen sozialer Verantwortung und industrieller Stärke entscheiden. – Dieser Gegensatz ist ausdrücklich falsch: ohne Innovation kein Wachstum, ohne Wachstum kein Wohlstand, ohne Wohlstand kein starker Sozialstaat. Das heißt: Wer Raumfahrt kleinredet, der redet nicht über kluge Prioritäten, der redet über weniger Souveränität, der redet über weniger Wertschöpfung und am Ende auch über weniger Verteilungsspielraum.
Raumfahrt, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist keine Spielerei für gute Zeiten. Sie ist strategische Infrastruktur. Sie entscheidet mit darüber, ob wir in zentralen Zukunftstechnologien selbst handlungsfähig bleiben oder ob wir von anderen abhängig werden. Wir haben heute schon viel über die konkrete Anwendung und die strategische Bedeutung von Raumfahrt gehört, auch von der Bundesministerin. Wenn man aber schaut, was dahintersteht, dann sieht man, dass hinter diesen Raketenprogrammen und Abkürzungen Menschen stehen: Menschen, die gründen, die Verantwortung übernehmen wollen, Menschen, die aus Forschung Wertschöpfung machen. Es geht also um Gründerinnen und Gründer, die Mut haben und Risiken eingehen, neue Unternehmen aufzubauen.
Es geht am Ende auch um junge Menschen, die sich fragen, ob sich technischer Ehrgeiz und Erfindergeist in Deutschland noch lohnen. Wir haben die Antwort der Linken dazu gerade bekommen. Sie wollen ausdrücklich, dass sich das nicht mehr lohnt. Deshalb liegt doch die eigentliche politische Botschaft in etwas anderem: Wenn wir über Raumfahrt reden, reden wir nicht nur über Technologie. Wir reden über Aufstiegschancen, über Gründergeist und über den Mut, etwas Neues zu schaffen.
Raumfahrt hat übrigens noch eine weitere Bedeutung – das ist in der Debatte schon ein bisschen herausgearbeitet worden –, die wir bislang unterschätzen. Das ist die Begeisterungsfähigkeit. Diese Begeisterung ist mehr als Faszination. Sie weckt Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und sie bringt junge Menschen dazu, sich mit Physik, Daten, Software, Maschinenbau und Forschung zu beschäftigen.
Wenn ich daran denke, dass sich heute das Nationale MINT-Forum trifft, dann muss ich sagen: Wer Raumfahrt stärkt, der stärkt am Ende die Begeisterung für MINT. Und damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Bildungsstandort Deutschland, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Wenn wir wollen, dass sich mehr junge Menschen für Forschung, für Entwicklung und für Gründungen in Deutschland interessieren und am Ende Verantwortung im Bereich von Zukunftstechnologien übernehmen, dann müssen wir die Raumfahrt stärken. Wir dürfen sie nicht weiter kleinreden. Das bedeutet:
Erstens. Wir müssen das hohe Tempo, das wir in der Raumfahrt haben, aufrechterhalten. Eine junge Branche darf nicht durch staatliche Trägheit ausgebremst werden, bevor sie überhaupt skalieren kann.
Zweitens. Das bedeutet: so wenig Regulierung wie möglich, so viel Planbarkeit wie möglich. Wer mit Startfenstern plant, wer mit Investoren und Lieferketten arbeitet, braucht keinen Staat, der bremst, sondern einen, der ermöglicht.
Drittens. Das bedeutet auch, dass wir den Staat stärker als Ankerkunden brauchen. Wer einen Markt aufbauen will, der muss Nachfrage schaffen. Das ist gerade dann wichtig, wenn es um Startkapazitäten und Kommunikation geht. Da kann der Staat der entscheidende Hebel sein; das ist Gott sei Dank auch im Koalitionsvertrag klar angelegt. Es ist entscheidend, dass alle Beteiligten ihre Verantwortung auch wahrnehmen.
Viertens und letztens. Wir müssen Raumfahrt als das begreifen, was sie ist, nämlich als Industriepolitik, als Bildungspolitik, als Sicherheitspolitik und als Zukunftspolitik in einem. Entscheidend wird aber sein: Raumfahrt wird nur dann die dauerhafte gesellschaftliche Akzeptanz haben, wenn wir ihren Nutzen besser erklären. Menschen verbinden damit noch immer vor allem Raketenstarts und ferne Missionen. Sie müssen verstehen – wir müssen es ihnen erklären –, dass es kein Selbstzweck ist, sondern ein Werkzeug für Sicherheit, Innovation und Wohlstand.
Deshalb: Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns Raumfahrt leisten können. Die entscheidende Frage lautet, ob wir es uns leisten können, bei einer solchen Schlüsseltechnologie nur Zuschauer zu sein.
Wer heute in Raumfahrt investiert, der investiert nicht in Prestige oder schöne Bilder, sondern in Sicherheit, Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze, vor allem aber in die Fähigkeit eines Landes, die Zukunft nicht nur zu bestaunen, sondern sie auch selbst zu gestalten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns nicht nur staunen, lassen Sie uns in echt gestalten! Ich glaube, das können wir.
Herzlichen Dank.